NegPy: Ein tatsächlich brauchbares kostenloses Programm zur Negativ-Umwandlung
Es gibt nur wenige eigenständige Programme, mit denen man selbst digitalisierte Farbnegative gescheit und einfach in farblogische Positive umwandeln kann (und diverse Plug-ins). Mit NegPy betritt nun eine (kostenlose) Open-Source-Software den Ring. Ich habe mir dieses Programm angesehen und bin nicht schlecht erstaunt.
Das Thema Farbnegativ-Konvertierung hatte mir schon so manch graues Haar beschert. Die Sache ist technisch nicht so trivial wie das simple Umwandeln von S/W-Negativen am Computer (also von den Digitalisaten). Vermutlich liegt dies an der Orange-Maske der Filme. Mit SmartConvert hatte ich mein Lieblingsprogramm hierfür gefunden. Dummerweise ist es ziemlich teuer (geworden). Und andere gute Programme gibt es fast nur als Plugins für kostenpflichtige Abo-Software (Adobe).
Seit Kurzem gibt es aber NegPy vom Fotografen Marcin Zawalski – und dieses Programm ist etwas Besonderes. Denn es handelt sich hierbei um ein Open-Source-Projekt, also um eine freie, kostenlose Software, deren Programmcode entsprechend offen liegt. Kann man machen. Aber funktioniert sie auch – ja, recht gut sogar!
NegPy gibt es für Linux, macOS und Windows. Es ist also für fast jeden Computer verfügbar.
Ich hatte mir diese Software kurz angesehen und gelangte sofort zu guten Ergebnissen – mit nur wenigen Klicks. Ich habe mir für diese Vorstellung des Programms ein etwas schwieriges (da schief digitalisiertes) Negativ mit Rand ausgesucht:

Man zieht die Bilddatei einfach in das linke Fenster (das Thumbnail). Nachdem man noch einmal darauf geklickt hat, erfolgt sofort die Umwandlung in ein Positiv. Wie man sieht, hatte dies bei diesem Bild aber nicht gut funktioniert. Kein Wunder: Die weißen Ränder lenken den Konvertierungsmechanismus völlig ab.
Also beschnitt ich das Bild entsprechend:

Und siehe da: Sofort wurde mir ein durchaus ansehnliches und in den Farben logisches Positiv vom Farbnegativ generiert. Das ging einfach und schnell!
Auf dem oberen Bildschirmfoto habe ich die drei einzigen Punkte markiert, bei denen ich manuell eingriff: Ich drehte das Bild etwas („Fine Rot“), ich wählte einen 1:1-Rahmen (Quadrat) zum Beschneiden aus, klickte dann auf das manuelle Beschneide-Werkzeug („Manual“) und zog einen Rahmen nur um das eigentliche Motiv. Dann ließ ich die Maustaste los und das Programm zauberte mir das jetzige Resultat.
Mehr hatte ich nicht getan.
Um die Ausfilterung / den Beschnitt wieder zurück zu setzen, klickt man unten rechts auf die drei Punkte und wählt hier „Reset Settings“ aus.
Gut finde ich auch, dass diese Software den Kontrast zwischen Tiefschwarz und den hellsten Bereichen meist nicht allzu harsch ansetzt. Bei vielen Scanner-Programmen oder auch bei den Ergebnissen von „Discount-Dienstleistern“ hatte ich hier schon andere Ergebnisse. Ich musste hier diesbezüglich gar nicht manuell eingreifen. NegPy stammt eben von einem Fotografen – und nicht von einem reinen Techniker.
Die vielen anderen Einstellungsmöglichkeiten bzw. Optionen rührte ich nicht an. Die muss ich mir selber noch etwas genauer ansehen. Offenbar ist NegPy auch darauf ausgelegt, ganze Filmrollen (viele Bilder auf einmal) umzuformen. So, wie es ausschaut, gibt es sogar ein Staubentfernungs-Werkzeug und eine „Hot-Folder“-Funktion (automatische Umwandlung, wenn neue Grafikdateien in einem bestimmten Ordner landen). Die vielen zusätzlichen Optionen kann man – der Übersicht halber – einklappen (rechter Bereich).
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| JJC ES-2 Filmdigitalisierungsadapter-Set, Negativ-Kopier Adapter für Canon Sony Nikon Macro Lens D850-Kamera, Konvertieren von 35-mm-Negativfilmen und -Dias in digitales JPEG | Plustek OpticFilm 135i - Automatischer Film- und Diascanner | K2 Mobiler Filmscanner 35mm Positiv- und Negativ-Diascanner | Rollei DF-S 180 Dia-Film-Scanner |
Dies ist ein Vorsatz mit Filmstreifen-Halter: Man schraubt ihn vorne direkt auf das Objektiv der Digitalkamera. Fensterlicht durchleuchtet den Filmstreifen gleichmäßig und man kann somit ohne Stativ digitalisieren. (Makroobjektiv oder Zwischenringe erforderlich) | Der kompakte Plustek OpticFilm gehört zu den beliebtesten "echten" Dia- und Negativ-Filmscannern. Zwar ist er im Gegensatz zum Epson Perfection 850 nur für das Kleinbild geeignet. Er kostet jedoch nur einen Bruchteil. | Die sicherlich günstigste und einfachste Art, Kleinbild-Dias und -Negative zu digitalisieren: mit dem eigenen Smartphone. Hierzu gibt es einen Aufsatz, der oben das Handy hält. Unten befindet sich ein Leuchtpult zum Durchleuchten. Natürlich erhält man hierdurch nicht die Qualität eines richtigen Filmscanners. Für kleinere Drucke oder das Teilen via sozialem Netzwerk reicht die Bildqualität sicherlich aus. | Dieser Dia- und Negativscanner ist eine günstige und einfache Möglichkeit, Kleinbild Negative und Dias zu scannen. Freilich darf man für den Preis keine hohe Druckqualität erwarten. Doch für die Präsentation Ihrer analogen Bilder im Internet, auf dem Smart-TV und für kleinere Papierdrucke reicht der winzige Digitalisierer durchaus. |
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Bei diesem Motiv musste ich (trotz Rand) gar nichts beschneiden. Hier funktionierte die Farb-Konvertierungs-Logik des Programms auch so. Übrigens: Man muss hier (wie auch bei SmartConvert) keinen manuellen Weißabgleich auf den Filmrand vornehmen, wie es bei NegMaster oder Negative Lab Pro der Fall ist. Es geht offenbar auch ohne einen solchen Schritt. NegPy bietet zusätzlich auch diverse manuelle Eingriffe an: So eine Software möchte im Auto-Modus beispielsweise „Nebel-Bilder“ kontrastreich erzeugen. Dies wäre bei solchen Motiven sicherlich der falsche Ansatz und hier müsste manuell korrigiert werden.
➜ Noch ein Tipp: Unten links befindet sich ja der Export-Tab. Hier kann man das s. g. ›Farbprofil‹ für die zu exportierende Datei (z. B. als JPG-Datei) wählen. Wenn man nicht weiß, was das ist, sollte man hier immer sRGB wählen. Damit kommen alle Drucker zurecht bzw. alle Programme (z. B. Browser) werden dieses verstehen und Farben und Helligkeiten dann korrekt ausgeben. Ansonsten läuft man Gefahr, dass das exportierte Bild in einem anderen Bildbetrachter oder als Druck plötzlich seltsame Farben aufweist.
Herunter laden kann man sich das Programm auf GitHub:
„GitHub“ ist eine Plattform für freie Software (und für Quellcode). Zum Download des fertigen („kompilierten“) Programms geht man rechts auf Latest und dort dann unten auf Assets. Dort lädt man sich dann die aktuelle Version der Software für sein jeweiliges Betriebssystem herunter.
Hinweis, da ich Windows nutze: Nach der Installation wurde bei mir keine Startmenü-Verknüpfung erstellt (und auch keine Verknüpfung auf dem Desktop). Man findet die Exe-Datei des Programms unter C:\Program Files\NegPy Von der dort vorhandenen „NegPy.exe“ kann man dann eine Verknüpfung auf dem Desktop erstellen oder (per Rechtsklick) an „Start anheften“.
Kurzum: Zum Glück gibt es nun auch eine einigermaßen einfach zu bedienende, moderne und kostenlose Alternative zu den Abo-Modellen (bzw. Plugins) mittels der man schnell zu (hoffentlich) korrekt ausgefilterten Farbnegativen kommt. Hier finden Sie auf meiner Seite noch eine Liste diverser Konvertierungsprogramme.


Zum Thema Blockade durch OS: Ich lud NegPy recht problemlos auf meinen Apple M1Pro (Sequoia 15.5). Die Sicherheitsmeldung kam sogleich, aber man kann manuell die automatische Sperre entriegeln: Dazu auf Systemeinstellung&Datenschutz/Sicherheit gehen und bis „Sicherheit“ runterscrollen. Dort sehen Sie den Hinweis, dass „NegPy“ blockiert wurde. Klicken Sie daneben auf „Dennoch öffnen“. Bestätigen Sie die Aktion mit Ihrem Mac-Passwort oder per Touch ID.
Danke für den Hinweis. Als Nicht-MacOS-Nutzer habe ich mir schon gedacht, dass es dort so einen Weg gibt.
noch eine Frage:
Das (aktuelle) Betriebssystem meines Mac mini M2Pro weigert sich, NegPy zu öffnen, da nicht geprüft werden kann, ob die App frei von Schadsoftware ist.
Ist das normal? wie installiert man trotzdem? oder installiert man in dem fall besser nicht?
s. u.
Hallo Thomas
eine kurze Frage zu den Dateiformaten/Arbeitsablauf:
– als RAW fotografieren
– dann in NegPy konvertieren?
– dann evtl. weitere Bearbeitung in Bildbearbeitungssoftware?
Dann müsste ich idealerweise von NegPy als Output wieder eine RAW/NEF Datei bekommen. Oder DNG? Welches Format kann man da haben? JPG läßt sich nur beschränkt bearbeiten.
oder
– erst das RAW in Bildbearbeitung bearbeiten
– dann durch NegPy
Denke das ist nicht machbar, ein Farbnegativ noch roh zu bearbeiten.
Vielen Dank für Aufklärung.
Gruß aus Saarbrücken
Hallo Werner, ja – Ich digitalisiere via Digitalkamera im RAW-Format und öffne diese Dateien gleich direkt mit Negpy. Dort wähle ich für eine Weiterbearbeitung unter dem Bildfenster den Knopf „HQ“ (ich weiß nicht, ob dies etwas bringt), als Ausgabe-Farbprofil „Same as Source“ und unter Auflösung natürlich „Original“. Negpy fungiert ja nun als RAW-Konverter. Als Ausgabeformat hat man nur „JPEG“ und „Tiff“ zur Verfügung. Ich wähle „Tiff“. Nach dem Export erhalte ich eine Datei mit genügend „Fleisch“ (bzw. in meinem Fall mit 16 Bit pro Farbkanal). Diese Dateien öffne ich dann in z. B. Photoshop und sie lassen sich genügend weiter verarbeiten, ohne dass es zu Tonwertabrissen oder Klötzchen und dergleichen kommt.
Wenn diese Dateien gleich für das Internet fertig sein sollen, wähle ich dann natürlich „JPEG“ als Ausgabeformat, eine geringere Auflösung und das „sRGB“-Farbprofil.
Die RAW-Dateien könnte man sich noch aufheben für eine spätere, erneute Umwandlung. Ich glaube, Negpy speichert je die bereits gesetzten Einstellungen irgendwo. Ich weiß jetzt nur nicht, wie man dies elegant verwalten kann.
Zu der Frage mit dem Mac-Computer: Ich nutze das Betriebssystem (OS) ja nicht. Aber ich denke, Apple wird hier Software aus dem offiziellen „Appstore“ bevorzugen und meckern, wenn solche aus fremden Quellen installiert werden. So etwas kennt man von Android ja auch und vermutlich wird es dieses Prinzip bald auch unter Windows geben. Alles soll möglichst vom Hersteller des OS kontrollierbar sein. NegPy ist eine Open-Source-Anwendung und Apple verdient nichts daran. Gleichzeitig möchte sich der Hersteller absichern, falls Schadsoftware installiert wird. Sicherlich kann man irgendwo in den Einstellungen des Apple-OS einen Schalter umlegen, damit man auch Programme aus fremden Quellen installieren kann. Das weiß ich aber nicht genau, da ich dieses System ja nicht nutze.
Ich selber vertraue Software, die unter Github angeboten wird, da hier der Quellcode einsehbar ist. Bei einem relativ populären Programm wie Negpy gehe ich davon aus, dass der Quellcode bereits von einigen Fachkundigen eingesehen- bzw. geprüft wurde (aber eben nicht von Apple). Tatsächlich läuft so etwas aber immer unter eigenem Risiko.
Viele Grüße zurück!
Vielen Dank für die Vorstellung des Programmes. Ich werde es mal ausprobieren, obwohl mir die Ausfilterung in RAW Therapee immer bestens gelingt. Bei diesem komplett kostenlosen Open Source Programm kann man gute Ergebnisse erzielen, wenn man die Tonwertkurve invertiert und zunächst die RGB Kanäle mit der RGB Parade anpasst. Im Anschluss kann man den LAB Modus wählen und dort sehr präzise auch mit dem Farbhistogramm ausfiltern. Das hilft mir übrigens auch gut bei digitalen Bildern, wenn ich den Weißabgleich anpassen will.
Ah, vielen Dank für den Tipp. Das merke ich mir mal. Genau solche Tricks hatte ich bei meinen Versuchen mit RAW Therapy natürlich nicht berücksichtigt. Das muss man erst einmal wissen.
Moin Thomas,
alles klar und Danke für den Test mit dem Blaufilter.
Gruß Olav
Moin Thomas,
ich nochmal. Hast du mal probiert ob die Verwendung eines Blaufilters irgendeinen Effekt auf das Ergebnis hat bei NegPy? Vielleicht kann man sich den ja sparen in Zukunft.
Gruß Olav
Hallo Olav, ich habe von meinem Testmotiv mit dem „Bagger“ tatsächlich zwei Rohaufnahmen, die eine davon mittels Blaufilter aufgenommen. Lädt man diese in NegPy erhält man (wieder ohne jegliche manuelle Korrektur) in der Tat eine etwas harmonischere, in den Orange- bzw. Gelbtönen sattere Version. Auf das fast selbe Ergebnis komme ich jedoch auch, wenn ich bei der Version ohne Filter mit dem Werkzeug „Exposure“ (rechte Seitenleiste) den Cyan-Regler auf ca. „-30“ setze.
Das Digitalisieren mittels Blaufilter bringt hier also etwas. Aber offenbar kann man solche Feinheiten auch mit einem kleinen manuellen Eingriff digital korrigieren (falls überhaupt nötig). Jedoch glaube ich, die Blaufilter-Methode wirk etwas harmonischer. Sie wäre also für Perfektionisten zu empfehlen, jedoch m. E. nicht nötig.
Vielen Dank für den Tip.
NegPy hatte ich bereits in einer SEHR frühen Version (noch ohne exe) ausprobiert,
und erstmal auf die Seite gelegt, da ich nicht wirklich klarkam… (oder nicht wusste wie das Ding korrekt zu bedienen wäre). Da scheint sich in er Zwischenzeit also einiges getan zu haben, daher werde ich jetzt auf jeden Fall nochmal austesten.
Ich komme vom Negative Lab Pro Lager, und bin bisher damit sehr zufrieden.
Allerdings plane ich in naher Zukunft ganz auf Linux umzustellen, und da läuft Adobe Lightroom bekanntlich nicht (nur über Umwege so lala). Daher ist NegPy natürlich interessant.
Anscheinend springen nun immer mehr auf diesen Zug (stand-alone Konverter-Programme) auf, und auch der Author von Negative Lab Pro arbeitet aktuell an einer Stand-alone Lösung ohne Adobe-SW. Die wird aber natürlich (sehr wahrscheinlich) kostenpflichtig sein.
Ich kannte Negpy bis vor Kurzem gar nicht bzw. bin erst kürzlich durch das Blog von Ulli Gabsch darauf aufmerksam geworden. Vermutlich hätte ich bei einer frühen Version auch schnell das Handtuch geworfen. Aber so scheint mir das Programm schon sehr solide zu sein.
Dass ggf. eine Stand-Alone-Version von Negative Lab Pro in Zukunft erhältlich sein wird, wusste ich auch noch nicht. Bin gespannt, wie sich das in Zukunft entwickeln wird. Kostenlose Software kann andere Entwickler sicherlich auch „unter Druck“ setzen für Verbesserungen.
Moin Thomas,
habe etwas länger hier nicht mehr reingeschaut und dann kommst du direkt mit solch einem Hammer. Wirklich geniales Tool. Bin schwer begeistert. Habe eben mal ein paar Bilder aus RAW gewandelt und es ist um Welten besser als meine Versuche mit DXO. Etwas dunkel im ersten Versuch aber farbrichtig (dem Film entsprechend), was ich bisher nicht wirklich hin bekommen habe.
Alle Daumen hoch von mir.
Hallo Olav, ja war auch gleich angetan von den Ergebnissen. Es war lange Zeit nicht möglich, C-41-Negative bzw. die Roh-Digitalisierungen davon „auf einfach“ und ohne kostenpflichtige Software zu konvertieren. Damit scheint es gut zu klappen.