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Fotografien mit einem Lithentwickler entwickeln und einen pictorialistischen Stil schaffen

Thomasletzte Änderung: Jan 20243 Kommentare

In diesem Artikel soll es um den sogenannten Lith-Entwickler gehen. Dies ist ein spezieller Entwickler für das eigene S/W-Fotolabor. Durch diesen Entwicklertyp sind analoge Bilder realisierbar, die an die pictorialistischen Fotografien des 19. Jahrhunderts erinnern.

Dieser Beitrag ist Teil der übergeordneten Seite ➥ So entwickeln man Fotos und Filme selbst: Die Übersicht.

Wer seine analogen fotografischen S/W-Filme mit hoher Präzision belichtet, entwickelt und später zu qualitativ hochwertigen Handabzügen auf Barytpapier verarbeitet, wird von deren hoher Abbildungsqualität sicherlich überzeugt sein. Insbesondere werden an dieser Stelle die Fotografen jauchzen, die das Mittel- oder gar Großformat zum Fotografieren nutzen.

Es gibt aber noch einen anderen Weg, um überzeugende Handabzüge anzufertigen: Der Weg über eine gewisse symbolistische Darstellung: Die „pictorialistische“ Fotografie.

eine Fotografie im Stil des Pictorialismus

Hier spielt die abgebildete, technische fotografische Präzision überhaupt keine Rolle. Ja, die Fotografien müssen noch nicht einmal scharf sein! Bei dem obigen Beispielfoto wurde eine Kleinbildkamera verwendet, deren Objektiv einfach unscharf gestellt wurde.

eine Produktabbildung

Diese Neuerscheinung richtet sich an Fortgeschrittene in der Dunkelkammer: Es werden Techniken wie beispielsweise das Vorbelichten von Fotopapier, das Entwickeln von Farbnegativen sowie einige Edeldruckverfahren und andere Kreativtechniken behandelt.

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Moersch Easylith Foto-Entwickler

Fotografischer Positiventwickler: „Moersch Easylith“. Für den Ansatz verdünnt man von beiden Teilen eine Menge und mischt dieser noch Wasser hinzu. Jener Ansatz hält jedoch nicht sehr lange (ca. eine Stunde), wenn er an der Luft oxidiert.

Man benötigt hierzu einen sogenannten „Lith-Entwickler“. Für die Bilder in diesem Beitrag wurde der S/W-Entwickler „Moersch Easylith“ verwendet und zwar in dem in der beigelegten Anleitung empfohlenen Standard-Mischverhältnis. Easylith ist ein relativ einfach zu verwendender Positiv-Entwickler. Man ist hierbei jedoch auf ganz bestimmte Fotopapiere angewiesen. Bei dem Bild oben wurde das sicherlich bekannte, alte „Orwo-Barytpapier“ verwendet. Dieses gibt es immer wieder günstig und in großen Mengen bei Ebay. Viele moderne Papiere jedoch funktionieren mit diesem Spezial-Entwickler nicht. Lesen Sie daher die Empfehlungen auf der Internetseite des Herstellers (PDF-Datei).

eine Lith-Fotografie im eigenen Labor

Dieses Motiv wurde mit Moersch Easylith auf dem Papier „Adox Nuance“ entwickelt. Jenes ist etwas „kühler“ als das Orwo-Papier (letztes neigt zunächst zum Gelb / Orange) und harmoniert gar wunderbar mit einem Lithentwickler. Leider wird das Adox-Papier nicht mehr produziert.

In beiden Fällen hält man ein absolutes Original in den Händen. Denn der Prozess ist niemals reproduzierbar.

eine analoge Mehrfachbelichtung

Übrigens: Bereits mit der Technik der analogen Mehrfachbelichtung des selben Motivs erhält man Fotografien, die an Malerei erinnern.

eine Produktabbildung

Das alte OrWo-Papier gibt es häufig bei Ebay. Für "normale" Abzüge eignet es sich aufgrund des Alters wohl kaum. Es ist als "traditionelles" Fotopapier jedoch sehr gut lithbar.

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Für den pictorialistischen Effekt muss man das Papier im Lith-Entwickler quälen. D. h. man legt es hinein und belässt es dort ohne Bewegung für mehrere Minuten. Wer Raucher ist, geht nun eine rauchen. Jedoch muss man das Papier an den Rändern etwas beschweren, damit es sich stets innerhalb der Chemie befindet und nicht nach oben schwimmt.

Zum Beschweren reichen z. B. zwei Papierzangen, die man einfach auf den (zuvor einbelichteten) weißen Rand der Fotografien legt (diese Gewichte liegen nun im Lithentwickler und halten das Fotopapier darin).

Dadurch, dass nun keinerlei Bewegung in der Fotoschale stattfindet, reagiert der Entwickler recht ungleichmäßig, um nicht zu sagen chaotisch. Charakteristisch sind hier die wolkigen Schwärzen. Es droht aber kein schnelles Zulaufen der Schatten (Zeichnung in den dunkelsten Bereichen wird völlig schwarz), denn an diesen Stellen hat sich der Entwickler bereit abreagiert bzw. abgenutzt und arbeitet nunmehr nur in den anderen (helleren) Bildbereichen weiter (bis man die Entwicklerschale wieder bewegt).

eine eigene Dunkelkammer

Für das Anfertigen solcher kleinen Kunstwerke benötigen Sie eine eigene kleine Dunkelkammer. Was hierfür an Geräte und Material notwendig ist, wird im Artikel Ausrüstung für die Dunkelkammer aufgelistet.

Alle Fotografien auf dieser Seite wurden anschließend noch in einem sogenannten „Selentoner“ behandelt. Diese Chemie kühlt den Bildton noch etwas hinunter, denn jener ist meist zu orange.

weiteres Beispiel mit dem Lithentwickler

Auch hier wurde der Lithentwickler verwendet. Solche verwackelten, unscharfen Negative erhalten dadurch eine sehr symbolistische, grobe bzw. „pictorialistische“ Wirkung mit ausgeprägtem Korn. Diese Fotografie ist so nie exakt reproduzierbar: Jeder Abzug ist ein Original.

Fotografie auf Fotopapier in einem Lithentwickler

eine Produktabbildung

Im Buch "Handbuch der Analogen Kreativtechniken" geht es um analoge Bildbearbeitung! Sie meinen, der Begriff "Bildbearbeitung" bezieht sich nur auf den Computer? Dieses Buch möchte dem etwas entgegen setzen: Themen wie die Positivbearbeitung via Bleicher und Toner werden ebenso erläutert wie das Anfertigen von eigenen Emulsionen und die sogenannten "Edeldruckverfahren". Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Bei diesem Fotogramm (an dieser Stelle gibt es mehr davon) wurde ebenfalls Moersch Easylith als Foto-Entwickler verwendet. Das Papier wurde sehr gequält d. h. ca. 20 Minuten einfach im Entwickler belassen, ohne es zu bewegen. Man beachte die chaotische Schwärzung.
Auch hier wurde das alte Orwo-Baryt-Papier verwendet. Wer Glück hat, findet hier noch kartonstarke Papiere (Code „111“). An den Bildrändern sieht man sehr schön, dass das Papier überlagert ist: Es treten hier weitere Schwärzungen an Stellen auf, die gar nicht belichtet worden sind. Weiterhin besitzt das Papier einen Schleier – dieser ist bei einem Lithentwickler nur nicht grau, sondern leicht gelblich.

Dieses Photogramm wurde nach dem Entwickeln im Lith-Entwickler „Easylith“ – wie die anderen Fotografien auf dieser Seite – im Selentoner getont, um die dunklen Partien noch etwas dunkler zu gestalten bzw. um den Kontrast zu erhöhen. Weiterhin entzieht der Selentoner solchen „Lithprints“ einen zu orangen Farbstich. Bei letzterem Beispielfoto kam noch ein weiterer Toner zum Zug: ein sogenannter „Schwefeltoner„: Das durch den Lithentwickler hervorgerufene Bild wird später, im Hellen, mit einem Bleichmittel wieder „zurück gesetzt“. Nun kommt der Entwicklerteil des Schwefeltoners zum Einsatz und zaubert einen sehr schönen, braunen Bildton hervor bzw. entwickelt das Foto sozusagen ein zweites Mal. Hier kann man im Anschluss an das eigentliche Entwickeln sehr viel mit verschiedenen Tonern experimentieren.

veröffentlicht: 25.09.16 | letzte Änderung: 5.01.24

Verschlagwortung dieses Artikels:
der Autor dieser Seite

Hallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit der analogen Lichtbildkunst und stehe entweder in der Dunkelkammer oder digitalisiere meine Filme am Computer. Analoge-Fotografie.net ist ein ›Ein-Mann-Betrieb‹. Daher kann es manchmal etwas dauern, bis ich Kommentare beantworte.

Damit man sich hier gut orientieren kann, besitzt meine Website übrigens ein recht durchdachtes → Inhaltsverzeichnis.

Für viele dieser Beiträge hatte ich so manchen Film belichtet. Wenn es hier tatsächlich etwas Wertvolles zum Mitnehmen gab, würde ich mich über eine kleine Filmspende via Paypal freuen:

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3 Kommentare

Fotografien mit einem Lithentwickler entwickeln und einen pictorialistischen Stil schaffen

  1. Ritchie sagt:

    Hallo, Thomas,

    meinen wiederholten Dank an Deine nicht nur für den Einsteiger sinnvollen Seiten.

    Ich halte den Lithprozess keineswegs für nicht reproduzierbar, so original die Abzüge auch aussehen mögen.
    Die Wiederholung des Ergebnisses setzt allerdings ein nicht ganz preiswertes „Eintesten“ voraus.
    Dies sollte man m.E. auf jeden Fall tun, um die Abläufe besser zu verstehen; ich denke jedenfalls, durch mein anfängliches, „wildes“ Rumprobieren mehr Geld in den Sand gesetzt zu haben, als dies beim gründlichen Einarbeiten der Fall gewesen wäre.

    Meine dringende Empfehlung für den kontrolliert Experimentierfreudigen wäre die Lith-„Bibel“ vom ehrenwerten Tim Rudman.
    Auch hier gilt: das Geld dafür kriegt man durch weniger Schwund im Anschluß wieder rein.

    Zum Papier, da nehme ich Fomatone Baryt (das Papier funktioniert heute wieder!) – es wird allerdings fürchterlich „bunt“; hier kann Herr Chemie-Moersch mit farbbremsenden Zuschlagstoffen , oder auch eine Rückentwicklung weiterhelfen.

    Sehr gemäßigte, jedoch elendig langsame Ergebnisse ( Entwicklung 20min plus) bietet das Fomabrom Baryt.
    Allerdings nehme ich es dann doch lieber für die Lith-Rückentwicklung, sprich erst mal lithen, dann bleichen, und im Anschluß z.B. in normalem Entwickler zurückentwickeln.
    Das wird dann richtig klasse, und ziemlich unfarbig.

    Durchaus hilfreich ist es auch, wenn das Fomabrom altersbedingt (Gebrauchtkauf?) schon einen leichten Grauschleier aufweist; dieser unterstützt uns ja grundsätzlich beim Lithen.

    Gruß,
    Ritchie

    Thomas (Admin)
    Hallo Ritchie, du hast augenscheinlich viel mehr Erfahrungen mit Lith-Entwicklern und Papieren als ich. Danke für die Tipps! Mit „nicht reproduzierbar“ meine ich dann eher Techniken, wie ich sie angewandt hatte: einfach liegen lassen und nach einer halben Stunde nachsehen. Da kamen die chaotischsten Dinge heraus.
  2. Detlef Kastens sagt:

    sehr schöner Beitrag, setzt sofort kreative Experimentierlust in Gang. Bin jetzt 75 und habe vor über dreißig Jahren mit der Fotografie aufgehört, um wieder zu zeichnen und zu malen, vor einigen Jahren digital weitergemacht, jedoch lediglich als „Notiz-“ bzw. „Skizzenbuch“, aber dieser Artikel hier lässt mich sehnsüchtig an alte Duka-Zeiten denken mit ihrer wunderbaren Fülle an Papiersorten.
    Past ja dazu, dass ich mir vor Monaten wieder eine Kamera gekauft habe, vorsätzlich einfach mechanisch, eine alte Beltica von 1951 -so eine war mal meine erste Kamera im jungen Erwachsenenalter von 24 Jahren (nach einer Agfa-Box im Teenager-Alter). Gewöhnungsbedürftig (eigentlich was für meine linkshändige Enkeltochter ;-), aber sehr angenehm.
    Danke für die Hinweise in deinem Artikel

    Detlef K.

    • Thomas (Admin) sagt:

      Hallo Detlev, danke für deinen Beitrag! Ja, an der Auswahl der Papiere hapert es leider: Die (durchaus einigen), die heute produziert werden, eignen sich leider weniger für „alternative Prozesse“. Sie sind für konventionelle Abzüge umso besser geeignet (Schnelligkeit bei der Bildung der Schwärzen, feine Kontrastanpassung, bessere Chargensicherheit usw.). Ich habe noch etwas schönes, kartonstarkes Papier von „OrWo“ (das typische DDR-Papier). Dieses ist für „normale“ Abzüge heute weniger zu gebrauchen. Für Lithentwickler nehme ich dieses aber immer sehr gerne und genau dazu hebe ich es auf.
      Ich habe übrigens auch eine ähnliche Kamera wie die Belfoca in Benutzung (mechanische Klapp-Balgenkamera). Bei einem guten Objektiv und bei voller Funktionalität ist es eine sehr kompakte Kamera für qualitativ hochwertige analoge Bilder. Für einen „rohen“ Bildstil, wie ich ihn hier im Beitrag demonstriere, nehme ich jedoch am liebsten Negative, die mit Kameras mit simpler Meniskuslinse (Box oder „Lomo-Kamera“) gemacht worden sind.

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