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Flohmarktfund: alte S/W-Negative aus längst vergangenen Zeiten

Eigentlich wollte ich mir nur eine alte Boxkamera ausleihen, um eine solche für mein Blog zu testen und vorzustellen. Der Freund gab mir aber gleich einen Haufen alter Negative mit, welche offenbar mit dieser alten Kamera aufgenommen worden sind. Er erstand beides zusammen auf dem Flohmarkt. Das interessierte mich natürlich und hier zeige ich einige Digitalisierungen dieser alten Filme.

alte Fotos und eine Boxkamera Die hier gezeigten Fotos wurden vor langer Zeit mit genau dieser alten Boxkamera gemacht – nicht mit der gleichen, offenbar mit der selben sogar.

Dieser Artikel erscheint im Bereich Kategorie Blog und ist mit Schlagwort verschlagwortet.

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Es ist immer schön, wenn ich auch hin und wieder etwas abseits von Fototechnik, Fotografiepraxis und dergleichen schreiben kann. Jüngst lieh ich mir eine uralte Agfa Box-Kamera (Baujahr offenbar zwischen 1932 und 1936). So eine Box stellt den sicherlich simpelsten Fotoapparat dar (vom Prinzip der Lochkamera einmal abgesehen). Doch um all dies soll es hier in diesem Beitrag nicht gehen. Viel interessanter sind diese alten Filme, welche es zu der Box dazu gab:

alte Filme in Negativtaschen

Die beiden Photohandlungen kamen laut Aufdruck aus Bückeburg. Dies ist ein Städtchen in Niedersachsen. Nach etwas Internet-Recherche konnte ich auf die Schnelle jedenfalls nichts dazu finden, dass diese beiden Fachgeschäfte noch existieren. Etwas Positives dazu hätte mich auch gewundert. Dies sind allesamt S/W-Film-Negative im Format 6×9. Obwohl sie vom Rollfilm stammen, sind sie fein säuberlich auseinander geschnitten und sie warteten in den Negativtaschen mehrere Jahrzehnte, bis sie auf mich trafen – Wir wollen schauen, wie es einst in dieser Umgebung aussah:

 

ein altes Foto in S/W

Dies scheint mir eine sehr ländliche Gegend zu sein. Die Frau links werden wir gleich noch etwas häufiger zu sehen bekommen. Bei den mehreren hundert Negativen, die mir für diese kleine Auswahl vorlagen, war sie omnipräsent vertreten. Die meisten dieser alten S/W-Fotos sind sicherlich aus den 1940er Jahren, vielleicht auch schon aus den 1930er Jahren, ggf. aus den 1950er Jahren. Vermutlich hängen alle miteinander zusammen bzw. es handelt sich um die Negative einer Familie. Mich als Fremden interessieren hierbei immer auch andere Dinge, welche abgebildet sind: Diese zu Pyramiden geformten Getreidebündel (sogenannte „Puppen“ oder auch „Diemen“ oder „Garben“; siehe Wikipedia) auf diesem Bild kenne ich nur von solchen alten Bildern. Heute wird das Getreide in einem Zug geschnitten, gedroschen, abtransportiert. Dies ist auch das Besondere beim Betrachten solcher fremden Familienaufnahmen: Auch der Hintergrund ist interessant, kleine Details sind es, das Warum, Wann und Wieso.

 

Kind inmitten von Blumen

Besagte Familie besaß übrigens eine Gärtnerei. Als Fotodetektiv bin ich recht schnell darauf gekommen: Auf den vielen weniger (für mich) interessanten Fotos, die ich nicht digitalisierte, sind die Gewächshäuser zu sehen und ein Transport-PKW – ein typisches Automobil der 1930er Jahre. Bei diesem Bild im Sommer setzte man das Kind aus Freude einfach mit dem kleinen Kinderstuhl in die Blumen.

 

Doppelbelichtung mit der Boxkamera

Auf diesem Foto ist die Mutter wieder zu erkennen. Ob eines der Mädchen das Baby von einem der beiden ersten Fotos ist? Hier jedenfalls hatte der Fotograf nicht aufgepasst und es ist versehentlich zu einer halben Doppelbelichtung mit der Boxkamera gekommen: Der Film wurde nicht korrekt weiter gespult und so überlappen sich zwei Aufnahmen.

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Ich habe im Atlas nachgeschaut: In der Nähe der Stadt gibt es einen See. Vielleicht ist dieses Foto dort entstanden. Aber so eine Kamera nimmt man ja gerne auch in den Urlaub mit. Vermutlich ist das Bild ganz woanders entstanden, so wie hier:

Beispielfoto mit der Agfa Box

Bei diesen Flohmarktfilmen gibt es auch einige Urlaubsbilder. Dieses Foto digitalisierte ich auch deswegen, weil mir die Segler im Hintergrund in ihrer weißen Kluft so gut gefallen – überhaupt weil es ein klasse Bildaufbau ist wie vielleicht bei einem Gemälde der Zeitepoche des Realismus. Der schiefe Horizont? Der unscharfe Vordergrund? Geschenkt! Manche solcher Amateurfotos sind heute viel interessanter als perfekt inszenierte Bilder von Profis. Für solche Aufnahmen braucht man jedenfalls kein Lehrbuch lesen:

alte Agfa Box Kamera

Das ist die Agfa Box. Hier kann man nichts weiter einstellen als auf den Auslöser zu drücken bzw. zwischen Momentaufnahme oder Langzeit wählen. Mit (vermutlich) genau dieser Kamera – also mit der selben, nicht mit der gleichen – wurden viele dieser Bilder, welche ich in diesem Beitrag zeige, aufgenommen. Warum ich mir da recht sicher bin? Weil sie ja zusammen mit diesen Negativen auf dem Flohmarkt verkauft wurde und weil ich mit dieser Kamera ebenfalls einen Film belichtete und die Fransen bzw. Unregelmäßigkeiten an den Bildrändern häufig identisch sind mit denen, welche sich auf meinen mit dieser Kamera selbst belichteten Negativen befinden:

 

Bildrand bei analogem Foto

Detail: eigene Aufnahme mit dieser Agfa Box auf Farbfilm

 

ein beispielfoto mit der Agfa Boxkamera

eigene Aufnahme mit dieser Agfa Box auf S/W-Film

Vergrößert man den Bildrand bei solch einem analogen Foto mit, sieht man – je nach verwendeter Kamera – gewisse Unebenheiten. Suchen Sie nach dieser charakteristischen „Nase“ auf den anderen alten S/W-Bildern in diesem Beitrag (Manche der Bilder sind gespiegelt). Häufig sind diese Ausfransungen in genau dieser Art wieder zu erkennen. Vermutlich ist jede Kamera innen etwas anders gefeilt worden. Oder die Lackierung bildete winzige Nasen nach dem Trocknen. Hier kann man also ähnlich nachforschen wie es ein Forensiker mit winzigen Kratzern an Projektilen tut.

 

ein Farbfoto mit der Boxkamera fotografiert

Diese Agfabox 44 funktioniert nach fast 90 Jahren immer noch problemlos – auch mit heutigem Farbfilm (Typ 120 Rollfilm). Sie hat nur etwas Lichteinfall, welcher sich bei Buntfilmen als z. B. roten Schein an den Bildrändern bemerkbar macht und insbesondere bei hellem Sonnenschein vorkommt. Diese alte „Krankheit“ hatte meine alte Box allerdings hin und wieder schon in ihrer Jugend, wie man auf manchen der alten S/W-Fotos aus dieser Zeit auch sehen kann.

Es ist ein besonderes Gefühl, diese alte Kamera in den Händen zu halten und dabei zu ahnen, dass dieser Apparat, diese Linse, das schwarze Innere dieses Kastens genau diese Begebenheiten, welche ich hier als alte S/W-Bilder vor mir habe, bereits sahen, als ich selbst noch lange, lange nicht auf der Welt war. Fast alle „meiner“ Protagonisten sind sicherlich bereits gestorben. Doch genug der Sentimentalitäten!

Mein Lieblingsfoto aus dem Flohmarktfund ist übrigens dieses hier:

Beispielfoto von einer Boxkamera

Dieses Beispielfoto aus der Boxkamera könnte fast von August Sander gemacht worden sein. Der hätte die beiden alten Frauen (Jahrgang vielleicht um 1870?) aber nicht mit einer 4-Mark-Boxkamera abgelichtet. Mir ist es egal. Ich mag dieses Foto. Denn ich überlege mir, was der Fotograf da im niedersächsischen Bauernland den beiden alten Schachteln, denen man ein arbeitsreiches Leben ansieht, wohl sagte, dass sie sich so schön platzierten. Man sieht den Fotografen bzw. sein wildes Haar als Schatten unten in einem der beiden gestreiften Röcke. Wegen solcher Fehler und auch wegen solcher kaum inszenierten Folklore schätze ich derlei Amateurfotografien.

Es sei aber weiterhin darauf hingewiesen, dass die meisten Bilder eines solchen Fundus für Außenstehende ziemlich langweilig sind und dass solch schöne Porträts durchaus Ausnahmen bei meinem Flohmarktfund bilden.

Übrigens: Die Box (6×9-Format) bildet durch ihr dermaßen „schlechtes“ Objektiv die Randbereiche häufig unscharf ab. Die beiden Bäuerinnen sind ebenfalls unscharf, weil die einfache Meniskuslinse der Boxkamera eher die Ferne (im Bildzentrum) scharf abbildet aber nicht die Nähe. Und weil dies noch nicht übel genug ist: Die meisten Aufnahmen sind verwackelt, weil diese Kamera mit einer recht langen Zeit von 1/30 Sekunde belichtet und man den Verschluss (das Belichten) mit einem recht rabiaten Hebel auslöst. Doch genau dieses technisch Unperfekte ist das Schöne an diesen alten Fotografien. Diese Boxkamera funktioniert auch heute noch und Film dafür wird weiterhin hergestellt (Rollfilm; Typ 120). Wer so etwas einmal ausprobieren möchte: Ich empfehle für solch eine Kamera den Film „Fomapan 400“. Auf Flohmärkten ist eine solche Boxkamera ca. fünf Euro wert. Maximal 10 Euro würde ich hierfür dort ausgeben (Die meisten dieser Geräte waren damals billige Massenware). Via Ebay sind die Preise jedoch meist höher. Hier kann man mit ca. 15 € für eine solche Boxkamera rechnen.

 

Foto aus 40er Jahre Boxkamera

Auch diese Abbildung gefällt mir außergewöhnlich gut. Die meisten Negative der Sammlung digitalisierte ich nicht, weil sie eher für Familienangehörige interessant sein dürften bzw. waren. Sie sind in der Menge doch recht belanglos. Aber Halt: Auch hier bei diesem Motiv gefällt mir die sandersche Pose und die Großzügigkeit, auch etwas die Umgebung betrachten zu dürfen. Auch hier sehr interessant die Randunschärfe der Linse der Boxkamera, welche die drei Geschwister (?) so schön in den Vordergrund treten lässt. Eine sehr schöne Fotografie – auch wegen den unterschiedlichen Posen und wegen dem Lichteinfall unten. Sicherlich machte dieses Bild ein Familienmitglied und sicherlich wurden hierfür keine Lehrbücher studiert. Und dass hierbei der Hintergrund völlig schief ist, ist auch völlig zu vernachlässigen. Auf dem Bild scheint eigentlich alles schief zu stehen bis auf die beiden Mädchen. Nachdem ich selbst mit dieser Kameras einige Aufnahmen angefertigt hatte, weiß ich, dass es durch die beiden winzigen Gucklöcher bei der Box kaum möglich ist, den Horizont gerade ausrichten zu können.

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Die Familie hatte vielleicht Pferde. Eine solche Koppel ist im Hintergrund zu sehen. Später zeige ich noch ein Foto, wo auf einem solcher Häuser eine Fernsehantenne zu sehen ist. Dieses müsste jünger sein. Bei diesem Foto sind derlei Dinge noch nicht zu entdecken. Ich schätze auch hier: 1940er Jahre, sicherlich noch vor Kriegsende.

Ich wählte diese Fotos aus einer Menge von ca. zweihundertfünfzig Bildern aus. Hierzu legte ich die Negative auf eine Leuchtplatte und nutzte mein Smartphone mit einem Programm, also einer App, welche Negative umwandelt – und zwar als Live-Vorschau. Dies ist sehr praktisch hierfür! Die Bilder, meine Auswahl, hatte ich dann via Digitalkamera und Makro-Objektiv digitalisiert mit der Kaiser Leuchtplatte. Ich säuberte die Negative lediglich trocken, indem ich sie mit einem Brillenputztuch abrieb und danach mit einem kleinen Pustebalg von Staub befreite. Digital retuschiert sind die hier gezeigten Bilder nicht.

 

ein Portrait mit der Boxkamera
Dies ist das Mädchen, welches auf dem vorherigen Gruppenfoto links steht. Es scheint sich im Hintergrund bei diesem Portrait auch um das selbe Grundstück zu handeln. Aber es müssten zwischen den beiden Aufnahmen einige Jahre vergangen sein. Angenommen, das Mädchen ist auf diesem Foto 15 Jahre alt und die Aufnahme wäre von 1948. Dann wäre sie heute (2021) – sofern sie noch leben würde – 88 Jahre alt.

 

Kind mit Ziege

Bei dieser Aufnahme mit dem Kind und der kleinen Ziege sind die Randbereiche nicht so arg unscharf wie auf anderen Aufnahmen mit dieser Kamera. Warum, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht liegt es am harten Sonnenlicht, welches Fotos ja immer etwas schärfer erscheinen lässt als diffuses Licht.

Ich hatte einmal ein Fotolehrbuch aus dieser Zeit in den Händen „Fotografieren mit der Leica“ oder so ähnlich. Genau solche putzigen und harmlosen Motive im Ländlichen entsprachen dem Zeitgeist der 1930er bis dem der 1950er Jahre bzw. waren damals typisch.

 

Baby auf dem Wickeltisch

Die meisten Fotografien vom Flohmarktfund zeigen die Kinder. Das ist heute nicht anders. Dieser Knabe schaut auf dem Wickeltisch schon wie der Bürgermeister drein: Das Bild musste mit in meine Sammlung.

 

eine Mutter mit Kindern im Krieg

Dieses Foto interessiert mich auch sehr. Wie mir erst jetzt auffällt, hatte ich entweder Winter- oder Sommerbilder in meiner Auswahl. Aber die meisten Negative des Flohmarkt-Fundes waren tatsächlich entweder Winter-Schneebilder oder fröhliche Bilder im Sommer. Zunächst war auch noch ein Vater abgebildet, manchmal in Wehrmachtsuniform. Später tauchte dieser allerdings nicht mehr auf. So auch auf diesem Foto. Ich weiß nicht, ob er nicht vielleicht einfach nur der Fotograf war, sicherlich nicht.
Bei diesem Film handelt es sich um einen der Firma „Perutz“. Andere Filme sind von Agfa. Viele Negative weisen jedoch gar keine Randbeschriftung auf.

Obacht bei solchen Flohmarktfunden: Sehr alte S/W-Filme könnten noch aus Nitrat bzw. Zelluloid bestehen. Diese Filme sind leicht entzündlich bzw. können sich selbst entzünden.

 

ein Weihnachtsbaum im Schnee

Warum man den geschmückten Weihnachtsbaum im Schnee draußen vor der Tür präsentiert, erschließt sich mir nicht so recht. Im Gegensatz zu dem vorherigen Bild ist dies ein altes S/W-Foto, welches Fröhlichkeit transportiert. Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang die Personen beider Bilder zueinander stehen und welche Zeit zwischen den Aufnahmen liegt. Die vielen Negative waren auch nicht sortiert.

 

Verwackelungsunschärfe bei einem Foto

Ich komme beim Betrachten von Amateurfotografien manchmal nicht davon ab, an irgendwelche berühmte Gemälde-Schinken zu denken. Aber auch dieses wunderbare Foto besitzt eine schöne Aufteilung der Personen. Dabei ist alles Zufall und völlig verwackelt. Ich freue mich, dass ich solch ein Bild aus dem „Flohmarktschatz“ gerettet habe. Ich finde, daraus kann man eine schöne Postkarte oder ähnliches machen – auch wenn man die Personen darauf gar nicht kennt. Wäre ich Musiker bzw. würde ich Schallplattenhüllen gestalten, so wäre so ein Foto das Cover zumindest einer Single.

 

ein Beispielfoto mit der Agfa Box

Jetzt soll es wieder wärmer sein. Schauen Sie doch einmal, wie die beiden Tanten hinten fröhlich winken und rufen, während der Fotograf mit der Agfabox bis zum Bauch im See steht und die Kinder sich fröhlich im Wasser zur Gruppe positioniert haben. Eine wunderbare Fotografie! Das Mädchen links war bisher am mutigsten, die anderen Kinder waren augenscheinlich noch nicht so weit im Wasser. Es scheint auch – ob des Windes – dass es bald Gewitter geben wird.

Noch etwas zu diesen S/W-Negativen, die der Freund (nicht ich) auf dem Flohmarkt zusammen mit der Agfa-Box kaufte: Von diesen Negativen wurden sicherlich vor vielen, vielen Jahrzehnten Positive (d. h. Papierabzüge) in Form von Kontaktkopien angefertigt. Diese Papierbilder sind genau so groß wie die Negative, sind aber Positive – also normale S/W-Fotos. Und diese Bilder schlummerten viele Jahre lang in entsprechenden Fotoalben. Es war schon immer üblich, dass man die Negative zu den fertigen Bildern häufig entsorgte. Meine eigenen Eltern jedenfalls haben die Negative zu meinen Kinderfotos in den Fotobüchern aus den 1980er Jahren jedenfalls nicht mehr.

ein Kontaktabzug vom Negativ

ein Kontaktkopierrahmen

ein alter Kontaktkopierrahmen wie er damals Standard in Drogerien und bei Fotografen war

Links ist das Negativ zu sehen, rechts ein Kontaktabzug davon: In der Dunkelkammer legt man hierfür das Negativ auf das weiße (bzw. gelbliche), lichtempfindliche Fotopapier, knipst das Raumlicht kurz an, macht es wieder aus und entwickelt im Anschluss das Foto. Hierfür nutzte man Kontakt-Kopierrahmen. Ein Vergrößerer wurde selten genutzt. Genau für diese kleinen Papiergrößen waren die Negative gedacht. Darauf stören die Bildfehler der einfachen Kamera nämlich nicht.

Noch ein Bild:

Negativ mit Flecken

Dieses Negativ ist ziemlich fleckig. Ich habe es nicht retuschiert. Es ist auch völlig verwackelt (wie viele andere mit der Boxkamera) und der Horizont ist auch reichlich schief. Ist dies ein Grund zum Entsorgen dieser misslungenen Aufnahme? Aber natürlich nicht! Gerade diese Fehler machen diese beinahe Silhouettenaufnahme zu etwas ganz Besonderem. Eine sehr schöne Fotografie von Mutter und Sohn. Stellen Sie sich dieses Motiv einfach nur als größeren Handabzug auf Barytpapier in einem Passepartout gerahmt unter einem Galeriespot vor, unter welchem auch noch ein Ausstellungskatalog mit klugen Texten auf einem Podest liegt. Das ist ja der Witz an der ganzen Geschichte: Wenn man selbst die Augen aufhält, etwas sortiert und Zeit investiert, kann man Wunderschönes, will sagen „Kunst“, bei derlei Knipsbildern finden. Und natürlich kann man auch heute noch mit so einer Kamera fotografieren. Die passenden Filme gibt es ja auch noch zu kaufen.

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eine versehentliche Doppelbelichtung

Bei solch einer Boxkamera muss man aufpassen: Manche Modelle besitzen einen sogenannten „Rotationsverschluss“. Bei dieser Agfa-Box 44 ist dies der Fall. Bei meinem Probefilm war ich hierbei vorsichtig (es gibt ja mittlerweile Wikipedia). Aber der Vor-vor-vorbesitzer dieser Kamera war es hier vor 80 Jahren nicht. Denn wenn man den Auslöseknopf nach unten drückt und danach wieder nach oben hat man, man ahnt es nicht, bereits zwei statt nur einer Aufnahme auf das selbe Stückchen Film gemacht.

 

eine Mehrfachbelichtung mit der Boxkamera

Jetzt bin ich doch wieder beim Schnee angelangt. Auch hier zeigt sich eine interessante (unbeabsichtigte) Mehrfachbelichtung, welche bei einer solchen Boxkamera schnell passieren kann.

 

eine unterbelichtete Aufnahme mit der Boxkamera
Auch eine sehr interessante Pose. Das Foto ist eigentlich völlig unterbelichtet. Solch eine Boxkamera belichtet bei ca. 1/30 Sekunde bei ca. Blende 11. Mehr kann man selten bei diesen Geräten einstellen. Diese Unterbelichtung ist bei diesem Foto jedoch überhaupt nicht nachteilig – ganz im Gegenteil. Hierbei sei jedoch gesagt: Am besten funktionieren derlei technisch fehlerhafte Fotografien beim Ablichten von Charakteren / Personen:

 

ein unterbelichtetes S/W-Foto

Auch bei diesem S/W-Foto ist es völlig egal, dass die Kleidung kaum noch Zeichnung aufweist. Sie ist deutlich unterbelichtet. Aber dafür kommt das helle Gesicht dieses Kindes umso mehr zur Geltung. Augenscheinlich hat das Kind die hier viel zu großen Holzschuhe eines Erwachsenen an. Daher wohl auch das beherzte Lachen.

 

Foto-Aufnahme im Schatten

Legt man einen ISO-100-SW/Film in eine solche alte Boxkamera ein (z. B. ein Ilford FP4 oder besser noch einen Foma 100) und fotografiert man damit im Schatten bei Tageslicht Personen, erhält man zwar ziemlich flache Negative. Aber einige dieser können trotzdem sehr interessant werden. Ich empfehle dennoch für solch eine Kamera einen ISO-400-Film wie z. B. den Ilford HP5 oder den Kodak TriX, wenn man in den eher dunkleren Monaten fotografiert.

 

Kind auf altem S/W-Foto

Leider wurden meist die Kinder fotografiert. Mich würden eher die Erwachsenen interessieren. Sei es drum! Das wird sicher keine Ikone, doch auch dieses Knipsfoto vom Flohmarkt erinnert mich von der Bildgestaltung her etwas an ein Gemälde und ich digitalisierte es für meine Sammlung.

ein altes Foto beim Rodeln

Am Anfang dieses Artikels verlor ich einige Worte bezüglich des Alters dieser Fotografien. Bei diesem Bild sieht man eine Fernsehantenne am Giebel des Hauses im Hintergrund. Die Aufnahme dieses Rodelfreundes, so wie er gerade auf dem kleinen Hügel steht, kann man daher nicht mehr in den Zeitraum um 1940 einordnen. Dieses Foto wird sicherlich mindestens zehn Jahre später entstanden sein – aber weiterhin mit der alten Agfa-Box.

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ein Junge mit Karnickel und Meerschweinchen

Film für die Boxkamera

Ich fotografiere heute noch mit dieser Boxkamera. Film hierfür gibt es weiterhin neu hergestellt zu kaufen.

Und da ist er ja wieder (Es scheint der selbe Bube zu sein). Man beachte nicht nur die beiden weißen Karnickel – als wären sie extra positioniert – und das Meerschweinchen im Arm, sondern auch die Armbanduhr und das „Hawaiihemd“. Dieser Junge war, das zeigen weitere Bilder, regelrecht vernarrt in diese kleinen Tierchen. Die 1950er Jahren dürften hier bereits angebrochen sein. Dies war sicherlich zunächst eines der letzten Bilder mit dieser Boxkamera. Siebzig Jahre später jedoch fotografiere ich weiterhin mit dem alten Kasten.

Doch um das Technische soll es ja in diesem Beitrag gar nicht gehen. Ich freue mich nur, dass ich einige kleine Perlen aus solch einem Flohmarktfund gerettet habe und darüber, dass ich diese einem breiteren, heutigem Publikum zeigen kann.

eine alte BoxkameraSie wollen vielleicht selber mit solch einer alten Box fotografieren? Hierzu ist sicherlich der Artikel Fotografieren mit der Boxkamera relevant.

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Dieser Artikel erscheint im Bereich Kategorie Blog und ist mit Schlagwort verschlagwortet.
Veröffentlichung: 11.11.2021; geändert: 24.11.2021

der Author dieser SeiteHallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit nunmehr 20 Jahren mit der analogen Fotografie und ich entwickele meine Bilder in der Dunkelkammer oder "mit" dem Computer.

Diese Website hat inzwischen den Umfang eines ganzen Lehrbuchs erreicht: Schauen Sie / schaue Du auch einmal in das Inhaltsverzeichnis hinein:

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Anonymous | am 26. November 2021

Hallo Thomas,

die Geschichte von Vivian Maier hat mich sehr fasziniert. Vermutlich war dies auch der Auslöser, weshalb ich mir für etwa 30 Euro bei Ebay ein Diakonvolut von über 2000 privaten Aufnahmen (ca.70’er-90’er Jahre)zukommen ließ. Ich hoffte auf Landschafts/bzw. Naturaufnahmen die ich evtl. digital aufbereiten könnte, oder auf historisch interessante Ansichten von Architektur und alten Fahrzeugen. Angekommen sind fürchterlich langweilige Familienbilder, die einen etwas gehobeneren Lebensstandart zeigten. Technisch und gestalterisch unbrauchbar.Vielleicht werden meine Bilder von den nachfolgenden Generationen ähnlich beurteilt werden.
Aber so wie Du bei Deinem Flohmarktfund von vielen Kinderaufnahmen sprichst, denke ich, daß es in der Regel einfach nur um Erinnerungen ging – Familienfeiern, Urlaub, die ersten Schritte…
Herausragende Entdeckungen wie V.Maier wird man dabei sicherlich eher selten machen.
Thomas G.

Thomas (Admin)
Hallo, ja meist sind es schlichte Familienerinnerungsfotos. Ich musste auch eine ganze Zeit lang suchen, bis ich einige der sehr wenigen für mich interessanten Bilder fand.

Klaus Nagel | am 14. November 2021

Hallo,

vielleicht hilft es:

Bei Deiner Box handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Box 44. Sie wurde (nur) 1932 produziert und erhielt die Beinamen “Preis-Box” und “Vier-Mark-Box”. Man konnte sie im Fotoladen kaufen, vorausgesetzt man bezahlte mit vier Markstücke (RM) mit den Prägebuchstaben A (2x), G, F. Stückzahl: ca. 900.000. Die Kameras wurden zwischen dem 09.06. und Mitte Oktober verkauft! Agfa hatte sehr große Probleme die große Nachfrage zu befriedigen. Geplant waren lediglich 100.00 Kameras.

Übrigens: wie kommst Du mit der Normalbrennweite (105mm) der Box zurecht da Du nach Eigenaussage doch ein Weitwinkeltyp bist und der Normalbrennweite das kurze Weitwinkel vorziehst?

Thomas (Admin)
Hallo Klaus, besten Dank für die Hinweise! Ich möchte demnächst noch einen Artikel zur „Boxkamera“ selber heraus bringen und da passen sie gut hinein. Ich belichte gerade den zweiten Film mit der Box und über den Bildwinkel habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Denn so eine Kamera ist für mich nur zum Ausprobieren interessant, nicht für die Sachen, die ich sonst so mit Kameras anstelle.

Frau Müller | am 13. November 2021

Hallo Thomas,

warum versuchst Du nicht einmal etwas über die Familie zu erfahren? Einige der abgebildeten Kinder könnten durchaus noch leben. Wenn nicht, sie hatten sicherlich selbst Kinder.

Du hast doch gute Anhaltspunkte. Gärtnereibesitzer dürfte es dort wenige gegeben haben. Auch das Haus mit der Antenne könnte noch stehen. Eine kurze Mail an die Stadtverwaltung könnte weiterhelfen. Es gibt nicht wenige Archivare welche sich über solche Art von Arbeit freuen. Die Gärtnerei hatte sicherlich Telefon. Wieder ein Anhaltspunkt. Stichwort: Telefon- oder Adressbuch.

Interessant ist doch auch die Frage wie kamen die Kamera und die Filme auf den Flohmarkt.

Übrigens: ich kaufe schon seit vielen Jahren alte Fotoalben auf Flohmärkten. Ausschließlich Familienfotos. Nix von Berufsfotografen. Meist für einen Appel und ein Ei das Stück. Oftmals noch viel älter als Deine Sammlung. Negative interessieren mich nicht. Aber von dem einen oder anderen Bild mache ich Repros. Nicht selten frage ich mich wieso solche Bilder einfach entsorgt werden. In Paris soll jemand mio. alte Dias sammeln. Eine einzigartige Fundgrube.

Ach ja, bevor ich es vergesse: das Urheberrecht an den Fotos erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen. Vielleicht ist er zwischen 1910 und 1920 geboren? Auch ist das Recht am eigenen Bild zu beachten (das ist aber eine andere Baustelle).

Thomas (Admin)
Hallo Frau Müller, danke für die Hinweise. Was solch eine Familiengeschichte betrifft, hier möchte ich gar nicht weiter nachforschen als wie ich mir bisher Gedanken gemacht habe. Die Frage ist natürlich, ob man damit jemanden eine Freude bereiten kann. Aber ob Enkel sich für die Kinderfotos ihrer verstorbenen Großeltern interessieren? Ich glaube, alte Fotoalben werden eher weggeworfen oder landen eben auf dem Flohmarkt.

Juna | am 12. November 2021

Was für ein schöner Beitrag, danke dafür!

Christian | am 12. November 2021

Sehr schöne Bilder, und beeindruckend mit wie wenig aufwändiger Technik man damals tolle Erinnerungen produzieren konnte. Was das Entwickeln und die Abzüge damals wohl gekostet haben?
Auch finde ich trotzdem beachtlich, dass die Negative noch in so guter Qualität digitalisierbar sind, nach all der Zeit.
Danke für die tollen Einblicke. Da werde ich doch bei meinen Eltern auch mal auf die Suche nach ganz alten Negativen gehen…

Thomas (Admin)
Hallo, danke für die Kommentare. Wie viel das Entwickeln + Abzüge machen gekostet hatte, weiß ich leider nicht. Meine Negative waren meist noch in gutem Zustand.

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Der Autor dieser Seiten ist Thomas.
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