Informationsseite über die analoge Fotografie mit vielen Hinweisen und Tipps

Der Wehner-S/W-Negativentwickler: Vorstellung und Vergleich

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit dem S/W-Negativ-Entwickler „Wehner-Entwickler“. Der Hersteller gibt an, dass dieser sowohl ein sehr feines Korn erzeugt, dabei gleichzeitig überdurchschnittlich scharfe Negative entwickelt. Dies ist hier tatsächlich der Fall.

Dieser Artikel erscheint im Bereich Das Negativ und ist mit verschlagwortet.

Werbung

Vor nicht wenigen Jahrzehnten hatten es die Hersteller von Fotochemie einfacher: Die Vorschriften hinsichtlich Umwelt- wie aber auch Gesundheitsschutz waren laxer ausgelegt, als es heute der Fall ist. Man konnte also aus einem breiteren Spektrum an Chemikalien schöpfen, man konnte damals theoretisch bessere Negativentwickler auf dem Markt positionieren. Die Firma Agfa – die ja nun längst verblichen ist – bot viele Jahre lang den berühmten „Atomal“ an: In der ursprünglichen chemischen Zusammensetzung gelang es damit, sowohl ein sehr feines Korn zu entwickeln bei gleichzeitig hoher Schärfe. Beides zusammen (sehr feines Korn und hohe Schärfe) werden die meisten Feinkornentwickler vermutlich nicht mehr in dieser Qualität liefern können („Atomal“ wird heute in einer offenbar anderen Zusammensetzung angeboten). Wer im Mittelformat fotografiert, für den spielt dies keine so große Rolle. Ich belichte jedoch mitunter auch Kleinbildfilme und hier ist es durchaus ratsam, sich etwas mit verschiedenen S/W-Negativ-Entwicklern auseinander zu setzen. Hier geht es jedoch – wohlgemerkt – um Feintuning.

der Wehner-Entwickler für Negative

Der Wehner-Entwickler wird von Klaus Wehner hergestellt. Man kann diesen direkt bei ihm via E-Mail (klaus.wehnerÄTTZEICHENweb.de) erwerben.

Da ich mich nun überhaupt nicht mit Chemie auskenne, erlaube ich mir, die Sache eher salopp anzugehen: Klaus Wehner hat es mit seinem Entwickler geschafft, dass sich dessen Eigenschaften sehr nah an denen des ursprünglichen Atomals positionieren. Die Ergebnisse damit sind feinkörnig (das können andere auch), gleichzeitig jedoch schärfer als es bei meinem bisherigen Favoriten für Kleinbildfilm (Pyro 510) der Fall ist. Hierzu hatte ich einen Vergleich angefertigt, dazu später mehr.

Beispielbilder

Zunächst möchte mein Testfilm jedoch entwickelt werden:

einen S/W-Entwickler ansetzen

Natürlich wissen Sie bereits, wie man einen S/W-Film entwickelt. Dieser Artikel, den Sie gerade lesen, beschäftigt sich bereits mit Details. Wer auf eine hohe Qualität bei der Negativ-Entwicklung Wert legt, sollte seinen Arbeitsplatz entsprechend einrichten: Ich befestige meinen Spickzettel mit den Entwicklungsangaben am Badezimmerspiegel, das Thermometer ist griffbereit positioniert (und rollt auch nicht weg), die Stoppuhr ist fest montiert. Der Wehner-Entwickler kommt in zwei Konzentrat-Flaschen. Davon muss je ein Teil entnommen- und mit Wasser vermischt werden. Dann hat man seine Arbeitslösung (den Einmalentwickler, den man nach der Entwicklung wegkippen kann / sollte).

Film hängt zum Trocknen

Mein Testfilm war schnell entwickelt und hängt hier zum Trocknen in der Dusche.

Ich hatte einen Tmax 400 Kleinbildfilm mit dem Wehner-Entwickler entwickelt. Bei anderen Filmen und / oder anderen Formaten ergeben sich vielleicht ganz andere Ergebnisse / Erkenntnisse. Im Mittelformat ist das Thema Feinkörnigkeit nicht so relevant wie im Kleinbild und man braucht hier nicht wie ein Ingenieur mit der Lupe ins Detail gehen.

Beispiel Wehner-Entwickler

Für meine Testaufnahmen hatte ich mich eines schönen, trüben Tages mit meiner Kleinbildkamera einem Sujet zugewandt, welches mich schon seit einiger Zeit interessiert:

Brachen in der Stadt

In der Stadt, in welcher ich derzeit lebe (Leipzig), gibt es noch so manch Stadtbrache: Dies sind innerstädtische Flächen, auf welchen einst Fabriken standen. Bis zum Anfang der 1990er Jahre war die Industrie hier noch direkt neben den Wohnhäusern angesiedelt. Diese Fabriken sind nun entweder in schöne Wohn-, Geschäfts- oder Ateliergebäude umgewandelt worden. Oder sie wurden in den letzten Jahren eben abgerissen: Diese Brachen schlafen, sie wirken mit ihrem Wildwuchs geheimnisvoll und seltsam inmitten der City. Ich habe ein kleines Problem mit dem „Knipsen“: Ich versuche – selbst für solch einen Testfilm – konzeptionell zu fotografieren. Ich hatte hierzu übrigens einmal einen Artikel verfasst → Besser fotografieren mit Fotoserien.

Foto mit einem Feinkornentwickler

Wenn man für solch ein Sujet (viele kleine Details) einen Kleinbildfilm nutzt und dazu noch einen ISO-400-Film (= eher grobkörnig), sollte man für die Entwicklung zu einem Feinkornentwickler greifen. Der Wehner-Entwickler verspricht, dass er dazu schärfer abbildet als viele anderen Feinkornentwickler. Dies schaue ich mir gleich im Vergleich an.

ein Beispielfoto mit dem Wehner-Entwickler

ein Shift-Objektiv

Die Beispielbilder hatte ich mit meinem 35mm-Shift-Objektiv aufgenommen.

Ein weiteres Beispielfoto mit dem Wehner-Entwickler: Diese Bilddatei ist 730 Pixel breit. Für einen tatsächlichen Vergleich taugt sie nicht: Das Negativ hätte so auch mit jedem anderen Feinkorn-Negativentwickler entwickelt sein können. Natürlich weisen hier die Lichter (der Himmel) und die Schatten die gewünschte Tonalität auf. Falsch machen kann man hier nichts. Für solche kleinen Vergrößerungen braucht man jedoch auch keinen speziellen Entwickler. Interessanter wird es dann jedoch, wenn man von diesen (kleinen) Negativen Vergrößerungen größer als 18 x 24 cm anfertigen möchte.

Werbung

Foto entwickelt in Wehner-Entwickler

Auch hier stand bis vor kurzem noch eine Fabrikruine. Hinter den Büschen saßen tatsächlich einige Chlochards am Lagerfeuer, die mir zuwinkten, als sie die Kamera sahen. Aber ich konzentrierte mich hier doch eher aufs sachliche Terrain.

Jetzt möchte ich aber etwas mehr ins Detail gehen:

Schärfe von einem S/W-Film

Auf dem historischen Friedhof steht diese schöne Jugendstilskulptur. Diese hat nun nichts mehr mit meinem fotografischen Konzept zu tun. Ich wollte sie aber schon immer einmal ablichten:

Detail von Schärfe auf dem Foto

ein Kodak T-MAX S/W-Film

Für meine Testaufnahmen nutzte ich den T-Max 400 in der Kleinbildkamera. Er bietet – dank besonders feinem Korn – praktisch alles, was ein klassischer ISO 100 Film kann, ist aber um zwei Blenden empfindlicher, wodurch dann häufig auf ein Stativ verzichtet werden kann.

Es soll demonstriert werden, wie der Tmax 400 im Wehner-Entwickler ausschaut, wenn man mit der Nase etwas näher an solch eine Fotografie heran geht. Sie können auf diesen Ausschnitt klicken und sich die Bilddatei in voller Größe ansehen (→ Rechtsklick → Öffnen in neuem Tab / Fenster). Dann müssten Sie einige Schritte zurück gehen und dann sehen Sie, wie ein ISO-400-Film im Kleinbild noch bei einer sehr hohen Vergrößerung wirken kann: Dies funktioniert hier tatsächlich noch sehr gut bei einem Abzug von ca. 30 x 40 cm und ggf. noch größer: Das fotografische Korn ist im Wehner-Entwickler weiterhin dezent abgebildet (es ist nicht unsichtbar). Es ist dabei nicht „rund gelutscht“ – Details / Kanten sind ausreichend scharf wiedergegeben. Wer hybrid am Computer arbeitet, kann so etwas natürlich noch nach Gusto schärfen.

Kaiser FilmCopy Vario Kit

Ich digitalisiere meine Negative mit dem Kaiser FilmCopy Vario Kit bzw. mit einer Digitalkamera und Spiegelvorauslösung. Vergrößerungen in der Dunkelkammer hatte ich mit Filmen, entwickelt im Wehner-Entwickler, noch nicht angefertigt.

Kodak T-Max 400 in Wehner

Der Wehner-Entwickler kommt mit einer recht langen Liste an erprobten Entwicklungszeiten für die unterschiedlichsten Filme. Diese Liste (zumindest die, die ich bekam) bezieht sich auf eine Temperatur von 22 °C und auf eine maschinelle Rotationsentwicklung. Ich hingegen kippe meine Dose jede halbe Minute und arbeite bei 20 °C. Meine erprobte Zeit für den Tmax 400 ist hierbei 14 Minuten:

notierte Entwicklungszeiten

Damit erhalte ich zumindest für das Digitalisieren des Filmes gute Negative.

Vergleich mit Pyro 510

Ich hatte die Sache auch mit  dem Entwickler „Pyro 510“ verglichen. Dessen Formel ist frei über das Internet zugänglich und auch dieser verspricht feines Korn und eine hohe Schärfe. Auf der Internetseite von Rüdiger Hartung kann man hierzu viel Wissenswertes lesen. Von ihm hatte ich seinerzeit auch den Entwickler zugesandt bekommen (ich stelle so etwas nicht selbst her).

Warum Pyro 510, warum Tmax 400? Weil ich diesen Film für das Kleinbild bevorzuge: Ich benutze die Kleinbildkamera immer dann, wenn ich kein Stativ mitnehmen kann. Hier benötige ich dann einen Film mit höherer Empfindlichkeit. Der Kodak T-Max 400 bietet dabei noch das feinere Korn bzw. eine höhere Auflösung als z. B. ein Tri-X oder ein Ilford  HP5. Für solche Filme nutze ich dann einen Feinkornentwickler. Bisher war hier Pyro 510 immer mein Favorit. Schauen wir uns einen Vergleich mit dem Wehner-Entwickler an:

Vergleich Wehner Entwickler und Pyro 510

Beide Digitalisierungen wurden so eingestellt, dass der Schwarzpunkt (Filmrand) den selben Wert hat. Auch der Weißpunkt (Lichter bzw. Himmel) hat den selben Wert. Alle Tonwerte dazwischen ergeben sich bzw. werden vom Entwickler gesteuert.

Der Pyro hat augenscheinlich eine interessante Eigenschaft: Er hebt die Mitteltöne etwas an, deckelt dabei aber die Lichter. Der Wehner-Entwickler hingegen arbeitet offenbar eher linear bzw. natürlich, was die Mitteltöne anbelangt. Beides kann Vor- wie aber auch Nachteil sein: Wer seine S/W-Negative als Basis für eine spätere Bearbeitung sieht (siehe auch → lokale Kontraste mit Multigrade-Papier steuern oder → Abwedeln / Nachbelichten via Photoshop) schätzt einen linear arbeitenden Entwickler bzw. „neutrale“ Negative als Basis. Wer jedoch lediglich 1:1-Kopien seiner Negative anfertigt, freut sich bei vielen Motiven sicherlich über die per se „luftigeren“ Mitteltöne. Bei sehr kontrastreichen Motiven könnte dies jedoch wieder ein Nachteil sein (meine Beispielbilder wurden bei Regenwetter aufgenommen).

Schärfe und Auflösung

Mich interessierte aber vor allem eines bei meinem Entwicklervergleich: Wie schaut es mit der Schärfe im Detail aus?

Vergleich zwischen Wehner und Pyro Entwickler

Abgebildet ist eine 100%-Ansicht meiner Testfotos. Hier wird es dann deutlicher: Der Pyro 510 erzeugt weniger Korn. Der Wehner-Entwickler erzeugt ein leicht sichtbares Korn. Dabei wirken Kanten etwas schärfer. Um die Schärfe besser vergleichen zu können, hatte ich die Mitteltöne bei der Pyro510-Version denen der Wehner-Version angeglichen (sie würden sonst vor dem Himmel noch unschärfer wirken). Auf der Kuppel rechts sind bei der Wehner-Version vage Backsteine zu erkennen. Deren Struktur ist bei der Pyro-Version nicht mehr erkennbar – Die Auflösung ist hier also ganz leicht geringer.

Werbung

Natürlich bewegt man sich bei derlei Vergleichen wirklich im Detail! Bei einem normalen Betrachtungsabstand würden die Unterschiede wohl kaum auffallen. Es sind beides sehr gute Entwickler, wenn feines Korn und eine dabei hohe Schärfe angestrebt werden soll. Die Bilder in diesem Beitrag hätten aber auch mit jedem anderen „normalen“ S/W-Negativentwickler entwickelt sein können.

Dank der Buchbildbühne beim Digitalisieren mit Klarglas-AN-Glas konnte eine exakte Positionierung der Negative erfolgen bzw. es erfolgte durch den Fernauslöser kein versehentliches Verstellen der Schärfe beim Digitalisieren. Zur Sicherheit fertigte ich im Anschluss je eine weitere Aufnahme von je einem anderen, gleichen Negativ an. Die Testergebnisse waren hier gleich. Die Negative selbst wurden natürlich auf einem (stabilen) Stativ belichtet und zwar unmittelbar nacheinander mittels Drahtauslöser.

zwei Filme trocknen

Solche Entwicklervergleiche sind recht mühsam und machen keinen Spaß. Ich hatte das selbe Motiv aus dem Dachbodenfenster sechs Mal fotografiert und den Film später in der Dunkelkammer durchgeschnitten. Der vom Pyro 510 hängt links: Man erkennt ihn gut an der Einfärbung (dem sogenannten „Stain“). Interessant wäre natürlich auch, inwiefern sich die Schärfe bei einer Entwicklung in Rodinal ergeben hätte. Aber ich weiß, dass es hierbei zu stark akzentuiertem Korn bei einem ISO 400-Film gekommen wäre, wodurch dieser Entwickler für solche Filme für mich nicht in Frage kommt. Es gibt übrigens eine sehr interessante Seite mit verschiedenen Entwicklervergleichen. Interessiert hätte mich, inwiefern ein Entwickler wie z. B. Kodak Xtol oder D76 hier abgeschnitten hätte. Derzeit habe ich davon jedoch keinen hier.

Die Krux beim Entwicklervergleich bzw. Filmvergleich

Auf vielen Internetseiten finden Sie von Entwickler A gute Beispielbilder. Auf vielen anderen Internetseiten finden Sie von Film B gute Beispielbilder. Auch von Objektiv C gibt es auf anderen Seiten hervorragende Ergebnisse. Von verschiedenen Kameras (der lichtdichte Film- und Objektivhalter) wollen wir hier erst gar nicht reden.
Dies ist für einen Vergleich bzw. für eine Einschätzung für nur einen der Punkte alles für die Katz: Für einen tatsächlichen Vergleich muss das selbe Motiv bei gleichem Licht mehrmals gleich hintereinander fotografiert werden. Ich hatte dies mit dem selben Film und dem gleichen Licht und der selben optischen Vorrichtung (Kamera + Objektiv) getan und dies anschließend mit dem Pyro und mit dem Wehner entwickelt.
Bereits das Belichten und Entwickeln gleicher Aufnahmen nacheinander bei ansonsten den selben Parametern (außer hier Entwickler) war schon aufwendig. Aus diesem Grund gibt es zum einen wenig nachvollziehbares Bildmaterial im Internet. Zum anderen gibt es dafür die wildesten Lobeshymnen aber wiederum auch schlechte Kritiken, welche man ebenfalls zunächst nicht so ernst nehmen sollte: Man braucht einen tatsächlichen Vergleich. Denn bereits ein „gutes“, semihartes Licht kann ein Motiv auf einem beliebigen Film, in einem beliebigen Entwickler entwickelt hervorragend ausschauen lassen, wohingegen das selbe Bild bei einem anderen Lichtverhältnis schwächer wirken würde – ganz unabhängig von der restlichen eingesetzten Technik.

Ich kritisiere Filme bzw. Entwickler immer innerhalb dieser Punkte:

Diese Punkte muss ich jedoch teils noch auf das unterschiedliche Format anwenden:

Wie ich Negativentwickler auswähle bzw. einsetze

Es gibt für meine Art analog in S/W zu fotografieren vier unterschiedliche Szenarien:

  1. Ilford FP 4 Foto in Rodinal entwickelt

    ein S/W-Foto Ilford FP4 in Rodinal entwickelt

    Ich fotografiere im Mittelformat mit einem klassischen ISO 100 Film (z. B. mit dem Ilford FP4): Dann entwickele ich diesen einfach in Rodinal bzw. in einem der Nachbauten. Dieser Film ist per se feinkörnig und durch das größere Format wird das Filmkorn nicht unangenehm betont. Dies ist meine bevorzugte Arbeitsweise und ich gelange damit zu hervorragenden Ergebnissen, wie ich sie beispielsweise bei meiner Vorstellung der Arax-Mittelformatkamera zeige. Hier kann man mit dem guten alten Rodinal eigentlich nichts falsch machen: Dieser Entwickler ist günstig, überdurchschnittlich scharf, in vielen Shops erhältlich und hält im Konzentrat ewig. Man sollte hier zuvor aber durchaus üppig auf die Schatten belichten (nicht unterbelichten bzw. nicht „pushen“). Ein grobes Korn stört hier, dank der hohen Auflösung, nicht.

  2. Ich fotografiere im Mittelformat mit einem klassischen ISO 400 Film (Kodak Tri-X oder Ilford HP5): Dann verzichte ich auf Rodinal, denn es erzeugt hier – meiner Meinung nach – ein etwas schmutziges Korn. Hier werde ich in Zukunft den Wehner-Entwickler nutzen. Genau so gut eignen sich hierbei aber auch der Kodak Xtol oder der Kodak D76 (eigentlich jeder „normale“ Entwickler, welcher das Korn etwas schont).
  3. Ich fotografiere mit meiner Kleinbildkamera einen klassischen ISO 100 Film: Hier wähle ich einen Feinkornentwickler wie Wehner oder eben den Pyro 510. Zur Not funktioniert hier sogar Rodinal gut, wenn man die Negative genügend lang (üppig) belichtet hat.
  4. Ich fotografiere mit meiner Kleinbildkamera auf dem T-Max 400 oder gar auf Tri-X oder Ilford HP5: Insbesondere hier greife ich zum Feinkornentwickler – Am liebsten zum Wehner oder zu Pyro 510.

Als Jungspunt ärgerte ich mich seinerzeit: Ich wählte für meine Negative einfach irgendeinen Entwickler aus. Dies war damals A49 von Calbe, welcher ein feines Korn erzeugt. Später las ich im Internet, dass es da noch schärfer arbeitende S/W-Entwickler gäbe. »Mist!« dachte ich: »Jetzt muss ich meine Motive alle noch einmal fotografieren!« Das ist natürlich Unsinn: Die Unterschiede sind häufig marginal. Es ist bei der analogen S/W-Fotografie viel wichtiger, dass man dem Film genügend Licht gönnt und dass man durchaus auch ein Gefühl für die Qualität des Lichtes für die Aufnahme entwickelt (hart, weich, semihart, gerichtet, diffus). Eine grobe Orientierung, was die Wahl des Negativentwicklers anbelangt, kann natürlich nicht schaden – erst recht nicht für Freunde der S/W-Kleinbildfotografie.

Noch einmal der Kontakt: Den Wehner-Entwickler kann man direkt bei Klaus Wehner per E-Mail klaus.wehnerÄTTZEICHENweb.de erwerben.

Beim Schreiben dieses Artikels kosten 200 ml Konzentrat (A + B) Euro 7,50 + 2,50 Euro Versand.

Ilford FP4 im Wehner-Entwickler

Ich hatte auch einmal einen Ilford FP4 Plus im Wehner-Entwickler entwickelt. Natürlich erhält man auch hier sehr feinkörnige und scharfe Negative. Ich hatte den FP4 bei 14 Minuten entwickelt – das war viel zu lang! Die Negative waren sehr dicht. Trotzdem konnte man sie dabei sehr gut digitalisieren.

Eine weitere Sache soll in puncto Entwicklerkonzentrat noch erwähnt werden: Ich selbst fotografiere tatsächlich nur noch recht selten. Ich wähle meine Motive in der Regel sehr bewusst aus bzw. arbeite häufig mit Fotoserien. Hier ist mir die Haltbarkeit des Konzentrats sehr wichtig. Klaus Wehner gibt für seinen Entwickler (konservativ) eine Haltbarkeit von min. einem Jahr an. Dies ist schon ordentlich. In der Praxis dürfte diese noch höher sein. Dieser Entwickler wird in zwei Flaschen geliefert (von denen man für den Ansatz je einige Milliliter zusammen mit Wasser mischen muss). Teil B sollte man im Kühlschrank lagern, was ich auch tue. Die Flaschen fülle ich mit „Protectan“ auf (dies ist ein Schutzgas von Tetenal). Aber auch der Pyro 510 (dieser ist übrigens sirupartig) scheint sehr lange als Konzentrat zu halten (vermutlich sehr lange). Beides sind hervorragende Negativentwickler, wenn man das fotografische Korn dezent halten möchte, dies aber nicht zu Lasten der Detailschärfe geschehen soll (ideal für die Kleinbildfotografie). Der Wehner-Entwickler weist hier sogar einen kleinen Vorsprung auf.

Werbung

Dieser Artikel (veröffentlicht: 11.10.2020; geändert: 5.02.2021) erscheint im Bereich Das Negativ und ist mit verschlagwortet.

der Author dieser SeiteHallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr 20 Jahren mit der analogen Fotografie und ich entwickele meine Bilder in der Dunkelkammer oder "mit" dem Computer.

Diese Website hat inzwischen den Umfang eines ganzen Lehrbuchs erreicht: Schauen Sie / schaue Du auch einmal in das Inhaltsverzeichnis hinein:

ähnliche Artikel


Ulli | am 20. Februar 2021

Also ich würde bei Wehner nichts bestellen.
Ich habe ihm vor längerer Zeit S/W-Diafilme zum Entwickeln geschickt, diese aber niemals zurück erhalten. Auf meine Nachfragen unter der auch hier genannten Mailadresse kam nie eine Reaktion. Ich finde solch ein Verhalten unseriös. Und nebenbei ist es auch schade um die Motive.

Frau Müller | am 26. November 2020

Hallo Thomas,

ob ich mehr als Du fotografiere kann ich nicht sagen. Ich würde es nicht von der Menge der belichteten Filme abhängig machen.

Bei mir ist die Sache recht einfach – meist mache ich Portraits. Daneben Projekte mit festen Themen.

Ich spanne vor jedem Portraittermin eine neue Rolle Film in die Kamera. Wenn es mir mit 36 möglichen Versuchen nicht gelingen sollte ein brauchbares Bild zu belichten dann packe ich wieder ein. Mit einem neuen Film weiterzumachen macht keinen Sinn. Allein das Einlegen zerstört die Atmosphäre.

In der Tasche habe ich immer 3 Objektive (2,8/35; 2,0/50; 2,0/85), den Handbelichtungsmesser und eine kleine Digitalkamera bzw. einen Minidrucker um schnell fertige Fotos überreichen zu können; sozusagen als moderne Polas. Hin und wieder ersetze ich das Normalobjektiv durch ein 2,8/135er. In der Regel dann wenn ich Außenaufnahmen plane. Andere Brennweiten benutze ich nicht. Für meine ganze Ausrüstung hätte man (ohne das 85er und den Handbelichtungsmesser) vor 2 oder 3 Jahren sicherlich keine 200 Euro bezahlen müssen.

Ein Portrait kostet mich deutlich weniger als 20 Euro an Materialkosten (inkl. kleine Drucke vor Ort zur schnellen Übergabe als Dankeschön). Berücksichtige ich die Fahrtkosten (Sprit usw.) und meine Zeit, dann erscheint mir das akzeptabel. Die Erfahrung vor Ort und der Kontakt mit der Person sind das allemal wert.

Für Portraits ist der XP 2 mehr als ausreichend. Die Tonwerte sind wunderbar und die Kornfreiheit perfekt. Extreme Schärfe interessiert mich weniger.

Frau Müller | am 26. November 2020

Hallo Thomas,

Kleinbild und Feinkörnigkeit/hohe Schärfe schließen sich in meinen Augen gegenseitig aus. Das finde ich aber nicht wirklich schlimm. Mir kommt es mehr auf den Inhalt und die Aussage der Fotos an.

Wenn ich hin und wieder zur (analogen) Kleinbildkamera greife dann weiß ich ganz genau daß meine Fotos niemals hohe Anforderungen an Schärfe und Feinkörnigkeit erfüllen müssen. Deshalb habe ich mich seit diesem Sommer endgültig für den Ilford XP 2 entschieden. Das leidige Thema Entwickler und dessen Haltbarkeit ist für mich Geschichte. Ich kann meine Zeit sinnvoller als in der Dunkelkammer verbringen.

Meine (wenigen) Filme kommen entweder ins Großlabor oder, wenn ich wirklich einmal wichtige Fotos habe, ins Fachlabor. Anschließend werden sie (wieder) gescannt. Das spart mir das lästige Ausflecken oder Retuschieren von leichten Kratzern die im Großlabor leider immer wieder mal vorkommen.

Seit Spätsommer habe ich analog nur noch die Kleinbildkamera im Gebrauch. Meine meist benutzte Mittelformatkamera tauschte ich mit einem Freund gegen seinen (KB-)Scanner von Nikon.

Alles andere erscheint mir inzwischen wirtschaftlich ruinös wenn ich mir die aktuellen Filmpreise, den Arbeitsaufwand und die Ergebnisse betrachte.

Für die Zukunft habe ich beschlossen jährlich max. 50 Rollen Kleinbildfilm zu belichten. Deshalb habe ich 100 St. gekauft und eingefroren. Das reicht gut bis Mitte/Ende 2022.

Thomas (Admin)
Da fotografierst du schon mehr als ich. Ich habe mir heute wieder einmal einen KB-Film beim örtlichen Fotohändler gekauft: Die Preise sind schon nicht ohne! Das kann man nicht oft machen. Zum Kleinbild: Hier bin ich sozusagen am Ausreizen, aus dem kleinen Format technisch noch das Beste heraus zu holen. Nur daher solche Artikel wie dieser. Hie geht es dann halt um minimale Unterschiede. Mir ist hier (zumindest bei S/W) immer auch der völlig eigenständige Prozess wichtig, also die Dunkelkammer-Arbeit und das kleine aber feine Bild, was man am Ende hat bzw. selbst angefertigt hat. Für viele Außenstehende bzw. Betrachter ist das natürlich selten nachvollziehbar.

Ich hatte mir im Sommer noch eine neuwertige Mittelformatkamera gekauft. Dies aber zunächst eher als „Backup“. Ich werde damit in der nächsten Zukunft wohl nicht arbeiten (so etwas nicht mit mir herum schleppen). Eher sind es meine beiden Kleinbildkameras, die ich in den nächsten Jahren nutzen werde, auch wieder die kleine Sucherkamera und ich möchte mein Labor wieder reanimieren und „kleine aber feine“ Handabzüge anfertigen auf 24 x 30 Papier mit viel weißem Rand. Früher hatte ich mich noch an Ausstellungen beteiligt, da galten andere Maßstäbe. Im Moment ist mir mehr nach Dezenterem, wie ganz am Anfang. Es soll hier wieder minimalistischer zugehen. Dummerweise sind Reisen derzeit schlecht möglich wegen den Einschränkungen. So möchte ich einmal sehen, was das nächste Jahr mit sich bringt.

die Müller mal wieder | am 21. November 2020

Hallo Thomas,

bei Deiner Aussage

„Der Pyro hat augenscheinlich eine interessante Eigenschaft: Er hebt die Mitteltöne etwas an, deckelt dabei aber die Lichter. Der Wehner-Entwickler hingegen arbeitet offenbar eher linear bzw. natürlich, was die Mitteltöne anbelangt.“

habe ich erhebliche Zweifel ob ihrer Richtigkeit. Vielmehr scheint es mir nicht ausgeschlossen daß die linke Vergleichsaufnahme des Wohnblocks einfach länger belichtet wurde. Sei es durch leichte Änderung der Beleuchtung oder durch Ungenauigkeiten Deiner Nikon. Natürlich könnte es auch sein daß der Entwickler eine höher Empfindlichkeit ergibt. Es sind ja nicht nur die Mitteltöne betroffen, auch die Hochlichter erscheinen heller. Natürlich kannst Du auch ein höheres Gamma erzeugt haben.

Auch dieser Basis erscheint mir der Vergleich, wie übringes so gut wie alle Vergleiche die ich zum genannten Entwickler von Herrn Wehner im Netzt fand, sehr fragwürdig.

Kurze Frage: Wieso verwendest Du diesen vermeintlichen Wunderentwickler? Werbung für Klaus Wehner gegen Geld? Wenn ja, kann ich das verstehen, aber nicht billigen ohne klare Sichtbarmachung als Produktwerbung.

Wenn ich mir seine div. Auftritte in diversen Foren anschaue die ich zufällig fand habe ich mehr und mehr Zweifel an dem Produkt. Auch wenn ich nicht gezielt danach suchte so fand ich doch mehr oder minder aggressive Eigenwerbung unter Vermeidung klarer Vergleiche bzw. wissenschaftlich nachvollziehbaren Testreihen. Meist nur schwammige Aussagen à la der Wehner Entwickler ist schärfer und feinkörniger.

Wieso hat der Produzent keine vernünfige Mailadresse?
Wieso nur Direktvertrieb wenn das Produkt nach Eigenaussage doch so überzeugend ist?
In einem Forum vertrat Herr Wehner widerholt klar und deutlich die Meinung daß Perceptol als Referenz für Schärfe gelten könnte. Selbst Ilford, der Hersteller von Perceptol, ist anderer Ansicht wenn man in seine Datenblätter schaut. Solche Aussagen sprechen nicht für eine hohe Kompetenz.

Thomas (Admin)
Hallo Frau Müller, ich hatte in den letzten Jahren im Internet immer wieder von diesem Entwickler gelesenen und mich gewundert, warum ich (bis auf eine Ausnahme) keinen konkreten Bildvergleich, mit der Lupe betrachtet, finden konnte. Das wollte ich genauer wissen und bestellte die Chemie.

Hauptsächlich geht es mir darum, einen S/W-Negativentwickler für das Kleinbild zu haben, welcher auch bei ISO-400-Filmen feinkörnig und scharf arbeitet, dabei aber sehr lange haltbar ist. Ich brauche also sozusagen ein Äquivalent zum Rodinal (das ich für Mittelformat und ISO-100-Filme aufbewahre / nutze). Allerdings bewegen wir uns hier natürlich in einem Bereich, bei welchem wir mit der starken Lupe in der Hand über Unterschiede sprechen.

Meine Vergleichsaufnahmen mit dem Pyro-Entwickler hatte ich mittels Stativ, Spiegelvorauslösung, Drahtauslöser manueller Belichtung / Blende angefertigt. Die Digitalisierung erfolgte via „Glas-Sandwich“ bei gleichen Einstellungen. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass die Kameras je plötzlich anders belichteten, glaube dies aber nicht. Es schaut für mich eher so aus, dass die unterschiedlichen Entwickler die Mitteltöne unterschiedlich „steil“ darstellen. Aber dies könnte bei anderer Bewegung, Zeit, Temperatur vielleicht schon wieder anders ausschauen. Für solche Tests fehlt mir die Zeit und die Geduld. Mir ging es hauptsächlich um Schärfe bzw. Detaildarstellung.
Da ich je mehrere Aufnahmen anfertigte, hatte ich mehrmals verglichen mit gleichem Ergebnis.

Zum Vertrieb kann ich leider nichts sagen. Ich hoffe, dass der Entwickler noch lange erhältlich ist. Das Bestellen via E-Mail ging ziemlich problemlos.


Haben Sie / hast Du Fragen, Anmerkungen, Kritik zu diesem Beitrag?

Kommentar

(Kommentare werden manuell freigeschaltet bzw. erscheinen nicht sofort, um Spam vorzubeugen.)

Der Autor dieser Seiten ist Thomas.
Mit dem Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung dieser Internetseite.

nach oben springen