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Alternative zur Dunkelkammer: Verwenden eines Wechselsacks

Thomasletzte Änderung: Okt 20201 Kommentar

Zugegeben, die deutsche Bezeichnung für dieses Zubehör klingt etwas seltsam: Wechselsack. Die Verwendung eines solchen ist auch nicht absolut notwendig. Besitzt man jedoch einen „Dunkelsack“ ist man auf der sicheren Seite – er stellt bei der Negativentwicklung eine Alternative zur Dunkelkammer dar und er hilft, wenn sich einmal ein Film in der Kamera verklemmt hat.

Ich möchte mich an eine Situation erinnern, welche mir bereits zweimal widerfahren ist: Offenbar hatte ich den Rollfilm nicht korrekt in die Mittelformatkamera eingelegt. Dies merkte ich dann nach der zweiten Aufnahme, denn der Spannhebel bzw. der Filmtransport fühlte sich ungewöhnlich an. Er ging zu leicht, der gewohnte spürbare Widerstand war nicht vorhanden.
Bei einer Kleinbildkamera mit „Kurbel“ kann man jene nun einfach im Uhrzeigersinn drehen und wird anhand derer feststellen, ob der Film korrekt eingelegt wurde.
Beim Rollfilm ist dies nicht möglich. Ich ahnte es schon: Der Mittelformatfilm wird nicht vollständig transportiert, es drohen die berüchtigten Bildüberlappungen. Wenn man diesen Fehler rechtzeitig bemerkt, kann nur eines helfen: Der Film muss wieder zurück auf die erste Spule gespult werden und erneut in die Kamera eingelegt werden. Allein: Er darf in seinem jetzigen Zustand nicht an das Tageslicht gelangen, denn er wurde bereits so weit abgerollt, dass der tatsächliche Film „frei liegt“ und bei Licht verdorben werden würde. Es muss ein Dunkelsack her, wenn man die Kamera in diesem Zustand nicht in einer Dunkelkammer öffnen kann.

ein Wechselsack zum Filmeinspulen

Auf diesem Foto sehen Sie einen Wechselsack. Er besteht aus lichtdichtem, doppeltem Material. Er sieht etwas aus wie ein „T-Shirt“. Unten befindet sich ein Reißverschluss und eine Überlappung mit Klett-Befestigung. An diesem Ende wird der Wechselsack befüllt – z. B. mit einer Kamera, die geöffnet werden muss, da sich der Film darin irgendwie „verfangen“ hat.

Oben befinden sich zwei „Ärmel“ mit je einem Loch. Durch diese werden natürlich die eigenen Arme gesteckt, um mit ihnen ins Innere zu gelangen. Diese Ärmel sind mit einem Gummizug versehen, so dass sie sich fest um die Arme schließen können. Weiterhin befindet sich in ihrem Innern noch eine „doppelte Wand“ aus Stoff. So kann man sicher gehen, dass kein Licht ins Innere des Dunkelsacks gelangen kann.

Doch zurück zu der eingangs angesprochenen Situation mit dem fehlerhaft eingelegten Rollfilm: Ich war unterwegs und hatte natürlich keinen Wechselsack dabei. Nun war es Winter und ich bin ein Freund großer und dicker Parkas. Den zog ich mir aus, was nicht schlimm war, denn ich kam bei der Angelegenheit ohnehin leicht ins Schwitzen. Ich schloss den Reißverschluss der dicken Winterjacke und legte meine Kamera hinein.

Den unteren Teil des Parkas umwickelte ich, wie auch den oberen Teil mit der Kapuze. Nun griff ich von außen einfach durch die Ärmel und öffnete die Kamera bzw. spulte den Film wieder auf die erste Spule. Dies hatte tatsächlich funktioniert: Es gab keinen Lichteinfall. Natürlich setzte ich mich bei dieser Operation nicht in die Sonne sondern suchte mir ein dunkleres, schattiges Plätzchen.

eine Planfilmkassette

So eine Planfilmkassette kann man nur in absoluter Dunkelheit mit Film laden.

Bisweilen arbeite ich mit einer Großformatkamera. Diese nutzt sogenannte „Planfilmkassetten“, in welche je zwei Einzelfilme für genau zwei Aufnahmen passen. Man könnte diese Kassetten natürlich alle zuhause in der Dunkelkammer vorladen. Dann hätte man jedoch ein nicht unerheblich großes Gepäck dabei. Man kann aber Planfilmkassetten auch unterwegs im Wechselsack bestücken bzw. leeren.

Ein Dunkelsack empfiehlt sich also, wenn man

  • einen „verklemmten“ Film aus der Kamera entnehmen muss,
  • bei der Negativentwicklung auf die Dunkelkammer verzichten möchte bzw. den Film innerhalb des Wechselsacks in die Entwicklerdose einspulen mag,
  • unterwegs Planfilmkassetten befüllen möchte.

Ich selbst nutze meinen Wechselsack jedoch häufig, wenn ich einen 120er Rollfilm nur zum Teil belichte. Ich belichte also z. B. drei Bilder in einer 6×6-Kamera und entscheide mich dann, diesen S/W-Film zu entnehmen und ihn gegen einen Farbfilm auszutauschen. Ich merke mir dann, wie viele Aufnahmen (in welchem Format) bereits belichtet worden sind und rolle den Film innerhalb des Wechselsacks wieder auf (zurück).

mehrere Formate auf einen einzigen Film

Hier sehen Sie einmal im Bild, was gemeint ist: Zunächst wurde der Film mit einer 6×9-Kamera belichtet. Danach wurde er im Wechselsack aus der Kamera genommen bzw. zurück gerollt. Schließlich wurde er in einer 6×6-Kamera weiter belichtet: Zwei verschiedene Filmformate auf dem selben Film!

Nun klebe ich einen Aufkleber auf die Filmrolle, etwa „3 mal 6×6 bereits belichtet“. Beim erneuten Einlegen dieses Films mache ich dann drei* „Blindbelichtungen“, damit er an die ursprüngliche Stelle transportiert wird und zur Sicherheit nehme ich dann eine vierte Aufnahme vor, bei der keine Belichtung erfolgt (einfach je mit dem Objektivdeckel vor der Linse, bei großem Blendenwert und schneller Verschlusszeit).

* Nutzen Sie für den weiteren Verlauf ein anderes Filmformat, so müssen Sie die Menge an den Leeraufnahmen entsprechend anpassen (bei Kameras für ein größeres Format weniger-, bei Apparaten für ein kleineres Format mehr Blindaufnahmen.

Weiterhin schneide ich öfter Kleinbildfilm direkt aus der Kamera heraus, wenn ich nur einen Teil des gesamten Filmes entwickeln möchte. Insbesondere beim Testen von neuen (gebrauchten) Kameras ist dies sehr zu empfehlen. Hierbei wird der Fotoapparat einfach im Dunkeln (im Sack) geöffnet und der Kleinbildfilm wird kurz vor der Patrone durchgeschnitten. Dieses abgeschnittene Ende (der bereits belichtete Teil) wird nun im Dunkelsack in die Entwicklerdose eingespult. Man muss also nicht unbedingt einen gesamten Kleinbildfilm am Stück belichten, man kann auch einen Teil vorher entnehmen bzw. selbst entwickeln.

Zwei Hinweise sollen am Ende dieses Blogartikels noch folgen: Sie werden innerhalb des Wechselsacks irgendwann zu schwitzen beginnen. Die luxeriöse Form eines solchen Dunkelsacks ist das Wechselzelt. Hierbei handelt es sich um ein lichtdichtes Popup-Zelt, welches ebenfalls zwei „Eingänge“ für die Arme hat. Dadurch, dass sich bei einem solchen Wechselzelt automatisch eine Art „Raum“ ergibt, schwitzt man darin weniger an den Händen und es besteht kein Risiko der Reibung (von Stoff) am Filmmaterial. Weiterhin ist das Risiko, dass Staub auf jenes fällt geringer. Ich schüttele meinen Wechselsack vor Gebrauch aus, um möglichst keinen Staub im Innern zu haben. Ein Wechselzelt ist jedoch teurer und wer so etwas (wie ich) nur hin und wieder benötigt, dem wird ein einfacher Wechselsack sicherlich reichen.

Weiterhin sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie den Dunkelsack bei praller Sonne nutzen möchten! Nicht wenige Fabrikate sind hierfür ungeeignet! Denn das Adjektiv „lichtdicht“ ist relativ. Benutzen Sie den Wechselsack sicherheitshalber immer im Schatten und belassen Sie Film nicht über eine lange Zeit ungeschützt im Innern.

So habe ich bereits ein zweites Exemplar meines Wechselsacks bzw. schickte den ersten wieder zurück an einen großen Internet-Shop für analoge Fotografie: Beim Einlegen von Planfilm bei sonnigem Wetter waren diese völlig ungleichmäßig (durch Lichteinfall im Sack) belichtet. Dann hielt ich den Stoff gegen eine Glühbirne und staunte nicht schlecht: Ich konnte das Licht ganz leicht hindurch scheinen sehen. Nach der Reklamation kaufte ich einen anderen Dunkelsack und auch dieser ist bei praller Sonne nicht zu gebrauchen. Mittlerweile glaube ich sogar, dass Wechselsäcke generell nur im Schatten benutzt werden können / sollten, was dann auch sehr gut ohne jeglichen Lichteinfall funktioniert.

Für den Fall, dass ich tatsächlich einmal bei sehr hellem Umgebungslicht im Wechselsack einen Film wechseln- oder einspulen sollte, hatte ich mir von meiner Frau Mutter mit der Nähmaschine eine passende Hülle aus der lichtdichten Folie anfertigen lassen, in welcher immer das (großformatige) Fotopapier fürs Fotolabor verkauft wird. Normalerweise ist diese Vorsichtsmaßnahme jedoch nicht nötig, wenn man den Dunkelsack im Zimmer oder bei bedecktem Himmel bzw. im Schatten verwendet. Über längere Zeit sollte man das lichtempfindliche Filmmaterial darin aber auch nicht liegen lassen.

veröffentlicht: 11.10.16 | letzte Änderung: 22.10.20

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Hallo! Hier schreibt Thomas. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit der analogen Lichtbildkunst und stehe entweder in der Dunkelkammer oder digitalisiere meine Filme am Computer. Analoge-Fotografie.net ist ein ›Ein-Mann-Betrieb‹. Daher kann es manchmal etwas dauern, bis ich Kommentare beantworte.

Damit man sich hier gut orientieren kann, besitzt meine Website übrigens ein recht durchdachtes → Inhaltsverzeichnis.

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Ein Kommentar

Alternative zur Dunkelkammer: Verwenden eines Wechselsacks

  1. Frau Müller sagt:

    Hallo Thomas,

    wer sich als Hobbyfotograf den Luxus leistet mit einer Großformatkamera loszuziehen und auf (teuren) Planfilm (gar in Farbe) zu belichten sollte nicht an der falschen Stelle sparen. Großformatfotografie war und ist teuer und für Hobbyfotografen im Grunde genommen Unsinn. Mit einem Wechselsack sparen zu wollen ist Geiz am falschen Ende. Die Devise muß klar Wechselzelt lauten! So groß wie möglich!! Solch ein Ding kostet neu wahrscheinlich mehr als eine einfache gebrauchte Großformatkamera. Aber bei gebrauchten Wechselzelten wäre ich vorsichtig.

    Noch besser: immer genügend geladene Kassetten dabei zu haben. Der Assi trägt sie in einer extra Tasche. Getrennt von der sonstigen Ausrüstung. Immerhin sind belichtete Filme in der Regel deutlich wertvoller als die ersetzbaren Geräte; zumindest dann wenn man wirklich Fotos macht und nicht mit der Kamera nur spielt. Zu Hause in der Dunkelkammer geht das Beladen mit Filmen noch immer am besten. Keine Gefahr bzgl. Lichteinfall, jede Menge Bewegungsfreiheit.

    Im Wechselsack geht das Beladen von Kassetten zwar auch: aber warum umständlich wenn es auch einfacher und bequemer geht? Ich kennen Sack der frei von Staub ist.

    Ständig hängt einem im Sack der Stoff auf den Kassetten oder gar auf den Filmen. Außer der Sack ist riesig und man stellt eine Flasche hinein die ihn oben hält. Für uns war immer klar. Wenn wir unterwegs doch einmal Filme wechseln mußten, dann immer nur im Zelt. Die Dinger kosten zwar Unsummen, aber im Vergleich zu unbrauchbaren Filmen immer noch das kleinere Übel. Wer will schon stundenlang seine fertigen Abzüge mit dem Pinsel ausflecken?

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