Filmvorstellung: Wolfen NP100 – Ein klassischer S/W-Film Made in Germany

In diesem Beitrag zeige ich einige Beispielfotos von dem noch recht neuen Original Wolfen NP100. Es handelt sich um einen weiteren S/W-Film mit „klassischer“ Kornstruktur. Das Besondere: Er wird in Deutschland produziert.

S/W-Foto mit Wolfen NP 100: Älterer Mann sitzt auf einem Campingstuhl in einem Hof.

S/W-Filme wie der Wolfen NP100 in der Kleinbildkamera eignen sich hervorragend für solche Porträtfotografien.

Für diesen Artikel hatte ich meine Kleinbild-Spiegelreflex mit dem Wolfen NP100 bestückt. Was dabei heraus gekommen ist, möchte ich nun auch zeigen. Der OrWo NP100 ist ein ziemlich solider S/W-Negativfilm mittlerer Empfindlichkeit, der eigentlich keine Überraschungen bereit hält – weder im Positiven noch im Negativen. Damit mein Beitrag aber nicht nur aus Bildern besteht, erläutere ich manche meiner Fotografien – damit keine Langeweile aufkommt. Los geht’s:

Gemüse auf einem Feld, viele Regentropfen auf den Blättern.

Schöne Grauwerte, hohe Schärfe: Das können die meisten S/W-Filme – der Wolfen ebenfalls. ISO 100 bei Regenwetter? Das wird etwas schwierig, wenn man eine hohe Schärfentiefe erhalten möchte – wie ich bei diesem Motiv. Glücklicherweise hatte ich mein Einbeinstativ dabei. Also: Abblenden auf f/16, in die Hocke gehen, alles schön ruhig halten, auf das erste Drittel des Motivs fokussieren, Ausatmen, Luft anhalten und bei ca. 1/15 Sekunde belichten.

ein Kiesberg, ein Teich im Hintergrund

Bei der Farbfotografie suche ich mir immer besonders deutliche Farbkontraste oder -Akzente. Bei der S/W-Fotografie achte ich insbesondere auf Hell-Dunkel-Kontraste wie auch auf Formen.

Mann in sehr dunkler Kleidung steht vor einem Kiesberg.
Person in dunkler Kleidung klettert einen Kiesberg hinauf (Fernaufnahme).Person in dunkler Kleidung klettert einen Kiesberg hinauf (Nahaufnahme).
Mann steht mit Hund an einem Teich.

Für solche Filmvorstellungen bzw. für Testaufnahmen bevorzuge ich „leere Räume“ – Brachen zum Beispiel oder so eine Kiesgrube. Ich hatte den Freund auch gebeten, eher dunkle Kleidung zu tragen, weil ich schon wusste, dass nur so ein gewisser Kontrast abgebildet werden konnte. Solche Motive sind ideal für einen S/W-Film wie den Wolfen NP100: Klassische S/W-Fotografie.

Mann (Silhouette) steht vor einem See, Bäume und Sträucher drumherum.

Auch hier der Hell-Dunkel-Kontrast – dazu noch das Einrahmen großzügig durch das Blattwerk. Irgendwann hat man ein gutes Gefühl für solche Motive bzw. weiß, den Bildausschnitt entsprechend zu setzen. Entwickelt hatte ich den Wolfen NP100 selber im Jobo Alpha bzw. Wehner-Entwickler. Wie erwartet, ist dies eine gute Kombination.

altes Auto (Buick) aus den 1950er Jahren von der Seite vor weißer Garagenwand

Hätte dieser alte Buick nicht vor der weißen Wand der Garage gestanden, ich hätte ich dieses Foto wohl nicht gemacht: Insbesondere im Städtischen lärmt es ja visuell von überall her. Da ist es schwierig, solche frei gestellten Motive zu finden. Nur so gewinnen sie an Wirkung, heben sich genügend ab.

Detail: Dach-Hinterteil eines 1950er Jahre Oldtimers sowie Türgriff

Ich möchte auch eine Ausschnittvergrößerung von dieser Fotografie zeigen: Der OrWo NP100 ist kein „Hochleistungsfilm“ – Er zeigt sein Korn und die Auflösung ist natürlich nicht so hoch wie die vom T-Max 100. Etwas anderes hat ja auch niemand behauptet. Wäre ich in der Werbebranche, würde ich vielleicht von einem ehrlichen Film sprechen. Aber zum Glück bin ich es ja nicht. Ich habe davon Digitalisierungen direkt vom Negativ angefertigt und auch Vergrößerungen in der Dunkelkammer (s. u.). Alles gelang problemlos. Der Film weist auch keine Emulsionsfehler oder so etwas auf.

Agfaphoto 100 (Kentmere PAN 100), Fomapan 100, der Wolfen NP100: Für mich ist das alles die selbe Schublade: Es sind gute Filme, wenn man die „klassische“ S/W-Fotografie mag und nicht unbedingt solche 100%-Bildausschnitte mit der Lupe, wie ich es eben gemacht habe.

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Altes Bahnbetriebswerk, davor eine Brache

Diese Filme wie der Wolfen NP 100 sind sicherlich eher für „charakterhafte“ Motive geeignet – weniger für Gefälliges. Man kann sie in alte Fabrikruinen mitnehmen oder auf Konzerte und dergleichen.

Der Leipziger Fotograf Gerd Lehmann in einem Hof auf seiner Fotoausstellung.

… Aber am besten eignet sich ein Film wie der NP100 für solche Porträtfotografien in einem gewissen Milieu. Hier hatte ich den Fotografen Gerd Lehmann auf seiner Hofausstellung gefragt, ob ich ein Foto von ihm aufnehmen kann. Genau dafür schätze ich solche Filme – und natürlich meine alte, analoge Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Man müsste öfter den Mut aufbringen, interessante Personen zu fragen, ob man von ihnen ein Foto machen kann.

Mehrere S/W-Fotoabzüge liegen in einer roten Schale. Auf dem oberen Bild ist eine sitzende Person zu erkennen.

Von solchen Porträts mache ich dann auch gerne Handabzüge in der Dunkelkammer. Hier liegen solche 24x30cm-Abzüge auf Barytpapier nach der Schlusswässerung in einer Entwicklerschale, bevor sie getrocknet werden. Der gesamte fotografische Prozess erfolgt hier analog: von der Belichtung, über die Filmentwicklung bis zur Vergrößerung auf S/W-Fotopapier in der eigenen Dunkelkammer: Fotografie als Handwerk und völlig ohne künstliche Intelligenz (wie es heute ja leider üblich ist).

Noch etwas zum Technischen: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Wolfen NP100 überhaupt die angegebene Lichtempfindlichkeit von ISO 100 erreicht. Gemessen hatte ich bei allen Motiven mit meinem Handbelichtungsmesser mit Kalotte (Lichtmessung). Bei einigen meiner Motive „saufen“ die Schatten (z. B. schwarze Hosenbeine) schon recht stark ab. Dies bin ich bei meiner Messmethode nicht gewohnt. Bei Motiven wie dem oberen spielt dies keine Rolle, ja fördert sogar einen gewissen Reportagelook. Dennoch bin ich hier etwas vorsichtig. Den Sockentest hatte ich hier jedoch nicht gemacht. Im Zweifel kann man natürlich einfach etwas länger belichten. Solch ein Film besitzt ja genügend „Platz“ nach oben.

Am nächsten Tag kam die Sonne raus:

Mann kniet an Zaun, direkt dahinter Ziegen und Schafe.

Ich muss sagen, ich mag so ein Licht überhaupt nicht zum Fotografieren: Alles schreit, jedes Detail ist übersät von winzigen Mikokontrasten. So ein hartes Sonnenlicht lässt ein solches Motiv leider sehr unruhig wirken. Aber das Wetter am freien Ausflugs-Wochenende kann man sich eben nicht aussuchen. Wenn ich permanent so ein Licht zum Fotografieren hätte, würde ich konsequent eine Blende reichlicher belichten (damit die Schatten mehr Zeichnung erhalten) und anschließend etwas verkürzt entwickeln, damit die Lichter gut gedeckelt sind (siehe auch → Pull-Entwicklung). Diesem Motiv bei diesem Licht hätte dies gut getan.

Mann steht vor alter Mauer mit Graffiti, davor Pflanzen Mann steht am Fuße von alten, sehr großen Betonartefakten, zwischen Ihnen Sträucher

Der Freund hatte sich auch noch das beste Hemd angezogen. Hier passt leider überhaupt nichts – weder die Kleidung noch das Licht. Schade. Am Film lag dies natürlich nicht – und freilich auch nicht an meinem Protagonisten. Das Wichtigste, das Erste, was man beim Fotografieren bedenken sollte, ist – die Art des Lichtes.

„Knallhartes“ Bühnenlicht bzw. das der freistehenden Sonne kann man natürlich auch – insbesondere mittels S/W-Film – sehr gekonnt einsetzen. Es kommt halt immer auf das Motiv an und auf die Lichtrichtung.

Der Wolfen NP100 wird ja extra dafür beworben, dass er einen besonderen „Lichthofschutz“ besäße. Genau für solche starken Hell-Dunkel-Kanten innerhalb der Motive ist ein solcher da. Jedoch gehe ich natürlich davon aus, dass ein heutiger S/W-Film solche Kontraste locker wegsteckt. Wie man sieht, kann dies der NP100 auch (wie fast alle anderen auch). Ein Film ohne so einer Lichthof-Schutzschicht ist übrigens der Foma Ortho 400. In diesem Beitrag sieht man gut anhand eines Beispielfotos jenes Schimmern, welches an Hell-Dunkel-Kanten auftreten kann. Manch einer nutzt so einen Film jedoch bewusst aufgrund solcher analoger „Fehler“. Der OrWo NP 100 weist diesen Fehler nicht auf.

Viele Sträucher und Büsche, Hochhäuser im Hintergrund

Bei diesem Motiv war das natürliche Licht – durch eine dünne Wolkenschicht – diffuser. So mag ich es am liebsten: Die Schatten sind somit genügend durchgezeichnet, die Sträucher „stacheln“ visuell nicht so sehr. Das gesamte Bild wirkt ausgeglichener und ist dennoch nicht zu flau.

Und dann fand ich noch eine späte Herbstbiene auf dem Balkon:

Makroaufnahme einer toten Biene, liegend auf dem Rücken.

Am Vortag half ich ihr noch auf die Beine. Aber die kalte Nacht machte ihr zu sehr zu schaffen. Ich hatte vorher noch nie analog eine solche Makro-Aufnahme angefertigt. Wäre so etwas geplant gewesen, hätte ich hier besser zu einem höher auflösenden Film gegriffen (z. B. zum Ilford Delta 100). Aber auch mit dem Wolfen NP100 gelingen solche Bilder und jedes winzige Härchen der Biene ist gut abgebildet.

Kamera, Blitzgerät und Aufheller vor Hohlkehle auf Tisch für eine Makro-Fotografie.
Das Insekt legte ich auf eine provisorische Hohlkehle aus Papier. Daneben stellte ich ein Blitzgerät mit einem Papier-Diffusor. Gegenüber platzierte ich einen Papier-Aufheller (zum Schatten-Aufhellen). Ich nutzte mein Standard-Objektiv – jedoch mit Zwischenringen, um nah genug heran gehen zu können.

Die Belichtung probte ich vorher mit einer Digitalkamera im manuellen Betrieb. Danach übernahm ich einfach die Werte für die Analogkamera.

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Und noch einige weitere Beispielfotos mit dem Wolfen NP100:

Halb verblühte Blume mit Regentropfen, dahinter Giebel eines Hauses altes Betonartefakt inmitten von Sträuchern und Bäumen Ein See, dahinter Kiesberge, Bäume und Sträucher drumherum, einige Personen sind am Ufer erkennbar. Nahaufnahme von Blättern: Silhouetten von Insekten sind im Gegenlicht darauf zu sehen.

Solche Gegenlichtaufnahmen nehme ich folgendermaßen vor: Ich nutze hierbei einfach den integrierten Belichtungsmesser der Kamera. Aber ich stelle den ISO-Wert an der Kamera 2 Stufen geringer ein, als eigentlich für den Film vorgesehen: Anstatt ISO 100 hatte ich hier also ISO 25 eingestellt (zweifache Halbierung des Ausgangswertes). Dies bewirkt, dass der interne Belichtungsmesser durch das starke Gegenlicht nicht zu kurze Belichtungszeiten an den Verschluss der Kamera „durchgibt“, damit ich noch Zeichnung in den durchleuchteten Blättern erhalte. Ansonsten wären sie zu dunkel geraten. Danach nicht vergessen, den ISO-Wert wieder auf die Nominal-Empfindlichkeit zurück zu stellen (beim Wolfen NP100 also auf ISO 100).

Wer eine Kamera mit Belichtungskorrektur-Einstellung besitzt, kann natürlich auch diese nutzen. Genau für solche Motive ist sie ja gedacht. Technisch bewirkt sie das Selbe. Es wäre hier jedoch falsch zu behaupten, dass ich diesen Film „wie ISO 25“ belichtet habe, auch wenn ich dies so an der Kamera eingestellt hatte: Ich hatte in diesem Fall lediglich ein falsches Messergebnis durch Gegenlicht korrigiert und den Film somit – meiner Gewichtung nach – korrekt belichtet. Die starke Überstrahlung (partielle Überbelichtung) wird durch diesen Film (bei meiner Entwicklung) genügend gedeckelt.

Nahaufnahme einer Feder mit Regentropfen liegend im Gras.

Alle Fotografien in diesem Beitrag hatte ich mit meinem 35mm-Objektiv aufgenommen – meine Lieblingsbrennweite im Kleinbild. Mein altes Nikkor kann sogar im Nahbereich bis ca. 30 cm fokussieren, sodass – ohne Zwischenringe – Detailaufnahmen von z. B. dieser (vermutlich) Entenfeder möglich sind. Dies aber nur am Rande.

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Kurzum: Ich finde, der Original Wolfen 100 ist ein guter S/W-Film. Wie man sieht: Er hat mir einige sehr schöne Motive beschert. Er ist nun auch nichts Besonderes: Ich könnte genau so gut zum Ilford FP 4 greifen. Den gibt es seit Jahrzehnten und er ist sehr gut dokumentiert. Das Besondere am Wolfen ist jedoch, dass er hier in Deutschland produziert wird. Das finde ich schon recht beachtlich – Ich wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass hierzulande noch Filme produziert werden.

S/W-Film ohne Randeinbelichtungen hängt zum Trocknen.
Ich nutzte übrigens selbst konfektioniertes Filmmaterial (siehe auch → Filmpatronen selber befüllen). Wie man sieht, sind hier keine Randnummerierungen bzw. -Informationen vorhanden. Es ist daher auszugehen, dass der NP100 auch unter anderen Marken vertrieben wird (umgelabelte Filme).

Aber wo genau wird er produziert? Wer kümmert sich darum? Wer steckt hinter der Marke „Original Wolfen“? Dies ist alles ziemlich undurchsichtig. Auf den Filmschachteln steht „Made in Germany“, auf der Filmpatrone jedoch steht „Packed in China“. Offenbar werden die großen Filmrollen nach Fernost geflogen bzw. verschifft, werden dort dann konfektioniert und verpackt und kommen später als (u. a.?) „Original Wolfen“ wieder zurück nach Europa. Ökonomisch muss dies wohl leider sinnvoller sein.

Wie auch immer: Wollen wir hoffen, dass der NP100 als hiesige Ergänzung zu Kentmere, Ilford und Foma weiterhin besteht. Ein guter Film ist er ja.

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