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Filme, Dias und Negative richtig scannen mit einem Epson-Scanner


In diesem Artikel wird demonstriert, wie man mit einem „Consumer Scanner“ das bestmögliche Ergebnis aus einer Digitalisierung von Negativen erreichen kann. Als Beispiel wird der Epson Scanner „Perfection V750 Pro“ benutzt und zwar mit dem beigelegten Programm „Epson Scan“. Diese Anleitung kann jedoch auch auf andere Modelle übertragen werden. Weiterhin ist noch eine anschließende Bildbearbeitungssoftware für das „Finish“ nötig, welche am Beispiel der kostenlosen Bildbearbeitung „Gimp“ dargestellt wird.

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Maximale Auflösung im Mittelformat

Wenn Sie wissen möchten, wie hoch die tatsächlich realisierbare Auflösung eines Mittelformat-Scans mit der in diesem Beitrag vorgestellten Technik ist, können Sie einen solchen hier herunter laden (Rechtsklick / speichern unter bzw. im neuen Tab öffnen).

Zunächst: „Richtig scannen“ ist relativ. Viele Wege führen nach Rom, auch bei der Digitalisierung von analogen Filmen. In diesem Artikel soll eine Variante demonstriert werden und diese besteht aus zwei Schritten:

  1. Anfertigen eines Rohscanns bzw. erzeugen einer „RAW-Datei“ mit der mitgelieferten Scan-Software (hier Epson Scan).
  2. Bearbeiten dieser RAW-Datei: Tonwertkorrektur, Farbkorrektur, Schärfen mit einer externen Bildbearbeitungs-Software – dem kostenlosen „Gimp“.

Wenn Sie eine Anleitung suchen, in der es darum gehen soll, einen Stapelscan vorzunehmen, um in einem Rutsch gleich viele Negative einigermaßen richtig als fertige Digitalisierung auf die Festplatte zu bekommen – dann sind Sie hier eindeutig falsch. Mit so einer Methode ist kein hochwertiges Scannen bzw. Digitalisieren möglich: Jedes Foto muss individuell behandelt werden, ganz so, wie man sich auch im Fotolabor auf jedes Bild speziell konzentrieren muss. Das Anfertigen einer großen Anzahl von „fertigen“ Fotografien in kurzer Zeit ist eine Domäne der Digitalfotografie.

ein Scanner für Negative

Dies ist der „Epson Perfection V750 Pro“. Dieses Gerät ist ungefähr in der „oberen Mittelklasse“ anzusehen, wenn man einen Vergleich zwischen den verschiedenen Scannern wagen möchte, die auch analoge Filme scannen können. Die nächste Klasse würde neu bereits ca. 2000 € kosten, was für viele Fotofreunde sicherlich einfach zu viel des Guten ist.

*Mit dem neuen Epson V800 kann man Negative und Dias scannen, welche fast so eine hohe Auflösung besitzen wie ein "Profi-Scanner", bereits mit der Standard-Software. Man muss sich hierfür jedoch auch in gewisse Scann-Techniken belesen (Suchfunktion dieser Seite). Auf Amazon gibt es die Epson-Perfection-Serie zum günstigen Preis.

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Ein neuer Epson V800 kostet jedoch um die 500 Euro (ohne spezieller Software). Dies ist immer noch sehr viel Geld. Doch man kommt einfach nicht umhin, dieses zu investieren, wenn man später seine analogen Fotografien auf z. B. einem Meter Breite drucken lassen-, bzw. wenn man die hohe Auflösung eines Negativs nicht durch das Scannen schmälern möchte.

Epson liefert mit seinen Geräten das Programm „Epson Scan“ mit aus. Diese Scan-Software kann auch im „Anfänger-Modus“ betrieben werden. Um das Maximum an Bildqualität jedoch heraus holen zu können, sollte man unbedingt im Modus „Professionell“ scannen.

Es ist nicht notwendig für qualitativ hochwertige Digitalisierungen (teils teure) Spezialsoftware wie „Silverfast“ oder „VueScan“ zu erwerben! Man kann auch mit kostenlosen Programmen („Freeware“) sehr gute (die gleichen) Bildergebnisse mit dem Scanner erlangen. Hierzu müssen die intelligenten Automatiken der teuren Scanprogramme einfach mit dem eigenen Köpfchen bzw. durch manuelle Einstellungen ersetzt werden. Das können Sie auch. Sie müssen sich hierzu jedoch Zeit nehmen (können).

Grundeinstellungen von Epson Scan ändern

Wenn Sie das Programm starten, wählen Sie zunächst den Modus „Professionell“ aus (sofern nicht vorher schon getan). Als nächstes geht es sofort in die Einstellungen (Konfiguration) der Software:

Einstellungen von Epson Scan

Sie können Anhand der Screenshots in dieser Anleitung die (vom Autor so gesehenen) richtigen Einstellungen ablesen. Am wichtigsten ist das Deaktivieren der Farbkorrektur. Im Reiter „Farbe“ sollte also die Option „Keine Farbkorrektur“ aktiviert sein. Außerdem sollte im Reiter „Vorschau“ kein Häkchen bei „Automatische Fotoausrichtung“ gesetzt sein.

Diese Optionen sind interne Bildbearbeitung. Es soll jedoch in dieser Anleitung zunächst ein „Rohscann“ erfolgen und hier müssen alle Automatiken auf Null gesetzt sein.

Als nächstes geht es ins eigentliche Programmfenster:

Das Programmfenster von Epson Scan

das Programm Epson Scan mit den Einstellungen

Sie können dieses Bild per Mausklick auch noch etwas vergrößern.

Wie Sie auf der Abbildung sehen, erfolgte bereits ein Vorschau-Scan: Es wurde nur ein einziger Filmhalter bestückt und zwar mit einem Negativstreifen, der drei 6×6-Mittelformat-Negative beinhaltet. Um das gewünschte Bild wurde manuell ein Rahmen gezogen.

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Doch es soll sich zunächst unbedingt den richtigen Einstellungen im linken Bereich zugewandt werden! Hier sind die für diese Anleitung wichtigsten Parameter mit grünen Pfeilen markiert und die entsprechenden Einstellungen bereits richtig gesetzt:

Wie Sie auf dem Screenshot in dieser Anleitung auch sehen können: Das Feld Korrekturen ist ausgegraut. Dies erfolgt, nachdem in der „Konfiguration“ von Epson Scan die „Farbkorrektur“ auf „Keine Farbkorrektur“ gesetzt wurde. Dies ist nur gut so, denn:

Jegliche Farbkorrekturen, jegliche „Helligkeitskorrekturen“ und auch Schärfe-Filter sind eine (automatische) Bildbearbeitung im Anschluss an den eigentlichen Scan! D. h. Sie können diese Schritte getrost deaktiviert lassen und sie nach dem Scannen in einer „richtigen“ Bildbearbeitungs-Software vornehmen, was später ebenfalls erklärt wird.

Auf diese Weise scannen Sie zunächst eine „RAW-Datei“. Sie ist der Rohdiamant, den es später noch zu „schleifen“ gilt und der alle optisch möglich aufzunehmenden Bildinformationen enthält.

Hinweis: Das Deaktivieren der Auto-Funktionen von „Epson Scan“ verhindert auch das Einschalten der automatischen Kratzer- und Staubentfernung („ICE“) mittels einem zusätzlichen „Infrarot-Scan“. Es hat sich jedoch heraus gestellt, dass letzterer oft kleinere Bildfehler verursacht, welche bei einer 100%-Ansicht sichtbar werden. Daher verzichtet der Autor darauf bzw. retuschiert im Anschluss per Hand (und Auge), falls nötig.

Der Rohscann

ein Rohscann bzw. RAW-Datei

Hinweis: Speichern Sie die gescannte Datei als Tiff ab. Dies ist ein Format, welches keine Bildverluste verursacht.

buch-scannenEin Fachbuch, in dem es nur um das Scannen bzw. Digitalisieren von Negativen geht. Der Autor vermittelt Techniken, durch die man zu aussagekräftigen, scharfen und hoch aufgelösten Bildern vom analogen Negativ gelangt. Gesehen auf Amazon.

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Dies oben ist das Ergebnis, welches man erlangt, wenn man jegliche (automatische) Korrekturen bzw. die Bildbearbeitung bei Epson Scan deaktiviert. Es ist klar: Das Foto hat einen nicht zu übersehenden Farbstich. Es ist auch noch nicht optimal geschärft, denn eigentlich noch gar nicht. Auch der Kontrast ist zu gering. Jedoch wurde alles digitalisiert, was die optische Einheit des Epson V750 Pro „sehen“ kann. Keine Tonwerte wurden im Anschluss beschnitten, nichts wurde geschärft, nichts wurde künstlich aufgehellt. Der Vorteil: Die maximal erreichbare Schattenzeichnung sowie die Lichterzeichnung ist vorhanden (nichts säuft ab oder frisst aus). Epson Scan hat seinen Dienst als reines Scan-Programm erfolgreich getan.

Diese Datei muss nun aber noch an eine Bildbearbeitung übergeben werden:

Die Bildbearbeitung eigenhändig vornehmen

Nun erfolgt für einige Leser ein Wermutstropfen: Sie benötigen Kenntnisse in der digitalen Bildbearbeitung.

Genau jene möchten Ihnen die gesamten Bildbearbeitungsautomatiken der Scan-Programme abnehmen. Doch für einen qualitativ hochwertig ausgearbeiteten Scan kommen Sie einfach nicht um gewisse Basics in puncto Bildbearbeitung umhin, genau so wenig Sie auf wichtiges Wissen verzichten können, wenn Sie Negative im Labor vergrößern. Sie können einmal Glück haben, für reproduzierbare hochwertige Ergebnisse gibt es jedoch keine Abkürzung.

Eine kostenlose und gute Bildbearbeitung ist Gimp. Viele Tutorials bzw. Anleitungen im Internet sind jedoch auf Adobes Photoshop zugeschnitten. Das Investieren in eine (evtl. ältere) Photoshop-Version ist eine sehr gute Investition, wenn Sie häufig Bilder am Computer bearbeiten wollen.

Folgendes müssen Sie beherrschen:

Doch Halt:

das Foto bearbeitenWenn Ihre Rohdatei vorliegt, dann finden Sie an dieser Stelle von Analoge-Fotografie.net den zweiten Teil dieser Anleitung vor. In diesem Abschnitt geht es nun darum, die nötige Farbkorrektur vorzunehmen und den Kontrast der Fotografie anzugleichen. Dies wird Ihnen Schritt für Schritt anhand des Beispielbildes und der kostenlosen Bildbearbeitung „Gimp“ erklärt.

Jene Schritte müssen vorgenommen werden, damit der anfangs angefertigte Rohscann so ausschaut:

Das finale Bild bei hoher Auflösung

ein Scan mit dem epson v750 pro Scanner

Sie sehen in dieser Anleitung bei diesem Scan mit dem Epson Perfection V750 Pro auch gleich die maximal erreichbare Auflösung. Dieses Foto vom 6×6 Negativ kann man so getrost auf einen Meter Breite drucken lassen und man kann dann nah an den Druck heran gehen. Die theoretische Auflösung anhand der Bildgröße beträgt 50 Megapixel.

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Was in dieser Anleitung jedoch primär gezeigt werden soll ist, dass das farbstichige und „matschige“ Anfangsbild durch gekonnte Bildbearbeitung in eine farbrichtige, scharfe und kontrastreiche Fotografie umgewandelt werden kann, wenn man die Bildbearbeitung beherrscht. Das obige Ergebnis ist durch die Automatiken von Epson Scan so kaum realisierbar – und schon gar nicht reproduzierbar.

Eine sehr gute Methode, wie Sie Farbfilme nach dem „Rohscan“ korrekt ausfiltern können, zeigt der Autor auf dieser Seite. Benutzt wird jedoch das Programm „Adobe Photoshop“. Wenn Sie Photoshop nicht besitzen, können Sie die Bildbearbeitung auch mit dem kostenlosen Gimp vornehmen.

Die Auflösung beim Scannen

Es hat sich – zumindest bei den Scannern der Epson-Perfection-Reihe bzw. beim V750 Pro – heraus gestellt, dass man tatsächlich zunächst bei 6400 DPI scannen sollte. Im Anschluss sollte diese Rohdatei in einer Bildbearbeitung zu 50% reduziert werden, als hätte man nur bei 3200 DPI gescannt. Vergleicht man diese Bilddatei mit dem Scann bei 3200 DPI wird man einen ganz kleinen Schärfe- bzw. Auflösungsvorteil zugunsten des verkleinerten 6400-DPI-Scan feststellen. Wer also das Maximum aus seinem Epson Flachbettscanner heraus holen möchte, sollte überdurchschnittlich hoch scannen und diese Datei im Anschluss wieder herunter rechnen.

Weitere Tipps für qualitativ hochwertiges Scannen von Filmen

Es sollen noch einige Hinweise und Tipps folgen, womit Sie Ihre Ergebnisse beim Scannen verbessern können.

Staub, Kratzer und Fingerabdrücke vermeiden

Fingerabdrücke, Staub und Kratzer vermeiden

*Staub ist immer wieder ein Problem bei der analogen Fotografie. Mit solch einem umfassenden Reinigungsset inkl. Pinsel und Blasebalg für Filme, Kameras, Objektive und Vergrößerer entfernen Sie schonend Staub und Verunreinigungen. Zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon.

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Diese Utensilien sind für die Arbeit im Labor (wenn man Negative selbst vergrößert) sehr wichtig. Genau so nützlich sind sie aber auch beim Scannen! Benutzen Sie Handschuhe beim Umgang mit Ihren Filmen, Negativen, Dias um Kratzer und Fingerabdrücke zu vermeiden.
Mit einem solchen Pinsel mit sehr feinen Haaren sollten Sie vor jedem Scann den Scanner, das Glas und die Masken bzw. Scanhalter säubern. Mit einem solchen Blasebalg entfernen Sie den Staub auf den eingelegten Filmen. Staub erkennen Sie übrigens leicht bei schräger Sicht auf den Film, wenn Sie die Masken in ein hartes Gegenlicht halten (Schreibtischlampe).

Solch einen Pinsel und die Handschuhe kann man übrigens in der Drogerie kaufen. Den Blasebalg gibt es z. B. bei Amazon. Kaufen Sie hier aber nur die großen Versionen, um genügend Druck haben zu können.

Zwei Hinweise:
Die meisten Pinsel hinterlassen feine Kratzer auf dem Film! Daher sollte man damit nur die Masken und den Scanner säubern.
Baumwollhandschuhe fusseln! Daher sollte man sie nur benutzen, wenn man störrische Negative hat, die sich schlecht einlegen lassen. Hier muss man dann direkt „drauf“ fassen (aber bitte nur mit Handschuhen). Ansonsten berühren Sie Ihre Filme nur an den Rändern (dann bestenfalls ohne [fusselnde] Handschuhe).
Gegen das Fusseln von Handschuhen aus Baumwolle (Kosmetikhandschuhe) hilft mehrmaliges Waschen derselben in der Maschine. Besser sind sogenannte Montagehandschuhe. Diese kosten im Internethandel ca. einen Euro und bestehen aus Nylon. Es können die günstigen genommen werden, da beim Einlegen der Negative kaum eine mechanische Beanspruchung statt findet. Der Vorteil von Nylonhandschuhen: Sie verlieren keine Fussel und sie sind bis in die Fingerspitzen gefühlsecht.
In diesem Zusammenhang: Denken Sie auch an die Kleidung, die Sie tragen. Omas Wollpullover ist hier eher die ungünstigere Mode am Arbeitsplatz.

Foto von einem Nylonhandschuh

Nylonhandschuhe sind sehr dünn und fusseln nicht. Verwechseln Sie diese Handschuhe aber nicht mit den (dickeren) Fabrikaten, wie sie z. B. zur Gartenarbeit genutzt werden. Das wichtigste Werkzeug ist jedoch tatsächlich ein (möglichst großer) Blasebalg.

Die Scanhalter genau im Fokus platzieren

Ein Scanner hat einen ganz bestimmten Fokuspunkt über dem Grundglas. Und genau in diesem Punkt muss sich der Film befinden! Beim Epson V750 befindet sich dieser Punkt ca. bei 4 mm über dem Glas.
Bevor man mit dem Scannen in hoher Qualität beginnt, sollte man also überprüfen, ob sich die Scanvorlage bzw. ob sich der Film genau im Fokus befindet.

Fokus beim Scannen

Der Autor musste bei seinen Scan-Masken kleine Abstandshalter anbringen, da sich die Filme zunächst tatsächlich zu tief- bzw. nicht im richtigen Fokus befanden.

Die exakte Höhe müssen Sie durch Tests heraus finden.

Antinewton-Glas verwenden

Es gibt eine Möglichkeit, mit der man die Planlage der Negative wesentlich verbessern kann:

ein Antinewton Glas beim Scanner

Statt die normalen Plastikrahmen (rechts im Bild) legt man einfach ein speziell zugeschnittenes Glas auf (links), welches eine leicht raue Oberfläche besitzt (eine sogenanntes Anti-Newton-Glas). Diese raue Oberfläche verhindert das Bilden von Newtonschen Ringen, die entstehen, wenn man ein normales Glas nutzen würde. Das Beispielfoto in dieser Anleitung wurde mit solch einem Einlegeglas gescannt.

*Das Lehrbuch Digilog möchte eine feste Brücke zwischen der analogen S/W-Aufnahme und der hochwertigen digitalen Bildbearbeitung am Computer sein. Die Fotografien werden nach ganz ähnlichen Maßstäben am Computer "entwickelt" wie in der Dunkelkammer: Die Parallelen sind oft erstaunlich. Bei Amazon.

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Gerade beim breiteren Mittelformatfilmen ist es oft der Fall, dass diese durchhängen! Die Filme befinden sich dann außerhalb des zuvor ausgemessenen Fokuspunktes! Man erlangt dadurch ein Verlust an Auflösung.
Insbesondere wegen diesen beiden Punkten (nicht exakter Fokuspunkt und „durchhängende“ Negative) kommen manche Fotografen vielleicht zu dem Entschluss, dass die Epson Perfection Scanner per se keine guten Filmscanner sind. Das stimmt so aber keinesfalls.

Bei der Verwendung von Antinewton-Glas ist darauf zu achten, dass die Filme leicht nach oben gewölbt in die Masken einzulegen sind. Ist keine Wölbung vorhanden, kann man diese leicht erzeugen. Nun wird das Glas aufgelegt und somit ist eine viel bessere Planlage realisiert als würde man den Rahmen nutzen.

Leider wurde der Vertrieb dieser Gläser für Epson und Canon Scanner offenbar in Deutschland eingestellt. Vielleicht kann man sich hier als Alternative Anti-Reflektionsglas für Bilderrahmen vom Glaser zuschneiden lassen. Die neuen Epson Perfection V800 und V850 Pro besitzen bereits Masken mit Glas! Genau genommen handelt es sich hierbei offenbar um Plastik, das Prinzip ist aber das Selbe. Diese neuen Halter passen übrigens auch auf die älteren V700 / V750 Scanner (und umgekehrt).

Epson V800 Scanhalter

Die Scanhalter der neuen Epson V800 / V850 Scanner besitzen zum einen Einstellungen für eine individuelle Höhe (die „Schiebeschalter“) und zum anderen ein fest verbautes Anti-Newton-Glas. Dieses Spezialglas drückt die eingelegten Filme plan – ohne die berüchtigten „Newtonringe“ zu verursachen. Die Filme müssen in den Scan-Haltern etwas nach oben zum Glas gewölbt sein (wenn nicht, muss man sie umdrehen bzw. etwas „nachwölben“).

Sandwich aus zwei Glasträgern

Es gibt eine verblüffend einfache Möglichkeit, bei jedem Flachbettscanner

  1. den exakten Fokuspunkt über dem Grundglas zu treffen und
  2. eine Planlage des Negativs (insbesondere bei größeren Formaten) zu garantieren.

Und dies ist einfach mit zwei Gläsern möglich:

Glasträger für Negativscans

Bei dem Glas handelt es sich um sehr reines Glas speziell für Negative: Es stammt nämlich aus der Bildbühne eines analogen Vergrößerers aus dem Fotolabor. Die selben guten Ergebnisse erlangt man jedoch auch mit Klarglas aus Bilderrahmen. Auch bei dieser Methode muss der Film ja absolut plan liegen. Damit es nicht zu newtonschen Ringen kommen kann, muss das obere Glas ein sogenanntes „Antinewtonglas“ sein. Tests haben ergeben, dass die zusätzliche untere Glasfläche keine Qualitätsminderung im Vergleich mit frei hängenden Negativen / Dias bringt. Die Füßchen (im Bild gelb) müssen freilich eine ganz bestimmte Höhe haben. Diese muss zunächst mit mehreren hochauflösenden Testscans von einem Detail ermittelt werden. Ganz normales Malerkrepp-Klebeband eignet sich sehr gut zum Anfertigen dieser Abstandshalter.
Der Autor scannt mittlerweile für hochwertige Einzelbilder nur noch mit dieser Methode: Das Einlegen der Negative bzw. Dias geht völlig unkompliziert vonstatten und dass der Film genau im Brennpunkt (Fokus) der Optik des Scanners liegt ist hiermit garantiert – ebenso eine absolute Planlage. Natürlich sollte man beim Umgang mit den Gläsern dünne, nicht fusselnde Nylonhandschuhe tragen und zuvor mit einem Blasebalg evtl. vorhandenen Staub nach Sicht wegpusten. Für das schnelle Digitalisieren ganzer Filme eignet sich diese Methode freilich nicht. Außerdem hat sich leider heraus gestellt, dass einige Farbfilme bereits auf der Schichtseite so glatt sind, dass es auch hier zu den befürchteten Newtonschen Ringen kommt. Bei diesen glatten Filmen (der Kodak Portra als 120er Rollfilm ist so einer) kann das „Sandwich“ nicht verwendet werden.

Schicht auf Schicht: Negative / Filme richtig herum einlegen

Für einen geringen Anspruch ist dieser Punkt egal. Wenn Sie jedoch das Maximum an Auflösung aus Ihrem Scan heraus holen möchten, dann legen Sie die Negative so ein, dass deren Schichtseite nach unten zeigt – hin zur Scanner-Optik! Denn ansonsten müsste diese ja noch durch den Filmträger hindurch schauen, was eindeutig zu einem Auflösungsverlust führt, wenn auch nur zu einem marginalen Unterschied. Man spricht hierbei auch von „Schicht auf Schicht“. Dieser Spruch kommt noch aus dem analogen Fotolabor, wo die Negative bzw. Filme so vergrößert werden, dass diese idealerweise mit der Schichtseite hin zur Schicht des Fotopapiers schauen sollten.

Wölben von fotografischem Film

Wenn Sie ein passendes Anti-Newton-Glas für eine sehr gute Planlage direkt im Halter nutzen bzw. hierzu eine leichte Wölbung der Filmstreifen (nach oben) benötigen, die Filme jedoch genau in die andere, falsche Seite gewölbt sind (nach unten), empfiehlt es sich, die Filme für einige Minuten „einzuspannen“, um die Wölbung hin zur Trägerseite zu erzeugen. Man kann für Rollfilme hierzu einfach die Kleinbildhalter nutzen, wie auf dem Foto ersichtlich. Man kann sich auch eine Vorrichtung aus zwei Stegen bauen. Bei der Verwendung eines „Sandwich“ aus zwei Gläsern (siehe vorheriger Punkt) spielt die Wölbung natürlich keine Rolle mehr.

Wie erkenne ich die richtige Seite der Negative? Wenn Sie von oben auf den Film schauen und die Randmarkierungen / die Schrift nicht spiegelverkehrt ist, dann zeigt die Schichtseite nach unten bzw. dann ist der Film richtig eingelegt. Die Epson-Anleitung sagt genau das Gegenteil. Um qualitativ hochwertige Digitalisierungen zu erhalten, sollte man nicht danach gehen.

Nassscannen

Eine weitere – wenn auch viel aufwendigere – Möglichkeit, eine absolut gleichmäßige Planlage der Negative beim Scannen zu realisieren ist das Nassscannen.
Nassscannen von Negativen

Hierbei wird das Negativ / Dia mit einer speziellen Flüssigkeit auf eine Glasfläche aufgebracht und mit speziellem Klebeband montiert.

*Analog fotografieren und die Negtive im Anschluss einscannen und mittels Bildbearbeitung bearbeiten: Das ist die Hybride Fotografie. Und genau um dieses Thema geht es sehr ausführlich in diesem Buch. Hier schreibt kein Computerfritze sondern ein erfahrener Fotograf, welcher weiterhin seine analogen Kameras nutzt und die Negative digitalisiert. Sie lernen die unterschiedlichen Scanner kennen und die Vorgehensweisen zur (für analoge Bilder nötigen) Bildbearbeitung am heimischen Computer. Was alles in diesem Fachbuch auf Sie wartet, können Sie durch einen Blick hinein auf Amazon erkunden.

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Flüssigkeit zum Scannen

So ein kleines Set an Klebeband und Flüssigkeit kann man sich bei KAMI bestellen. Der Aufwand beim Nasscannen ist aber sehr hoch. Zudem müssen die Negative einzeln geschnitten werden. Es gibt auch keinen Qualitätsgewinn im Vergleich mit der Methode bei Verwendung eines Antinewton-Glases. Der Vorteil des Nass-Scannens ist eben eine hervorragende Planlage, welche jedoch auch durch ein Sandwich aus Klarglas-Film-Antinewtonglas realisierbar ist (sofern der Film auf der Schichtseite nicht zu glatt ist).

Vibrationen vermeiden

Wenn Ihr Scanner arbeitet, dann sollten Sie diesem natürlich keinen Vibrationen aussetzen. Es droht sonst ein leichtes Verwackeln bzw. eine entsprechend geringere Auflösung. Sie sollten während des Vorgangs auch keine andere Aktivität am Computer vornehmen, um dem Scan-Programm nicht gewisse „Rechner-Ressourcen“ zu nehmen. Dies gilt natürlich insbesondere für ältere bzw. langsamere Computer.

Haben Sie / hast Du noch weitere Tipps für qualitativ hochwertiges Scannen parat?

Fazit

Bereits mit einem relativ einfachen Durchlichtscanner wie dem Epson Perfection V750 Pro bzw. des neueren V800 ist es durchaus möglich, hoch aufgelöste Scanns vorzunehmen. In dieser Anleitung wurde ein 6×6-Negativ gescannt. Scannt man mit dem Epson-Scanner vom Kleinbild, so lässt sich dieses immerhin noch auf eine Größe von nicht ganz 30×40 cm vergrößern, bei einem (hohen) Qualitätsanspruch von 300 DPI.

Maximale Auflösung des Epson Scanners

Demonstration der maximalen Auflösung beim Scannen eines 6×6-Negativs mit dem Epson Perfection Scanner bei 6400 DPI, anschließend runter gerechnet auf 3200 DPI. Es wird gleichzeitig gezeigt, dass der Unterschied zu einem Scan mit einem (wesentlich teureren) Imacon / Hasselblad Flextight marginal ist, wenn man alle Tipps beherzigt, die hier in diesem Artikel beschrieben sind. Wie man sieht, ist es falsch, dass die Epson-Perfection-Flachbettscanner nicht zum Scannen von Filmen geeignet sind. Das Gegenteil ist der Fall.

Wichtig jedoch ist ein technisches Verständnis! Sie müssen den exakten Fokuspunkt / die richtige Schärfeebene des Scanners finden und Sie müssen Kenntnisse in der digitalen Bildbearbeitung besitzen. Sie können durchaus auch mit den Bildbearbeitungsautomatiken Ihrer Scan-Software arbeiten oder auch innerhalb dieser manuell in puncto Farbkorrektur und Kontrast eingreifen. Mit Glück werden Sie sogar zu ansprechenden Bildern gelangen. Der professionelle Weg ist jedoch das Digitalisieren einer RAW-Datei und die nachträgliche Bildbearbeitung in Gimp oder z. B. Adobe Photoshop.

*Mit dem neuen Epson V800 kann man Negative und Dias scannen, welche fast so eine hohe Auflösung besitzen wie ein "Profi-Scanner", bereits mit der Standard-Software. Man muss sich hierfür jedoch auch in gewisse Scann-Techniken belesen (Suchfunktion dieser Seite). Auf Amazon gibt es die Epson-Perfection-Serie zum günstigen Preis.

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Viele Fotofreunde klagen über mangelnde kontinuierliche Qualität, was das Scannen von analogem Filmmaterial anbelangt. Dabei übersehen viele, dass es auch hier einfach nicht möglich ist, einfach nur aufs Knöpfchen zu drücken. Man muss an dieser Stelle gewisse Kenntnisse in der digitalen Bildbearbeitung mitbringen, um gute Ergebnisse beim Scannen zu erlangen – genau so, wie man auf der anderen Seite Kenntnisse beim Vergrößern im Labor besitzen muss. Nicht umsonst gibt es für beide Seiten spezialisierte Anbieter, die so etwas gegen ein Salär erledigen.

Und natürlich: Ihre Negative sollten selbst eine hohe Qualität aufweisen, wenn Sie eine solche von einer Digitalisierung erwarten. Will sagen: Sie sollten die nötige Schärfe und Auflösung aufweisen, richtig entwickelt sein und bei der Belichtung bereits die nötige Menge an Licht erfahren haben.

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Artikeldatum: 20.09.2016 / letzte Änderung: 14. August 2017

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6 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.