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Alte Nikon-Objektive verwenden und unterscheiden: Non-AI und AI erklärt

Thomasletzte Änderung: Nov 20231 Kommentar

Wer sich mich alten manuellen Nikon-Nikkor-Objektiven beschäftigt, stößt schnell auf die Kürzel „Ai“ bzw. „Non-Ai“. Ich zeige, warum alte Nikon-Objektive nicht an jede analoge Nikon-Kamera passen und demonstriere zudem, wie man dies selber mittels recht einfachem Umbau lösen kann.

Ich hatte jüngst ein solches „Non-Ai-Objektiv“ via Kleinanzeigen von einem anderen Analogfotografen hier in der Stadt gekauft, der dieses wieder abgab, weil es leider nicht an seine Kamera passt: Viele Nikon Nikkor Non-AI-Objektive passen nicht an die eher moderneren Nikon-Analogkameras (bereits späte 1970er Jahre). Und ich zeige jetzt warum dies so ist:

Non-AI-Objektiv passt nicht

ein non-ai Objektiv passt nicht

Ein Nikkor-non-AI-Objektiv ist unten am Bajonett durchgehend. Es stößt daher an den Blendenmitnehmer der Kamera. Es lässt sich somit nicht in das Bajonett setzen.

AI-Objektiv passt

ein Nikon Ai-Objektiv passt

Ein Nikkor-AI-Objektiv besitzt unten am Bajonett Aussparungen. Somit stößt es nicht an den Blendenmitnehmer und lässt sich geschmeidig ins Bajonett setzen. Die AI-Objektive sind auch sehr gut an der kleinen zusätzlichen Blendenskala ganz unten zu erkennen bzw. dadurch leicht von Non-Ai-Objektiven zu unterscheiden. Wenn man die Wahl hat, ist die AI-Version des gleichen Objektives vorzuziehen, egal für welche Kamera mit F-Bajonett. Allerdings der Preis spielt hierbei noch eine Rolle.

Ursache: Blendenmitnehmer

Mit „Blendenmitnehmer“ ist der breite Stift gemeint, welcher sich vorne an der Kamera befindet. Er dient dazu, durch das Drehen der Blende am Objektiv dem internen Belichtungsmesser mitzuteilen, welche Blende gerade am Objektiv eingestellt wurde. Er ist den Non-AI-Objektiven im Weg.

Die ganz alten Nikon-Kameras besaßen diesen Blendenmitnehmer nämlich gar nicht. Daher besaßen diese alten Objektive die besagte Aussparung auch nicht. AI steht für „Aperture Index“ und ist eine spätere Erfindung von Nikon. Zuvor nutzte man die markanten Hasenohren zur Blendenwertübertragung an den internen Belichtungsmesser:

 

Blendenmitnehmer Stift bei Nikon

Bei den ganz alten Nikon-Kameras gab es einen herausragenden Pin als Blendenmitnehmer. Dieser gehörte in die silberne Kupplung („Hasenohren“) am Objektiv. Bei diesen Nikon- bzw. Nikkormat-Kameras mit herausragenden Pin ist der Blendenmitnehmer direkt am Bajonett nicht vorhanden. Daher passen die alten Nicht-AI-Objektive hier.

Was passt an was?

  • Nikon Nikkor Non-AI-Objektive passen nur an Nikon-Kameras ohne dem Blendenmitnehmer-Stift direkt am Bajonett. Die analogen davon sind aus der Ferne häufig aber an dem Pin zu erkennen, der in die „Hasenohren“ greift. Einige der eher einfacheren Digitalkameras besitzen den Mitnehmer auch nicht und sind ironischerweise daher auch mit den Non-AI-Objektiven bestückbar (hier ist jedoch keine Belichtungsmessung möglich). Es gibt noch einige wenige Nikon-Kameras mit einklappbarem Blendenmitnehmer. Dieses Typen sind universell und ebenfalls für Non-AI-Objektive geeignet.
  • Nikon AI-Objektive passen an alle analogen Nikon-Kameras (mit dem klassischen F-Bajonett). Die meisten besitzen auch noch die Hasenohren, damit sie auch die Blende an den ganz alten Kameras mit Pin übertragen können. Sie sind also „rückwärts kompatibel“.

Diese Blendenübertragung ist jedoch nur nötig, wenn man den internen Belichtungsmesser nutzen möchte, ohne zur Messung ständig die Abblendtaste drücken zu müssen. Fotografiert man rein manuell und misst das Licht mittels externem Belichtungsmesser, braucht man keinen Stift / Pin zur Blendenwertübertragung an die Kamera. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass der Abnehmer-Stift am Bajonett im Weg ist, wenn das Objektiv keine AI-Aussparung besitzt.

Dies alles hat jedoch nichts mit der Springblende beim eigentlichen Auslösen / Fotografieren zu tun. Diese wird immer funktionieren bzw. hat nichts mit den „Hasenohren“ bzw. dem neueren Blendenmitnehmer zu tun.

Einklappbarer Blendenmitnehmer

Eine Besonderheit stellt der einklappbare Blendenmitnehmer dar:

ein weggeklappter Blendenmitnehmer

Bei einigen Nikon-Kameras der „Übergangszeit“ ist es möglich, den Blendenmitnehmer am Bajonett wegzuklappen. Dies macht dann den Weg wieder frei für die alten Non-AI-Objektive! Meine Nikkormat FT3 besitzt einen solchen wie auch meine EL2. Spätere Kameras wie die Nikon FM2 oder die FA besaßen die Möglichkeit des Umlegbaren Mitnehmers dann leider nicht mehr. Man wollte bei Nikon sicherlich auch neue (AI-) Objektive verkaufen. Ohne Umbau sind diese sehr alten (aber oft sehr guten) Objektive dann nicht mehr an diesen Kameras nutzbar.

Arbeitsblendenmessung

Den internen Belichtungsmesser kann man bei Non-Ai-Objektive dennoch nutzen, ohne dass der „Hasenohrenstift“ vorhanden ist. Denn wenn man nun die Abblendtaste (muss vorhanden sein) drückt bzw. die Blende schließt, erhält der interne Belichtungsmesser trotzdem einen realistischen Messwert. Dies nennt man „Arbeitsblendenmessung„. Diese Arbeitsblenden-Mess-Methode ist eben nur etwas umständlich und das Bild im Sucher wird dabei auch dunkler. Bei vielen M42-Kameras übrigens ist diese Messmethode normal. Besser ist es natürlich, wenn der am Objektiv eingestellte Blendenwert über irgendeinen Mitnehmer dem internen Belichtungsmesser „mitgeteilt“ wird, damit man auch bei geöffneter Blende bereits die Belichtung messen kann.

Messen der Belichtung mit Graukarte

Wer so Licht misst, benötigt keine Kamera-Automatik.

Für alle jedoch, die mittels Handbelichtungsmesser und vielleicht Stativ in aller Ruhe Fotografien anfertigen, ist dies natürlich alles nicht relevant. Das hurtige Ermitteln der einigermaßen korrekten Belichtungszeit durch die Kamera selber, ist für alle interessant, die Motive vor der Linse haben, bei denen Spontaneität gefragt ist.

AI und Non-AI an den Hasenohren erkennen

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, diese beiden Varianten der Nikon-Objektive zu unterscheiden und zwar über das Aussehen der Pin-Kupplung („Hasenohren“):

die Hasenohren von Nikkor-Objektiven

Bei den ganz alten Non-AI-Objektiven befindet sich nur ein einzelner Schlitz mittig an der silbernen Kupplung (Abbildung links). Bei AI-Objektiven sieht sie etwas anders aus: Dort befinden sich noch zwei zusätzliche Löcher darin! Vermutlich hat dies damit etwas zu tun, dass die kleine Skala dahinter mit den Blendenwerten etwas mehr Licht bekommt, damit man den aktuellen Blendenwert (bei manchen Kameras) im Sucher besser ablesen kann. Diese zusätzliche Mini-Blendenwert-Reihe ist ja auch ein Indiz für ein AI-Objektiv.

Ai-S (Blendenübertragung)

Es gibt übrigens auch noch eine erweiterte Form der Ai-Objektive: Ai-S. Hierbei kann die Blende von einer kompatiblen Kamera an das Objektiv übertragen werden. Diese AiS-Nikkore sind an einer Kerbe auf der Rückseite zu erkennen:

ein MNikkor AiS-Objektiv

Durch diese schlichte Kerbe (auf dieser Abbildung ca. auf 5 Uhr) kann eine kompatible Kamera abtasten, ob es sich um ein AiS-Objektiv handelt. Daraufhin kann die Blendensteuerung durch den regulären kleinen Hebel (auf ca. 10 Uhr nahe der Hinterlinse) fein gesteuert genutzt werden anstatt dass die Blende einfach nur „auf-zu“ gemacht werden kann.

Der Sinn einer Blendenautomatik erschließt sich mir nicht so recht: Ich wähle die Blende stets manuell vor, um die Schärfentiefe bzw. Abbildungsqualität einzustellen. Daher ist es mir egal, ob meine alten Nikkore vom Typ Ai oder AiS sind. Zudem besitze ich keine analoge Nikon-Kamera, die bereits eine Blendenautomatik besitzt. Meine können mit besagter Kerbe eh nichts anfangen und ignorieren sie.

Wozu die alten Non-AI-Objektive überhaupt kaufen?

Ich habe bisher zwei der alten Nicht-AI-Objektive für meine Nikon-Kameras auf dem Gebrauchtmarkt erworben. Warum habe ich nicht gleich zu den für meine Zwecke besseren AI-Objektive gegriffen? Weil die Nicht-AI-Objektive in der Regel (deutlich?) günstiger sind. Sie passen auch nicht an die besseren Digitalkameras von Nikon mit dem F-Bajonett, weil diese Modelle eben auch den manuellen Blendenmitnehmer besitzen und somit gibt es viel weniger Interessenten.

 

eine analoge Nikon Kamera FE2

An so eine Nikon FE2 beispielsweise passt ein Nicht-AI-Objektiv nicht! Weil auf ca. ein Uhr am F-Bajonett der Blendenwert-Mitnehmer hervor steht (und sich nicht einklappen lässt). Dies betrifft wohl die meisten Nikon-Spiegelreflexkameras ab den frühen 1980er Jahren. Und dies betrifft auch Digital-Nikon-Spiegelreflexkameras ab der Semi-Professionell-Reihe. Daher ist die Nachfrage nach Non-AI-Objektiven mit F-Bajonett auch geringer.

Aber ich bin ja ein Bastler:

Non-AI mittels Feilen zum AI-Objektiv umrüsten

Ich habe bereits zwei der alten Non-AI-Objektive mit Hilfe meiner Feile zum AI-Objektiv umgebaut:

Objektiv wird aufgeschraubt

Zunächst wird hinten am Nikkor-Objektiv das Bajonett abgeschraubt.

 

ein zu AI umgebautes Objektiv

Dann wird der untere Blenden-Einstell-Ring abgezogen und ein Teil davon entsprechend abgefeilt. Der Kabelbinder auf dem ersten Foto diente mir als Markierung zum Feilen (gerade und nicht zu tief feilen). Das Material ist sicherlich Aluminium bzw. lässt sich gut mittels Muskelkraft am Schreibtisch bearbeiten.

 

ein modiiziertes Ai-Objektiv

Und solch ein modifiziertes non-Ai Objektiv passt nun auch auf die Kamera mit dem heraus ragenden Blendenmitnehmer bzw. besitzt die Funktionalität eines Ai-Objektives.

(Auf dem oberen Foto ist das Objektiv noch nicht am Bajonett eingerastet: Der Mitnehmer sitzt normalerweise genau an der Kante der Kerbe an.)

Auf drei Dinge muss man beim Konvertieren zu Ai achten:

  • Der Schraubendreher für die unteren Schrauben sollte möglichst passgenau sein. Beim Lösen der Schrauben gebe ich etwas Druck hinzu. Man rutscht ansonsten schnell ab und ruiniert die (recht weichen) Schrauben. Ich musste eine schon heraus bohren.
  • Bei manchen Objektiven (z. B. beim 50 mm 1:1,4) dient eine der Schrauben als Pin für eine innere Feder für die Springblende. Man kann sie heraus drehen, wenn man nicht weiß, welche es ist. Die Kontermutter liegt danach im Objektiv, lässt sich wieder entnehmen und anschrauben. Danach kann die Feder wieder eingehangen werden. Auf dem Foto oben mit dem abgenommenen Bajonett sieht man diese Feder an diesem.
  • Die Position wo die Feile ansetzt ist sehr wichtig! Denn hierdurch teilt man der Kamera später mit, welche Anfangsblende das Objektiv besitzt.

Der Umbau ist eigentlich recht einfach. Dennoch empfehle ich hierzu diese Internetseite, die mir geholfen hatte. Dort gibt es auch eine Tabelle mit den jeweils richtigen Anfangspositionen, wo man die Feile ansetzen sollte (ja nach Anfangsblende des Objektives). Außerdem gibt es zu diesem Thema auch mehrere Videos auf Youtube, die man sich ansehen sollte, plant man, ein Non-AI-Objektiv auf AI selber umzubauen.

Hinweis: Bei meinem Umbau feilte ich nur den vorderen Bereich für den Blendenabnehmer ab. Einige Nikon-Kameras (auch Digitalkameras) besitzen offenbar noch einen kleinen anderen Hebel am Bajonett („Mitnehmer für kleinste Blende“; näheres hier). Für meine Kameras reicht die „normale“ Modifikation jedoch aus.


Ich empfehle auch, sich einmal diese tolle Übersichtsseite (englisch) abzuspeichern, wo tabellarisch die Kompatibilität zwischen den einzelnen Nikon Kameras und Objektiven dargestellt ist (analog und digital).

veröffentlicht: 16.07.23 | letzte Änderung: 1.11.23

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Ein Kommentar

Alte Nikon-Objektive verwenden und unterscheiden: Non-AI und AI erklärt

  1. Ruth sagt:

    kurze Frage: hast Du mit den „umgebauten“ Objektiven Offenblendmessung an der FE-2 oder nur Arbeisblendenmessung? Danke vorab

    Thomas (Admin)
    Ja, es funktioniert dann ganz normal die Offenblendmessung, da durch den genauen Anfangspunkt / Kante des abgefeilten Bereiches sich der Blendenmitnehmer der Kamera ja in einer spezifischen Position befindet und der Belichtungsmesser dann „weiß“, welche Blende am Objektiv eingestellt ist. So braucht man zur Messung nicht umständlich die Abblendtaste zu betätigen, damit hier bereits die Blende schließt.

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