Das viele Geraffel – Eine minimalistische Fotoausrüstung (reicht)
Besonders im Bereich analoge Fotografie gibt es (günstig auf dem Gebrauchtmarkt) eine Menge toller Technik, die allerdings daheim mit der Zeit immer mehr Platz einnimmt. In diesem Beitrag zeige ich meine Apparate – oder vielmehr die, die noch übrig geblieben sind. Den meisten trauere ich kaum hinterher.

Wer benötigt so viele Kameras?
Ich pflege einen doch recht minimalistischen Lebensstil: Ich zähle sozusagen die Löffel in der Schublade und überlege mir, wie viele ich davon tatsächlich benötige. Vermutlich glaubt man, dass ich als Betreiber einer solchen, doch recht ausführlichen Internetseite über die analoge Fotografie min. 20 Kameras im Schrank stehen haben muss. Aber die meisten der auf dieser Seite abgebildeten Geräte sind längst in anderen Händen (bzw. Schränken), oder ich konnte die Kameratechnik von Freunden und Bekannten für meine Illustrationen ablichten.
Ich kam damals in den späten 90er Jahren auf die Fotografie – kurze Zeit später gab es Internet, Ebay und alle wollten nur Digitalkameras haben. Was für ein Glück: Ich probierte tatsächlich eine ganze Menge an analoger Fototechnik aus. Die Technik war zu dieser Zeit ja sehr günstig zu erwerben. Und das intensive Ausprobieren war auch sehr wichtig für mein Wissen und das Einordnen – für die eigenen Erfahrungen. Jedoch: »Hin und Her macht Taschen leer«.
Als Analogliebhaber bekommt man auch eine Menge Geschenke: »Du fotografierst doch analog – Möchtest du dies und das und jenes nicht haben?« Da sagte man nicht nein. Und tatsächlich hatte ich hier sehr vieles ausprobiert. Rückblickend war das gut – letzten Endes nämlich für die Erfahrung, dass man das Meiste gar nicht benötigt, wenn es eigentlich nur darum geht, fotografische Ideen umsetzen zu können.
Ich habe Freunde, die unwahrscheinlich viele Kameras, Objektive und Zubehör ihr Eigen nennen. Die meisten dieser Geräte fristen seit Jahrzehnten ihr Dasein in Kartons und Schränken. Vermutlich werden diese nie mehr benutzt werden. Im Ansatz war es auch bei mir damals so. Ich hatte das Meiste dann verkauft. Denn ich stelle mir mittlerweile (nicht nur bei Kameratechnik) die Frage: Habe ich dies innerhalb der letzten 24 Monate überhaupt angerührt? So schön und faszinierend diese Technik auch ist – Benötige ich sie überhaupt für meine Art zu fotografieren? Bei mir kommt dann allerdings auch noch hinzu, dass ich in einer ziemlich kleinen Wohnung lebe.
Ich nutze mittlerweile tatsächlich nur noch drei Kameras:

Im Großformat fotografiere ich gar nicht mehr. Das hatte ich aufgegeben, weil ich den Vorteil – die hohe Detailauflösung – bei Lichte betrachtet gar nicht benötige und die „Verstellmöglichkeiten“ auch nicht. Am meisten fotografiere ich tatsächlich mit meiner kleinen Messsucherkamera. Sie passt in jede Tasche und die Abbildungsleistung ist für meine Ansprüche hoch genug.
Die klassische Kleinbild-Spiegelreflexkamera ist sozusagen der Standard. Mit ihr kann man alles machen und mit Filmen wie z. B. dem PAN F oder dem T-MAX 100 lassen sich ebenfalls recht hohe Vergrößerungen mit vielen Details vom Kleinbild anfertigen. In solche Richtungen denke ich bei meiner Systemauswahl.
Meine Mittelformatkamera nutze ich bald ausschließlich für meine quadratischen Raumporträts. Sie wird am wenigsten genutzt, nimmt aber den meisten Platz ein. Am liebsten würde ich auch sie weggeben. Aber sie lässt sich in meinem Fall nicht durch das Kleinbild ersetzen. Würde ich häufig auf Farbfilm fotografieren, würde ich sie auch nicht ausrangieren – Dann aber aufgrund der höheren Auflösung.
Für die beiden Spiegelreflexkameras habe ich natürlich noch je ein Set an Wechselobjektiven – Hier aber nur die Brennweiten, die ich auch tatsächlich benötige und davon je auch nur eine. Das reicht. Ich benötige für meine Bilder weder ein Tele- noch ein besonders starkes Weitwinkelobjektiv. Aber dies hängt ja immer von den eigenen Bildvorstellungen bzw. Motiven ab.
Ich nutze auch fast nie Filter, demzufolge gibt es hier wenig Geraffel in der Kiste. Ich hatte auch den großen Filmscanner abgegeben, weil ich zum Digitalisieren die Digitalkamera nutze. An dieser nutze ich die „analogen“ Objektive meiner analogen Nikon. Wieder etwas, was nicht doppelt vorhanden sein muss.

Meine gesamte Dunkelkammer-Ausrüstung passt (fast) in zwei Bananenkartons. Damit kann ich vom Kleinbild und 6×6-Mitelformat bis zu einer Größe von 24 x 30 cm vergrößern. Dafür muss ich die Geräte natürlich jedes Mal im kleinen Badezimmer aufbauen.
Ich habe für meine drei Kameras allerdings je noch ein Backup – Falls mal etwas kaputt gehen sollte. Die Ersatzgehäuse liegen ganz unten, gut verstaut. Alles zusammen passt dann in zwei Regalboxen.
Seit Wochen denke ich übrigens darüber nach, mir nicht doch wieder eine TLR-Kamera zu besorgen. Nicht weil ich sie aufgrund der Technik benötige – Diese Geräte besitzen jedoch eine recht charmante Außenwirkung. Es hätte also einen psychologischen Hintergrund, was das Ablichten von Fremden anbelangt. Hmm, ich weiß nicht …
Hallo Thomas,
zu analogen Autofocuszeiten hat man bei neu erscheinenden Canon-Profikameras immer darauf geachtet deren Bedienung möglichst wenig zu verändern. Ist diese in Fleisch und Blut übergegangen sollte man bei einem Nachfolgemodell nicht wieder von vorne anfangen. Für Vielfotografierer ist eine schlanke Ausrüstung schon sinnvoll. Als Neueinsteiger dagegen ist es kein Nachteil verschiedene Kamerasysteme mit unterschiedlichen Filmformaten und Objektivbrennweiten zu testen. Das ist bei gebrauchtem analogen Equipment nicht zwingend kostspielig, kann man es doch nach ein oder zwei Jahren oft zu einem ähnlichen Preis wieder verkaufen. Es gibt den Sammler, der seine Kameras gerne anschaut und streichelt, es gibt den Technikfetischisten, der häufig etwas Neues ausprobieren möchte und dann gibt es den Anwender, der sich eher mit dem Motiv beschäftigt. Der Letztgenannte kann sich leider nicht immer gegen die anderen beiden Konkurrenten in mir behaupten.
Hallo Thomas, vielen Dank für den Kommentar. Ja: Man kommt, besonders als Anfänger, nicht umhin, vieles auszuprobieren. Es ist hier ja nicht so wie bei Schuhen, die man im Geschäft einfach Probetragen kann und damit etwas hin und her läuft. Ob eine bestimmte Kamera (-Technik) einem liegt, kann man erst nach längerem Arbeiten damit in Erfahrung bringen. Das war ja bei mir auch so.
Ich besitze viele Kameras und erfreue mich daran. Gleichzeitig habe ich aber schon auch den Anspruch alle Kameras einigermassen oft zu verwenden. Sollte eine Kamera oder Objektiv nie benutzt werden und verstauben, so kann sie m.M.n. auch gerne gehen…
Kleinbild: mit Exoten so ca. 10-15 Kameras
Mittelformat: 645, 6×6, 6×7 und 6×9 ca. 5-6 Kameras
Objektive: Insgesamt wahrscheinlich 10-15 Wechsel-Objektive
So lange die Vitrine Platz hat (wird auch immer wieder mal was verkauft), spüre ich keinen Drang die Sammlung zu verkleinern.
Vielen Dank für den Kommentar!
Hallo Thomas,
das ist ein interessanter Beitrag und Einblick in Deine Philosophie und Denkweise.
Bei mir läufst Du damit offene Türen ein.
Immer wieder frage ich mich, wieso – meist männliche Fotografen – so viel technischen Plunder anhäufen. Ich stelle mir immer vor wie sie vor ihren Schränke, Schubladen oder Regalen stehen und sich nicht entscheiden können was sie mitnehmen wollen. Oder gar wie sie beladen sich durch die Fotogeschichte quälen. Meist sehen sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehend.
Mir geht es wie Dir. Ich habe für meine analoge Fotografie nurmehr zwei Kleinbildgehäuse und die schon mehrmals erwähnte TLR. Dazu drei (vier) Objektive. Das reicht mir völlig. Die beiden Kleinbildkameras habe ich deshalb, weil ich hin und wieder verschiedene Filme nutzen möchte. Das vierte Objektiv, ein mittleres Tele, benutze ich ausschließlich für ganz bestimmt Aufnahmen. Deshalb bleibt es in aller Regel zu Hause.
Durch die leichte und überschaubare Ausrüstung komme ich nie in die Verlegenheit mir Gedanken über diese machen zu müssen. Sie funktioniert seit Jahrzehnten gut und ich kenne alle ihre Macken und Tücken. Natürlich weiß ich, dass es bessere Gerätschaften gibt, aber sieht man das den fertigen Fotos an ? Ich lege Wert auf klein, leicht und unauffällig und nicht auf groß, laut und super scharf bis in die äußersten Bildecken. Das erklärte Ziel sind gute Fotos und nicht technische Meisterleistungen.
Wenn die Ausrüstung mich einschränkt, dann suche ich nach anderen Lösungen ohne mich zur Sklavin der Technik zu machen. Meist funktioniert das besser als viele annehmen.
Hallo Frau Müller, danke für den Kommentar.