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Die Lochkamera zur Bildgestaltung einsetzen

Die Lochkamera stellt den simpelsten Fotoapparat dar: Ein lichtdiches Kästchen besitzt vorne ein winziges Loch (das „Objektiv“) und diesem gegenüber ist ein (Stückchen) Film eingelegt. Dieser wird belichtet und man kann mit einer solchen Konstruktion tatsächlich Bilder machen. Dieses Prinzip lässt sich sogar für ganz bestimmte fotografische Konzepte nutzen.

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Die meisten Fotofreunde, die sich bisher eine Lochkamera gebaut haben, werden dies sicherlich aus voller Neugier und Faszination heraus getan haben: Denn es funktioniert tatsächlich – selbst eine Konservendose lässt sich zur Kamera umbauen, indem man vorne einfach ein winziges Loch in das Blech bohrt und danach (im Dunkeln) ein Stück fotografischen Film auf der gegenüberliegenden Seite fixiert. Nun wird diese Kamera abgedichtet und für mehrere Minuten vor ein Motiv gestellt. Entwickelt man den Film im Anschluss, kann man sich über eine richtige Fotografie freuen, wenn auch über eine technisch fragwürdige, wenn man hier einen konservativen Geschmack hat.

Nicht wenige Fotografen fertigen sich ihre Lochkameras jedoch aus Hölzern oder kaufen sich einfach ein komplettes Set (Amazon).

eine Lochkamera aus einer Dose

Eine echte Kamera kann an sich schnell aus einer Konservendose selber bauen. Hier wurde zunächst ein grobes Loch in die Dose gebohrt. Danach wurde ein Stückchen Aluminiumfolie eingeklebt. Und in diese Alufolie wurde mit einer Stecknadel ein feineres Loch gestochen. Für die ersten Experiemente genügt dieses „Objektiv“. In völliger Dunkelheit kann nun ein Stückchen Film, den man z. B. von einer Kleinbildpatrone abschneidet, eingelegt werden. Man klebt ihn einfach mit etwas Krepp-Klebeband fest. Der Boden muss natürlich lichtdicht verschlossen werden können (es gibt für manche Dosen Plastikaufsätze). Statt Film kann man auch Fotopapier (bei Papier kann man Rotlicht verwenden, bei Film nicht) einlegen. Dann werden die Belichtungszeiten jedoch viel länger.

Foto einer Pinhole-Kamera

Und so schaut dann ein solches „Pinhole-Foto“ (Lochkamera-Bild) aus. Dieses wurde mit einer 6×6-Kamera aufgenommen. Richtig scharf sind solche Fotografien eigentlich nie. Daher empfiehlt sich ein körniger Film (ab 400 ASA / ISO), denn sichtbares Filmkorn verstärkt die visuelle Schärfe.

Der Autor verwendet für seine Lochkameraaufnahmen meist einen klassischen S/W-Film der 400-ASA-Klasse. Dieser wird dann daheim im Bad selbst entwickelt und zwar mit einem Filmentwickler, der das Filmkorn nicht rund lutscht („Rodinal“).

Noch ein Tipp zum Selber Entwickeln solcher Pinhole-Fotos: Lieber etwas länger entwickeln! Denn eine Lochkamera bildet meist recht flau bzw. kontrastarm ab. Durch eine verlängerte Entwicklung (z. B. eine um 30% verlängerte Entwicklungszeit) kann dem Kontrastverlust etwas entgegen gewirkt werden.

Bei dem obigen Bild wurde übrigens ein Rotfilter verwendet, um das Himmelsblau richtig dunkel erscheinen zu lassen bzw. um den Kontrast zu erhöhen. Dies geht bei solchen Pinhole-Kameras natürlich auch: Kamera-Filter verwenden. Nutzt man einen solchen  Farbfilter vor dem Objektiv – Pardon: Loch – muss man dessen Verlängerungsfaktor natürlich auch hier berücksichtigen bzw. noch länger Belichten. Dies kann dann bei sonnigem Wetter durchaus schon einmal mehrere Sekunden dauern. Ein Stativ ist hier also Pflicht.

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Keine Lust auf Basteln? Ilford bietet auch eine fertige Lochkamera mit präzise geschnittener Lochblende an. Belichtet werden kann 4x5 Inch Fotopapier oder Planfilm.

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Die geladene Lochkamera stellt man nun draußen irgendwohin, wo sie kontinuierlich belichten wird. Nach vielleicht zehn Minuten (je nach Lochgröße, Filmtyp und Helligkeit) ist die Aufnahme fertig. Nun muss die Lochkamera wieder in absolute Dunkelheit, wo das Stückchen Film entnommen wird, um ihn selbst zu entwickeln. Man kann sich auch eine Kamera bauen, bei der ein Kleinbildfilm von einer vollen Patrone in eine leere gespult wird. Dann kann man diesen Film zur Entwicklung abgeben. Der Aufbau diese Arten von Lochkameras sind aber freilich mit mehr Aufwand verbunden.

Übrigens: Belichtet man ein Stück Fotopapier oder einen Film nur genügend lang (mehrere Stunden), so erhält man bereits ohne eine Entwicklung ein Bild. Allerdings ist dieses bereits bei einer normalen Kamera ein sehr dünnes, kaum sichtbares. Aber es funktioniert.

Foto einer Lochkamera

Es ist auch möglich, das Loch mit einer konventionellen Optik zu verbinden. Mittels solch einer „Semi-Lochkamera“ erhält man dann beides: Eine höhere Auflösung (Detailgenauigkeit) und komplett durchgehende Schärfe, mittels welcher dann solche surreal erscheinende Fotografien möglich sind.

Eigenschaften einer Lochkamera

Da bei diesem Kameratyp in der Grundfunktion keine Linse mit einem Brennpunkt vorhanden ist, ergeben sich sehr typische Eigenschaften bei Lochkameras:

ein ganzer Raum als Lochkamera

Was soll das denn sein? Ein „Kästchen“ jedenfalls nicht mehr. Auch das ist eine Kamera: ein ganzer Raum als Kamera. Die Wände wurden schwarz angestrichen. Die Fenster wurden mit Alufolie komplett lichtdicht gemacht. An einer Stelle befindet sich jedoch ein münzgroßes Loch. Auf der vom Fenster gegenüberliegenden Wand wird das Straßenbild kopfüber projiziert. An dieser Stelle kann dann großes Fotopapier hin gehangen- bzw. belichtet- und im Anschluss entwickelt werden. Der Raum selbst ist also eine betretbare Lochkamera. Leider ist hier, so interessant die Sache auch ist, die Motivauswahl freilich äußerst gering. Einige Fotografen statten daher mehrere Räume entsprechend als Lochkamera aus und fotografieren diese Projektionen.

Eine sehr ausführliche Anleitung zum Bau einer Lochkamera (inklusive Anfertigung des Lochs) finden Sie an dieser Stelle des Internets. Wer es zunächst einfacher haben möchte, nutzt einfach die vorhandene analoge Kamera, so sie denn Wechselobjektive verwenden kann:

Die Lochkamera aus der Spiegelreflexkamera

eine SLR-Kamera als Lochkamera

Statt sich nun aber selbst ein Gehäuse aus Holz zu kaufen oder selber zu bauen, kann man auch einfach eine analoge Spiegelreflexkamera (SLR) nehmen und statt einem Objektiv einen passenden Gehäusedeckel aufsetzen. In diesen Deckel muss man natürlich ein Loch bohren. Dahinter wird ein Stück ganz dünnes Blech platziert (z. B. jenes von Teelichtern oder einfach Alufolie), in welches man behutsam ein kleines Loch gestochen / gebohrt hat: Fertig ist die Lochkamera aus der SLR, die man sicherlich ohnehin bereits hat.

Der Autor fertigt sich seine Pinholes so an:

  1. Man schneidet sich einen Streifen Metall aus einem Teelicht zurecht.
  2. Mit z. B. einem Kugelschreiber wird eine Delle hinein gedrückt.
  3. Mit ganz feinem Schmirgelpapier wird diese Delle oben nun sehr dünn geschmirgelt.
  4. Mit einer ganz dünnen Nähnadel wird nun mit ganz sanfter Hand ein winziges Löchlein hinein gebohrt / gepiekt.

Durchmesser des Lochs einer Pinhole-Kamera

Tipp: Mit einem Scanner und einem Lineal kann man dann ungefähr den Durchmesser des winzigen Lochs ermitteln. Wozu? Hat man diese Maße und den Abstand zum Film, kann man sich die Blende errechnen: Blende = Abstand zur Filmebene geteilt durch Lochdurchmesser. Mein Löchlein hat hier einen Durchmesser von ca. 0,5 mm. Der Kameradeckel sitzt ca. 80 mm vom Film entfernt auf: 80:05=160. Mein Lochkamera-Objektiv hat also eine Blende von 160.

Weiß man die Blende und die Empfindlichkeit des zu belichtenden Filmes, kann man die Belichtungszeit mit einem Handbelichtungsmesser ermitteln.

Die Lochkamera
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Freilich kann man sich auch eine funktionierende Lochkamera aus einem Kaugummi und einer Konservendose bauen. Es ist aber auch durchaus möglich, qualitativ hochwertige Fotografien mit einer solchen Pinhole-Kamera anzufertigen. Dieses Buch führt den Leser in die erweiterten Techniken für eine optimale Abbildungsqualität ein. Es ist z. B. bei Amazon erhältlich.

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Der einzige Nachteil: Eine Weitwinkel-Lochkamera ist so (in einer Spiegelreflexkamera) nicht realisierbar, sondern eine „Brennweite“, die einem Standardobjektiv entspricht – ca. 50 mm im Kleinbild oder 80 mm bei 6×6-Mittelformatkameras.

Die Vorteile bei der Verwendung einer Spiegelreflexkamera als Lochkamera: Man muss sich keine Gedanken über den Filmtransport machen. Und: Man kann bei hellem Sonnenlicht sogar den Spiegelreflex-Sucher nutzen! Tatsächlich sieht man das Motiv darin auch mittels Pinhole als Objektiv. Weiterhin nutzt man einfach die „B-Funktion“ des eingebauten Verschlusses (die Langzeitbelichtung) und zwar am besten mit einem Drahtauslöser, wie man ihn auch im obigen Bild sehen kann.

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Artikeldatum: 30.09.2016 / letzte Änderung: 6. September 2019

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authorGrüße! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr bald 20 Jahren mit der analogen Fotografie und entwickele meine Bilder im eigenen Labor oder "mit" dem Computer. Sollte dieser Beitrag nützlich gewesen sein, freue ich mich z.B. über ein Freibier: * oder einfach über einen Kommentar.

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