Analoge-Fotografie.net

Informationsseite mit vielen Hinweisen und Tipps

Bildbearbeitung bei analogen Fotografien: Nichts kommt fertig aus der Box

Thomasletzte Änderung: Apr 20231 Kommentar

Sie kennen sicherlich den Begriff „Out of the box“. Oftmals wird angenommen, die analoge Fotografie steht für eine Art „neutrales“ bildnerisches Verfahren. Das stimmt jedoch nicht: Fast jede Fotografie durchläuft den Schritt der Bildbearbeitung bzw. wird gewissermaßen verzerrt.

Digitalisierung Reklame Scannen lassen: Gutscheincode »ANALOG« – Sie erhalten 12 % Rabatt auf einen Auftrag bei MEDIAFIX für Budget-Scans mit 2.900 dpi bis hin zu Profi-Scans mit dem Hasselblad Flextight X5 für Dias und Negative unterschiedlicher Filmformate mit diesem Code.

Nehmen Sie einen belichteten und entwickelten Farbnegativfilm: Dieser weist eine deutliche orange Maske auf, die (noch invertierten) Farben sind kaum erkenntlich. An dieser Stelle halten Sie tatsächlich ein unbearbeitetes analoges fotografisches Bild in den Händen. Es ist klar: Um nun aus diesem Rohmaterial ein „farbrichtiges“ und brillantes Bild zu Gesicht zu bekommen, muss dieses Negativ in ein anderes Medium umgewandelt werden. Bei diesem Medium handelt es sich entweder um (Foto-) Papier oder um den Computerbildschirm.
Umwandeln bedeutet jedoch auch: Verzerren, Verformen. Und hier setzt immer eine Bildbearbeitung ein, denn man kann diese Schritte ganz nach Gusto anwenden, was Farben, Helligkeit, Kontrast anbelangt. Ursprünglich wird ein Farbnegativ mit einem Vergrößerer auf lichtempfindliches Fotopapier projiziert. Hierbei ist das sogenannte Ausfiltern ein Handwerk, welches viel Erfahrung und ein geübtes Auge bedarf. Schon lange wird dieser Schritt durch computergestützte Automatiken übernommen. Doch auch diese Automatiken können auch nur Vermutungen anstellen, was nun „richtig“ bzw. „echt“ ist. Man müsste jedes Mal eine ganz spezifische Farbtafel mit fotografieren, anhand derer dann eine Software einen tatsächlich genauen, realistischen Abgleich vornehmen kann. So etwas ist in der Praxis jedoch kaum möglich.

Das selbe trifft auf S/W-Fotografien zu: Hier muss man sich bei einer 1:1-Kopie zumindest auf einen bestimmten Kontrast festlegen. Das Negativ selbst ist zunächst nur eine Schablone, die es zu interpretieren gilt.

Ausfiltern von Filmen

Beim Umwandeln eines Negativs in ein Positiv gibt es keine Norm: Der Negativfilm ist die Partitur, das Positiv die Interpretation davon – dies gilt sowohl für das Vergrößern in der Dunkelkammer wie auch beim Digitalisieren mit einem Scanner bzw. mittels einer Computer-Bildbearbeitung.

Ein neutrales analoges Foto out of the box gibt es im Negativverfahren nicht. Immer erfolgt der Schritt der Bildbearbeitung.

zwei IT8-Targets

Zwei sogenannte „IT8-Targets“ zum tatsächlich farbneutralen automatischen Ausfiltern.

Ausnahme: Man verwendet Diafilm und ein sogenanntes „IT8-Target“, welches – ganz streng genommen – auf das Objektiv, den Filmtyp, den Scanner zugeschnitten sein muss. Man profiliert also sein analoges System. Dieser Ansatz wird jedoch hauptsächlich in der Theorie Bestand haben.

Wer seine analogen Negative selbst einscannt und hierbei die Scan-Software nach Herstellervorgabe nutzt, wendet immer eine (automatische) Bildbearbeitung an. Diese leistet in der Regel gute Dienste. Es ist jedoch nicht der Fall, dass man nun bei den Ergebnissen davon ausgehen kann, dass das Foto selbst tatsächlich so ist. Eine anderes Scanprogramm wird den selben Film beim Scannen bzw. Umwandeln ganz anders interpretieren. Und: Die Bildbearbeitung ist so alt wie die Fotografie selbst. Schon im 19. Jahrhundert wurde fleißig „gekriddelt und gekraddelt“ (Thomas Weski).

Eine Ausnahme bilden hierbei das Dia und das Polaroid bzw. der Sofortbildfilm. Hier hält man nach der (standartisierten) Filmentwicklung tatsächlich ein fertiges, „neutrales“ Bild in den Händen.

ein bearbeitetes Foto

Betrachten Sie sich die obige Gegenüberstellung: Links sehen Sie die Version eines eingescannten Farbnegativfilms. Die Scan-Software hat bereits gute Arbeit geleistet: Die Fotografie ist nun im Positiv zu sehen, die Farben sind einigermaßen richtig abgebildet, die orangene Maskierung des Filmes wurde entfernt bzw. ist nicht mehr sichtbar.
Dieses Motiv weist jedoch zwei deutliche Tücken auf: Zum einen ist der Kontrastumfang sehr hoch! Der vordere Bereich liegt im Schatten und es wurde während der Aufnahme folglich lange (auf die Schatten) belichtet. Daher ist der hintere Bereich bei diesem Motiv sehr hell abgebildet. Weiterhin werden die Felsblöcke im Vordergrund durch blaues Licht beschienen: Sie erhalten ihr Licht nur über den blauen Himmel und nicht direkt über die Sonne (wie es beim Hintergrund der Fall ist).
Würden Sie bei diesem analogen Foto keine nachträgliche Bildbearbeitung anwenden (in der Farbdunkelkammer oder per Bildbearbeitungsprogramm am PC), dann würden sie ein doch eher unschönes Ergebnis erhalten.

Um konkret auf die rechte Version des Beispielbildes zu sprechen zu kommen: Hier wurde zunächst der Hintergrund am PC mit einer Bildbearbeitung („Photoshop“) nachbelichtet: In den Blättern spiegelt sich die Sonne. Diese störende Helligkeit wurde gemindert. Plötzlich werden hier Details sichtbar. Auch der Himmel wurde etwas abgedunkelt. Als nächstes wurde der durch blaues Licht unnatürlich wirkende Vordergrund in seiner Farbe korrigiert: Er wurde maskiert und nur hier erfolgte eine Farbverschiebung in Richtung Gelb. Die selbe Bildbearbeitung wurde an den Schatten (ebenfalls zu blau) im Hintergrund vorgenommen. Zuletzt wurde diese Fotografie noch etwas geschärft.

Bei Film-Digitalisierungs-Software wie bei dem Scan-Programm „Silverfast“ kann man um jedes Einzelbild des Vorschauscans Rahmen ziehen. Im Automatikmodus wird dann je die Helligkeit, der Kontrast und die Farbe vom Programm automatisch eingestellt. Dies hat aber auch immer durch die Größe und Position des Rahmens einen Einfluss auf das Ergebnis! Sind zwei Fotos gleich belichtet und zeigen das selbe Motiv (also identisch), ist trotzdem die Bildeinstellung (bzw. automatische Bildbearbeitung!) je eine andere, wenn die Rahmen anders aufgezogen werden. Negative interpretiert man also. Die Auto-Funktionen der Scan-Software versucht jene Vorlagen ebenfalls zu interpretieren und kann dies nur rein mathematisch erledigen aufgrund der vorhandenen Farben und Helligkeitsunterschiede. Durch solch eine Vorgehensweise sind keine reproduzierbaren Scans realisierbar.
Jüngst scannte ich eine kleine fotografische Serie ein, bei der die Negative nichts weiteres abbildeten als Details von bunten LKW-Planen. Die Scan-Automatik spielte hier vollkommen verrückt: Sie wusste einfach nicht, dass es bei diesen Motiven kein echtes Schwarz, kein richtiges Weiß gab. Natürlich war sie nicht in der Lage, die eigentlichen Farben und Helligkeiten wiederzugeben. Ich erhielt völlig kontrastreiche, farbfalsche Positive. Insbesondere solche Bilder müssen immer manuell nach fotografischem Auge ausgefiltert werden (wie im analogen Farblabor).

eine Produktabbildung eine Produktabbildung eine Produktabbildung eine Produktabbildung
Rollei DF-S 180 Dia-Film-Scanner Plustek OpticFilm 8200i SE 35mm Dia/Negativ Filmscanner (7200 dpi, USB) inkl. SilverFast SE Epson Perfection V600 Photo Scanner EPSON B11B224401 Perfection V850 Pro Scanner (Vorlagen, Dias und Filmnegative scannen) schwarz/silber
€ 38,00 € 345,09 € 447,38 € 1.297,99 € 1.039,52
  • sehr günstig
  • für Laien geeignet
  • sehr kompakt
  • gute Scan-Qualität
  • einfache Handhabung
  • Infrarot Staub- und Kratzer-Entfernung
  • Kleinbild + Mittelformat
  • gute Scan-Qualität
  • Infrarot Staub- und Kratzer-Entfernung
  • bester aktueller Flachbettscanner für Filme
  • kann auch Mittelformat, Großformat scannen
  • hohe Auflösung
  • Infrarot Staub- und Kratzer Entfernung
  • nur für Kleinbild
  • eher geringe Auflösung
  • keine Infrarot-Staubentfernung
  • nur fürs Kleinbild (klassischer 35mm-Film / Dia)
  • in Relation eher mittlere Auflösung
  • hoher Preis
Foto Erhardt OTTO Office Amazon Amazon
auf Foto Erhardt ansehen auf OTTO Office ansehen auf Amazon ansehen auf Amazon ansehen
Werbung | Preis(e) aktualisiert am 22. Mai 2024, inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten | Alle Angaben ohne Gewähr

Wozu eigentlich dieser Artikel?

Analoge Fotografien in Büchern und Magazinen (z. B. alte GEO-Hefte) werden mit Sicherheit keine 1:1-Positivkopien der Negative darstellen. Vielen folgte ein gewisses Maß an Bildbearbeitung. Es ist falsch anzunehmen, dass für die Bildwirkung lediglich ein bestimmter Filmtyp oder gar eine bestimmte Kamera / ein bestimmtes Objektiv verantwortlich ist.

Das Bildbeispiel oben zeigt auch noch etwas anderes auf: (digitalisierter) Farbnegativfilm eignet sich hervorragend als „RAW-Datei“! Wurde so gescannt, dass die Scan-Software keinerlei Tonwerte beschnitten hat (was die meisten Programme durch die Voreinstellungen leider tun → Gamma auf 1, Kurve linear setzen) und nutzt man einen höherwertigen Scanner (das Negativ wurde mit dem Epson V800 gescannt), dann hat man selbst bei Motiven mit sehr hohem Kontrastumfang noch sehr viel Potential in den Schatten wie erst recht in den Lichtern, um durch eine nachträgliche händische Bildbearbeitung eine technisch hochwertige Fotografie auf Grundlage eines analogen Negativs zu erhalten. Jedoch muss man Wissen und Erfahrung in der digitalen bzw. analogen (Fotolabor) Bildbearbeitung besitzen, um zu solch ein Ergebnis zu gelangen. Out of the box ist dies oftmals nicht möglich, wie mein Vergleich verschiedener Scanprogramme im Auto-Modus zeigt:

Vergleich von Scansoftware

veröffentlicht: 9.08.17 | letzte Änderung: 26.04.23

Verschlagwortung dieses Artikels:
der Autor dieser Seite

Hallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit der analogen Lichtbildkunst und stehe entweder in der Dunkelkammer oder digitalisiere meine Filme am Computer. Analoge-Fotografie.net ist ein ›Ein-Mann-Betrieb‹. Daher kann es manchmal etwas dauern, bis ich Kommentare beantworte.

Damit man sich hier gut orientieren kann, besitzt meine Website übrigens ein recht durchdachtes → Inhaltsverzeichnis.

Für viele dieser Beiträge hatte ich so manchen Film belichtet. Wenn es hier tatsächlich etwas Wertvolles zum Mitnehmen gab, würde ich mich über eine kleine Filmspende via Paypal freuen:

Paypal-Spendenknopf Paypal-Spendenknopf Paypal-Spendenknopf
Digitalisierung Reklame Scannen lassen: Gutscheincode »ANALOG« – Sie erhalten 12 % Rabatt auf einen Auftrag bei MEDIAFIX für Budget-Scans mit 2.900 dpi bis hin zu Profi-Scans mit dem Hasselblad Flextight X5 für Dias und Negative unterschiedlicher Filmformate mit diesem Code.

Ein Kommentar

Bildbearbeitung bei analogen Fotografien: Nichts kommt fertig aus der Box

  1. Rolf sagt:

    Ja es wurde schon immer an den Bildern „rumgeschraubt“
    Auch heute wird ja noch bei den Belichtungen in der DK manipuliert was das
    Negativ hergibt.
    Meine Dunkelkammer heisst Photoshop oder Affinity, vorallem solange
    ich noch am Üben bin mit der analogfotografie und das dauert noch eine ganze Weile.
    Auch das mit der ISO muss ich noch rausarbeiten, meistens benutze ich bei Rollfilm
    einen 100er oder 125er ISO SW, da hab ich noch nie einen Farbfilm verballert.
    Beim 35mm war ein 400er Farbfilm das höchste.
    Aber es macht Spass mit den analogen Kameras zu Fotografieren, vorallem wenn
    man die SW Filme zuhause entwickelt.

Kommentare erscheinen nicht sofort bzw. werden manuell freigegeben. Mit dem Absenden des Formulars stimmen Sie der Datenschutzerklärung zu bzw., dass Ihre eingegebenen Daten gespeichert werden. IP-Adressen werden nicht gespeichert.

eine Produktabbildung

Das Buch Analog Fotografieren und Entwickeln - die Eigene Dunkelkammer ist eines der wenigen modernen Fachbücher, die sich noch der analogen Bildverarbeitung widmen (derzeit in der 4. aktuellen Auflage). Demzufolge werden hier auch die heute erhältlichen Filme, Papiere und aktuelle Chemie besprochen. Wer sich nicht durch die vielen einzelnen und verstreuten Artikel im Internet durchwühlen möchte, findet hier das gesamte Standard-Wissen für einen gut gemachten Handabzug vor, und zwar aus zeitgenössischer Sicht. Auch dieses Buch kann man auf Amazon virtuell durchblättern.

Werbung

Schon gewusst?

Symbol einer GlühbirneDas selbe Bild / Negativ kann man analog mit manchen Kameras durchaus 30 Mal mehrfach belichten.

Fanartikel

Logomotiv auf einem T-Shirt

T-Shirts und Fanartikel

Internet-Shop

macodirect.de

macodirect ist einer der größten Händler für die analoge Fotografie mit einem riesigen analogen Segment zu den regulären Preisen.

Reklame

Zufälliger Beitrag

Glasnegative und altes Foto Antike Familien-Fotografien: Ein Karton voller alter 9×12-Glasnegative um 1930 Jüngst hatte ich einen kleinen Karton voller historischer Glasplatten-Negative auf dem Schreibtisch stehen – Privatfotografien aus der Weimarer Republik. So [...]

Facebook & RSS

Facebook-RSS-Logo

Abonnieren Sie Analoge-Fotografie.net auf Facebook. Wenn Sie einen RSS-Leser nutzen, können Sie alternativ den Feed dieser Seite verwenden, um stets über neue Beiträge informiert zu werden.

Werbung für Gufiko-Film

Reklame

Themen

Suche

Dies ist eine private Internetseite. Links und Produktanzeigen, die mit ›Werbung‹ gekennzeichnet sind, sind sogenannte "Affiliate-Links" – Kaufen Sie darüber etwas, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis dabei nicht. Vielen Dank, der Autor (Thomas).