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Besonderheit bei M42-Objektiven: Offenblendmessung & Arbeitsblendenmessung

Thomasletzte Änderung: Mai 20242 Kommentare

In diesem Beitrag wird zunächst auf den Nachteil vieler M42-Objektive bzw. -Kameras eingegangen. Danach wird ein Sonderfall einiger dieser Objektive besprochen. Es geht darum, wie komfortabel hierbei die Belichtungsmessung durch die Kamera realisiert werden kann.

Wer sich etwas intensiver mit älterer, analoger Fototechnik beschäftigt, hat sicherlich schon einmal von Objektiven mit dem »M42« Schraubanschluss gehört. Hierbei werden die Objektive einfach wie eine Schraube vorne in die (Spiegelreflex-) Kamera eingedreht. Dies ist nicht so elegant wie bei einem Bajonett. Aber es funktioniert eigentlich genau so gut. Soviel zum Mechanischen.

Zwei Adapter für M42 auf andere Kameras und ein Objektiv

M42-Adapter für andere Kamera-Anschlüsse

Der Vorteil der M42-Systeme für die Nutzer ist, dass diese Objektive und Kameras heute besonders günstig gehandelt werden und in sehr großer Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt zur Verfügung stehen. Sie werden auch gerne mittels Adaptern an Digitalkameras benutzt (wodurch allerdings die Preise für zumindest sehr lichtstarke M42-Objektive wieder gestiegen sind).

Offenbar gab es nie einen Patentschutz auf das M42-Schraubgewinde, sodass damals (primär 1960er / 1970er Jahre) sehr viele Hersteller ihre Kameras mit genau diesem Anschluss ausstatteten bzw. Objektive hierfür produzierten. Hierbei ist man als Nutzer dann zunächst frei darin, welche Marke man auf welche Kamera schraubt = Man muss sich nicht an bestimmte Hersteller binden: Alle M42-Objektive sind mit allen M42-Kameras kompatibel (evtl. Sonderfälle nicht mitbedacht).

Der Haken: Zunächst nur Arbeitsblendenmessung möglich

Die meisten M42-Objektive bringen jedoch einen Nachteil mit sich. Hierzu muss kurz etwas ausgeholt werden:

Damit der interne Belichtungsmesser der Kamera eine korrekte Belichtungszeit ermitteln kann, muss er wissen, welche Blende der Nutzer vorne manuell am Objektiv eingestellt hat. Diese Information wird bei den vielen proprietären Objektivanschlüssen (Nikon, Minolta, Canon, …) mittels z. B. einem Stift oder einer „Nocke“ an die Kameraelektronik übertragen. Hierzu kann die Blende während der Belichtungsmessung geöffnet bleiben und der Sucher bleibt schön hell. Dies nennt man → Offenblendmessung.

Bei dem universellen M42-System war so etwas (ursprünglich) nicht vorgesehen. Das heißt: Man muss hier für die Belichtungsmessung mittels einem Schalter „Messtaste“ an der Kamera die Blende (auf den vorher gewählten Wert) schließen: Das Sucherbild verdunkelt sich entsprechend und der interne Belichtungsmesser erhält nun das tatsächliche Licht bzw. muss nicht wissen, bei welcher Blende dieses eintritt. Dieses Prinzip nennt man → Arbeitsblendenmessung.

Detail einer analogen Kamera mit Abblendtaste und Auslöser

Schalter für die Arbeitsblendenmessung rechts über dem Auslöser bei einer Praktica-Kamera

Bei der Arbeitsblendenmessung muss immer erst ein zusätzlicher Schalter hinunter gedrückt werden, damit sich die Blende auf den voreingestellten Wert schließt. Dann wird die korrekte Belichtungszeit ermittelt. Hierzu muss bei vielen Kameras auch noch gleichzeitig das obere Zeitenrad gedreht werden, bis die Nadel / die LEDs im Sucher mittig stehen bzw. Entsprechendes signalisiert wird (außer die Kamera besitzt bereits einen Auto-Modus (A)). Dann erst kann der Auslöser betätigt werden. Dieser Vorgang gelingt zwar mit etwas Übung flüssig, ist aber etwas umständlich.

 

ein Objektiv mit sichtbarem M42-Gewinde

Dies ist ein typischen M42-Objektiv. Es besteht auf der Rückseite lediglich aus dem Gewinde und dem kleinen Pin. Dieser Pin ist für die Springblende zuständig. Dies hat nur indirekt etwas mit der Belichtungsmessung zu tun, sondern dient zunächst dazu, dass zuvor (beim Komponieren des Bildes) der Sucher hell ist bzw. dass die voreingestellte Blende erst beim Auslösen aktiviert wird, bzw. sich dabei blitzschnell schließt. Ansonsten gibt es bei diesen Standard-M42-Objektiven keine weiteren Besonderheiten auf der Gewindeseite.

Offenblendmessung möglich mit Spezialobjektiven

Es gibt jedoch auch spezielle M-42-Objektive mit einem kleinen Unterschied:

ein M42 Objektiv mit der Möglichkeit zur Offenblendmessung

Das Objektiv auf dieser Abbildung hat zunächst das reguläre Gewinde und passt somit auf jede M42-Kamera. Auch den typischen Pin für die Springblende besitzt es. Doch auf ca. 4 Uhr befindet sich hier noch ein kleiner, breiter Stift. Dreht man am Blendenring des Objektives, bewegt er sich entsprechend in eine der beiden Richtungen: Er überträgt den Blendenwert an eine hierfür kompatible M42-Kamera:

 

eine M42 Kamera von Pentax

(Als „Fallback“ rechts außen der Schalter für die Arbeitsblendenmessung, falls ein Standard-M42-Objektiv bzw. eines ohne kompatiblen Blendenwert-Mitnehmer verwendet wird.)

Man beachte bei dieser Pentax Spotmatic Kamera auf ca. 11 Uhr das kleine, schwarze Metallstück oben hinter dem Objektivgewinde: Der vorher gezeigte Bendenmitnehmer am Objektiv wird dieses nämlich bewegen – je nachdem welche Blende eingestellt ist.

Auf diese Art „weiß“ der in der Kamera integrierte Belichtungsmesser also, welche Blende am Objektiv eingestellt ist und kann die Belichtungszeit ermitteln ohne dass hierzu abgeblendet werden muss. Der Sucher bleibt nun auch beim Messen der Belichtungszeit schön hell. Dies nennt man (wie oben bereits erwähnt) → Offenblendmessung.

Universelles M42-System mit herstellerspezifischen Eigenarten

Oben war die Rede vom „herstellerunabhängigen“ M42-Objektivsystem. Zunächst stimmt dies: Das Schraubgewinde ist immer das gleiche: Jedes dieser Objektive passt auf jede Kamera mit M42-Anschluss.

Seitdem aber einige Hersteller für einige ihrer Kameras die Möglichkeit zur Offenblendmessung integrierten, musste je ein individuell modifizierter Anschluss her, also spezifische Objektive. Will sagen: Das oben abgebildete M42-Objektiv mit dem Blendenmitnehmer passt zwar auch an beispielsweise eine Praktica. Aber die Funktionalität zur Blendenübertragung an den internen Belichtungsmesser funktioniert nur mit hierfür kompatiblen Kameras (in diesem Fall der Pentax Spotmatic und sicherlich noch einigen anderen Pentax-Kameras mit M42-Gewinde).

Andere Hersteller (Fujica, Praktica, Voigtländer, …) integrierten je eine ähnliche Möglichkeit zur Blendenwertübertragung bei einigen ihrer M42-Kameras (sogar mittels elektronischer Kontakte bei Praktica). Aber da diese Details keinem Standard entsprechen, muss je auch immer ein spezielles M42-Objektiv verwendet werden, wenn man die Möglichkeit zur Offenblendmessung nutzen möchte – Ansonsten kann man das Licht durch das Objektiv nur bei Arbeitsblende messen. In diesem Detail ist man also herstellergebunden.

Fazit

Die hier besprochenen Spezialitäten haben nur etwas mit den Möglichkeiten der in der Kamera integrierten Lichtmessung durch das Objektiv (TTL) zu tun. Wer den internen Belichtungsmesser seiner Kamera gar nicht nutzt (weil dieser oft eh ungenau ist) bzw. lieber einen externen Handbelichtungsmesser, muss sich mit solchen Details nicht befassen. Auch wer mit der M42-Kamera eher Sujets fotografiert, die nicht weglaufen und bei denen es stets taghell ist, wird Zeit und Muße für die Arbeitsblendenmessung besitzen. Viele schätzen so etwas ja an der Analogfotografie.

Ansonsten ist die Möglichkeit zur Offenblendenmessung natürlich ein Vorteil, besonders bei dunklen Sujets. Auch bei M42-Objektiven ist dies möglich – dann aber nur bei einigen bestimmten Kameramodellen und mit genau hierfür spezifischen Objektiven, die – was diese Funktion anbelangt – nicht mit Kameras anderer Hersteller kompatibel sind.

Eigene Meinung: Für mich bedeutet das Kleinbild zunächst Schnelligkeit und unkompliziertes Fotografieren. Kameras mit Autofokus schätze ich zwar nicht. Aber ich nutze hier gerne die mit elektronisch gesteuerten Verschluss bzw. die mit dem grünen „A“ auf dem Zeitenrad. Und hierbei wünsche ich mir natürlich auch die Möglichkeit zur flotten Offenblendmessung, ohne hierfür noch eine weitere Taste drücken zu müssen.

Etwas anders sieht es jedoch dann aus, wenn ich beispielsweise Landschaftsfotografien anfertige, wenn ich bummeln kann, wenn es nicht schnell gehen muss: Hier nutze ich sowieso meinen externen Handbelichtungsmesser, gerne eine völlig mechanische Kamera ohne Batterien und benötige Feinheiten wie die Offenblendemessung gar nicht.

veröffentlicht: 5.05.24 | letzte Änderung: 5.05.24

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2 Kommentare

Besonderheit bei M42-Objektiven: Offenblendmessung & Arbeitsblendenmessung

  1. abacus sagt:

    Die weiteren M42 Pentax Kameras die mit Offenblendmesstechnik
    ausgestattet wurden waren die Electro Spotmatic in Japan, die ES
    und dann die ES II im Rest der Welt – eventuell abweichende US Be-
    zeichnungen wie Heiland Pentax und Honeywell Pentax mal außen
    vor.

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