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Die Lomografie zwischen Knipsen und Bildkunst

Als ein Phänomen, welches sich seit ca. der Jahrtausendwende immer noch großer Beliebtheit erfreut, kann sicher die sogenannte Lomografie bezeichnet werden. Sie versucht im Grunde genau das Gegenteil von dem, was die Kameraindustrie als erstrebenswert hält, nämlich die technisch bewusst unperfekte Fotografie zu erschaffen.

Foto mit einer Lomography Kamera

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In einem Punkt geht diese „Lomography“ jedoch mit der konventionellen Fotografie konform: Was das Knipsen anbelangt. Das muss aber nicht sein: Solche einfachen Film-Kameras eignen sich durchaus auch für Bilder, die man sich öfter anschauen mag.

Karton der Holga Lomography Kamera

So fetzig kommt der Karton der Lomography Holga Kamera daher (hier abgebildet jener des großen Sets mit Farbblitz und Zubehör).

Eigentlich war dies sicherlich seinerzeit sicher ganz anders geplant: Eine Gruppe Studenten aus Österreich gründete – wohl auch aus Jux – die sogenannte Lomografische Gesellschaft. Sie besorgten sich zuvor in der gerade unter gegangenen Sowjetunion günstig einige Knipskameras der Firma „Lomo“ und verteilten diese an Freunde. Das Ergebnis waren Veranstaltungen mit Wänden voller kleiner Fotografien, die den Schnappschuss sozusagen erhoben.

Foto mit einer Lomokamera gemacht

Es muss nicht quitschbunt und verspielt sein: Man kann eine „Lomokamera“ auch für ernsthafte Sujets verwenden, denen der weich abbildende Charakter der einfachen Objektive durchaus zuträglich ist.

Tatsächlich war es also zunächst der Moment bzw. das „unüberlegte“ Fotografieren aus dem Handgelenk, welches die Lomography (deutsche Schreibweise eigentlich „Lomografie“) charakterisierte.

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ein Foto mit einer Lomography Kamera gemacht

Bildfehler können einem Motiv auch stehen. Das simple Plastikobjektiv der „Holga“ liefert sehr weich gezeichnete Bilder.

Über die Jahre wurde dieser „Moment-Charakter“ jedoch immer weiter von etwas anderem verdrängt: vom Charakter der miserablen Abbildungsleistung jener Lomografie-Kameras. Und dies ist eigentlich das viel Interessantere an solchen analogen Kameras – insbesondere wenn man dem gegenüber die perfekte Abbildungsleistung moderner Digitalkameras stellt.

ein SW Lomo Foto

Der Autor belichtet im eigenen Fotolabor seine S/W-Fotos selbst auf Papier. Hier ergeben sich nicht selten kleine Kunstwerke auf Basis der wahrlich schlechten Objektive, die viele Lomo-Kameras besitzen.

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Foto einer analogen Spielzeugkamera

Im Grunde sind dies ganz simple Spielzeugkameras mit sehr einfachen Objektiven (oft aus Plastik).

Holga Kamera mit Farbblitz

Eine der bekanntesten Lomo-Mittelformatkameras: Die Holga in der Version mit wechselbarem Farbblitz.

analoges Foto mit Plastiklinse

Die häufig verbauten Plastiklinsen in solchen Kameras eignen sich insbesondere für die Farbfotografie bei Sonnenschein: Es schaut dabei aus wie im Märchen.

Hierbei besteht für viele Menschen ein gewisser Reiz. Dummerweise assoziierten bald viele die analoge Fotografie mit derlei Bildfehlern wie z. B. Randunschärfe, Vignettierung, Farbverfälschung usw. Doch mit einer guten analogen Kamera lassen sich freilich auch technisch sehr anspruchsvolle Fotografien machen – jedoch nicht mit solch einer „Lomo-Kamera“.

ein Weichzeichner Objektiv

Das Objektiv der Kamera „Holga“ besteht lediglich aus einer sogenannten Meniskuslinse aus Acryl (Kunststoff). Solch eine Linse bildet voller Bildfehler ab. Jedoch: Wie bei einem Weichzeichner-Objektiv können derlei Fehler für eine Fotografie durchaus auch förderlich sein.
Das Beispielfoto (Ausschnitt) wurde mit einer (modifizierten) Holga Kamera gemacht, auf dem Film „Kodak Portra 160 VC“. Die Holga Kamera kann man auch heute noch noch kaufen, ebenso wie die Lomography Diana.

ein Landschaftsfoto mit der Lomokamera

Eine Landschaftsfotografie mit der Holga-Lomokamera.

Aus dem anfangs erwähnten Studentenkreis wurde nun tatsächlich ein boomendes Geschäft! Immer mehr (insbsondere jüngere) Menschen wollten in den letzten 10 Jahren solche Plastikkameras haben – und sei es auch als Alternative zu den „präzise“ funktionierenden Digitalkameras. Damit stieg allerdings auch das Maß an (um böse zu sein) belanglosen Knipsbildern. Dabei kann man solche einfachen Kameras (der speziellen Objektive wegen) durchaus auch für eine etwas anspruchsvollere Gestaltung einsetzen.

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Fotografieren mit analogen Plastikkameras, Einwegkameras und "Lomokameras", dies ist das Thema dieses Buches. Der Autor zeigt, was für kleine Kunstwerke mit solchen einfachen Fotoapparaten und Lochkameras möglich sind und wie dies gemacht wird. Auf Amazon kann man durchaus einen Blick in dieses Buch werfen.

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eine Lomografie Fotografie

Das sieht doch etwas aus wie im Märchenfilm. Das Plastikobjektiv der Holga-Kamera war bei diesem Beispielfoto durch das Gegenlicht völlig „überfordert“. Nichts ist richtig scharf. Das Negativ des Kodak Portra Filmes war auch sehr dicht (dunkel) und besaß einen Farbstich, sodass man bei einem solchen Foto nicht um eine gewisse Bildbearbeitung umhin kam. Das Ergebnis überzeugt dennoch (zumindest den Autor).

ein Foto mit einer Einwegkamera

Die Lomografie eignet sich jedoch auch für düstere Arrangements und: Es muss freilich kein dedizierter Fotoapparat der Firma Lomography verwendet werden! Hier wurde eine Einwegkamera mit eingebautem Blitz verwendet. Um die Bildergebnisse jedoch noch schlechter zu machen, wurde die Einwegkamera etwas modifiziert (es wurde eine Linse entfernt).

Foto mit einer Holga-Kamera

Typisch für solche Kameras bzw. für solche Meniskus-Objektive (nur eine einzige Linse) ist der Randlichtabfall und die Unschärfe an den Bildecken (hier wieder mit der Holga fotografiert).

eine Pouva Start Kamera

Es muss nicht unbedingt eine neue original Kamera der Firma Lomography sein: Solch eine Pouva Start, eine Anfänger-Kamera für 120er Rollfilm aus der ehemaligen DDR, ist prinzipiell nichts anderes als eine „Holga“ oder „Diana“ und liefert entsprechend ähnliche Bilder – für einen Gebrauchtpreis von wenigen Euro.

ein Lomography Foto

Knallige Farben sind nicht selten typisch für die Lomographie.

Lomo Mittelformatkamera

Viele Lomokameras nutzen den großen Mittelformatrollfilm (statt den kleineren 35mm-Film) – Hierdurch ist eine simplere Konstruktion realisierbar, da kein Zählwerk verbaut werden muss: Man liest die aktuelle Bildnummer einfach durch ein Fensterchen auf der Rückseite ab.

B.I.G. Holga 120N Kamera schwarz
B.I.G. Holga 120N Kamera schwarz
von Holga

Die Holga ist eine simple Mittelformatkamera mit absichtlich schlechter Abbildungsleistung. Mit ihr gelingen die typischen "Lomobilder".

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Übrigens: Wer Geld sparen möchte, der kauft sich einfach auf dem Gebrauchtmarkt eine sogenannte Boxkamera. Diese Kameras waren vor vielen, vielen Jahren die günstigsten auf dem Markt erhältlichen Fotoapparate. Ihre Objektive sind oftmals ähnlich schlecht wie die einer Holga oder „Diana-Kamera“.

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Artikeldatum: 19.09.2016 / letzte Änderung: 24. November 2020

der Author dieser SeiteHallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr 20 Jahren mit der analogen Fotografie und ich entwickele meine Bilder in der Dunkelkammer oder "mit" dem Computer.

Diese Website hat inzwischen den Umfang eines ganzen Lehrbuchs erreicht: Schauen Sie / schaue Du auch einmal in das Inhaltsverzeichnis hinein.

Relevante Artikel auf Analoge-Fotografie.net


Janos | am 1. Oktober 2020

Hallo!

Ich habe vor einem Jahr eine Lomokamera gekauft. LC-A 120. Mittelformat mit Weitwinkelobjektiv. Die weltweit kompakteste Mittelformat Kamera mit Belichtungsautomatik! Am Anfang war etwas ungewohnt die Entfernung zu schätzen und die vier Möglichkeiten 0.6, 1, 2,5 , 4m und unendlich so einzustellen. Die Bilder waren am Anfang auch nicht so gut, wie ich es erhofft habe.

Aber mit der Zeit habe ich dazugelernt, auf das Licht zu achten und vor allem den Quadratischen Mittelformat zu nutzen und lieben lernen. Ich bin jetzt sehr zufrieden mit der LomoKamera. Ich habe auch eine gute Digital Sony Kamera aber ich fotografiere jetzt mehr analog mit der Lomokamera. Diese Bilder gefallen mit besser und sind interessanter als die digitale Bilder.

Ich empfehle diese Kamera auszuprobieren, ca. 400€ aber jeden Euro wert, weil die Bilder eine individuelle Ausstrahlung haben auch wenn sie technisch nicht so gut sind, wie ein Digitalbild.

Das Weitwinkel Objektiv und das Quadratische Format verdichtet das Bild und das hat seinen eigenen Reiz. Das gibt den Bilder mit dieser Kamera bzw. den Fotos eine persönliche Note, Individualität.

Das möchte ich nicht mehr vermissen. Überhaupt habe ich meine Liebe zu analoge Fotografie entdeckt.

Ich habe auch ein gute teure Videocamera aber jedesmal bin ich fasziniert von den Bildern die ich mit der Lomo LCA-120 Kamera mache!

Thomas (Admin)
Hallo und danke für den Kommentar! Die Lomo LCA-120 finde ich sehr interessant, da sie als 6×6-Mittelformatkamera tatsächlich sehr kompakt ist. Man muss eben mit dem starken Weitwinkel zurecht kommen bzw. dafür Motive haben. Sicherlich ist die optische Qualität dann nicht so gut wie bei großen (und schweren) Mittelformatobjektiven, in diesem Zusammenhang vermutlich eher „schlecht“. Aber dafür kann man sie auch neu kaufen und manch einer möchte sicher diesen „Lomo-Look“. 390 € finde ich hierfür auch gar nicht so sehr teuer, zudem sie offenbar auch eine Belichtungsautomatik besitzt (was wenige Mittelformatkameras können).

Frank | am 12. Oktober 2018

Ich tu mirschwer für meine AGVA mini die einen 110 film braucht im handel zu bekommen geschweigen entwikeln zu lassen

| am 25. Mai 2018

Hallo und danke für die Infos! Ich probiere sehr viel mit „schrottigen“ Linsen herum und liebe diesen Look. Leider ist es schwer sowas an gute Kameras zu adaptieren und suche daher immer welche, bei denen man möglichst viel einstellen kann aber eben keine Holga und so etwas.

Jürgen | am 5. Januar 2018

Hallo,
der ursprünglichen Lomo mit dem 32mm Minitar, die der Nachbau einer Cosima war, tust du mit der Aussage von minderer Bildqualität bitter unrecht. Die Schärfe war ok, die Belichtungsautomatik im Dunkeln super, einzig die Verzeichnung war manchmal etwas nervig. Dafür hatte sie ja auch ein Weitwinkel. Durch ihre Vignettierung neigte sie bei Landschaftsaufnahmen zu sattem Himmelsblau.
Meine erste Lomo erstand ich in einem Schnäppchenmarkt, offenbar eine Exportausführung mit deutscher Betriebsanleitung, spätere, auf Polenmärkten für 20 DM noch vor dem Hype feil gebotene, fand ich von der Haptik wesentlich ungeschmeidiger.
Mit den anderen Dingern und ihren Plastikscherben im Objektiv, die dann auf einmal auch Lomo hießen, hast du natürlich hinsichtlich der Abbildungsgüte recht.
Jürgen


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