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Bilder im Pastell-Look fotografieren mit Licht, Belichtung und Film


Der sogenannte Pastell-Look bezeichnet in der Fotografie eine kontrastarme Darstellung mit eher weniger satten Farben (Pastellfarben). Die Fotografien wirken dabei hell, zart und ruhig. Auf tiefe Schatten, auf „Dramatik“ wird dabei verzichtet. Hier wird gezeigt, wie dieser Stil analog realisierbar ist.

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Kennen Sie die Fotografien von Martin Parr? Parr ist mit äußerst schrillen, überspitzt dargestellten Bildern bekannt geworden. Grelle, satte Farben und hohe Kontraste sind zumeist sein Bildstil. Genau das Gegenteil davon stellt der sogenannte Pastell-Look dar:

Kurzinfo

Bei diesem Bildstil ist die vor Ort vorhandene Art von Licht sowie die Art der Belichtung wichtig: Das Licht sollte diffus sein – Es dürfen keine harsche Schatten vorhanden sein. Die Belichtung sollte reichhaltig stattfinden – Die Schatten sollten durchgezeichnet abgebildet werden. Sie dürfen beim Pastell-Look nicht leer (also ohne Struktur) erscheinen. Sie sollten dabei auch nicht richtig schwarz- sondern eher blass abgebildet werden. Die Lichter hingegen sollten dabei eher wenig Zeichnung haben, jedoch keinesfalls „ausfressen“ bzw. reinweiß sein. Auch Spitzlichter (grelles Funkeln) sollten nicht erzeugt werden.

Der Pastell-Look beschreibt eine „ruhige“ und „ausgeglichene“ fotografische Darstellung. Der Gesamtkontrast des Bildes ist eher gering.

Foto im Pastell Look

Eine analoge Fotografie im Pastell Look auf Kodak-Portra-Film.

Es soll sich nun etwas genauer dem gewidmet werden, wie man den Pastell-Look mit einer analogen Kamera bzw. mit Farbfilm erreichen kann. Das wichtigste hierbei ist, wie freilich generell in der Fotografie, die Art des vorhandenen Lichtes. Auch wenn viele Fotofreunde so etwas für beiläufige Theorie abtun möchten, muss zunächst über Licht nachgedacht werden, wenn man reproduzierbare Ergebnisse erhalten möchte:

Sommer, Sonne, Sonnenschein: Oder doch ein anderes Licht?

Viele Fotografen sind der Meinung, gute Fotos lassen sich nur bei Kaiserwetter aufnehmen: Die Sonne strahlt, fast keine Wolken sind am blauen Himmel. Es ist dabei angenehm warm und die Lust, hinaus zu gehen, um vielleicht zu fotografieren, steigt. Dieser Antrieb und eine gewisse visuelle Vorbildung durch zahlreiche Postkartenmotive mit (durch hartes Sonnenlicht erzeugten) leuchtenden Farben bilden bei vielen Menschen sicherlich die Annahme, dass genau dieses Licht der frei stehenden Sonne ideal zum Fotografieren ist.

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Tatsächlich erzeugt die pralle Sonne harsche Schatten. Die Fotografien wirken unruhig. Schräg einfallendes, hartes Licht lässt Farben satt erscheinen. Ein tiefblauer Himmel bildet nicht selten einen auffallenden Komplementär-Kontrast (zu Hauttönen). Für den Pastell-Look ist ein solches Licht also ungeeignet (für andere Sujets bzw. für einen anderen Stil [denken Sie an Parr] freilich nicht).
Zwar kann man sich mit einem Klappaufheller oder einem Aufhellblitz behelfen, indem man mit diesen Hilfsmitteln die durch hartes Licht erzeugten Schatten aus Richtung der Kamera wieder aufhellt. Die angesprochene Unruhe im Bild wird man damit aber dennoch selten gänzlich reduzieren können. Zudem benötigt man insbesondere beim Umgang von Blitzgeräten in der analogen Fotografie ein gewisses Maß an Erfahrung. Dabei lebt der Pastell-Look von einer eher zarten Darstellung, von natürlichen, ruhigen Tönen.

In der professionellen „People-“ bzw. Modefotografie wird der Look dennoch bei praller Sonne realisiert: Dies geht aber nur, indem riesige Stoffsegel gespannt werden bzw. das harte Sonnenlicht soften.

Das Licht sollte bestenfalls diffus sein

Für den Pastell-Look ist ein diffuses Tageslicht viel mehr geeignet als hartes Sonnenlicht. Noch besser:

Idealerweise nutzen Sie für den Look ein semi-diffuses Licht: Eine dünne Wolkendecke befindet sich vor der Sonne. Dunst liegt in der Luft.

Dieses „semi-diffuse“ Licht erkennen Sie daran, dass Sie selbst auf dem Boden einen Schatten werfen – jedoch lediglich einen ganz schwachen! Bei einem solchen Licht erhält man eine „zarte“ und vor allem gleichmäßige Ausleuchtung und muss dabei auf einen gewissen Punch nicht verzichten. Dummerweise ist man als Fotograf eher selten mit diesem schönen semi-diffusen Sonnenlicht gesegnet und kann es naturgemäß leider nicht beeinflussen. Dabei ist diese Lichtqualität für fast alle Sujets draußen sehr gut geeignet.

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Meist hat man jedoch die beiden Extreme: hartes, grelles Licht oder diffuses Licht über eine geschlossene Wolkendecke. Vermeiden Sie für den Pastell-Look graue Regenwolken. Eine weiße Wolkendecke hingegen ist sehr gut geeignet! Sie können Ihren Porträts, wenn Ihnen das Licht doch etwas zu langweilig ist, mit einer kleinen (!) Priese Blitzlicht von vorne oder von der Seite noch einen Pfiff geben und das eben angesprochene Ideallicht somit simulieren. Man sollte es mit der Stärke des Kunstlichtes jedoch nicht übertreiben (Der Betrachter der späteren Fotos sollte es nicht bemerken).

Schattenzeichnung und helle Mitteltöne

Charakteristisch für den Look sind durchgezeichnete Schatten, helle Mitteltöne und zurückhaltende Farben.

Das Wichtigste, also das Licht, stimmt? Dann geht es weiter mit dem, was man für den Pastell-Look steuern- bzw. auswählen kann – die nötige Technik:

Der richtige Film für den Pastell-Look

Meiner Meinung nach eignen sich hierzu alle Farbnegativfilme. Vorsicht bei Diafilmen (das sind die Farbpositivfilme, die nach der Entwicklung bereits ein tatsächliches Bild zeigen): Diafilme lassen sich weniger Gut mit Licht füllen. Ihr „Kontrastumfang“ ist geringer als der von Negativfilm und sollte nicht zu lange belichtet werden. Hierzu gleich mehr. Und: Diafilm bildet „steil“ ab: Er verstärkt die Kontraste, wo man sie mittels dem Pastell-Look eigentlich „besänftigen“ möchte. Weiterhin werden Farben bei Diafilm naturgemäß eher satt und laut abgebildet.

der Film Kodak Portra 160

Mein Lieblingsfarbfilm: Der Kodak Portra 160. Er bildet Farben von Natur aus eher nüchtern und zurückhaltend ab, ist aber kein Muss für den Pastell-Look.

Idealerweise nutzt man einen Farbfilm mit einem ISO-Wert von 400. Sollte man im Kleinbild fotografieren und legt dabei Wert auf wenig Korn (bzw. auf eine höhere Auflösung), dann sollte man besser zu einen Farbnegativfilm der 100-ASA-Klasse greifen. Der Vorteil eines 400ers ist dessen größerer Kontrastumfang, er lässt sich besser „überbelichten“. Durch die gröbere Struktur ist er in der Lage mehr Licht zu schlucken und darum geht es beim Pastell-Look:

Die richtige Belichtung ist keine Überbelichtung: Dem Film viel Licht geben

Bisweilen ist zu lesen, dass man für den Pastell-Look den Film überbelichten muss. Dies ist aber durchaus ungünstig ausgedrückt. Tatsächlich wird hier gar nichts überbelichtet:

der Kontrastumfang von analogem Film

Was soll das denn sein – Ein Schwamm und ein Film? Ganz genau, denn:

Genau so wie ein Schwamm eine große Menge Wasser aufsaugen kann, ist Film in der Lage, viel Licht aufzunehmen! Man kann hier durchaus mehr belichten, als es der Belichtungsmesser vorschlägt. Der realisierbare Kontrastumfang eines 100-ASA- und erst recht eines 400-ASA-Filmes ist sehr hoch.

Eine Überbelichtung von Film findet streng genommen erst dann statt, wenn das nachträgliche Entwickeln partiell solche Dichten aufbaut, dass hier keinerlei Zeichnung mehr durch einen Scan oder ein Ausbelichten erreichbar ist (das Positiv bleibt an diesen Stellen reinweiß). Um diesen Extremfall zu provozieren, muss man einem Film dann schon sehr viel mehr Licht geben als durch eine Belichtungsmessung ermittelt.

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Und daher können wir dem Film großzügig Licht gönnen:

Für den Pastell-Look belichtet man einen Farbfilm ca. 2 Blenden länger als der Belichtungsmesser eigentlich angibt.

Mit 2 Blenden ist gemeint, dass man entweder die Blende um ganze zwei Werte gegenüber der eigentlichen Messung öffnet (z. B. von Blende 8 auf Blende 4 [8 → 5.6 → 4]).
Oder aber man handhabt dies mit der Belichtungszeit, die man dann ebenfalls um diese 2 Stufen entgegen der Messung verlängert (z. B. von 1/250 Sekunde auf 1/60 Sek. [1/250 → 1/125 → 1/60]).

In beiden Fällen erreicht man, dass nun für den Pastell-Look die vierfache Lichtmenge auf den Film gelangt. Voraussetzung ist jedoch ein zuvor genaues Messen der Grundbelichtung:
Vielleicht ermitteln Sie Ihre Belichtungszeiten mit einem in der analogen Kamera integrierten Belichtungsmesser. Zumeist wird dies auch für „normale“ Bilder gut funktionieren. Dummerweise neigen diese doch recht einfachen Messmethoden oftmals zur Unterbelichtung (ohne dass Sie sich dessen bewusst sind). Man erkennt dies an leeren Schatten (die dunkelsten Bildbereiche haben keine  Detailzeichnung mehr). Beim Pastell-Look ist es jedoch wichtig, dass bereits das Messergebnis der nicht korrigierten Grundbelichtung stimmt.

ein Handbelichtungsmesser

Dies ist ein externer Handbelichtungsmesser. Erst durch die Möglichkeit der echten Lichtmessung mittels der weißen Kalotte ist eine präzise Grundbelichtung realisierbar. Sie können aber auch mit dem in der Kamera internen Belichtungsmesser eine Graukarte- oder zur Not den Boden anmessen und dieses Messergebnis zunächst übernehmen. Als nächster Schritt wird diese nun richtige Belichtungsmessung für den Pastell-Look noch einmal dahingehend verändert, dass ca. die vierfache Lichtmenge (+2 EV bzw. zwei Blenden reichlicher belichten) als eigentlich (korrekt) gemessen auf den Film gelangt.

*Der Twinmate L-208 von Sekonic ist der wohl günstigste externe Handbelichtungsmesser, den es auf dem Markt zu kaufen gibt. Er misst das Umgebungslicht entweder direkt (Motivmessung) oder via Kalotte (tatsächliche Lichtmessung). Gerade durch letztere Methode ist eine sichere Messung- bzw. ein korrekt belichtetes Bild möglich. Gesehen bei Amazon.

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Ich belichte meine Filme, wenn möglich, stets „über“ und hatte noch nie Probleme mit der nachträglichen Kopierbarkeit (Scan, Ausarbeitung). Die Lichter, also die kritischen Bereiche, sind selbst bei solch einer konservativen Belichtungsmessung und bei einem längeren Belichten von ca. +2EV weiterhin gedeckt und lassen sich gut mit dem Epson-Scanner digitalisieren. Allerdings basiert diese Erfahrung immer auf das anfangs erwähnte diffuse Licht. Sollten Sie diese Technik bei harschem Sonnenlicht bzw. Gegenlicht anwenden, könnte es – ob des hohen Eigenkontrastes des Motivs – zu Problemen in den Lichtern kommen. Hier sollten Sie die „Überbelichtung“ besser mit nur einer Blende versuchen (+ 1EV).

Die nötige Bildbearbeitung

Farbnegativfilm, den man ja idealerweise für den Pastell-Look verwendet, muss nach dem Belichten und Entwickeln bearbeitet werden. Viele wollen diesen Schritt nicht wahrhaben und denken, das Bild sei nach dem Belichten und Entwickeln im Kasten. Doch zunächst wird dieser orange Streifen (der Film), auf dem ja kaum etwas richtig zu erkennen ist, digitalisiert (man kann ihn freilich auch ausbelichten). Anschließend muss ausgefiltert werden, um ein logisches farbrichtiges Positivbild zu erhalten.

Die meisten Freunde der analogen Fotografie werden dies nicht selbst tun und lassen diesen Schritt von einem Dienstleister erledigen. Doch insbesondere bei den Discountern (z. B. beim Fotoauftrag in der Drogerie) wird man schlechte Karten haben: Hier erfolgt im Großlabor eine automatische Bildjustierung, die davon ausgehen könnte, dass der Film „falsch“ belichtet wurde. Anschließend erfolgt nicht selten eine Korrektur in Richtung knackig. Dabei ist gerade beim Pastell-Look ein „leichter Look“ ohne tiefes Schwarz gewünscht, bei welchem jegliche Zeichnung erhalten bleiben soll.
Es ist daher sehr zu empfehlen, dass die Filme bei einem Scandienstleister abgegeben werden, welcher die Ausfilterung individuell und nach Sicht vornimmt! Schicken Sie einen Vermerk mit, dass der „Pastell-Look“ angestrebt werden soll (Ihre Negative sind hierzu durch adäquates Licht + Belichtung hoffentlich geeignet). Versuchen Sie dem Fotodesigner am Computer zu erklären, dass diesmal ausnahmsweise keine knackigen Kontraste und satte Farben gewünscht sind. Der Vorteil der kleinen Dienstleister ist ja mitunter auch, dass man mit ihnen kommunizieren kann.

Sollten Sie Ihre Filme jedoch selber digitalisieren bzw. bearbeiten, dann sind Sie fein raus: Sofern Sie die nötige Bildbearbeitung beherrschen, können Sie hier die zuvor durch günstiges Licht und großzügigere Belichtung vorbereitete Basis (Ihr Film) adäquat ausarbeiten. Das wichtigste Werkzeug bei der digitalen Bildbearbeitung ist wohl die Gradationskurve bzw. das Histogramm:

der Pastelllook in Lightroom

Hier wurde eine Fotografie im Pastell-Look in die bekannte und nicht weniger beliebte Bildbearbeitung bzw. -Organisation „Adobe Lightroom“ geladen. Betrachten Sie sich nun oben das dazugehörige Histogramm. Wie gut sichtbar, sind die Schatten-Regionen links im Histogramm nahezu kaum „gefüllt“: Die Schattenzeichnung ist daher bis tief in den Wald hinein äußerst reichhaltig vorhanden. Die Fotografie lebt zudem von einem hohen Aufkommen an hellen Mitteltönen – und diese Verschiebung ist durch die anfangs besprochene großzügige Belichtung (nicht Überbelichtung) entgegen der Belichtungsmessung realisiert worden. Weiterhin wurde die Aufnahme bei bedecktem Himmel, also bei völlig gleichmäßigem bzw. diffusem Licht gemacht. Trotz der verhältnismäßig langen Belichtungszeit sind die hellsten Bildbereiche (die Lichter) noch ausreichend gedeckt: Der Schnee hat weiterhin Zeichnung, ebenso der helle Himmel.

*Der Kodak Portra ist ein Farbfilm mit besonders natürlicher Farbwiedergabe. Daher ist er insbesondere für die Portraitfotografie geeignet. Doch auch Landschaftsfotografen schätzen ihn. Der Portra ist für Kleinbild und Mittelformat bei Amazon erhältlich.

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Es ist nun bei der Bildbearbeitung wichtig, den linken Schieberegler der Gradationskurve nicht zu sehr nach rechts zu verschieben (und dies muss so bereits beim Scannen beachtet werden). Dieses „Anschneiden“ der Kurve würde den luftigen Charakter des Pastelllooks zunichte machen und dies machen leider wohl alle automatischen Bildbearbeitungsmechanismen (weil sie es nicht anders gelernt haben).

Zusammenfassung

Nicht jedes Sujet ist für den Pastell-Look geeignet. Ich selbst bin ein Freund „nüchterner“ Landschaftsfotografien in Farbe und nutze diese Technik sehr häufig. Man sollte hierbei keine Angst vor einer etwaigen Überbelichtung haben sondern dem Film durchaus über Gebühr Licht gönnen. Allerdings sollte hier der Charakter des Umgebungslichtes stimmen: Bei prallem Sonnenschein würde ich die Technik eher zurückhaltend anwenden. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass der Look nicht nachträglich durch eine falsche Bildbearbeitung (das Foto knackiger darstellen) zunichte gemacht wird – insbesondere, wenn man die nötige Bildbearbeitung aus der Hand gibt oder gar von Maschinen bzw. Automatiken erledigen lässt.

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Artikeldatum: 14.05.2017 / letzte Änderung: 31. Juli 2017

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leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.




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