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Intrepid bietet einen Vergrößerer-Aufsatz für Planfilme an

Wer schon einmal Planfilme (Großformat) selbst vergrößert hat, weiß, dass man hierfür einen riesigen Vergrößerer benötigt. Die Engländer von Intrepid bieten nun für ihre kompakte 4×5-Inch-Kamera einen winzigen Vergrößerer-Aufsatz auf Basis einer LED-Leuchtplatte an.

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Ich weiß noch, wie es damals im Studium war: Wir hatten ein riesiges Fotolabor zur Verfügung, welches unter anderem auch mit Durst Laborator Vergrößerern ausgestattet war. Das sind diese richtig großen Vergrößerungsgeräte, in die man auch 4×5-Inch-Planfilme hinein schieben– bzw. mit denen man diese vergrößern kann. Endlich konnte ich mich damals auch auf diesem Gebiet probieren. Denn in meiner eigenen Butze konnte ich im „Behelfs-Fotolabor“ höchstens einen 6×6-Vergrößererer im Badezimmer unter bringen.

Da ich nun bereits solch eine analoge Großformatkamera besaß, überlegte ich, wie ich meine Planfilme auch daheim vergrößern könnte, ohne auf das Uni-Labor angewiesen zu sein und ohne mir solche ein Monstrum in die gute Stube stellen zu müssen.
Ich bin ja ein Fuchs: Solch eine Großformatkamera mit ihrem Balgen und dem wechselbaren Rückteil, dazu noch mit ihrem Stativanschluss ist im Prinzip nicht anders aufgebaut als ein Vergrößerer. Man muss nur irgendwie eine Art Leuchteinheit hinten drauf bekommen.

eine alte Großformatkamera

Das war damals meine erste Großformatkamera (eigentlich eine Plattenkamera, die ich für übliche Planfilmkassetten umgebaut hatte). Irgendwie müsste hier noch hinten drauf ein Kondensor oder besser noch eine Mischbox mit Halogenlampe befestigt werden können, um das Negativ durchleuchten- bzw. auf ein Blatt Fotopapier projizieren zu können.

Ich sage es gleich: Ich verwarf diese Idee wieder. Denn zum einen wäre mir hier ein Kondensor-Linsensystem zu schwer und wackelig gewesen. Eine Mischbox mit 12V-Halogenlampe konnte ich nicht bauen. Zudem konnte man bei meiner Kamera das Objektiv nicht so ohne weiteres gegen ein echtes Vergrößerungsobjektiv tauschen.

Bei einem Vergrößerer ist es wichtig, dass man ein „echtes“ Vergrößerungsobjektiv zur Projektion nutzt. „Normale“ Objektive gingen zwar auch, würden für diesen Zweck jedoch gewisse optische Schwächen zeigen.

Heute gibt es aber flache und leichte LED-Leuchtplatten. Diese waren weiland noch nicht verfügbar und sie eröffnen hier ganz neue Möglichkeiten. Denn Sie sind hell genug, sie sind sehr leicht, sie erzeugen kaum Wärme. Ein kompliziertes System zur Lichtverteilung (Kondensor, Mischbox) ist nicht mehr nötig.

Die Engländer von Intrepid Camera Co. bieten solch ein System nun passend für ihre 4×5 Inch Laufbodenkamera an. Am besten lässt sich das Prinzip anhand ihres Videos darstellen:

Dieses Video ansehen auf YouTube.
(Videodaten stammen von Youtube.com)

Natürlich ist dieses Prinzip nicht neu. Auch Graflex bot wohl seinerzeit bereits solch ein System für ihre Kameras an. So etwas gab es vor Jahrzehnten offenbar auch schon von Linhof. Dies waren jedoch riesige Kondensor-Kästen. Die LED-Leuchtplatte von Intrepid ist klein und leicht. Man braucht noch nicht einmal zwingend eine Säule: Man könnte auch ein Fotostativ zum Vergrößern nutzen. Wie man einen Vergrößerer auf Basis einer optischen Bank (Sinar, Toyo, etc.) bauen kann, kann man hier nachlesen (sehr sperrig das ganze).

Das Intrepid Enlarger Paket bestehend aus Leuchtplatte, Negativ-Einschub + mehrere Filmhalter, Timer und Multigrade-Filterhalter (zur Kontraststeuerung). Filmhalter werden für die klassischen Formate Kleinbild, Mittelformat und eben 4×5 Inch mitgeliefert. Den Timer (der ausschaut wie aus dem Fotolabor von Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer) benötigt man, um auch Zeiten außerhalb der des Kameraverschlusses zu realisieren – also mehrere Sekunden, die beim Vergrößern absolut üblich sind. Den eigentlichen Kameraverschluss kann man hier also nicht benutzen. Auf dieser Seite (englisch) findet sich die gesamte Produktvorstellung des „Intrepid Enlargers“.

Außerdem sollte man sich für seine Intrepid ein echtes Vergößerungsobjektiv besorgen. Dieses ist bei dem Intrepid Enlarger Kit natürlich nicht dabei (die Objektivplatte hierzu allerdings schon). Für Planfilme in der Größe 4×5 Inch benötigt man ein Vergrößerungsobjektiv von ca. 150 mm.

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Das entsprechende Vergrößerungsobjektiv müsste also ohnehin dazu gekauft werden – so wie man ja auch das „normale“ Objektiv zur Intrepid irgendwie auf dem Gebrauchtmarkt auftreiben muss.

Eigentlich ist dieser Vergößerer-Aufsatz für die Laufbodenkamera eine klasse Idee. Aber es schaut auf dem Video doch recht wackelig aus. Dies liegt daran, dass die Kamera lediglich mittels einer einzigen Schraube (Stativanschluss) an der Säule des Vergrößerers (auch diese muss man bereits besitzen) befestigt ist. Richtige Vergrößerungsköpfe sind hier aufwendiger bzw. sicherer befestigt. Alternativ kann man natürlich auch ein Stativ nutzen, was die Standfestigkeit natürlich nicht gerade verbessert.

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Wenn jedoch alles steht und es nur noch um die Belichtung geht, ist ein eher fragiler Aufbau kein Nachteil. In der Dunkelkammer weht ja kein Wind. Problematischer ist hier allerdings die Art, wie Kontrastfilter (z. B. Ilford Multigrade-Filter) eingesetzt werden: Diese müssen unter dem Vergrößerungsobjektiv befestigt werden. Eine Halterung hierfür wird mitgeliefert. Dass die Plastikfolie nun bereits im optischen System sitzt (und nicht an der Leuchtquelle hinter dem Negativ) kann bereits für Einbußen in der Abbildungsqualität führen.

Möchte man das Fotopapier jedoch mit unterschiedlichen Gradationen belichten (z. B. ein samtiger Himmel und ein knackiger Vordergrund), kann man dieses Filtersystem nicht benutzen, da man die Einzelbelichtungen verwackeln würde. Hier (das Prinzip nennt sich „Splitgrade-Belichtung„) müsste man sich eine berührungsfreie Filterhalterung überlegen. Dabei wäre es doch technisch durchaus möglich, die LEDs der Beleuchtung bereits farbig erscheinen zu lassen, um über diesen Weg elegant den Kontrast zu steuern.

Kurzum: Der Intrepid Enlarger scheint mir ein minimalistisches, kompaktes System zu sein, um hin und wieder die Planfilme (und natürlich auch kleinere Formate) auch vergrößern zu können. Man benötigt für das Vergrößern von 4×5-Inch-Planfilmen wesentlich weniger Platz als mit einem „echten“ Großformatvergrößerer. Für eine dauerhafte Lösung und gewisse Labortricks (Filterwechsel)  ist diese Konstruktion sicherlich zu wackelig. Zudem können keine Filmmasken mit (AN-) Glas genutzt werden, wodurch manche Filme (insbesonders Rollfilme) oft durchhängen, was zu einem Schärfeverlust führt.

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Artikeldatum: 8.11.2019 / letzte Änderung: 8. November 2019

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authorGrüße! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr bald 20 Jahren mit der analogen Fotografie und entwickele meine Bilder im eigenen Labor oder "mit" dem Computer. Sollte dieser Beitrag nützlich gewesen sein, freue ich mich z.B. über ein Freibier: * oder einfach über einen Kommentar.

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