Der Trick mit der Kunststoff-Leselupe: Ecken einer Mattscheibe aufhellen

Mit einer simplen Plastiklupe aus dem Schreibwarenhandel kann man die Darstellungsqualität der Mattscheibe einiger Mittel- bzw. Großformatkameras verbessern – zumindest an deren Ecken.

Ein Objektiv ist rund. Eine Mattscheibe bzw. ein Foto eckig. Bei Kleinbildkameras tritt das Problem offenbar weniger bis gar nicht auf. Im Mittelformat merkt man es bei einfachen Mattscheiben, im Großformat umso mehr: abgedunkelte Ecken, das Zentrum der Mattscheibe erscheint heller als die Ränder.

Im Zentrum treffen die Lichtstrahlen relativ günstig auf die Mattscheibe. Am Rand fallen die Strahlen deutlich schräger ein, sind also verlängert und erscheinen daher dunkler.

Ich habe da gerade so eine alte, sehr einfache TLR-Kamera aus den 1950er Jahren in Betrieb mit einer recht dunklen und einfachen Mattscheibe:

Blick auf die Mattscheibe einer analogen Kamera

Man sieht deutlich die abgedunkelten Bildecken. Bei moderneren Mattscheiben aus Kunststoff wird vermutlich bereits eine gewisse Riffelung (s. u.) eingearbeitet sein, damit auch die Bildecken genügend hell wiedergegeben werden können. Hier – bei der simplen Glas-Mattscheibe – ist dies nicht der Fall.

Legen wir nun eine s. g. Blattlupe bzw. Leselupe auf den Lichtschacht:

Blick auf die Mattscheibe einer analogen Kamera, darüber eine Leselupe gelegt

In Physik war ich in der Schule immer schlecht. Offenbar werden die Lichtstrahlen hier umgelenkt. Die Ecken erscheinen nun heller. Aber natürlich erscheint nun alles vergrößert.

Ich hatte daher die Blattlupe zurecht geschnitten und direkt auf die Mattscheibe gelegt:

Blick auf die Mattscheibe einer analogen Kamera (mit Leselupe-Scheibe darauf)

Mit einfachen Mitteln (Kosten ca. 4 Euro) erhellt erhält man durchaus besser ausgeleuchtete Ecken bzw. Randbereiche der Mattscheibe. Leider ist meine Leselupe bzw. Fresnellinse zu klein – das hatte ich erst später bemerkt: Der untere Rand gehört zwar dazu, ist aber nicht mit den konzentrischen Ringen durchzogen. Aber immerhin sieht man so den Unterschied bzw. den Nutzen.

Die typischen „kreditkartengroße“ Folienlupen sind für die Mattscheiben der 6×6-Kameras bereits zu klein – also ihr tatsächlich nutzbarer Bereich mit den konzentrischen Ringen.

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Dies ist eine Folienlupe aus Kunststoff mit konzentrischen Kreisen ("Fresnel-Linse"). Man kann sie leicht zurechtschneiden und auf eine Mattscheibe legen. Dadurch erscheinen die Ecken oft heller.

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Ich hatte zunächst auch hier in der Stadt diverse Läden abgeklappert nach so einer Blattlupe – Fehlanzeige. So etwas hatte ich auch nicht in Buchhandlungen gefunden.

Fresnellinse (Blattlupe) liegt auf hellem Untergrund.

So schaut eine solche Leselupe aus – auch bekannt als „Blattlupe“ oder „Folienlupe“.

Im Detail:

Detail einer Fresnel-Scheibe

Diese Lupen besitzen diese Ringe – Es handelt sich also offenbar um s. g. Fresnel-Linsen. Man kann damit übrigens auch das Licht von einem Blitzgerät bündeln bzw. das einer Taschenlampe, also deren Reichweiten deutlich erhöhen. Ziemlich interessant – auch um Kindern die optische Physik anschaulich näher bringen zu können. Wer sich einen eigenen Leuchtturm im Garten bauen möchte, um die Nachbarn zu ärgern, der benötigt auch eine Fresnellinse.

Wenn man sich einen Lichtverstärker aus einer solchen Folienlupe für eine Mattscheibe schneidet, dann ist darauf zu achten, dass das Zentrum der Lupe im Mittelpunkt bleibt.

Will sagen: Der mittlere, kleinste Kreis muss sich weiterhin im Mittelpunkt befinden. Man kann also aus einer großen Blattlupe nicht mehrere kleinere Folien für mehrere Mattscheiben schneiden.

Laufbodenkamera mit aufgeklapptem Mattscheibenrückteil liegen auf hellem Hintergrund

Als ich damals noch mit so einer 9×12-Kamera fotografierte (mit 6×9-Rückteil), klemmte ich eine solche Blattlupe im Rückteil einfach vor die Mattscheibe. Das funktionierte ziemlich gut und brachte prompt ein besseres Sucherbild.

➜ Das Problem: Diese Kunststofflinse reflektiert das Umgebungslicht ziemlich stark.

Unter dem Dunkeltuch der Großfomatkamera war dies natürlich gar kein Hindernis. Aber im Lichtschacht meiner Mittelformatkamera durchaus: Nun waren zwar die Ecken heller. Aber im Allgemeinen legte sich ein Schimmer über die Mattscheibe – zumindest bei diffusem Rundumlicht (bedeckter Himmel), weniger bei direktem Sonnenlicht. Das Bild war schlechter zu erkennen, wenn man sich damit ins Helle begab.

Schade. Es funktioniert bei den Lichtschächten also doch nicht so gut, wie anfangs gedacht. Die geriffelte Oberfläche der Folienlupe sollte bereits nach oben zeigen (weniger Spiegelungen). Aber bei mir reichte das nicht. Es gab immer einen deutlichen globalen Schimmer.

Und wenn man die Folie unter die Glas-Mattscheibe baut? Meine Kamera kann ich recht einfach auseinander nehmen. Ich werde dies in Zukunft ggf. mal probieren, wenn genügend Zeit und Muße vorhanden ist. Aber dann müsste ich wieder den genauen Fokuspunkt prüfen bzw. ggf. korrigieren. Bisher bin ich ja schon froh, dass die alte Lady überhaupt wieder funktioniert.

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