Filmvorstellung: KONO Color 200 / OptiColour 200 / ORWO NC200

In diesem Beitrag stelle ich den Wolfen NC200 vor – hierzulande besser bekannt als Kono Color 200 (Kleinbild) bzw. OptiColour 200 (KB / Mittelformat). Dieser Film wird in Deutschland hergestellt und ich bin von den Ergebnissen tatsächlich positiv überrascht.

Foto auf Kono Color 200: Detail eines kleinen Bootes im Hafen (Horn und Segel)

Satte, eher warme Farben, sichtbares Filmkorn (bei größeren Bildformaten), keine seltsamen bzw. unlogischen Farben – Der Kono Color 200 gefällt mir tatsächlich recht gut.

Mit einigen Filmen ist das so eine Sache: Wer der eigentliche Hersteller ist, ob überhaupt neu produziert wird (oder Restbestände verkauft werden) und unter welchen Marken das gleiche Material ebenfalls vertrieben wird, ist manchmal schwer durchschaubar.

Beim Kono Color 200 bzw. Wolfen NC 200 bzw. OptiColour 200 meine ich, die Sache nach etwas Internetrecherche x entschlüsselt zu haben: Es handelt sich offenbar um das gleiche Material und dieses wird in Monheim am Rhein von der InovisCoat GmbH frisch hergestellt. Zunächst wird der Film für den internationalen Markt als »Orwo Wolfen NC200« vermarktet. Im deutschsprachigen Raum ist er in Form einer Kleinbild-Konfektionierung sowie als 35mm-Meterware als »Kono Color 200« erhältlich und als Rollfilm für das Mittelformat + im Kleinbild als »OptiColour 200«.

x  Quellen: clickundsurr.de, analog.cafe (Englisch), optik-oldschool.com

Schiffe im Hafen, im Hintergrund Backsteinhäuser

Die meisten meiner Fotografien, die ich mit dem Kono Color 200 / OptiColour 200 gemacht hatte, kamen nach der Digitalisierung (durch Abfotografieren mit der Digitalkamera) bzw. nach dem automatischen Umwandeln (ich nutze das Programm SmartConvert) in eher warmen Farben daher. Sicherlich kann man dies am Computer beeinflussen. Aber mir gefällt diese Tongebung. Ich beließ die meisten Aufnahmen einfach so, wie sie aus dem Konverter kamen. Leicht passte ich ggf. den Kontrast an.

Herbstlandschaft mit vielen Bäumen, ein Haus, ein Antennenmast im Hintergrund im Nebel.

Ich hatte den Film im Herbst belichtet und ich bin tatsächlich angetan von den Ergebnissen – so stelle ich mir analoge Farbfotografie vor: Etwas körnig, etwas kitschig von der Farbgebung, nicht zu „glatt“.

winzige Emulsionsfehler bei einem Farbnegativfilm

Der Kono Color 200 / Wolfen C200 aus meiner Charge besitzt, dies sollte nicht verschwiegen werden, noch einige winzige Emulsionsfehler. Dies ist ein Ausschnitt aus dem Himmel vom oberen Motiv. Man kann diese Fehler auf einem kleineren Abzug nicht erkennen sondern nur bei einer 100%-Vergrößerung. Retuschiert hatte ich so etwas bei keiner meiner Digitalisierungen (nur ggf. Staubkörnchen). Der Fehler wird von einem der Vermarkter dieses Filmmaterials (Optik Oldschool) auch offen kommuniziert.

rotes Haus mit Reetdachorangenes Haus mit Reetdach

Ich hatte vor einiger Zeit einen Beitrag über den AgfaPhoto Color 400 geschrieben, hinter dem vermutlich der Wolfen NC400 oder NC500 steckt, der also sicherlich aus der selben Fabrik stammt. Dieser bildet Farben ziemlich speziell ab. Beim Wolfen NC200 (bzw. beim Kono 200 / OptiColour 200) gibt es diese seltsamen „Farbeinbrüche“ nicht: Er erinnert eher an den Kodak Gold 200 – ist also ein schöner, gut brauchbarer Farbnegativfilm ohne seltsame Überraschungen (zumindest was meine Ergebnisse anbelangt).

Angler mit Kapuze sitzt an Küste und angelt.

Beichtet wurden alle Aufnahmen bei Nennempfindlichkeit (ISO 200) x.

xDamit meine ich, dass ich meistens tatsächlich „auf die Schatten“ gemessen hatte. Viele Kameras neigen bei dominierenden Motivelementen mit hoher Eigenhelligkeit (heller Himmel, Strand, weiße Flächen, …) automatisch zur Unterbelichtung. Man erhält dann einen eher „kantigen“ Look. Das möchte ich meist vermeiden.

Kinder spielen am Strand, ein großes Rohr führt neben ihnen entlang. Abgetakeltes Boot steht auf Weidegrundstück, dahinter Herbstbäume.

Besonders hochauflösend ist dieser Film jedoch nicht:

Kind steht an Strand, dahinter im Meer ein riesiges Schiff

Eigentlich ein recht starkes Motiv. So etwas fotografiert man jedoch besser im Mittelformat bzw. mit dem OptiColour-Rollfilm. Denn dieses Bild müsste eigentlich höher vergrößert präsentiert werden – und dann kommt eben das Korn zum Vorschein. Sicherlich ist für so etwas ein z. B. Kodak Ektar 100 die bessere Wahl bei vielen winzigen Details – zumindest im Kleinbild .

Utensilien (Farbeimer) auf einer Baustelle Detail: Benutzte Farbeimer auf Baustelle

Die Auflösung ist OK. Etwas anderes erwartet man hier ja auch nicht.

Dose für eine Filmrolle (Meterware / Bulk Film)
Ein Freund von mir hatte sich eine ganze Dose Meterware vom Kono Color 200 bestellt. Für mich konfektionierte er eine Kleinbildpatrone damit (siehe auch → Filmpatronen selber befüllen). Die Rolle kam sogar mit 17 (gebrauchten) 35mm-Patronen zum selber Konfektionieren und Kono-Aufklebern.

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Ein Farbnegativfilm ohne Randbeschriftung hängt in einer Dusche zum Trocknen.

Die Meterware von diesem Film besitzt auch keine Randbeschriftung. Man kann also davon ausgehen, dass dieser Film in Zukunft auch noch unter anderen Marken erhältlich sein wird.

Alter, roter Geländewagen steht als Wrack auf größerer Weide, Herbstbäume dahinter. Kleiner Dönerladen mit Leuchtschrift

Zumindest im Kleinbild wäre der Wolfen NC200 / Kono Color 200 ideal für Lomography-Kameras wie die LC-A oder die neue Lomo MC-A mit ihren leicht vignettierenden Objektiven. Vermutlich wird auch darauf hin produziert („knallige“ Farben). Ich nutzte für alle Aufnahmen in diesem Beitrag meine gute alte Messsucherkamera für Unterwegs.

Ruderboot mit vier Personen von oben fotografiert. Mann sitzt vor weißem Gebäude, davor ein heller Platz. Zwei Katzen sitzen auf einer roten Treppe, Sonne scheint die vordere an. Person im Gegenlicht unter einem Baum, Herbstlaub drumherum, unten sitzend ein kleiner Hund

Eine Gegenlichtaufnahme habe ich auch. Auch bei so einer krassen Lichtsituation gibt es hier nichts zu beanstanden.

Geschnitzter Halloween-Kürbis auf Podest unter weißem Tuch, dahinter Gebäude

Notiz an mich: Das letzte Bild einer Meterwaren-Konfektion kann durchaus etwas Lichteinfall haben – Das letzte Stückchen war beim Einspulen der Anfang und ragte zunächst etwas von der Rolle aus der kleinen Einspul-Maschine heraus. Das letzte Motiv auf einem solchen Film sollte man, ist es einem wichtig, sicherheitshalber noch einmal mit einer neu eingelegten Filmpatrone aufnehmen.


Kurzum: Ich bin tatsächlich angetan von meinen Ergebnissen mit dem Kono Color 200 bzw. OptiColour 200 bzw. OrWo NC200. Er macht Freude. Die winzigen Emulsionsfehler sind normalerweise nicht sichtbar, sofern es sie bei zukünftigen Chargen überhaupt noch geben wird. Dieser Film scheint durchaus brauchbar zu sein und zielt genau darauf ab, was sich viele Nutzer an der analogen Farbfotografie wünschen: Eine hohe Farbsättigung, einen unkomplizierten Umgang bzw. eine problemlose Konvertierung später am Computer in ansehnliche Positive – sowie Ergebnisse die nicht gleich nach „digital“ aussehen.

Ich bin gespannt, ob dieser Film künftig weiterhin produziert- bzw. vermarktet wird. Mein doch recht positives Résumé gilt sowohl dem Film selbst als auch den kreativen Köpfen dahinter (es ist hier ja leider alles etwas undurchsichtig). Und natürlich wäre ein guter Preis wünschenswert, der etwas unter den Kodak-Preisen liegt, sowie eine gute Verfügbarkeit – vielleicht auch als „geheimnisvoller“ Drogeriemarkt-Film vor Ort.

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