(Ver-) Kauf eines Vergrößerers: Welchen Wert hat so ein Gerät eigentlich?

Ich bekomme manchmal Anfragen, ob ich nicht an einem Vergrößerer bzw. an Dunkelkammer-Zubehör / an ganzen Ausrüstungen interessiert bin. Häufig ist das Angebotene jedoch kaum von Wert bzw. schlecht zu gebrauchen. Ich möchte mit diesem Beitrag für Laien auf diesem Gebiet sozusagen etwas Licht in die Sache bringen.

Wenn man S/W-Fotos (also echte Papierbilder) selber anfertigen möchte, benötigt man eine Dunkelkammer und idealerweise einen s. g. Vergrößerer bzw. ein ›Vergrößerungsgerät‹. So schaut ein solches aus:

Vergrößerer in der Dunkelkammer neben anderen Utensilien für das eigene Fotolabor

Auf diesem Foto sind noch einige weitere wichtige Dinge in einem S/W-Fotolabor abgebildet, die für das Anfertigen für eigene S/W-Abzüge relevant sind. Sofern man keine Kontaktkopien von Negativen anfertigen möchte, benötigt man also solch ein – doch recht imposantes – Gerät in der Dunkelkammer.

Wie oben beschrieben, erhalte ich manchmal Anfragen, ob ich nicht am Kauf eines solchen Gerätes bzw. am Erwerb einer ganzen Dunkelkammerausrüstung interessiert bin. Sicherlich werden Sie via Suchmaschine auf meine Seite gelangt sein, weil ich viel über dieses Thema schreibe. Kurz: Nein – Denn ich habe ja bereits alle nötigen Geräte hierfür.

Bildschirmfoto: Ebay mit Angebot eines alten Vergrößerungsgerätes

Solche alten, kugel- oder glockenförmigen Geräte haben heute meist keinen Wert mehr – auch wenn darauf z. B. ›Leitz‹ steht und sie sich in einem deutlich besseren Zustand befinden als hier abgebildet. Man kann damit heute kaum einen höheren Preis veranschlagen. Der Grund:

Wer heute einen Vergrößerer kauft, möchte ihn auch benutzen. Es gibt sicherlich keine Sammler hierfür. Kaum jemand nutzt jedoch ein uraltes Gerät aus den 1960er Jahren in der Praxis.

… Weil es auf dem Markt deutlich jüngere, kompaktere und eben bessere Vergrößerungsgeräte zu weiterhin erschwinglichen Preisen in hoher Anzahl gibt.

Vergrößerer von Kaiser

Einen gewissen Wert auf dem Gebrauchtmarkt besitzen meist nur modernere Vergrößerer, die ungefähr so aussehen wie der hier abgebildete.

Ein fairer Preis wären hier vielleicht um die 300 Euro – je nach Zustand, Filmformat und insbesondere Zubehör (Objektive, Filmhalter, Netzgerät, …)

Denn niemand möchte in der eigenen Dunkelkammer mit einem verstaubten, angerosteten Gerät vergrößern, für welches es kaum noch Zubehör gibt. Solches ist ja sogar bei Fabrikaten aus den 1990er Jahren schon schwierig zu bekommen.

Ist mein Vergrößerer komplett? In dieser Frage möchte ich gerne auf meinen Artikel Dunkelkammer › Vergrößerer verweisen. Dort erkläre ich die Unterschiede zwischen den Geräten und gehe auf notwendiges Zubehör ein. Wenn Sie als Laie ein solches Gerät verkaufen möchten, lesen Sie sich den Abschnitt durch, um einen groben Überblick zu erhalten, ob der Vergrößerer noch vollständig– bzw. ob der angedachte Preis gerechtfertigt ist.

Zubehör für einen Vergrößerer
Bei einem Vergrößerungsgerät sollte möglichst viel passendes Zubehör vorhanden sein. Ohne passende ›Bildbühne‹ oder ›Objektivplatine‹ beispielsweise wäre das Gerät in der Praxis zunächst nutzlos.

Realistische Gebrauchtpreise kann man übrigens sehr gut via Ebay in Erfahrung bringen und zwar, indem man bei der jeweiligen Artikelauflistung ein Häkchen bei ›beendete Angebote‹ setzt. Dann sieht man, zu welchen Preisen bestimmte Produkte in der jüngeren Vergangenheit verkauft worden sind und erhält somit eine ungefähre Vorstellung vom tatsächlichen, heutigen Wert.

Tatsächlich fallen mir hier auch nur ›Ebay‹ und ›Kleinanzeigen‹ als Verkaufsmöglichkeiten ein bzw. nur ein Anbieten via Internet. Denn das Thema Dunkelkammer bedient ja einen kleinen Nischenmarkt. Dummerweise sind Vergrößerer ziemlich groß. Als ich meinen alten via Ebay verkaufte, verpackte ich diesen in zwei Pakete und schickte diese parallel ab. Viele Verkäufer bieten auch gar keinen Versand an. Man hat mit einer sorgfältigen Verpackung bzw. mit einer Versandoption also bessere Chancen.


Vielleicht möchten Sie auch altes Fotopapier verkaufen – dann aber nie so:

Bildschirmfoto: Browser zeigt Kleinanzeigen-Artikel bzw. Fotopapier, dessen Verpackung bei Licht geöffnet wurde.

Immerhin wird das Papier als „Deko“ angeboten.

Fotografisches Papier ist lichtempfindlich (Es ist ja kein Druckerpapier). Öffnet man die Schutzverpackung von solchem „echten“ Fotopapier im Hellen, ist es schlagartig verdorben: Es wurde nun durch das Umgebungslicht belichtet und kann daher im Fotolabor nicht mehr verwendet werden: Es würde sich beim Entwickeln komplett schwarz färben. Aber woher soll man dies als Laie heute auch wissen?

Fotopapier für das SW-Labor
In vielen Kellern und auf vielen Dachböden liegen noch viele Kartons voll mit altem Fotopapier.

… Aber das meiste davon wird kaum noch einen praktischen Nutzen haben bzw. keinen Wert. Warum? Fotografische Papiere altern – insbesondere wenn sie einige Jahre nicht gekühlt lagerten. Man kann sie für eigene S/W-Bilder zwar weiterhin nutzen. Die Fotos werden dann allerdings einen Grauschleier besitzen bzw. kaum einen gewünschten Kontrast aufweisen.

Ausnahme: Sie besitzen fotografisches Papier mit folgenden Eigenschaften:

  • eher großes Bildformat (z. B. 40 x 50 cm)
  • Baryt (statt PE / Kunststoff)
  • kartonstark (dickerer Träger statt „papierstark“)
  • Festgradation (statt „Multikontrast“)

Diese Papiere werden ebenfalls die genannten Makel aufweisen. Diese „altmodischen“ Papiere lassen sich aber häufig für das s. g. Lith-Printing verwenden. Und hierfür gibt es tatsächlich Bedarf, da heutige Fotopapier für diese Technik meistens nicht verwendbar sind.

Übrigens: Altes Fotopapier gehört, falls es entsorgt werden soll, in den Sondermüll – zumindest nicht in die Altpapiertonne. Denn es besteht nicht nur aus Papier sondern auch aus einem Auftrag aus Silberteilchen und Gelatine.


Kurzum: Viele Gerätschaften und sehr viel Verbrauchsmaterial aus verstaubten Nachlässen haben heute leider kaum noch einen Wert auf dem Gebrauchtmarkt. Denn als Käufer möchte man diese Utensilien ja weiter nutzen. Man sammelt so etwas ja nicht (im Gegensatz zu Kameras). Gleichzeitig gibt es heute weiterhin frisches Verbrauchsmaterial und die Technik der etwas jüngeren Vergangenheit ist weiterhin gebraucht relativ günstig zu erwerben und häufig zuverlässiger.

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