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Bilder im Pastell-Look fotografieren mit Licht, Belichtung und Film

Der sogenannte Pastell-Look bezeichnet in der Fotografie eine kontrastarme Darstellung mit eher weniger satten Farben (Pastellfarben). Die Fotografien wirken dabei hell, zart und ruhig. Auf tiefe Schatten, auf „Dramatik“ wird dabei verzichtet. Hier wird gezeigt, wie dieser Stil analog realisierbar ist.

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Kennen Sie die Fotografien von Martin Parr? Parr ist mit äußerst schrillen, überspitzt dargestellten Bildern bekannt geworden. Grelle, satte Farben und hohe Kontraste sind zumeist sein Bildstil. Genau das Gegenteil davon stellt der sogenannte Pastell-Look dar:

Kurzinfo

Bei diesem Bildstil ist die vor Ort vorhandene Art von Licht sowie die Art der Belichtung wichtig: Das Licht sollte diffus sein – Es dürfen keine harsche Schatten vorhanden sein. Die Belichtung sollte reichhaltig stattfinden – Die Schatten sollten durchgezeichnet abgebildet werden. Sie dürfen beim Pastell-Look nicht leer (also ohne Struktur) erscheinen. Sie sollten dabei auch nicht richtig schwarz- sondern eher blass abgebildet werden. Die Lichter hingegen sollten dabei eher wenig Zeichnung haben, jedoch keinesfalls „ausfressen“ bzw. reinweiß sein. Auch Spitzlichter (grelles Funkeln) sollten nicht erzeugt werden.

Der Pastell-Look beschreibt eine „ruhige“ und „ausgeglichene“ fotografische Darstellung. Der Gesamtkontrast des Bildes ist eher gering.

Foto im Pastell Look

Eine analoge Fotografie im Pastell Look auf Kodak-Portra-Film.

Es soll sich nun etwas genauer dem gewidmet werden, wie man den Pastell-Look mit einer analogen Kamera bzw. mit Farbfilm erreichen kann. Das wichtigste hierbei ist, wie freilich generell in der Fotografie, die Art des vorhandenen Lichtes. Auch wenn viele Fotofreunde so etwas für beiläufige Theorie abtun möchten, muss zunächst über Licht nachgedacht werden, wenn man reproduzierbare Ergebnisse erhalten möchte:

Sommer, Sonne, Sonnenschein: Oder doch ein anderes Licht?

Viele Fotografen sind der Meinung, gute Fotos lassen sich nur bei Kaiserwetter aufnehmen: Die Sonne strahlt, fast keine Wolken sind am blauen Himmel. Es ist dabei angenehm warm und die Lust, hinaus zu gehen, um vielleicht zu fotografieren, steigt. Dieser Antrieb und eine gewisse visuelle Vorbildung durch zahlreiche Postkartenmotive mit (durch hartes Sonnenlicht erzeugten) leuchtenden Farben bilden bei vielen Menschen sicherlich die Annahme, dass genau dieses Licht der frei stehenden Sonne ideal zum Fotografieren ist.

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Tatsächlich erzeugt die pralle Sonne harsche Schatten. Die Fotografien wirken unruhig. Schräg einfallendes, hartes Licht lässt Farben satt erscheinen. Ein tiefblauer Himmel bildet nicht selten einen auffallenden Komplementär-Kontrast (zu Hauttönen). Für den Pastell-Look ist ein solches Licht also ungeeignet (für andere Sujets bzw. für einen anderen Stil [denken Sie an Parr] freilich nicht).
Zwar kann man sich mit einem Klappaufheller oder einem Aufhellblitz behelfen, indem man mit diesen Hilfsmitteln die durch hartes Licht erzeugten Schatten aus Richtung der Kamera wieder aufhellt. Die angesprochene Unruhe im Bild wird man damit aber dennoch selten gänzlich reduzieren können. Zudem benötigt man insbesondere beim Umgang von Blitzgeräten in der analogen Fotografie ein gewisses Maß an Erfahrung. Dabei lebt der Pastell-Look von einer eher zarten Darstellung, von natürlichen, ruhigen Tönen.

In der professionellen „People-“ bzw. Modefotografie wird der Look dennoch bei praller Sonne realisiert: Dies geht aber nur, indem riesige Stoffsegel gespannt werden bzw. das harte Sonnenlicht soften.

Das Licht sollte bestenfalls diffus sein

Für den Pastell-Look ist ein diffuses Tageslicht viel mehr geeignet als hartes Sonnenlicht. Noch besser:

Idealerweise nutzen Sie für den Look ein semi-diffuses Licht: Eine dünne Wolkendecke befindet sich vor der Sonne. Dunst liegt in der Luft.

Dieses „semi-diffuse“ Licht erkennen Sie daran, dass Sie selbst auf dem Boden einen Schatten werfen – jedoch lediglich einen ganz schwachen! Bei einem solchen Licht erhält man eine „zarte“ und vor allem gleichmäßige Ausleuchtung und muss dabei auf einen gewissen Punch nicht verzichten. Dummerweise ist man als Fotograf eher selten mit diesem schönen semi-diffusen Sonnenlicht gesegnet und kann es naturgemäß leider nicht beeinflussen. Dabei ist diese Lichtqualität für fast alle Sujets draußen sehr gut geeignet.

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Meist hat man jedoch die beiden Extreme: hartes, grelles Licht oder diffuses Licht über eine geschlossene Wolkendecke. Vermeiden Sie für den Pastell-Look graue Regenwolken. Eine weiße Wolkendecke hingegen ist sehr gut geeignet! Sie können Ihren Porträts, wenn Ihnen das Licht doch etwas zu langweilig ist, mit einer kleinen (!) Priese Blitzlicht von vorne oder von der Seite noch einen Pfiff geben und das eben angesprochene Ideallicht somit simulieren. Man sollte es mit der Stärke des Kunstlichtes jedoch nicht übertreiben (Der Betrachter der späteren Fotos sollte es nicht bemerken).

Schattenzeichnung und helle Mitteltöne

Charakteristisch für den Look sind durchgezeichnete Schatten, helle Mitteltöne und zurückhaltende Farben.

Das Wichtigste, also das Licht, stimmt? Dann geht es weiter mit dem, was man für den Pastell-Look steuern- bzw. auswählen kann – die nötige Technik:

Der richtige Film für den Pastell-Look

Meiner Meinung nach eignen sich hierzu alle Farbnegativfilme. Vorsicht bei Diafilmen (das sind die Farbpositivfilme, die nach der Entwicklung bereits ein tatsächliches Bild zeigen): Diafilme lassen sich weniger Gut mit Licht füllen. Ihr „Kontrastumfang“ ist geringer als der von Negativfilm und sollte nicht zu lange belichtet werden. Hierzu gleich mehr. Und: Diafilm bildet „steil“ ab: Er verstärkt die Kontraste, wo man sie mittels dem Pastell-Look eigentlich „besänftigen“ möchte. Weiterhin werden Farben bei Diafilm naturgemäß eher satt und laut abgebildet.

der Film Kodak Portra 160

Mein Lieblingsfarbfilm: Der Kodak Portra 160. Er bildet Farben von Natur aus eher nüchtern und zurückhaltend ab, ist aber kein Muss für den Pastell-Look.

Idealerweise nutzt man einen Farbfilm mit einem ISO-Wert von 400. Sollte man im Kleinbild fotografieren und legt dabei Wert auf wenig Korn (bzw. auf eine höhere Auflösung), dann sollte man besser zu einen Farbnegativfilm der 100-ASA-Klasse greifen. Der Vorteil eines 400ers ist dessen größerer Kontrastumfang, er lässt sich besser „überbelichten“. Durch die gröbere Struktur ist er in der Lage mehr Licht zu schlucken und darum geht es beim Pastell-Look:

Die richtige Belichtung ist keine Überbelichtung: Dem Film viel Licht geben

Bisweilen ist zu lesen, dass man für den Pastell-Look den Film überbelichten muss. Dies ist aber durchaus ungünstig ausgedrückt. Tatsächlich wird hier gar nichts überbelichtet:

der Kontrastumfang von analogem Film

Was soll das denn sein – Ein Schwamm und ein Film? Ganz genau, denn:

Genau so wie ein Schwamm eine große Menge Wasser aufsaugen kann, ist Film in der Lage, viel Licht aufzunehmen! Man kann hier durchaus mehr belichten, als es der Belichtungsmesser vorschlägt. Der realisierbare Kontrastumfang eines 100-ASA- und erst recht eines 400-ASA-Filmes ist sehr hoch.

Eine Überbelichtung von Film findet streng genommen erst dann statt, wenn das nachträgliche Entwickeln partiell solche Dichten aufbaut, dass hier keinerlei Zeichnung mehr durch einen Scan oder ein Ausbelichten erreichbar ist (das Positiv bleibt an diesen Stellen reinweiß). Um diesen Extremfall zu provozieren, muss man einem Film dann schon sehr viel mehr Licht geben als durch eine Belichtungsmessung ermittelt.

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Und daher können wir dem Film großzügig Licht gönnen:

Für den Pastell-Look belichtet man einen Farbfilm ca. 2 Blenden länger als der Belichtungsmesser eigentlich angibt.

Mit 2 Blenden ist gemeint, dass man entweder die Blende um ganze zwei Werte gegenüber der eigentlichen Messung öffnet (z. B. von Blende 8 auf Blende 4 [8 → 5.6 → 4]).
Oder aber man handhabt dies mit der Belichtungszeit, die man dann ebenfalls um diese 2 Stufen entgegen der Messung verlängert (z. B. von 1/250 Sekunde auf 1/60 Sek. [1/250 → 1/125 → 1/60]).

In beiden Fällen erreicht man, dass nun für den Pastell-Look die vierfache Lichtmenge auf den Film gelangt. Voraussetzung ist jedoch ein zuvor genaues Messen der Grundbelichtung:
Vielleicht ermitteln Sie Ihre Belichtungszeiten mit einem in der analogen Kamera integrierten Belichtungsmesser. Zumeist wird dies auch für „normale“ Bilder gut funktionieren. Dummerweise neigen diese doch recht einfachen Messmethoden oftmals zur Unterbelichtung (ohne dass Sie sich dessen bewusst sind). Man erkennt dies an leeren Schatten (die dunkelsten Bildbereiche haben keine  Detailzeichnung mehr). Beim Pastell-Look ist es jedoch wichtig, dass bereits das Messergebnis der nicht korrigierten Grundbelichtung stimmt.

ein Handbelichtungsmesser

Dies ist ein externer Handbelichtungsmesser. Erst durch die Möglichkeit der echten Lichtmessung mittels der weißen Kalotte ist eine präzise Grundbelichtung realisierbar. Sie können aber auch mit dem in der Kamera internen Belichtungsmesser eine Graukarte- oder zur Not den Boden anmessen und dieses Messergebnis zunächst übernehmen.

Sekonic L-208 Twinmate

Der Twinmate L-208 von Sekonic ist der wohl günstigste externe Handbelichtungsmesser, den es auf dem Markt zu kaufen gibt. Er misst das Umgebungslicht entweder direkt (Motivmessung) oder via Kalotte (tatsächliche Lichtmessung). Gerade durch letztere Methode ist eine sichere Messung- bzw. ein korrekt belichtetes Bild möglich.

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Als nächster Schritt wird diese nun richtige Belichtungsmessung für den Pastell-Look noch einmal dahingehend verändert, dass ca. die vierfache Lichtmenge (+2 EV bzw. zwei Blenden reichlicher belichten) als eigentlich (korrekt) gemessen auf den Film gelangt.

Ich belichte meine Filme, wenn möglich, stets „über“ und hatte noch nie Probleme mit der nachträglichen Kopierbarkeit (Scan, Ausarbeitung). Die Lichter, also die kritischen Bereiche, sind selbst bei solch einer konservativen Belichtungsmessung und bei einem längeren Belichten von ca. +2EV weiterhin gedeckt und lassen sich gut mit dem Epson-Scanner digitalisieren. Allerdings basiert diese Erfahrung immer auf das anfangs erwähnte diffuse Licht. Sollten Sie diese Technik bei harschem Sonnenlicht bzw. Gegenlicht anwenden, könnte es – ob des hohen Eigenkontrastes des Motivs – zu Problemen in den Lichtern kommen. Hier sollten Sie die „Überbelichtung“ besser mit nur einer Blende versuchen (+ 1EV).

Vagabundierendes Licht

Ein Problem könnte es bei der üppigen Belichtung des Filmes bei manchen Kameras geben: Vagabundierendes Licht. Damit ist nichts anderes gemeint als ungünstige Lichtreflexionen innerhalb der Kamera. Bei knappen Belichtungen spielen diese kaum eine Rolle. Bei reichhaltiger Belichtung manchmal schon, nämlich wenn die Kamera innen nicht genügend matt ist.

Schauen Sie sich dieses Bild an:

Reflexionen innerhalb der Kamera

Man sieht deutlich eine Reflexion des Lichtes innerhalb der Kamera. Das Innere ist nicht genügend matt. Nun das Gegenteil:

eine Antireflex-Beschichtung

Durch eine Anti-Reflex-Beschichtung wurde erreicht, dass innen das vagabundierende Licht wesentlich schlechter reflektiert wird – Es wird absorbiert. So etwas ist bei langen Belichtungszeiten nicht ganz unwichtig. Wie habe ich es gemacht? Ich habe meine Kamera innen einfach mit Tafellack bestrichen.

Die nötige Bildbearbeitung

Farbnegativfilm, den man ja idealerweise für den Pastell-Look verwendet, muss nach dem Belichten und Entwickeln bearbeitet werden. Viele wollen diesen Schritt nicht wahrhaben und denken, das Bild sei nach dem Belichten und Entwickeln im Kasten. Doch zunächst wird dieser orange Streifen (der Film), auf dem ja kaum etwas richtig zu erkennen ist, digitalisiert (man kann ihn freilich auch ausbelichten). Anschließend muss ausgefiltert werden, um ein logisches farbrichtiges Positivbild zu erhalten.

Die meisten Freunde der analogen Fotografie werden dies nicht selbst tun und lassen diesen Schritt von einem Dienstleister erledigen. Doch insbesondere bei den Discountern (z. B. beim Fotoauftrag in der Drogerie) wird man schlechte Karten haben: Hier erfolgt im Großlabor eine automatische Bildjustierung, die davon ausgehen könnte, dass der Film „falsch“ belichtet wurde. Anschließend erfolgt nicht selten eine Korrektur in Richtung knackig. Dabei ist gerade beim Pastell-Look ein „leichter Look“ ohne tiefes Schwarz gewünscht, bei welchem jegliche Zeichnung erhalten bleiben soll.
Es ist daher sehr zu empfehlen, dass die Filme bei einem Scandienstleister abgegeben werden, welcher die Ausfilterung individuell und nach Sicht vornimmt! Schicken Sie einen Vermerk mit, dass der „Pastell-Look“ angestrebt werden soll (Ihre Negative sind hierzu durch adäquates Licht + Belichtung hoffentlich geeignet). Versuchen Sie dem Fotodesigner am Computer zu erklären, dass diesmal ausnahmsweise keine knackigen Kontraste und satte Farben gewünscht sind. Der Vorteil der kleinen Dienstleister ist ja mitunter auch, dass man mit ihnen kommunizieren kann.

Sollten Sie Ihre Filme jedoch selber digitalisieren bzw. bearbeiten, dann sind Sie fein raus: Sofern Sie die nötige Bildbearbeitung beherrschen, können Sie hier die zuvor durch günstiges Licht und großzügigere Belichtung vorbereitete Basis (Ihr Film) adäquat ausarbeiten. Das wichtigste Werkzeug bei der digitalen Bildbearbeitung ist wohl die Gradationskurve bzw. das Histogramm:

der Pastelllook in Lightroom

Hier wurde eine Fotografie im Pastell-Look in die bekannte und nicht weniger beliebte Bildbearbeitung bzw. -Organisation „Adobe Lightroom“ geladen. Betrachten Sie sich nun oben das dazugehörige Histogramm. Wie gut sichtbar, sind die Schatten-Regionen links im Histogramm nahezu kaum „gefüllt“: Die Schattenzeichnung ist daher bis tief in den Wald hinein äußerst reichhaltig vorhanden. Die Fotografie lebt zudem von einem hohen Aufkommen an hellen Mitteltönen – und diese Verschiebung ist durch die anfangs besprochene großzügige Belichtung (nicht Überbelichtung) entgegen der Belichtungsmessung realisiert worden. Weiterhin wurde die Aufnahme bei bedecktem Himmel, also bei völlig gleichmäßigem bzw. diffusem Licht gemacht. Trotz der verhältnismäßig langen Belichtungszeit sind die hellsten Bildbereiche (die Lichter) noch ausreichend gedeckt: Der Schnee hat weiterhin Zeichnung, ebenso der helle Himmel.

Das Bild beim Scannen bereits vorbereiten

Bereits beim Scannen muss das Bild bereits auf den Pastell-Look vorbereitet sein:

Mit SilverFast

kein beschneiden der Tonwerte beim ScannenHier sehen Sie einen Screenshot der wichtigsten Einstellung beim Scannen von Negativfilmen bei dem Scan-Programm Silverfast. Betrachten Sie hierzu die drei RGB-Kurven: Die Begrenzungsmarken wurden hier manuell gesetzt und zwar so, dass sie großzügig Abstand zu den jeweiligen Kurven einhalten! Nur so umgeht man, dass „hart an der Grenze“ der möglichen Tonwerte gescannt wird oder dass gar Informationen (in Schatten und Lichtern) abgeschnitten werden. Denn normalerweise neigen Scan-Automatiken dazu, Digitalisierungen möglichst „knackig“ abzubilden. Sie streben ein fast reines Weiß und ein fast schwarzes Schwarz an. Beides soll beim Pastell-Look zunächst verhindert werden. Dies kann später in der Postproduktion bzw. in einer Bildbearbeitung wie z. B. Lightroom immer noch (partiell) korrigiert werden. Zunächst ist es aber wichtig, tatsächlich einen Scan mit üppigem Tonwertumfang zu erhalten.
Außerdem wurde der Scan-Software mitgeteilt, dass sie keine Kontrastanpassung vornehmen soll (es wurde linear gescannt). Eine Interpretation der Gradationskurve sollte besser im Anschluss in der eigentlichen Bildbearbeitung statt finden. Häufig kann diese jedoch so gelassen werden, wie sie der Film selbst vorgibt / besitzt.

Mit VueScan

Vvuescan Einstellungen

Und dieser Screenshot zeigt ein wichtiges Einstellungsfeld des beliebten Scan-Programms Vuescan.
Beachten Sie hierzu die Regler Schwarzpunkt sowie Weißpunkt. Mit diesen Werten wird eingestellt, wie harsch VueScan an die Tonwerte „heran geht“. Der Schwarzpunkt ist bei mir meist auf Null eingestellt. Für die Lichter (Weißpunkt) muss man etwas experimentieren, auch mit dem Regler „Helligkeit“. Denn leider bietet Vuescan offenbar keine Histogramm-Anzeige, mittels welcher man sehen könnte, inwiefern die Kurve an die Tonwerte angepasst wird.

Besitzt man weder Vuescan noch SilverFast (diese Programme kosten Geld), so sollte man einmal schauen, ob es in den Einstellungen der kostenlos beigelegten Scan-Software möglich ist, jegliche Bildbearbeitungsfunktionen zu deaktivieren – wie ich es anhand von Epson Scan demonstriert habe. Freilich ist dann insbesondere hier ein zweiter Schritt in einer Bildbearbeitung nötig – was ich aber ohnehin immer empfehle.

Mit Negative Lab Pro

Negative Lab Pro ist kein Scan-Programm sondern ein Plugin für Adobe Lightroom: Nach dem Abfotografieren des Negativs mit einer Digitalkamera vom Leuchttisch oder nach dem Scan des Negativs im (eigentlich falschen) Dia-Modus einer (kostenlosen) Scan-Software kann hiermit verblüffend einfach ein häufig korrekt ausgefiltertes Positiv angefertig werden – mit wenigen Mausklicks.

Anleitung für Negative Lab Pro

Auch hier wäre es dann wichtig, dass in den Einstellungen linear ausgewählt wird und die Regler „Lights“ bzw. „Darks“ nicht benutzt werden. Voraussetzung beim Abfotografieren: Es muss bei der Digitalkamera eine genügend lange Belichtungszeit gewählt werden, damit sie nicht bereits Tonwerte in den Schatten beschneidet. Hier ist dann ein Stativ nötig und natürlich ein Leuchttisch.

Kodak Portra 160 Color Negative 135-36 Film (5-er Pack)

Der Kodak Portra ist ein Farbfilm mit besonders natürlicher Farbwiedergabe. Daher ist er insbesondere für die Portraitfotografie geeignet. Doch auch Landschaftsfotografen schätzen ihn aufgrund des "Pastell Looks". Der Portra ist für Kleinbild und Mittelformat bei Amazon erhältlich (auch die günstigeren Händlerpreise beachten).

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Es ist nun bei der Bildbearbeitung (im Anschluss an das Scannen) wichtig, den linken Schieberegler der Gradationskurve nicht zu sehr nach rechts zu verschieben (und dies muss so bereits beim Scannen beachtet werden s. o.). Dieses „Anschneiden“ der Kurve würde den luftigen Charakter des Pastelllooks zunichte machen und dies machen leider wohl alle automatischen Bildbearbeitungsmechanismen (weil sie es nicht anders gelernt haben).

Zusammenfassung

Nicht jedes Sujet ist für den Pastell-Look geeignet. Ich selbst bin ein Freund „nüchterner“ Landschaftsfotografien in Farbe und nutze diese Technik sehr häufig. Man sollte hierbei keine Angst vor einer etwaigen Überbelichtung haben sondern dem Film durchaus über Gebühr Licht gönnen. Allerdings sollte hier der Charakter des Umgebungslichtes stimmen: Bei prallem Sonnenschein würde ich die Technik eher zurückhaltend anwenden. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass der Look nicht nachträglich durch eine falsche Bildbearbeitung (das Foto knackiger darstellen) zunichte gemacht wird – insbesondere, wenn man die nötige Bildbearbeitung aus der Hand gibt oder gar von Maschinen bzw. Automatiken erledigen lässt.

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Artikeldatum: 14.05.2017 / letzte Änderung: 24. Mai 2020

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der Author dieser SeiteHallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr 20 Jahren mit der analogen Fotografie und ich entwickele meine Bilder in der Dunkelkammer oder "mit" dem Computer.

Diese Website hat inzwischen den Umfang eines ganzen Lehrbuchs erreicht: Schauen Sie / schaue Du auch einmal in das Inhaltsverzeichnis hinein.

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Stefan | am 6. Mai 2020

Hallo Thomas, habe mal Fragen zum Porta 160 (35mm).

ist es denn schlauer die Belichtung um -2 Belichtungsstufen manuell je Foto anzupassen oder gleich den Film auf ISO 40 zu pullen ?
Und was teile ich dann dem Labor mit ? Sag ich denen, dass der Film um -2 gepulled wurde oder sag ich denen gar nichts und die entwickeln den auf Box Speed ?

Danke für Deinen Tipp.

Gruß Stefan

Thomas (Admin)
Hallo Stefan, ich habe bisher immer den 400er Portra genutzt bzw. viele Rollen immer ganz normal entwickeln lassen, ohne dem Labor Angaben zu machen. Dabei hatte ich immer großzügig Licht gegeben. Dabei waren auch Motive mit hohem Kontrastumfang (grelle Sonne im Hintergrund, Schatten jedoch im Vordergrund). Belichtet hatte ich stets „reichlich“ also um ca. +2 Blenden mehr Licht (+2 EV an der Kamera eingestellt = den ganzen 400er Film wie ISO 100 belichtet). Nach dem Scannen konnte ich die Lichter in der Bildbearbeitung partiell wieder „hervor holen“.

Wenn alle Motive auf dem Film tatsächlich solch hohe Kontrastumfänge besitzen, wäre es vielleicht gut, dem Labor eine Angabe auf Pull zu geben. Aber meine Filme ließen sich auch ohne eine verkürzte Entwicklung gut scannen. Allerdings nutzte ich immer den 400er Portra (welcher einen etwas höheren Kontrastumfang als der 160er haben dürfte) und ich bin recht fit in der digitalen Bildbearbeitung (separates Nachbelichten der Lichter).

Ich würde dir hier beim 160er eine Pull -1 Entwicklung vorschlagen, wenn du ihn durchgehend auf ISO 40 belichtest hast.
Sind die Motive jedoch alle relativ kontrastarm (fotografiert bei „Milchglaslicht“ bzw. bei bedecktem Himmel) würde ich eine ganz normale Entwicklung veranlassen. Da ich davon ausgehe, dass du selber scannst, kann ein schwacher Kontrast (der durch die Pull-Entwicklung bei manchen Motiven auftauchen kann) ja in der Bildbearbeitung leicht wieder „angehoben“ werden.

Wenn das Motiv einen geringen Kontrastumfang hat (bewölkter Himmel) kann man also gerne „mehr Licht geben“ als vom Belichtungsmesser vorgeschlagen. Werden dazwischen Motive mit hohem Kontrastumfang fotografiert (gleißendes Sonnenlicht) kann mittendrin wieder „normal“ auf ISO 160 fotografiert werden, was die Lichter schont. Push- und Pull-Angaben sind eigentlich nur relevant, wenn man Filme noch selbst vergrößert. Digitalisiert man sie, kann man diese Kontraste später besser mit der Bildbearbeitung steuern.

Michael Christ | am 26. Februar 2020

Hallo. Danke für diesen spannenden Beitrag zum ‚Pastell Look‘. Darf ich Dich um einen Tipp zum Scannen des Pastell Looks mit epson Scanner bitten? Ich bekomme beim scannen nicht hin, dass der Film höhenbetont gescannt wird. Ich erhalte vermutlich durch die automatische Belichtung der Software immer satte Farben und nicht die histogrammverteilung wie hier beschrieben. Such eine Überbelichtung Im Scanner hilft nichts. Kannst Du mir einen Tipp geben? Danke, Michael

Thomas (Admin)
Hallo Michael, ein interessanter Einwand! Daran hatte ich beim Schreiben gar nicht mehr gedacht. Ich habe den Artikel jetzt entsprechend erweitert. Kurz: Wenn du das kostenlose „Epson Scan“ als Software nutzt, muss in den „Professionellen Modus“ geschaltet werden und in den Einstellungen „keine Farbkorrektur“ ausgewählt werden. Dann wird wesentlich gutmütiger beschnitten. Allerdings muss die Farbe dann im Anschluss in einer Bildbearbeitung (z. B. via Gimp) ausgefiltert werden. Ich hatte allerdings gelesen, dass die Mac-Version von Epson Scan hier offenbar eingeschränkter ist als die Windows-Version.

Ansonsten gibt es ja noch VueScan und SilverFast. Hier kann / sollte man die Kurven per Schieberegler (siehe aktualisierter Artikel) manuell anpassen.


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