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Surreale Fotografie mit einer Meniskuslinse auf Film

ThomasKategorie: Blog 3 Kommentare

Heute möchte ich einige Fotografien vorstellen, die mit einem Objektiv aufgenommen worden sind, welches – rein konservativ betrachtet – wahrlich Schrott ist. Doch genau dessen technisch äußerst schlechten Eigenschaften schaffen Bilder, die sich vom „Look“ her deutlich von der Masse unterscheiden.

Seitdem die Fotografie populär geworden ist (also seit über einhundert Jahren) bewerben die Hersteller von Objektiven ihre Produkte mit allerlei Adjektiven, die den Fotografen überzeugen sollen, dass mit diesen scharfen und hochauflösenden Linsen Fotos geschaffen werden können, die in puncto Bildqualität ein realistisches Abbild der Realität ermöglichen.

So ist es ja auch und dies ist nur gut so. Jegliche Abbildungsfehler (Aberration, Koma, Verzeichnung, Vignettierung usw.) sind bei einem normalen Objektiv genügen korrigiert.
Nun kann es aber durchaus reizvoll sein, einmal genau das Gegenteil auszuprobieren. Hierzu nutze ich sogenannte Meniskuslinsen. Dies sind simple Linsen aus Glas oder Plastik, die einen Brennpunkt erzeugen – also ein „scharfes“ Bild auf einem analogen Negativ oder auf dem Sensor einer Digitalkamera. Bei letzterer hat sich der Einsatz einer Meniskuslinse nicht bewährt: Die Fotos sehen aus wie in Seifenlauge. Ihnen fehlt das fotografische Korn. Viel besser geht es mit einer analogen Kamera:

analoges Foto mit meniskuslinse

eine Pouva Start Kamera

Die optisch schlechten Linsen simpler Plastikkameras kann man ggf. auch an funktional hochwertige Kameras adaptieren, um z. B.damit  im Studio zu fotografieren.

Insbesondere solche seltsamen, surrealen Motive bzw. Inszenierungen eignen sich meiner Meinung nach sehr gut für die Verwendung einer Meniskuslinse als Objektiv.

Hier verwendete ich meine Pentacon Six Mittelformatkamera. Als Objektiv diente mir ein ausrangiertes Standardobjektiv, bei dem ich jedoch die (hochwertigen) Originallinsen entfernte. Stattdessen setzte ich eben lediglich eine einzelne Meniskuslinse ein. Jene baute ich vorher aus einer anderen Kamera aus – eine alte „Pouva Start“. Dieser Fotoapparat besitzt eine Optik, die aus zwei hintereinander liegenden Linsen besteht. Ich nutzte nur eine davon (sie bildet dann ein leichtes Tele für das Format 6×6).

 

eine surreale Fotografie

Hier ein anderes Foto mit dem umgebauten Objektiv. Solchen surrealen Fotografien kommen die deutlich sichtbaren Bildfehler sehr zugute und passt zu der seltsamen Inszenierung. Insbesondere fällt hier der sogenannte „Lichthof“ auf (ins Dunkel übergehendes Schimmern), welcher an hellen Bildelementen entsteht.

Ich verwende für solche Bilder immer einen 400-ASA-Schwarzweißfilm und pushe diesen auf 800 ASA. Zwar hatte ich hier genügend helles (Kunst-) Licht zur Verfügung. Doch ich wollte das Korn des Filmes unbedingt deutlich sichtbar haben – und dies wird eben bekanntlich durch Pushen (unterbelichten und überentwickeln) verstärkt. Als Filmentwickler benutzte ich Rodinal. Dieser Negativentwickler akzentuiert das Filmkorn ebenfalls (und unterdrückt es nicht).

 

fotografisches Korn

Hier sehen Sie noch einen Detailausschnitt vom obigen Bild. Ich finde, das Filmkorn kommt hier sehr schön zur Geltung und passt zu diesem Motiv.

Die beiden Fotografien hatte ich im eigenen Fotolabor auf Foma Fomabrom Barytpapier vergrößert. Ich nutze hier gerne ein Bleichmittel (sogenannter „Farmerscher Abschwächer“), durch welches in einigen Bildbereichen die „Wölkung“ erzeugt wird.

Tipp: Es gibt im Handel solche Physik-Baukästen für Jugendliche („Optik Baukasten“ oder ähnlich). Mit den enthaltenen Linsen kann man experimentieren. Man kann auch mit allerlei anderem Glas oder Plastik fotografieren. Oder man nimmt einfach eine alte, sogenannte „Boxkamera“. Auch von diesen hatten die schlechteren simple Meniskuslinsen verbaut.

 

eine Boxkamera

Mit diesen alten Boxkameras sind dann solche Bilder möglich:

 

ein Bild mit einer Boxkamera

eine Produktabbildung

Fotografieren mit analogen Plastikkameras, Einwegkameras und "Lomokameras", dies ist das Thema dieses Buches. Der Autor zeigt, was für kleine Kunstwerke mit solchen einfachen Fotoapparaten und Lochkameras möglich sind und wie dies gemacht wird. Auf Amazon kann man durchaus einen Blick in dieses Buch werfen.

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eine Mensikuslinse und eine analoge Kamera

Hier das Foto einer anderen Lösung: rechts sehen Sie eine Acryllinse (aus der bekannten „Holga Lomo Kamera„). Diese habe ich in den „Objektivmantel“ eingesetzt, welcher zur linken Kamera gehört (eine „Braun Paxina“). Das Besondere an der Holga-Linse ist, dass es sich um ein Weitwinkel handelt. Man kann diese nicht an eine Mittelformat-Spiegelreflexkamera adaptieren! Denn diese Linse muss relativ nah an den Film heran (kurze Brennweite). Daher eignen sich solche Mittelformatsucherkameras sehr gut wie die hier gezeigte. Man kann die Plastiklinse dann an einer „echten“ Kamera nutzen mit verschiedenen Verschlusszeiten und mit einer Blendeneinstellung um den Grad der Abbildungsabstraktion zu steuern. Und so sieht dies dann aus:

 

eine Lomo Kamera mit Blende

 

Und hier noch ein Foto mit der obigen Braun Paxina mit Acryl-Meniskuslinse:

Foto mit Acryllinse

Auch dies ist ein Handabzug. Wie gesagt: Ich nutze solche Objektive voller Bildfehler gerne für düstere, surreale Fotografien. Gut eignen tun sie sich jedoch auch für die Aktfotografie.

 

eine Lomokamera

Für viele Motive eignet sich tatsächlich ein Objektiv, welches jegliche Details des Motivs gestochen scharf und hochauflösend abbildet. Es gibt aber durchaus auch Sujets, denen eine eher weiche und nicht genaue Wiedergabe sehr zu Gute kommt.

 

ein Landschaftsfoto mit der Lomokamera

Am einfachsten kommt man hier einer sogenannten Lomokamera zu ersten Ergebnissen. Besser ist es natürlich, man stattet einen richtigen analogen Fotoapparat mit solch einer Meniskus-Linse aus – denn nur sie ist es ja, die für diesen doch recht speziellen Bildcharakter verantwortlich ist.

 

Plastiklinsen zum Fotografieren

Hier sehen Sie Plastiklinsen aus einem Kinderfernglas. Was habe ich gemacht?

 

umgebaute analoge Kamera

Ich nahm meine alte Plattenkamera und schraubte das originale Glas aus dem Verschluss (das runde Ding vorne). Dies geht hier sehr leicht und ohne Werkzeug. Für den Umbau und für einen ersten Test setzte ich nun ein Acryl-Linse des Kinderspielzeugs ein. Solche simplen Plattenkameras eignen sich sehr gut für alternative Objektive und Belichtungsmaterialien (z. B. selbstgemachte Filmplatten oder einfach nur Fotopapier), da sie sehr einfach und modular aufgebaut sind.

 

Solche seltsam verzerrte Bilder erhält man dann mit so einem „billig Objektiv“ aus Plastik. Den Grad der Verzerrung kann man mit der Blende steuern. Je weiter sie offen ist, desto schlechter die Abbildungsqualität. Bei diesem Beispielbild wurde ein recht feinkörniger Film zur Aufnahme genutzt (Ilford FP 4). Besser sind hier meiner Meinung nach die eher grobkörnigeren Filme geeignet (400-ASA-Filme wie der Ilford HP 5 oder der Kodak TriX).

 

Foto mit einer Plastiklinse

Ein Portrait-Foto mit der Plastik-Linse der Holga-Kamera.

Am liebsten ist mir jedoch die Holga-Plastiklinse an einer 6×6-Kamera adapiert. Dies geht jedoch nicht bei Spiegelreflex-Mittelformatkameras sondern nur bei denjenigen ohne Spiegel, wie bei der oben gezeigten alten „Braun Paxina“ gezeigt. Der Vorteil: Man kann hier mehrere Belichtungszeiten wählen bzw. die Aufnahme an die Umgebungshelligkeit anpassen (was bei der Holga selbst kaum möglich ist).

veröffentlicht: 24.11.16 | letzte Änderung: 24.11.21

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3 Kommentare

Surreale Fotografie mit einer Meniskuslinse auf Film

  1. Bernd Hutschenreuther sagt:

    Hallo, die Bilder gefallen mir sehr gut.

    Bei Spiegelreflexkameras kann man solche Linsen (Weitwinkel) durchaus verwenden, allerdings nur im Nahbereich.
    Das geht mit (einäugigen) Spiegelreflexkameras sogar einfacher, weil man die Schärfe sieht.
    Im Nahbereich würde man sonst relativ genaue Skala brauchen.

    Die weitere Entfernung von der optischen Ebene bei der Spiegelreflexkamera wirkt wie ein Zwischenring. Man bekommt eine Art Nah- oder Makroaufnahmen.

  2. Andi sagt:

    Hallo Thomas, du schreibst „Man kann die Linse nicht an eine Mittelformatkamera (Spiegelreflex) anbauen. Warum nicht? Ich habe ein altes, kaputtes Objektiv für meine Kowa Six. Da möchte ich das Glas entfernen und anstelle dessen alternative Linsen nutzen wie du.

    Andi

    • Thomas (Admin) sagt:

      Hi Andi, das hatte ich vergessen ausführlicher zu erwähnen: Wenn man alternative Linsen / Objektive nutzt, die ein Weitwinkel bilden (die Plastiklinse der Holga ist so eines), dann müssen diese Objektive relativ nah an den Film heran platziert werden bzw. teils ein Stück in das Gehäuse der Spiegelreflexkamera hinein. Und da ist dann der Spiegel im Weg. Würde man die Linse weiter vorne befestigen, dann wäre das Bild noch unscharf, da die Brennweite ja recht gering ist. Bei den ersten, oberen Bildern mit der einzigen Linse aus der „Pouva Start“ war dies kein Problem: Sie bildet ein leichtes Tele (längere Brennweite) und so muss sie ein gutes Stück vom Spiegel weg platziert werden.

      Daher konnte ich für die Holga Linse nur eine solche flache Mittelformatkamera ohne Spiegel nutzen. Hier musste ich dann auch den Tubus „absägen“, an welchem sich der Verschluss (Zeiten- und Blendeneinstellteil) befand, um den nahen Abstand zwischen Filmebene und Objektiv gewährleisten zu können. Überprüft hatte ich dies mit einer kleinen Mattscheibe, die ich hinten anstelle des Filmes aufgelegt hatte.

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Symbol einer GlühbirneEine alte analoge Kamera kann man bereits vor dem Fotografieren recht gut auf Funktionalität testen.

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