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Bewusst und besser fotografieren, ausgewählt präsentieren mit der Fotoserie

Als Bildschaffender hat man heute den großen Vorteil, dass man seine Fotografien einer sehr großen Anzahl an Menschen über das Internet zeigen kann. Dummerweise sind nicht wenige andere Zeitgenossen ebenso daran interessiert. Das Ergebnis: Eine Flut an flüchtigen Fotografien bricht täglich neu über den Fotofreund herein. Mit Fotoserien ordnen Sie Ihre eigenen Bilder, schaffen ein Thema und bleiben damit in Erinnerung. Sie fotografieren besser.

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*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
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In diesem Beitrag geht es darum, seine eigenen Fotografien zu sortieren und entsprechend zu repräsentieren. Es soll weg vom flüchtigen „hübschen“ Bild hin zu einer gewissen Substanz gehen. Dies ist ein Weg besser fotografieren zu können.

Ich erinnere mich an ein Bild: Ein schlankes Bäumchen wuchs durch den längst nicht mehr genutzten hölzernen Güterhallen-Bahnsteig gegenüber der Stelle, wo ich damals jeden Morgen auf den Zug zur Berufsschule wartete. Das war kein Foto – Es war ein Bild, welches ich jeden Tag sah und an dieser Stelle dachte ich mir damals: Du könntest dir doch eine Kamera kaufen und dieses hübsche Schauspiel fotografieren. So kam es dann auch, das Fotografieren machte immer mehr Freude und was daraus geworden ist, sieht man dann u. a. an dieser doch recht komplexen Internet-Lehrseite über die (analoge) Fotografie.

Hinweis: Hier werden Sie nun kaum Tipps bezüglich Kameras, Objektive, Schärfe, „Bokeh“ und ähnlichen Firlefanz lesen. Auch auf dieser Seite geht es um Technik. Doch in diesem Blogartikel wollen wir uns durchaus auch einmal mit dem tatsächlichen Bild, der Fotografie selbst beschäftigen.

Das Foto vom jungen Bäumlein habe ich nicht mehr. Das war zwar ein recht charmantes Bild. Doch unter so vielen visuellen Eindrücken, die wir heute haben, fehlt es einem einzigen doch an „Substanz“. Man vergisst es schnell. Es ist so – allein stehend – ein Foto unter vielen. Als Anfänger fotografiert man einfach alles, was einem gefällt, was man selbst irgendwie als interessant betrachtet. Heute rate ich jedem: Überlegen Sie sich ein Konzept. Meines wäre damals gewesen: Städte und Dörfer werden heute nicht mehr durch die Bahn versorgt. Dieser Güterverkehr hat sich längst auf die Straße verlagert. Was bleibt sind die vielen still gelegten Nebengleise, an denen sich Pionierpflanzen durch verrottende Holzstege vor alten Backsteingebäuden bohren. Das hätte eine prima Serie ergeben – etwas romantisch vielleicht, aber immerhin: Der Fotograf hätte sich Gedanken gemacht und sogar einen kleinen Text dazu geschrieben.

Bilder sind idealerweise (auch) etwas für das Hirn, nicht nur für das Auge.

Ich denke mich nun in die Rolle eines Ausstellungsbesuchers hinein: Mir wäre so eine kleine Fotoserie – entsprechend präsentiert und mit einer kleinen Texttafel versehen – viel lieber als wild durcheinander hängende „schreiende“ Fotografien. Bilder sind idealerweise (auch) etwas für das Hirn, nicht nur für das Auge. Man sollte sich hier auch als Betrachter Zeit nehmen können. Und dies lässt sich sehr gut mit der fotografischen und bewusst angelegten Serie erreichen.

Für das Anfertigen einer solchen Fotoserie gibt es grob zwei Herangehensweisen:

  1. Ich denke mir ein konkretes Thema aus, begebe mich auf die Reise und dokumentiere mit der Kamera meine Erlebnisse bzw. fotografiere ganz bewusst bestimmte Orte, Menschen, Objekte, die zum Thema passen. Im Anschluss erfolgt eine Auswahl sowie später (wie auch beim nächsten Punkt) eine entsprechende, wohl überlegte Präsentation.
  2. Ich habe meine Kamera stets dabei und fotografiere weiterhin alles, was mich interessiert. Nach einiger Zeit (dies können Tage, Wochen, ja Jahre sein) kristallisieren sich bestimmte Themen heraus, die man sortieren kann. So ergeben sich nicht selten einzelne Serien. Durch eine clevere Zusammenstellung gelangt man so nicht selten erst zu einem Thema, an welches man zuvor vielleicht gar nicht gedacht hatte. So ergeben dann auch vielleicht eher belanglose Fotografien im Ganzen einen Sinn, ein Thema.

Für den letzteren Punkt möchte ich einige Beispiele zeigen:

Beispielserie 1: Findlinge

ein Wanderer mit Fotoapparat

Der Autor als Wandervogel mit Fotoapparat und wachem Blick.

Ich bin nun ein Freund von stundenlangen Wanderungen durch möglichst menschenleeres Terrain. Jüngst machte ich mich an einem trüb bis heiteren Dezembertag auf die Socken durch Vorpommern. Ich fotografierte hier ausnahmsweise recht viel, auch wenn dieser Landstrich durch eine eher nüchtern erscheinende Landwirtschaft geprägt ist (dazu aber gleich mehr). Während meine S/W-Filme daheim nach dem selbst Entwickeln in der Dusche trockneten und ich sie mir mit einer Taschenlampe näher betrachtete, sah ich schon das, was ich bereits im späteren Verlauf meiner Wanderung ahnte: Hier lässt sich was drehen! Ich hatte einige Bilder von Findlingen fotografiert. Diese liegen dort überall herum –  auch mitten in den Buchenwäldern. Dies hat offenbar etwas mit der Ostsee und der Eiszeit zu tun (ich dachte / „forschte“ also darüber etwas nach). Also sortierte ich zunächst alle Fotografien mit eben diesen massiven Steinen heraus und fertigte mir eine kleine aber feine Fotoserie an:

Findlinge in Vorpommern

Findlinge auf RügenFindlinge in Mecklenburg Vorpommern
Steine im Wald Feldsteine

Man kann wissen, dass solches Gestein (die Findlinge) vor vielen, vielen Jahren mit dem Eis aus Skandinavien hier hinein in südliche Gefilde transportiert wurden. Das ist ja schon einmal etwas: Wir schalten (durch solch eine Information) den Kopf ein und stellen uns vor, wie ein riesiger Eisberg eine Wanderung unternimmt, dabei jegliches Geröll sozusagen als Passagier mit sich schleift. Dies ist hier aber überhaupt nicht abgebildet. Abgebildet sind die Resultate. Den Ursprung muss man sich denken.

Auf solch einer Internetseite gestaltet sich das Präsentieren einer Fotoserie oft immer etwas schwierig. Gerade weil die Bildschirmbreite der unterschiedlichen Geräte (Smartphone, Desktop) unterschiedlich ist, hat man hier als Fotograf nicht selten mit Kompromissen zu kämpfen. Eine Anordnung untereinander (wie hier) ist nicht gerade ideal. Auf einer breiteren Website könnte man solche Bilder auch in Form von „Thumbnails“ gleich groß nebeneinander präsentieren.

Die sieben Todsünden der Fotografie: Reflexionen und Wege zu besseren Bildern

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Denn eigentlich sollte hier keine Gewichtung statt finden: Alle Einzelbilder sind ein Teil des Ganzen – Je ein Teil der Idee, des gesamten Konzeptes. So funktionieren dann auch Fotografien, die einzeln viel zu schwach wären.
Ja: Wie bei einem Album eines Musikers kann man hier durchaus auch den ein oder anderen „Fülltitel“ unterbringen. Schön finde ich immer Buchseiten mit relativ viel „Weißraum“ um die Fotografien herum. In einer Ausstellung passen die Bilder dann sehr gut nebeneinander gehangen zusammen und ergeben dann eben – bei einem größeren Betrachtungsabstand – ein Ganzes.
Bei dieser Serie sortierte ich also alle Fotografien von meiner Wanderung aus, die einen ganz bestimmten Charakterzug dieser Landschaft abbilden. Es sind hier die vielen Findlinge auf der Insel Rügen in Mecklenburg Vorpommern.

Versuchen Sie mit Ihren Fotografien besser auf ein Ganzes, auf ein wohl sortiertes Rund hin zu arbeiten anstatt krampfhaft zu versuchen, irgendwelche neuen „Bildikonen“ zu erschaffen. Letzteres funktioniert heute wohl nur noch sehr, sehr selten, mit viel Glück und eigentlich nur noch mit dem Abbilden von Menschen: Bildmedien sind heute zu präsent. Man geht hier als Bildschaffender sehr schnell unter.

Beispielserie 2: Ödes Land

Wer in den bergigen Regionen mit der Kamera unterwegs ist, findet sicherlich leicht pittoreske Fotomotive: Felsen, Kluften, Wasserfälle gar. Hoch im Norden ist das Land flach und nicht selten ziemlich langweilig. Aber genau dies lässt sich auch mit der Fotoserie thematisieren, wenn man hier konsequent bleibt:

eine Fotoserie

langweiliges Land im NordenAckerbau
Fotografieren im NordenLandwirtschaft

Bei meiner Wanderung ist irgendwann Nebel aufgekommen. Das lässt einige der Bilder zwar malerischer wirken. Ich mag es aber lieber, wenn derlei Sprünge innerhalb einer in sich geschlossenen Serie nicht auftreten. Ein Problem ist hier auch immer das Licht: Tageslicht kann ja hart sein oder diffus, kann von oben kommen (Sommer, mittags) oder von der Seite (im Winter). All diese Dinge sollte man beachten, wenn man bewusst fotografiert bzw. entsprechende Bildzusammenstellungen anfertigt. Ich selbst ärgere mich immer, wenn z. B. die Wolkendecke aufreißt und das weiche Licht (welches ich zuvor nutzte) in ein äußerst hartes über geht.

analoge spiegelreflexkamera

Die meisten Bilder in diesem Artikel wurden mit einer ganz normalen analogen Kleinbildkamera – gebraucht bzw. per Ebay für relativ wenig Geld erworben – angefertigt. Es muss für solche Projekte überhaupt nicht etwas „Besonderes“ oder Teures sein wie z. B. eine Mittelformatkamera. Obwohl dieses Format natürlich auch seine Vorteile in puncto „bedachtem“ Fotografieren besitzt. Viele Informationsquellen für Fotografen suggerieren jedoch, dass eindrucksvolle Fotos nur mit hochwertiger Technik bzw. der neuesten Digitalkamera angefertigt werden können.

Denn jedes Motiv wirkt ja – je nach Art des Lichtes – anders. Viele unterschätzen diese Wirkung bzw. denken nicht über das Licht nach. Wenn ich bewusst fotografiere bzw. dabei in Fotoserien denke, versuche ich immer, möglichst die gleiche Lichtart zu nutzen (meine liebste ist – Sie merken es schon an den Beispielbildern – ein diffuses Milchglaslicht). Nicht selten ärgerte ich mich hier schon. Man hat ja keine Gewalt über das Wetter. Daher zähle ich ein ganz besonders Zubehör zu meiner Fotoausrüstung: Den Wetterbericht bzw. eine Handy-App, welche mir eine Art „Wolkenradar“ anzeigt.

Noch einige Worte sollen zum Bildformat verloren werden: Wie Sie bei meinen Beispielen sehen, nutzte ich hier konsequent das Querformat. Manche Fotografen sind hier weniger konservativ und mischen Quer- und Hochformat. Auch hierauf sollte man beim bewussten Präsentieren (bzw. Fotografieren) achten. Eine Mischung lockert die Serie etwas auf. Bei meinen Motiven wäre mir dies etwas zu spielerisch gewesen. Ich fotografiere auch sehr gerne mit meiner 6×6-Mittelformatkamera. Bleibt man beim Quadrat (also beschneidet man es später nicht), erübrigt sich die Wahl des Formates. Bei diesen Fotografien im Kleinbild  nutzte ich konsequent eine simple 35mm-Festbrennweite (leichtes Weitwinkel). Solch ein Objektiv reicht völlig aus und erfüllt bei fast allen (meinen) Motiven seinen Zweck. Über mehr mache ich mir hier technisch kaum Gedanken. Dies ist eine Domäne der Fotografie-Internetforen und hat häufig wenig mit tatsächlichen Bildern zu tun. Natürlich: Mir reicht hier auch eine simple Plastikkamera mit Kitobjektiv. Viel wichtiger ist die tatsächliche Auswahl als Technik mit perfekten Laborwerten:

Die Art, wie Du deine Bilder aussuchst, ist das, was dich von all den Anderen unterscheidet.

Tim Gallo; (Sekundär-) Quelle: Bilder machen ist nur der erste Schritt

Oder anders herum: Den Zeigefinger kann jeder über teurer Technik krümmen – tausende Male. Die Auswahl, die Bearbeitung, das Arrangement, das Achten auf Licht sind ebenso wichtige Schritte innerhalb der Fotografie, welche leider viel zu oft vernachlässigt werden.

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ein Einbeinstativ plus Kamera

Viele dieser Fotografien hatte ich mit der Kleinbild-Spiegelreflexkamera aufgenommen. Unterwegs nehme ich dann ein solches Einbeinstativ mit. Denn es ist der ideale Kompromiss zwischen Stativ (lange Auslösezeiten bzw. hohe Schärfe; präzise Komposition) und Portabilität (es ist leicht und so klein, dass es zusammen gelegt in die Umhängetasche passt). Als Einbeinstativ nutze ich einfach ein einziges, abschraubbarer  Beinchen meines Kompaktstativs. Um möglichst „ultralight“ auf Wanderschaft zu gehen, verzichte ich hier sogar auf den Kugelkopf bzw. schraube die Kleinbildkamera direkt auf das Stativ. Sollte jedoch eine wohl durchdachte Fototour geplant sein, greife ich besser gleich zum „ganzen“ Stativ.

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Ein kompaktes Reisestativ inklusive Kugelkopf. Durch den Trick, dass sich der Kopf beim Zusammenlegen innerhalb der Beine befindet, erhält man ein Packmaß von nur 35 cm! Weiterhin lässt sich ein Stativbein als Einbeinstativ umfunktionieren. Bei Amazon gibt es dieses kompakte und stabile Stativ zum gewohnt günstigen Preis.

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Beispielserie 3: Figur & Form

Es ist gar nicht so schwer, sich Themen für eine Fotoserie zu überlegen und davon ausgehend bewusster (also vor allem reduzierter) zu fotografieren. Für die, denen zunächst nichts einfällt, ist eine sehr schöne Übung hierzu immer wieder das Thema Formensprache: Hierzu eignet sich die (analoge) S/W-Fotografie sehr gut.

Formen in der Fotografie

Formensprache als SerieFormensprache in der SW-Fotografiegeometrische Formen
die FotoserieBauhaus-Stil-Fotografiefotografische Serie

Hier hatte ich es mir zunächst recht leicht gemacht. Denn es spielt bei solch einer Serie überhaupt keine Rolle, wo dies ist, was dort einmal war (oder wird), wer damit in Verbindung gebracht werden kann. Das Thema ist hier also kein konkretes. Dies ist Fotografie für das Auge (und nicht unbedingt für das Hirn).

Bei anderen fotografischen Konzepten können diese drei Ws (wo, was, wer) aber durchaus eine Rolle spielen bzw. können solche Fotografien erst durch solche Hintergrundinformationen (z. B. in Form eines Textes oder eines einzigen Schlüsselbildes) einen Sinn ergeben.

So erinnere (!) ich mich z. B. an eine Fotoserie einer Fotokünstlerin, die zunächst nur irgendwelche menschenleeren Landschaftsfotografien zeigt – allerdings mit einigen versteckten bzw. nicht gleich offensichtlichen Störelementen (wie eiserne Treppen). Der kleine Text zu dieser fotografischen Serie entschlüsselt diese Bilder dann als Aufnahmen aus künstlich angelegten Freizeitparks. So etwas sorgt dann natürlich für ein Aha-Erlebnis. Ich freue mich als Fotofreund immer, wenn ich so etwas zu sehen bekomme. Meine eigenen Serien sind nicht ganz so raffiniert aufgebaut:

Fotos als Serie anordnen
Anordnung von Fotografien als Handabzüge in einer Serie. Einzelne Bilder sind oftmals nicht „stark“ genug. Ich Form einer solchen Präsentation erhalten sie eine zusammen hängende Präsenz.

eine analoge immer dabei Kamera

Diese Fotoserie hatte ich mit einer einfachen analogen „Immer dabei Kamera“ aufgenommen, die ich seinerzeit stets in meiner Tasche mitführte – ein recht simples Gerät.

Die Bildanzahl

Zählen Sie auch einmal die Fotografien innerhalb meiner Beispielserien: Ich nutze hier möglichst immer eine ungerade Anzahl. Seriell sortiere ich meine Bilder ab drei einzelnen Fotografien. Fünf Fotos ergeben bereits eine gute Menge, sieben wären oft besser. Nur bei sehr vielen Einzelbildern (z. B. 20) nutze ich auch eine gerade Menge. Dies ist natürlich alles kein Muss. Für mich wirken auf einer Ausstellung nebeneinander gehängte Bilder als ungerade Menge „harmonischer“. Es lässt sich aber konkret nicht erklären.

eine Hängung von Fotografien in einer Ausstellung

Der Vorteil von einer geraden Menge an Bildern in einer Serie: Sie lassen sich auch gut als „Block“ übereinander anordnen, was bei kleineren Räumen sinnvoll sein kann. Hätte man hier noch ein siebtes, so könnte man es etwas größer rechts hängen. Dann hätte man allerdings eine Gewichtung erlangt.

Festlegen eines fotografischen Themas und darauf hin arbeiten

Eingangs hatte ich gezeigt, wie man aus den vielen der eigenen Fotografien einige aussortieren kann, um diese bewusst als Bildserie zu präsentieren.

Die (spätere) Auswahl ist die große Schwester des Suchers.

ein kombiniertes Bild ein zweites kombiniertes Bild

Fällt Ihnen bei diesem Paar etwas auf? Gemeint ist der Blick durch die Tür – ein immer wieder vorkommendes Stilelement, welches eine gewisse Distanz zur porträtierten Person erzeugt. Solche Fotografien kann man natürlich kombinieren. Ich möchte doch einmal in meinem Bestand schauen, ob ich von dieser Perspektive noch weitere Porträts habe. Denn damals war ich mir dieser Wirkung noch gar nicht bewusst – aber unterbewusst:

Stil bei einem Portraitfoto

Ein Motiv fand sich noch – mit dem Stilmittel der Tür. Ich mag solche Porträtfotografien, bei denen viel Raum um die eigentliche Person herum dem Betrachter etwas von deren Leben erzählen. Solche Interieuraufnahmen fertige ich am liebsten mit meiner analogen 6×6-Kamera und einem Weitwinkel an und sie entstehen eher spontan bei Besuchen.

Die Fotoserie: Besser fotografieren durch serielles Arbeiten (Unter Mitarbeit von Eva Witter-Mante)
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Viele Fotokünstler handhaben es nicht selten genau anders herum: Ihr Thema steht von vorneherein fest. Sie hatten recherchiert, vielleicht Landkarten studiert und Kontakte aufgebaut, vielleicht Studien bzw. fotografische Skizzen erstellt. Nun geht es auf die Reise und Fotografien werden angefertigt – von denen es allerdings auch hier dann meist nur eine Auswahl in die letztendliche Serie schafft (ähnlich bei einem Spielfilm, wo Szenen der Schere zum Opfer fallen). Denn was viele offenbar nie wahr genommen haben: Die Auswahl resp. die Zusammenstellung ist wesentlicher Bestandteil einer ernst gemeinten Fotografie. Sie ist die große Schwester des Sucher-Ausschnitts. Erst durch sie wird man sich als Fotograf letztendlich von anderen unterscheiden können. Gerade hier kommt das Subjektive ins Spiel, wo doch die Motive selbst fast immer vorgeformt sind und schlecht geändert werden können (im Gegensatz zur Malerei). Eine solche Art der Fotografie hört (im Gegensatz zur angewandten Fotografie [z. B. Produktfotografie]) nicht bereits nach der Bildbearbeitung auf.

ein analoger Kontaktabzug

Früher markierten viele Fotografen ihre analogen Kontaktabzüge mit einem Edding, um bereits eine Vorauswahl zu erhalten. Nicht selten wurde hier bereits auch ein Beschnitt oder gewisse Bildbearbeitungsschritte vorgemerkt. Ich tue dies heute mit meinen digitalisierten Negativen am Computer, ordne und markiere die eingescannten Bögen aber ebenso. Derlei Kontaktabzüge – die reinen Fotografien – werden manchmal sogar ausgestellt, was freilich nur Sinn ergibt, wenn man bisher nur mit der fertigen Auswahl vertraut war und so ganz genau merkt, wie viel Arrangement noch lange nach dem eigentlichen Druck auf den Auslöser einer „funktionierenden“ Fotografie zugedacht werden muss.

Beim Einblick in die verlinkte Ausstellung (und zum Teil beim Bild des obigen Kontaktabzugs) sieht man auch, dass es völlig falsch ist, zu behaupten, bei der analogen Fotografie wurde ein einziges Bild gemacht und dieses musste sitzen. Natürlich ist es ratsam, zunächst viele Aufnahmen anzufertigen, was aber auch vom Sujet abhängt. Um am Ende gute Fotografie liefern zu können, ist jedoch meist die Auswahl wichtig (bzw. dass man vieles auch einfach nicht zeigt):

[…] während heute JEDER seine Bilder unkuratiert und ungefiltert auf Facebook und Co. veröffentlichen kann, war in analogen Zeiten […] nur jenen vorbehalten, die damit ihr Geld verdienten. Veröffentlicht wurde somit (meistens) nur das, was wirklich gut war.

Quelle: Blogartikel von Andreas Jorns Analog ist schön. Digital aber auch.

Von den vielen, vielen Fotografien, die ich angefertigt hatte (bzw. von denen ich Negative besitze), hat nur ein Bruchteil je das Licht der Öffentlichkeit gesehen. Nehmen Sie den Supermarkt: Dort gibt es alles, üppig in Regalen präsentiert. Jetzt stellen Sie sich ein kleines Ladenlokal mit wenigen exklusiven und fein ausgewählten Produkten vor.

Das große Fressen

eine Fotografie als Kunst

… oder wie man abstrakte Arrangements stringent fotografiert, der Serie einen pfiffigen Titel gibt (viele mögen’s hier angelsächsisch mondän), das ganze dann in einem „Whitecube“ als Hängung präsentiert und dies dann als „künstlerische Position“ verkauft. So funktioniert dann Fotografie als Kunst. Doch immerhin: So etwas birgt einen gewissen Witz, fördert die Gehirntätigkeit des Betrachters und solch eine Serie ist wahrlich nicht en passant entstanden. Entsprechend werden die Besucher einer Ausstellung oder einer Website an solch einer Präsentation nicht gleich vorüber gehen.

Die Berliner Ostkreuzschule für Fotografie ist dafür bekannt, dass deren Studenten häufig „nah am Menschen“ fotografieren bzw. eher soziokulturelle Projekte ausarbeiten bzw. entsprechende Fotoserien anfertigen. Ich selbst bin kein großer Freund solcher Arbeiten, interessiere ich mich doch eher für die Spuren von Menschen als für deren direktes Antlitz. Beispiele für solche ausgearbeitete Fotoprojekte wären z. B. solch eine Serie über verschwindende Dörfer, dieses Projekt über einen nun still gelegten Schutzbunker für die Regierung Nordrhein-Westfalens oder dieses größere Projekt über die A40, bei dem Sie Bilder sehen werden, die man bei einer Google-Suche zu „Autobahn Fotografie“ wahrlich kaum finden wird. Auf meinem eigenen Portfolio zeige ich auch nur Serien bzw. schreibe bisweilen (meist kurze) Texte dazu, da ich meine subjektiven Themen anders gar nicht transportiert bekäme. Nie aber käme ich auf die Idee, solche Fotoarbeiten in das zu kategorisieren, was darauf zu sehen ist oder gar welche Technik hinter den Aufnahmen steckt. Gerade letzteres würde die Arbeiten – das Hirn dahinter – negieren. Aber man könnte so etwas zumindest inhaltlich ordnen – Wenn man denn dringend alles in Schubladen stecken möchte (was zunächst nichts aufwertet).

Einzelne Fotografien solcher Bildserien stehen nicht selten recht belanglos dar und werden beim Betrachter eher für ein Schulterzucken sorgen. Fotografiert man jedoch bewusst mit dem Hilfsmittel der Serie bzw. mit dem des Konzeptes, so kann man sich so etwas als Fotograf durchaus leisten. Denn bei der Zusammenstellung kommt es eben nicht auf einzelne („tolle“) Bilder an:

Die Fotografien bilden – wie die einzelnen Teile eines Bauwerkes – erst im Gesamten ein stabiles, schlüssiges Ganzes. Solche Arbeiten werden letztendlich viel länger im Gedächtnis der Betrachter weilen als die meisten einzelnen schönen und „tollen“ Bilder, von denen es heute so viele gibt.

Zwei Freunde von mir beschäftigen sich so über mehrere Jahre hinweg mit immer dem selben Thema (Auswirkung radioaktiver Strahlung). Das Ausarbeiten eines solch riesigen Projektes bedarf natürlich sehr viel Zeit. Sie arbeiten beide aber auch als freischaffende Künstler und können sich diese Zeit so auch nehmen. Plant man eine größere Fotoserie (über einen Zeitraum mehrerer Monate) so kann man durchaus auch einmal an die Stipendiengelder denken, die manche Bundesländer vergeben. Hierzu muss man sich entsprechend informieren bzw. bewerben. Eines meiner eigenen Projekte handelt von den ehemaligen Truppenübungsplätzen der roten Armee in Deutschland bzw. in der damaligen DDR. Hierzu reiste ich mehrere Wochen durchs Land und fotografierte mehrere Filme voll. Am Ende blieb eine Auswahl aus insgesamt 14 einzelnen Fotografien, von denen ich einzelne kaum zeigen würde. Als Rund, als fotografische Serie wird dann erst ein Schuh daraus.

Fotos mit der Panoramakamera machen

Über mehrere Wochen radelte und wanderte ich je viele Stunden mit der Panoramakamera durch das Land. Stets hatte ich einen Blick auf den Wetterbericht, um ja immer das gleiche Licht zu haben. Am Ende konnte ich meine finale Serie (für mein Studium) endlich präsentieren:

eine Fotoserie

Teil der Serie als Hängung bei einer Ausstellung

Für den normalen Fotofreund sind solche großen Projekte sicherlich nicht attraktiv. Doch kleinere Fotoprojekte sind durchaus auch im Hobbybereich realisierbar. Mit diesen werden sie sicherlich keine flüchtigen „Likes“ und dergleichen erlangen und bei den gängigen Fotowettbewerben werden Sie damit kaum eine Chance haben. Denn dort ist etwas gefragt, was ein Thema mit nur einem einzigen Bild auf den Punkt bringt – schwierig und nur mit viel Glück zu erreichen.

Bild einer Fotoserie

„Neue Häuser entstehen“… Das wäre sicher eine prima Fotoserie geworden, hätte ich mich doch etwas mehr engagiert bzw. hätte ich diesen Ort doch noch etwas länger mit der Kamera begleitet. So ist es leider bei diesem einzigen Bild geblieben. Sie werden es schnell vergessen.

Sie werden damit aber an ein anderes Publikum geraten können, welches z. B. Fotobücher wert schätzt und sich Ausstellungen anschaut bzw. sich Zeit nehmen kann. Mit Bildserien kann man weiterhin an den (besseren) Fotowettbewerben bzw. Ausschreibungen teilnehmen. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Internetseite Fotofeinkost. Besuchen Sie auch einmal die Internetseite des Kasseler Fotobuchblog. Kaum einer der dort vorgestellten Foto-Künstler kann auf das Prinzip der fotografischen Serie verzichten. Wenn Sie noch jung sind und voller Tatendrang stecken, überlegen Sie vielleicht, Fotografie gar zu studieren. Spätestens hier dann müssen Sie sich von losen „Knipsbildern“ in Ihrem Portfolio verabschieden.

Leider handeln die meisten der vielen, vielen Lehrbücher zur Fotografie immer nur davon, wie man – salopp gesagt –  einen Fotoapparat bedienen- und welche Effekte man mit der Bildbearbeitung erlangen kann. Mit Fotografien bzw. mit einer entsprechenden Didaktik beschäftigen sich die wenigsten.

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Arbeit ruht

Bild No.5 einer FotoserieBild No.1 einer FotoserieBild No.2 einer FotoserieBild No.3 einer FotoserieBild No.4 einer Fotoserie

Auch bei dieser Fotoserie nahm ich mir Zeit und dachte mir ein Konzept aus – wenn auch ein eher poetisches: Völlig abstrakt ruhen diese Baustellen-Elemente bei Nacht. Tagsüber herrscht hier Lärm. Der Staub hat sich nun gelegt. Arbeit schweigt.
Natürlich hatte ich auf meinen nächtlichen Stadtspaziergängen viel mehr Bilder dieser Art aufgenommen (Ich nutzte eine simple analoge Kleinbildkamera mit Blitz und einen Farbdia-Film mit 36 Aufnahmen aus dem Drogeriemarkt). In die Auswahl schafften es dann nur diese Fotografien. Dies reicht. Keinesfalls sollte man zu viel zeigen, da sich so etwas recht schnell abnutzt. Solche Eigenarten einer profanen Baustelle jedoch sind sicherlich nichts, was normalerweise bildwürdig ist. Durch das Blitzlicht – was ich im Übrigen sehr gerne nutze – erhalten sie in der Nacht jedoch eine gewisse Abstraktion. Man meint, man wäre auf dem Mond. Aber es war nur die direkte Nachbarschaft. Das kann Fotografie.

Fotografische Wiederholung: Die Typologie

Eine besondere Form der Fotoserie ist die sogenannte „Typologie“. Auch hier kommt es nicht unbedingt auf das Wo, Was oder Wer an. Das (berühmte) Gegenteil zeigt das Ehepaar Becher mit ihrer Typologie über die verschwindenden (Was) Förder- und Wassertürme in den ehemaligen Zechenregionen (Wo). Hinweis: Achten Sie bei den Becher-Typologien einmal auf das Licht – Es wurde hier stets bei bedecktem Himmel fotografiert. Dies war wahrlich kein Zufall sondern wurde bewusst beachtet. Bei mir geht es in der Nachbarschaft idyllischer zu:

Foto aus einer Typologie

ein weiteres Bild aus der TypologieBilder im Schneeein Foto einer SerieHochsitz eines Jägers

Eine solche Typologie ist also eine Zusammenstellung gleichartiger Motive und durch eine Kombination wird ein gewisses gemeinsames Wesen der Motive erst offensichtlich. Für diese kleine Serie stapfte ich über mehrere Wochen durch den Schnee bzw. suchte mir zuvor mittels Google-Maps (Satellitenansicht) entsprechende Orte heraus. Es war hier also eine gewisse Vorarbeit nötig. Ich achtete dann immer sehr darauf, dass stets das gleiche Licht (bzw. ein milchiger Himmel) vorhanden war (Wetterbericht) und legte mir den Horizont immer auf die gleiche Höhe (mittels einer kleinen Markierung auf der Mattscheibe meiner Mittelformatkamera). Heraus gekommen ist dann eine handwerklich gut gemachte und konsequente Bildserie über diese Jägerhochstände, die nun so seltsam und friedlich in der Winterlandschaft ruhen. Nun könnte man hierzu auch einen kleinen, klugen Text über die Jagd schreiben. Doch die Fotoserie funktioniert auch ohne moralische Aspekte. Sie ist dann eben etwas Pittoreskes fürs Auge.

Bilder in einer Fotoausstellung

Die Fotografien als S/W-Handabzüge gerahmt je hinter einem selbst angefertigten Passepartout auf einer Fotoausstellung: Auch der Raum, die Art der Bilderrahmen tragen zur Wirkung dieses Gesamten bei. Ein kluger Text könnte noch angebracht werden – Dies muss, je nach Art der fotografischen Serie – jedoch nicht sein.

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Triptchon & Diptychon

Wem die Sache mit der fotografischen Serie noch etwas zu komplex ist (immerhin bedarf die Anfertigung / die Planung recht viel Zeit), der könnte es auch einmal im Kleinen probieren. Aus der Kunstgeschichte stammen die Begriffe Diptychon und Triptychon, di und tri – also zwei und drei. Sie wären nicht der erste, der ein Werk auf je zwei oder drei Einzelbilder aufteilt. Und so könnte das aussehen:

ein Triptychon in der Fotografie

Eigentlich ganz einfach: Hier haben wir wieder die Typologie. Aber ich stand mit der Kamera einfach vor dieser seltsamen Röhre, in welcher die Silhouetten dieser Kinder hindurch geschossen werden. Ein etwas seltsames Bild im Winter. Also drückte ich bei ansonsten gleicher Einstellung mehrmals auf den Auslöser meiner Kamera. Das Bild nutzt sich schnell ab. Daher sollten es letztendlich nur drei Aufnahmen sein. Ich reihe sie als Tripel, ich präsentiere diese Mini-Serie als Triptychon.

ein fotografisches Diptychon

Später viel mir bei diesem Diptychon auf, dass das rechte Bild im Kontrast etwas zu weich ist. Hier müsste ich noch einmal ran – innerhalb einer Serie sollten alle Bilder ja ungefähr gleich bearbeitet sein.

Ein anderes Beispiel: Hier war ich einmal mit einem Freund in einem alten Steinbruch unterwegs. Ich nahm mit meiner „Immer Dabei Kamera“ mehrere Fotografien auf. Wieder standen sie so für sich alleine recht belanglos dar. Also wurde ich in meiner Endauswahl richtig minimalistisch: Ich entschied mich nur für zwei der Aufnahmen und präsentiere diese als Diptychon. Bei diesem Zweierpaar mische ich sogar die Formate und wandte eine je völlig andere Komposition an. Eine Regel gibt es ja nicht. Gewiss: Solche Bildpaare haben häufig etwas Plakatives an sich. Das ist mir aber lieber als eine wild durcheinander gemischte Fotoflut.
Was jedoch, wenn der Großvater des Freundes früher hier schuftete? Schon ergibt sich (durch eine Information / durch einen kleinen Text) etwas ganz Eigenes. Unser Gehirn fängt zu arbeiten an. Dies macht den Unterschied aus. Plötzlich nehmen die oben erwähnten drei Ws (wo, was, wer) ihren Platz ein – Fotografie wird poetisch.

Versuchen Sie einmal, Ihr Portfolio bzw. Ihre Website-Navigation tatsächlich nach inhaltlichen Themen zu ordnen. Verzichten Sie besser auf eine eher formale bzw. technokratische Strukturierung wie „Schwarz-Weiß“, „Akt“, „Landschaft“, gar „analog“ und dergleichen.

Kurzum

das Fotomagazin Auslöser

Zu diesem Thema passt auch die Vorstellung des Fotomagazins Auslöser.

Ich werfe einmal kurz den schönen Begriff „Findlinge“ in den Raum. Sie werden jetzt vielleicht nicht gleich eines der Fotos vom Anfang dieses Beitrages klar vor Augen haben. Doch Sie werden sich grob an den Umriss meiner kleinen hübschen Serie erinnern. Auch an meine zur Kunst erhobenen Pizzakartons werden Sie sich erinnern (obwohl die Objekte selbst Müll waren). Das ist der Vorteil vom bewussten Fotografieren bzw. Präsentieren der eigenen Bilder in konkreten Serien. Bei der Masse an Bildern, der wir heute „ausgesetzt“ sind, vergisst man die meisten schnell. Als Hobbyfotograf macht es mir heute auch kaum noch Freude, einzelne Bilder anzufertigen. Sie sind so einfach viel zu flüchtig und zu beliebig. Man vergisst sie wieder schnell. Schade um den Film! Und als betrachtender Fotofreund nehme ich mir heute nur noch Zeit für Projekte (Fotobücher, Serien, Konzeptionelles). So habe ich selbst nun durchaus einen sehr geringen Filmverbrauch und ärgere mich nicht mehr über die hohen Filmpreise: Ich überlege mir immer genau, welches Thema mich grob interessiert und denke dann über eine entsprechende Bildserie nach. Wer eine eigene Internetseite für das präsentieren der eigenen Fotos hat, kann diese somit entsprechend strukturieren. Statt nichtssagende Kategorien wie „Schwarz Weiß“, „Natur“, „schöne Menschen“ oder gar „analog“ und „digital“ kann man nun tatsächlich konkrete Themen angehen. Die Besucher werden sicherlich dankbar sein und sich übermorgen vielleicht nicht an die Bilder selbst- durchaus aber an Ihre Projekte – und an Sie als Fotografen – erinnern.

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Artikeldatum: 2.01.2019 / letzte Änderung: 6. Juli 2020

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der Author dieser SeiteGuten Tag. Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr 20 Jahren mit der analogen Fotografie und entwickele meine Bilder im eigenen Labor oder "mit" dem Computer. Gerne empfange ich übrigens Kommentare – und beantworte diese auch.

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Thomas (Admin) | am 14. September 2019

Hi Ben, gut aufgepasst: Damals fotografierte ich im Panorama quer bis kurz zum Himmel. Anschließend nach der Digitalisierung der 5×12-Negative wurde dieser weg retuschiert und digital mit einem künstlichen, hohen, blassen ersetzt bzw. die Bilder so zum Hochformat. Mein Thema für diese Serie war „Künstlichkeit“ (künstliche Landschaften / Offenlandschaften) und dieser technische Schritt unterstrich das Konzeptionelle dahinter.

Ben | am 14. September 2019

Hallo Thomas deine Seite ist wirklich eine Empfehlung wert! Auf dem einen Foto (mit dem Fahrrad) zeigst du eine Panoramakamera und dann die Bilder auf einer Ausstellung. Warum sind die aber im Hochformat? Hast du das Panorama dann beschnitten? Dann braucht man solch eine Kamera doch gar nicht?

Frau Müller | am 24. Januar 2019

Thomas Du schreibst: «Die meisten Fotofreunde interessieren sich kaum für Bilder»

Genau das ist ja das Trauerspiel. Den allerwenigsten der sog. ernsthaften Fotografen geht es um Bildinhalte. Allenfalls um Schärfe und andere technische Themen. Also um Erscheinungen, die sich für Leute, die im «Visuellen» benachteiligt sind, gerade noch erschließen lassen. Ich habe mir einmal die Mühe gemacht auf APHPG (von Dir genannt) die Fotos anzuschauen. Selten sah ich eine solche Ansammlung von talentbefreiter geistiger Armut, Langeweile und Einfallslosigkeit. Aber, wie nicht anders zu erwarten war, mit dem teuersten und besten Gerät erzeugt.

Apropos teuerstes und bestes Gerät: vor mir liegt ein Buch von Marc Riboud. Warum gelang es dem Franzosen vor Jahrzehnten mit Gerätschaften, welche ernsthafte Fotointeressierte meist nicht einmal unter Zwang verwenden würden, solche Bilder zu erzeugen? Bilder die noch nach Jahrzehnten seit der Aufnahme zu begeistern wissen.

Viele seiner Fotos sind unscharf. Das Bokeh wahrscheinlich noch nicht einmal bescheiden. Insbesondere denke ich an sein wahrscheinlich berühmtestes Foto (Devant le Pentagone, une fleur contre soldats et baïonettes, 21.10.1967). Das Bild ist verwackelt, die Schärfe ist falsch eingestellt, es hat ausgebrannte Lichter, ist körnig und wahrscheinlich mit einem Objektiv aufgenommen, das von optischen Fehlern nur so strotzt. Und dennoch: das Bild ist großartig; trotz dem völlig unbrauchbaren Bokeh. Man glaubt es kaum. Besser als alles was ich in APHOG jemals sah.

Auch den Maler vom Eifelturm (sans assurance à 280 m au dessus de Paris, 1953) hätten die meisten unserer Fotofreunde ausgemustert. Die Schärfe liegt auf der Hand/dem Eimer und nicht auf den Augen! Und überhaupt, selbst dort ist die Auflösung alles andere als rekordverdächtig. Mit einem solchermaßen schwachen Objektiv kann man keine guten Bilder machen. Oder vielleicht doch wenn man weiß was man macht und Ideen hat – einfach, wenn man in Bildern denken kann?

Thomas (Admin) | am 23. Januar 2019

Hallo Frau Müller, hier bin ich auch d’accord. Die Sache hat allerdings für mich als Schreibenden einen Haken: Die meisten Fotofreunde interessieren sich kaum für Bilder (sondern für Fototechnik). Da ich nun meine Brötchen mit dem Schreiben von solchen Artikeln verdiene (Werbung) schreibe ich primär über eben letzten Punkt. Genau das machen eben alle anderen (Fotozeitschriften) auch und die Fotoindustrie versorgt die Fotofreunde mit allerlei Neuem.
Davon abgesehen: Am meisten Freude bringt mir das Schreiben natürlich über Themen wie dieses hier im Artikel. Da möchte ich doch einmal sehen, ob ich da in Zukunft noch etwas mehr beisteuern kann.

Frau Müller | am 22. Januar 2019

Oups, kleiner Fehler im Satz: es sollte heißen:

Ich möchte sogar wagen fast so weit zu gehen es auf die Frage zu reduzieren warum man überhaupt Bilder macht.

Frau Müller | am 22. Januar 2019

Hallo Thomas,

das war der mit weitem Abstand beste Beitrag den ich von Dir lesen durfte.

Mit diesem Artikel „betrittst“ Du Neuland das sich wohltuend von anderen Blogs und Internetseiten abgrenzt. Du gehst (endlich) an die Wurzel. Nicht mehr die Technik steht im Interesse sondern das viel wichtigere Drumherum. Ich möchte sogar fast so weit zu gehen es auf die Frage zu reduzieren warum man überhaupt Bilder macht.

Ohne Konzepte hinter Bildern bleibt alles wahlloses Geknipse. Zufallstreffer eingeschlossen.

Wer Objektive und Kameras anhäuft weil die Kumpels im Forum es auch so tun, am Wochenende sich entschließt Bilder zu machen, dann aber ratlos vor dem Schrank steht und nicht weiß was er auswählen soll weil man nicht alles mitnehmen kann, zusätzlich auch nicht weiß was fotografiert werden soll, ist alles, nur kein Fotograf.

Dass solche Leute nur Bildermüll erzeugen versteht sich von selbst. Von solchen armseligen Trotteln leben die Industrie und die Internetforen; aber nicht die Fotografie.

Schreibe lieber für Menschen die sich Ideen und Konzepte ausdenken und diese in Bildern umsetzen möchten. Das scheinst Du gut zu können. Ich bin gespannt auf weitere Texte in dieser Richtung.


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