Ersatz für Quecksilber PX625-Zellen: Ladegerät für V80H-Varta-Akkus von Ausgeknipst

Es gibt tatsächlich winzige Akkus in der Größe der alten Quecksilber PX625-Batterie (Zelle) mit kontinuierlich gleichbleibender Spannung. Solche Zellen eignen sich für einige ältere Kameras bzw. Belichtungsmesser. Problem: Es gab offenbar bis vor kurzem kein Ladegerät hierfür im Handel – bis jetzt. Hier stelle ich es kurz vor.

Wer gerne alte, analoge Kameras nutzt bzw. Belichtungsmesser, kennt vielleicht das Problem bezüglich deren Stromversorgung: Heutige Knopfzellen besitzen zum einen eine etwas zu hohe Spannung. Zum anderen (und das ist noch problematischer), sinkt diese Spannung während des Betriebes kontinuierlich. Insbesondere bei Geräten aus den 1960er und 1970er Jahren führt dies zu Problemen. Sie benötigen gerne die alten Quecksilber-Zellen, die es heute in der EU nicht mehr zu kaufen gibt. Nutzt man gewöhnliche Knopfzellen (Alkali-Mangan-Zelle / Alkaline), sind fehlerhafte Messungen häufig die Folge. Verlassen kann man sich dann nicht mehr auf diese Ergebnisse.

Über dieses Problem bzw. über Abhilfen (es gibt mehrere) hatte ich bereits einige Zeilen verfasst. Einen ausführlicheren Leitfaden findet sich auch auf der Seite von Ausgeknipst. Apropos: Die kleine Firma hatte mir kürzlich ihr Ladegerät nebst zwei V80H-Akkus zukommen lassen und weil ich bis vor Kurzem gar nicht wusste, dass es so etwas überhaupt gibt und weil ich diese Sache sozusagen ziemlich spannend finde, stelle ich sie hier vor:

Ladegerät für PX625-Akku liegt neben passender Zelle auf Holzplatte.

Dies ist das winzige Ladegerät für eine Knopfzelle in der Größe „625“ von Ausgeknipst. Man kann zwar gewöhnliche (nicht wiederaufladbare) Zellen durchaus in dieser Form aktuell kaufen (z. B. „Varta V625U“). Aber diese besitzen eben eine etwas zu hohe Spannung (1,5 Volt) und sie basieren auf Alkali-Mangan, d. h. ihre Spannung wird mit der Zeit abfallen.

Das Ladegerät ist jedoch für die V80H-Zellen von Varta gedacht:

Varta V80H Akku im Format PX625

Offenbar werden diese Zellen (Durchmesser ca. 15 mm) primär für Kunden aus der Industrie (für wiederaufladbare Pufferbatterien in Geräten?) gefertigt. Es gibt sie aber auch einzeln im freien Handel.

Nur Ladegeräte für Privatkunden waren hierfür offenbar nicht erhältlich – bis jetzt eben. Es gibt sogar noch kleinere Akku-Zellen (s. u.). Die mir vorliegenden V80H-Akkus eignen sich aber nur für diejenigen Kameras, die die größeren „625„-Zellen verlangen. Meine Agfa Selectronic verlangt beispielsweise nach solchen, die Yashica Mat 124G möchte sie haben, der Lunasix-Belichtungsmesser freut sich darauf, die Rollei 35 ebenso und es gibt noch viele, viele weitere analoge Kameras, in die genau diese Größe passt.

Sucherkamera Rollei 35 vor hellem Hintergrund
Analoge Kameras wie z. B. die ›Rollei 35‹ benötigen zur korrekten Belichtungsmessung eine Batterie bzw. Zelle, die die Spannung (Volt) über die gesamte Betriebszeit gleich hält. Mit Alkaline-Zellen ist dies nicht möglich. Mit Hörgeräte-Batterien durchaus – aber diese entladen sich fortwährend.
ein alter Belichtungsmesser Typ Lunasix 3

Ich hatte die V80H (bzw. zwei davon) direkt im guten, alten Lunasix 3 Belichtungsmesser ausprobiert. Er funktioniert damit offenbar problemlos (Kurztest). Meine Messsucherkamera zeigt damit korrekte Werte an und auch eine alte Krasnogorsk-Filmkamera. Da ich mittlerweile ziemlich minimalistisch geworden bin, standen mir leider keine weiteren Testkandidaten zur Verfügung. Ich vermute jedoch, dass sehr viele der alten Quecksilber-PX625-Kameras damit zurecht kommen werden.

Zwei Männer halten analoge Kameras in den Händen, lachen und stehen vor einem Regal mit weiteren Analogkameras.
Wer Ausgeknipst noch nicht kennt → Hier gibt es eine Vorstellung des kleinen Unternehmens. Sie fertigen via 3D-Druck viele kleine Helferlein an und viel Zubehör rund um das Thema analoge Fotografie.

Technischen Daten der Varta V80H-Zelle

  • Spannung: ca. 1,25 – 1,3 Volt (permanent – dann leer)
  • Kapazität: 80 mAh
  • Format: wie PX625
  • geringe Selbstentladung (im Gegensatz zu Hörgeräte-Batterien)
  • Bei Kälte / Frost leider (wie sicherlich viele Akkus) weniger zu gebrauchen.

Technische Daten des Ausgeknipst-Ladegerätes

  • Stromversorgung: USB-C (Smartphone-Ladegerät)
  • blaues Statuslämpchen
  • Eine vollständige Ladung dauert ca. 8 Stunden.
Hand hält Ladegerät für Zelle, im Hintergrund eine analoge Kamera.

So winzig ist das Ladegerät. Es passt aber nur eine einzige Zelle hinein. Man braucht etwas Geduld beim Aufladen. Foto: Ausgeknipst

Was mir aufgefallen ist: Der Lunasix-Belichtungsmesser hat ja eine Kontrollfunktion für die eingelegten Zellen. Bei mir kam die Nadel ganz kurz vor „normalvoll“ zum stehen – also augenscheinlich bald leer. Aber das stimmt dann so eben nicht: Die Spannung ist halt geringfügig geringer als die erwarteten 1,35 V (je Zelle). Die Messergebnisse mit diesem Oldie waren dennoch korrekt. Ich hatte dies mit meinem Gossen Digisix verglichen (auch im Schatten). Die Batterie-Kontrolle meiner alten Agfa-Messsucherkamera leuchtete gewohnt hell.

Bei Kameras wie z. B. der Olympus OM-1 oder den Minolta SRTs verhält es sich (nach meiner Recherche) ähnlich: Die Batterieanzeige zeigt aufgrund der leicht geringeren Spannung fast leer an. Die Funktionalität beeinträchtige dies offenbar nicht.

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Tipps für die Praxis

Mir ist aufgefallen, dass es kurz zu einem Kurzschluss kommt, wenn man die Zelle zwischen die beiden Federhalter des Ausgeknipst-Ladegerätes steckt: Erst wenn sie korrekt darin sitzt, berührt das äußere Metall der V80H nicht mehr beide Pole zugleich. Daher stecke ich den Ladeadapter (USB-C-Ladekabel bzw. Handy-Ladegerät) erst dann in die Steckdose, wenn die Zelle korrekt eingeführt wurde.

Und natürlich muss man genau aufpassen, dass man die Akku-Knopfzelle nicht aus Versehen verkehrt herum in das Ladegerät hinein schiebt. Es sind hier deutliche Plus- bzw. Minus-Symbole auf dem Gehäuse angebracht. Die Entwickler hatten sich bei dem Ladegerät diesbezüglich schon Gedanken gemacht: Es existiert eine Führung / eine Nut für den breiten äußeren Rand der Batterie. Man kann die Zelle jedoch dennoch verkehrt herum zwischen die beiden Kontakte schieben, wenn man nicht aufpasst. Ich möchte sagen: Hier könnte man noch etwas verbessern.

Ob die blaue LED irgendwann grün wird oder sich abschaltet, kann ich leider nicht sagen. Ein automatischer Ladestopp wäre wünschenswert.

Edit: Nach Rücksprache mit Ausgeknipst handelt es sich hierbei tatsächlich nur um eine Funktionslampe, die anzeigt, dass eine Spannung vom USB-C-Ladekabel anliegt. Die Anzeige ändert sich also nicht. Der Ladestrom ist so gering, dass die Zelle grob nach Uhr (8 Stunden) geladen werden- und dann entnommen werden sollte.

Auf der Produktseite von Ausgeknipst steht noch etwas Interessantes: Manche Powerbanks (falls man so eine unterwegs nutzen möchte) schalten bei zu geringer Stromentnahme offenbar ab. Dies könnte bei manchen bei diesem Ladegerät der Fall sein. Hier müsste man dann tatsächlich einen Netzadapter testen oder das Ladegerät per USB-Kabel an z. B. den Laptop zum Aufladen anschließen.

Produktseite Ausgeknipst Ladegerät

Kurzum

Wer eine Kamera / einen Belichtungsmesser besitzt, die / der auf die alten Quecksilber-Zellen in der Größe „625“ angewiesen ist, sollte mal bei ›Ausgeknipst‹ vorbei schauen. M. E. ist diese Ladegerät-Lösung mit der Varta V80H die einfachste – ohne Bastelei und ohne nennenswerte Selbstentladung.

Doch offenbar gibt es aber auch noch kleinere Akkus:

  • Varta V15H (ca. 11,6 × 3,6 mm)
  • Varta V40H (ca. 11,6 × 5,4 mm)

Beide Typen besitzen ebenfalls eine Spannung von ca. 1,2 Volt. Ob sie ebenso mit dem Ausgeknipst-Ladegerät geladen werden können? Dies wäre dann für Kameras interessant, für die die V80H bereits zu groß ist.

Nach Rücksprache mit Ausgeknipst ginge dies theoretisch. Sie empfehlen es nicht – einmal aufgrund der Federkontakte (die für die 625er Bauform ausgelegt sind) und der Ladestrom wäre für die anderen Zellen wohl zu hoch.


Ich selbst besitze keine Kamera mehr, die auf die alten Quecksilber-Zellen / auf die Akkus angewiesen ist. Es sei mir verziehen, dass ich hier keine ausführliche, längere Tests vornehmen kann. Ich glaube jedoch, dass diese Akkus / das Ladegerät eine echte Alternative zu Bastellösungen mit Diode oder zu Hörgeräte-Batterien sind.

1 Kommentar

Ersatz für Quecksilber PX625-Zellen: Ladegerät für V80H-Varta-Akkus von Ausgeknipst

Juna

Sehr spannend! Das wäre wirklich eine Option. Danke für den Beitrag.

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