Das Bild ohne Richtung – Fotografieren im Quadrat 6×6

Insbesondere viele analoge Mittelformatkameras belichten den Film je im Quadrat – im Format 6×6. Dies hatte ursprünglich sicherlich praktische Gründe. Für den Seheindruck selbst stellt so ein Bildformat jedoch eine Umstellung dar: Es entspricht nicht dem natürlichen Sehen. Wir sehen normalerweise „breitwandig“. Daraus ergeben sich Vor- wie aber auch Nachteile. Ich mache mir in diesem Beitrag einige Gedanken dazu.

Mehrere quadratische S/W-Fotografien (Papierbilder) liegen auf weißem Untergrund.

Fotografien im Quadrat (S/W-Abzüge aus der Dunkelkammer)

Als ich mit dem Fotografieren begonnen hatte, nutzte ich – wie die meisten anderen auch – eine Kleinbildkamera. Sie belichtet Bilder mit einem Aufnahmeformat im Verhältnis von ca. 3 zu 2, was recht breitwandige Fotografien ergibt. So sehen wir die Welt ja auch mit den eigenen Augen. Bei Digitalkameras ist es genau so. Später wechselte ich in das Mittelformat bzw. hier auf eine der vielen Kameras, die quadratische Fotografien belichten:

Eine analoge Mittelformatkamera mit Lichtschacht steht auf weißem Untergrund.
Eine typische analoge Mittelformatkamera (›Rolleiflex‹) für das quadratische Bildformat 6×6. Aber auch beim Sofortbild (Fuji Instax / Polaroid) wird häufig im Quadrat abgelichtet sowie bei den Robot-Kameras. Andere Modelle sind mir nicht bekannt.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir ehrlicherweise nur Gedanken darüber, dass ich durch das Mittelformat nun eine deutlich höhere Detailauflösung für meine Bilder zur Verfügung habe und einen Lichtschachtsucher bzw. eine schöne Mattscheibe, die wie ein kleines Display funktioniert. Dass ich damit nun aber intuitiv ganz anders fotografierte, viel mir erst später auf:

Zwei quadratische S/W-Fotografien (Papierbilder, Porträts einer Frau) liegen auf weißem Untergrund.

zwei quadratische S/W-Abzüge vom Mittelformat-Negativ

Das quadratische Format eignet sich m. E. für prägnante Motive im Zentrum des Bildes – insbesondere für das Ablichten von einzelnen Personen. Es ist das Bildformat ohne Dynamik, ohne Richtung. Das Quadrat ist u. a. sehr gut für solche Porträtfotografien geeignet. Bei der Totalen jedoch versagt es:

Für das Ruhende, das Zentrierte – hierfür eignet sich das fotografische Quadrat

Nehmen wir zunächst eine (urbane) Landschaftsfotografie:

Foto einer Landschaft im Mittelformat 6x6Foto einer Landschaft (Brache im Vordergrund, Hochhäuser und Runen im Hintergrund)

Die beiden Bilder hatte ich nacheinander einmal mit der 6×6-Mittelformatkamera bzw. mit der 35mm-Kleinbildkamera aufgenommen (je mit einem leichten Weitwinkelobjektiv). Abgesehen davon, dass bei dem Quadrat oben und unten mehr auf dem Bild zu sehen ist: Das Quadrat wirkt hier etwas fad. Es fehlt die Spannung, die das Rechteck x erzeugt – eine gewisse Dynamik. Gerade bei Landschaftsfotografien in der Totalen würde ich nicht das quadratische Bildformat wählen.

x Auch quadratische Bilder sind natürlich rechteckig. Wenn ich in diesem Artikel von „rechteckigen“ Fotografien rede, meine ich damit immer jene im nicht-quadratischen Aufnahmeformat.

Ausnahme: Es befinden sich prägnante Motivelemente im Vordergrund oder z. B. ein besonders prägnanter Himmel darüber:

Pfütze mit prägnanten Steinen im Vordergrund, dahinter eine Brache

Dann funktioniert das Quadrat auch bei solchen Ansichten, da der Bildkreis des Objektives mehr zugunsten der oberen und unteren Bereiche ausgenutzt wird (s. u). Würde es bei dieser Fotografie jedoch nur um die Gebäude gehen, ich hätte den Vordergrund weggeschnitten. Dies ergäbe dann ein ganz anderes Bild.

Ich nutze das Quadrat bzw. meine 6×6-Mittelformatkamera jedoch mittlerweile (fast) nur noch für solche Porträtfotografien:

Notiz: Ich hatte bei diesen Porträtfotografien je ein (einziges) entfesseltes Blitzlicht verwendet bzw. meine Kiev / Arax-Kamera und das Flektogon-Weitwinkelobjektiv.

Meine Protagonisten stehen im Mittelpunkt. Der Raum bildet das Beschreibende ab – abstrakt oder konkret. Nichts wurde beiseite geräumt: Das Quadrat zentriert, „beruhigt“ und bietet nebenbei noch genügend Platz oben und unten zum indirekten Erzählen oder auch Rätseln.

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Mann im Ritterkostüm steht in einer modernen Küche

Darum mag ich das quadratische Bildformat: Es bietet genügend Raum um porträtierte Personen ab – und zwar gleichmäßig ohne Richtung, ohne Hierarchie. Dies kann natürlich auch schnell langweilig werden – so ganz ohne „Spannung“. Aber für das Fotografieren innerhalb von Räumlichkeiten ist es mein bevorzugtes Format (in Kombination mit einem Weitwinkelobjektiv).

Stillleben (unaufgeräumter Tisch mit Werkzeug) im quadratischen FormatStillleben (unaufgeräumter Tisch mit Werkzeug) im Querformat

Auch für Stillleben eignet sich das quadratische Aufnahmeformat sehr gut: Es passt einfach mehr aufs Bild. Diese unaufgeräumte Werkbank in einer alten Garage hatte ich nacheinander einmal im 6×6-Mittelformat bzw. im Kleinbild fotografiert – je mit einem Objektiv mit vergleichbarer Brennweite.

Strand im Sommer mit zwei Bäumen, Menschen und einem See mit Segelboot im Hintergrund
Bei diesem Motiv wiederum funktioniert das Quadrat m. E. nicht gut: Die Weite der Landschaft bzw. die des Strandes kommt überhaupt nicht zur Geltung. Der obere Himmelbereich ist für dieses Bild gar nicht notwendig und verwässert sozusagen das Eigentliche.

Typologie von Pflanzen-Wurzeln mit Erde daranFür solche Objektfotografien wiederum eignet sich das quadratische Format ungemein: Es bildet eine formale Strenge bzw. ein „Gleichgewicht“. Die hier abgebildeten Wurzeln stehen je für sich alleine, völlig neutral – Die Bilder benötigen keine „Richtung“.

Richtung, Strenge, Dynamik, Gleichgewicht, Hierarchien: Schnell kommt man bei diesem Thema ins Philosophieren – was schnell gekünstelt klingt. Ich möchte hier nicht allzu weit ausholen. Ich denke, Sie wissen, was ich damit meine.

Ausnutzen des Objektiv-Bildkreises

Irgendwann stellte ich mir die Frage: Schneidet man im quadratischen Mittelformat rechts und links etwas ab, oder kommt oben und unten noch etwas hinzu, was beim Kleinbild oder „breiten“ Mittelformat fehlt? Hierzu hatte ich mir einfach zwei Kreise gezeichnet:

schematische Darstellung von Bildkreisen mit je einem inneren Rahmen für das quadratische Format und das rechteckige Kleinbildformat

Wie man sieht, nutzen beide Formate den Bildkreis etwas anders aus: Das rechteckige Kleinbildformat nutzt die Randbereiche rechts / links mehr aus. Dafür berücksichtigt das quadratische Format mehr die Bereiche oben und unten. Es wird also bei beiden Formaten je etwas weggelassen. Dafür kommt an anderen Stellen etwas hinzu. Misst man die Seiten aus bzw. errechnet man die Flächen, kommt bei diesem Beispiel ungefähr das Selbe heraus.

Wie es sich hierbei im Format 6×7 bzw. 4,5×6 verhält, habe ich jedoch nicht untersucht. Wenn jemand sich hierfür Zeichnungen angefertigt- bzw. dies nachgemessen hat, freue ich mich über einen entsprechenden Hinweis im Kommentarbereich.

Man erhält man bei Beschnitt einer rechteckigen Aufnahme auch nicht das Gleiche, wie es sich bei der Aufnahme mit einer quadratisch abbildenden Kamera ergeben hätte. Der Bildkreis des Objektives wird je anders ausgenutzt.

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Vorteile des quadratischen Bildformates

Das Fotografieren im Quadrat bringt – unabhängig von einer bestimmten Bildwirkung – einige Vorteile in Bezug zu rechteckigen Bildformaten mit sich:

Nachträgliches Beschneiden des Bildes

Natürlich kann man das Quadrat später jederzeit beschneiden. So etwas hatte ich früher – als ich primär im Mittelformat fotografierte – sehr häufig gemacht. Das größere Mittelformat bietet hier ja genügend Reserven. Man hat also zunächst ein „Rohformat“ und kann später entscheiden, ob man nun ein Querformat, Hochformat oder eben das quadratische Bildformat nutzen möchte – je nach Bildwirkung.

Nachtaufnahme: weiße, leere Restaurantstühle auf Marktplatz, im Hintergrund Häuser und Straßenlaternen
Diese Nachtaufnahme beispielsweise hatte ich später beschnitten und zwar so, dass daraus ein Hochformat wurde. Links und rechts gab es Elemente im Bild, die störten. Zudem ist die Bildwirkung nun auch etwas spannender. Das quadratische Mittelformat bietet für einen Beschnitt genügend Reserven.

Dabei stellt sich vielleicht auch die Frage »Wenn ich mitunter das Quadrat wünsche, kann ich doch genau so gut ein Kleinbild-Motiv beschneiden!« Richtig, doch damit hätte man noch mehr Verlust an Bildinformationen bzw. eine noch geringere Auflösung für eventuelle höhere Vergrößerungen.

Mann steht im Tor einer Halle, davor sind draußen Bäume zu sehen.
Zum Beispiel dieses Motiv im Kleinbild würde als Quadrat ggf. noch prägnanter wirken. Nach dem Beschnitt hätte man dann aber kaum noch Reserven für eine höhere Vergrößerung übrig.

Fotografiert man im größeren Mittelformat 6×7, 6×8 oder 6×9, dann kann man diese Motive bei Bedarf natürlich auch auf das Quadrat beschneiden, wenn dies von der Bildästhetik vorteilhaft wäre. Diese Kameras haben dann aber auch ein größeres Gewicht und Packmaß und sind häufig teurer als 6×6-Mittelformatkameras. Zudem belichten sie weniger Bilder pro Rollfilm – und dieser ist ja nicht mehr so günstig wie früher.

Eingebaute Shift-Möglichkeit

Kamera mit Shift-Objektiv, im Hintergrund die Architektur eines Kraftwerks
Beispielfoto Shift-Objektiv an einer Kleinbildkamera: Hier wird der obere Bereich des Bildkreises weniger ausgenutzt als beim Quadrat bzw. er müsste früher verschoben werden.

Das quadratische Format besitzt sozusagen eine eingebaute „Shift-Möglichkeit“, wenn man sich später beim Beschnitt für das Querformat entscheidet. Da der obere / untere Bereich des Bildkreises etwas mehr ausgenutzt wird als bei rechteckig abbildenden Kameras, passt ggf. noch die Kirchturmspitze mit aufs Bild, wenn man die Kamera beim Fotografieren lotrecht hält. Später schneidet man für ein Querformat lediglich den unteren, überflüssigen Bildteil ab. Der Spielraum hier ist natürlich deutlich geringer als der, den ein echtes Shift-Objektiv ermöglicht. Und natürlich kann man den Bildausschnitt für das Querformat beliebig von oben nach unten verschieben („shift“).

Verlustfreies Entzerren für das Hochformat

Wenn man beim Fotografieren die Kamera jedoch nicht lotrecht hält bzw. etwas nach oben richtet, wird das Motiv entsprechend verzerrt abgebildet. Bei den meisten Motiven merkt man’s nicht bzw. es stört nicht. Besonders bei Gebäuden fällt dies jedoch auf und mitunter möchte man solche Bilder später entzerren. Wie man so etwas in der eigenen Dunkelkammer macht, hatte ich in diesem Beitrag schon dargestellt. Adäquat dazu funktioniert dies auch am Computer, wenn man die Negative bzw. Dias zuvor digitalisiert hat.

Mit dem Entzerren tritt jedoch immer auch ein Verlust der Bildbereiche links und rechts auf (besonders oben), weil dabei aus dem Rechteck bzw. Quadrat ein Trapez entsteht:

Bildschirmfoto: Entzerren eines Bildes am Computer

Aus dem entzerrten quadratischen Motiv ist ein trapezförmiges entstanden.

Müsste man also so ein Gebäude ohnehin im Hochformat fotografieren (mit einer rechteckig abbildenden Kamera), bietet das Quadrat hier den Vorteil, dass praktisch keine Bildinformationen verloren gehen: Die Bildbereiche rechts und links würden ja ohnehin weggeschnitten werden. Und lediglich diese redundanten „Pufferbereiche“ sind es hier, die dem Entzerren zum Opfer fallen werden.

Hätte man dieses Motiv im Hochformat aufgenommen bzw. „komponiert“, müssten später tatsächliche Motivbereiche entfernt werden. Oder man hätte für die Aufnahme weiter weggehen müssen, wodurch wiederum das Bildformat nicht vollständig ausgenutzt werden kann (geringere Auflösung).

Das Quadrat passt in jedes Layout

Wer schon einmal ein Magazin, ein Buch oder eine Website gestaltet hat, kennt sicherlich das Problem: Wie füge ich Hochformate und Querformate elegant in mein Layout ein? Ich finde, bei quadratischen Bildern gestaltet sich dies viel einfacher – insbesondere in Kombination mit Texten und natürlich auch für das Illustrieren von z. B. Schallplatten-Cover oder Buchdeckel.

So funktionieren quadratische Bilder gleichermaßen auf schmalen Website-Ansichten (Smartphone) wie auch auf breiten (Desktop). In einem Magazin kann man Quadrate wunderbar als z. B. Vierer-Blöcke anordnen, wie ich es hier in diesem Beitrag auch tue (bei der Desktop-Ansicht).

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Nachteile

Viele Motive wirken im Quadrat einfach fade, langweilig. Es fehlt ihnen an „Spannung“. Bei vielen meiner Fotografien im Querformat achte ich immer auf ein Von-Links-nach-Rechts-Lesen – also auf eine gewisse Narrativität, auf einen Spannungsaufbau. Ich spiegele auch häufig Motive entgegen ihrer Natur (sofern keine Schrift im Bild vorhanden ist).

Bei quadratischen Bildern gelingt so ein „Lesefluss“ selten bzw. nur in abgeschwächter Form. In meinem Fotografie-Studium hatte der Professor bei den Bildbesprechungen immer vier weiße Din-A4-Blätter dabei und beschnitt damit so manche vorgelegte Fotografie ad hoc. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Bildwirkung alleine dadurch verändern kann. Doch wie oben bereits erwähnt: Das 6×6-Mitelformat hat natürlich genügende Reserven für einen späteren Beschnitt. Tut man dies jedoch häufig, verschenkt man kostbaren Film bzw. man läuft vermutlich mit der falschen Kamera herum.

vier Reportage-Fotografien als Fotoserie
Wer sich für Bildgestaltung und dem Erzählen mit Fotografien interessiert, dem sei auch mein Beitrag Fotografieren in Serien empfohlen.

Ich persönlich schätze das Quadrat für die Porträtfotografie und hier insbesondere für meine Porträts von Menschen innerhalb ihrer Räume – Ich hatte oben ja bereits einige Fotografien davon abgebildet. Dies sind mir die liebsten Fotoprojekte, die ich mir immer wieder gerne ansehe, und diese kann ich nicht im beschnittenen Kleinbild mit einem starken 28mm-Weitwinkelobjektiv aufnehmen. Die Bildqualität würde mir dann nicht genügen.

Quadrate rahmen

Ich mag keine quadratische Bilderrahmen. Mehrere davon nebeneinander sehen mir zu schnell zu salopp aus, zu sehr nach „Deko“. Ich rahme quadratische Bilder in einem schlichten, rechteckigen Rahmen im Hochformat:

quadratisches Foto (Baumgruppe im Schnee) in einem rechtwinkligen Bilderrahmen mit Passepartout

Hierfür fertige ich mir jedoch je ein entsprechendes Passepartout an. Wer so etwas nicht selber machen möchte, kann solche auch in manchen Baumärkten günstig anfertigen lassen, bei manchen Fotografen vor Ort im Lädchen (falls es solche noch gibt) und sicherlich auch online.

mehrere Passepartouts (Detail der Kanten und Ecken) übereinander gelegt
Wer viele Passepartouts benötigt und Geld sparen möchte, kann solche auch selber anfertigen. Der Kauf eines Passepartout-Schneiders wird sich dann schnell amortisiert haben.

Ich nutze zum Berechnen des Ausschnitts einen Passepartout-Generator und wähle hier eine leicht nach oben versetzte Position des eigentlichen Bildes (goldener Schnitt). Ich finde, dies schaut sehr gut aus.

Ich achte dabei jedoch auf genügend breite Ränder. Das Foto soll ja nicht „eingequetscht“ wirken, sondern es soll genügend Weißraum besitzen – wie in einem Magazin. Passepartout und Hochformat des Rahmens geben dem Quadrat zudem wieder eine gewisse Dynamik zurück x.

x Ich wollte ja eigentlich solche Begrifflichkeiten nicht mehr benutzen. Sie wissen sicherlich, was ich meine.

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Dies ist ein robuster Passepartout-Schneider für den kleinen Geldbeutel und für alle, die bereits mit wenigen Passepartouts den Anschaffungspreis externer Anfertigungen amortisiert wissen wollen.

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Quadrate in der Dunkelkammer

Ich vergrößere meine liebsten S/W-Negative in der eigenen, kleinen Dunkelkammer (siehe auch → S/W-Negative selber vergrößern). Fotopapier gibt es nicht im quadratischen Format. Es gibt es z. B. in den Größen 13 x 18, 24 x 30, 30 x 40 usw. – also in rechteckigen Formaten.

Früher beschnitt ich das Fotopapier tatsächlich:

Mehrere quadratische S/W-Fotografien (Papierbilder) liegen auf weißem Untergrund.

Ich schnitt vor dem Belichten grob den unteren Rand ab und nutzte diesen für Probestreifen. Nach dem Trocknen schnitt ich sauber den letzten Rest ab, damit ich wieder das Quadrat erhielt.

Mittlerweile bin ich nicht mehr so sparsam:

zwei quadratische 6x6-S/W-Fotografien

ich nutze das gesamte Format und zwar genau so, wie ich solche Bilder später rahme bzw. mit einem Passepartout versehe – also im Hochformat und leicht nach oben versetzt. Ich nutze hierbei in der Dunkelkammer eine speziell zugeschnittene, mit Lack verstärkte Kartonmaske im Vergrößerungsrahmen, sodass ich immer exakt das selbe Format erhalte.

Fotopapier ist (wie Film) in den letzten Jahren ziemlich teuer geworden. Aber ich vergrößere nur noch meine liebsten Motive und verzichte daher auf einen Beschnitt des Papiers. So ein großer (Baryt-Papier-) Karton mit breiten Rändern erzeugt m. E. mehr Wirkung als ein quadratisches Bildchen.

Fazit

Wie man vielleicht heraus gelesen hat: Ich fotografiere nur noch selten im Mittelformat bzw. im quadratischen Format. Den meisten Motiven steht dieses „ausgeglichene“ Seitenverhältnis nicht – zumindest in meinem Fall, bei meinen Motiven. Ich behalte die 6×6-Mittelformatkamera hauptsächlich nur noch wegen einer Sache: für meine Porträtfotografien.

Für insbesondere Landschaften schätze ich das rechteckige Kleinbild im Querformat und dank z. B. dem T-Max 100 oder dem Pan-F erhalte ich auch damit eine genügend hohe Detailauflösung.

Wie sind Ihre / Deine Erfahrungen mit dem quadratischen Bildformat? Gibt es weitere Vor- bzw. Nachteile? Gibt es weitere Gründe für das Fotografieren im Quadrat?

3 Kommentare

Das Bild ohne Richtung – Fotografieren im Quadrat 6×6

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Frau Müller

Hallo Thomas,

ich sitze im Zug und habe viel Zeit um super lange Texte zu schreiben.

Im Grunde genommen trägst Du mit diesem Beitrag Eulen nach Athen. Die Diskussion ist so alt wie das quadratische Aufnahmeformat selbst. Dazu wurden schön regelrechte Schneisen in Wälder geschrieben. Dennoch, der Beitrag ist kurzweilig und informativ. Ich mag solche Texte viel lieber als solche über Technik. Bitte mehr davon.

Die Portraits finde ich zum Teil sehr gelungen, aber das habe ich schon mehrfach früher erwähnt.

Ob man nun im Quadrat gestalten kann oder nicht sollte jedem selbst überlassen bleiben. Es spricht nichts für, aber auch nichts gegen das Quadrat. Manche können wunderbar damit umgehen, anderen gelingt das nicht. Auch funktionieren einige Motivgruppen recht gut im Quadrat. Andere erscheinen überwiegend langweilig.

Zu berücksichtigen ist, dass ungern im Quadrat gedruckt wird. Grafiker mögen es nicht. Auch Plakate sind als Quadrate sehr selten. Ein Klassiker waren dagegen Plattencover.

Ich persönlich mag die 6×6-Kamera sehr gerne. Bei (m)einer TLR wäre ein rechteckiges Format auch schwer einzustellen. Man müsste die Kamera um 90° drehen. Mit einem Lichtschachtsucher praktisch ein Ding der Unmöglichkeit; zumindest wenn man damit bequem Fotos machen möchte.

Aber, ich verwende meine Fotos so gut wie nie im Seitenverhältnis 1:1. Als ich jung war versuchte ich jedem meiner Fotos durch ein ganz eigenes Seitenverhältnis bzw. einen ganz individuellen Beschnitt gerecht zu werden. Hierzu war das 6×6-Format ideal. Man konnte jedes Seitenverhältnis aus ihm herausschneiden. Einerlei ob im Hoch- oder Querformat. Nur, die Grafiker nahmen selten auf meine Fotos Rücksicht und meinten – meist ohne Rückfrage – die Bilder beschneiden zu dürfen. Sie setzten rücksichtslos die Schere an. Nicht selten zerstörten sie meine mühsam gefundene Ausarbeitung.

Auch für Ausstellungen war mein früherer Ansatz schwer umzusetzen. Man musste quasi jedes Passepartout einzeln schneiden. In nicht wenigen Fällen erschien die Hängung aufgrund der unterschiedlichen Seitenverhältnisse unruhig.

Heute bevorzuge ich in aller Regel ein Seitenverhältnis von 3:4 für meine Fotos. Das entspricht recht exakt dem Aufnahmeformat 4,5×6. Dennoch bevorzuge ich die klassische Kleinbildkamera und die olle 6×6. Dem Babymittelformat konnte ich nie etwas abgewinnen.

Und ja, ich schneide auch aus der Kleinbildkamera munter Quadrate wenn ich meine, dass meine Vorstellungen so besser umgesetzt werden können. Ich kann mich an ein Projekt erinnern, bei welchem ich ganz bewusst die kleine Digitalkamera (KB) einsetzte und nicht wie ursprünglich geplant die analoge Hasselblad. Ziel waren sieben (neun) quadratische Motive welche ich entweder in einer Reihe oder als Block hängen wollte. Die Drucke im Format 30×30 cm (auch quadratisch gerahmt) erfüllten , zumindest aus technischer Sicht, die höchsten Anforderungen. Auch analog hätte es qualitativ nicht dem Mittelformat bedurft. Ich finde nur die Einstellung auf der großen Mattscheibe einfacher. Das erleichtert die Arbeit und erhöht aus gestalterischer Sicht die Qualität. Aus diesem Grund gab ich der Digitalkamera den Vortritt, weil ich Fehler sofort bei der Einstellung sehen und korrigieren konnte.

Frage: hast Du bei dem Foto mit der großen Pfütze (mit den Steinen darin) den Himmel nachbelichtet? Mir kommt das Bild reichlich artifiziell vor. Gebogener Karton oder Lassowerkzeug?

Thomas (Autor des Beitrages)
Antwort auf

Hallo Frau Müller, danke für den langen Kommentar! Das „Pfützenfoto“ ist klar bearbeitet: Der Vordergrund hat eine härtere Gradation als der Hintergrund, der Himmel wurde noch einmal (weich) nachbelichtet. Daher der etwas unlogische Bildeindruck. Bei diesem Bild hatte ich dies aber am Computer gemacht, so wie ich es ansonsten in der Dunkelkammer mit Multikontrastpapier (und Karton) mache.

Juna

Danke für den interessanten Artikel. Ich tue mich persönlich mit dem Rechteck sehr schwer – das Quadrat ist mir natürlicher. Und das, obwohl alles dem widerspricht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich im Quadrat mehr Überlegung einfließen lasse.

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