45 Jahre alten Kodak Ektachrome belichtet: So schauen die Bilder aus

Hin und wieder tauchen einige alte Filmrollen auf. Normalerweise schenke ich solchen abgelaufenen Farbfilmen keine Beachtung. Bei diesem hier wollte ich es aber wissen: Kann ein alter Kodak Diafilm von ca. 1980 eigentlich noch Licht speichern? Ja, das geht tatsächlich – wenn auch sehr speziell.

Filmschachteln alter Diafilm: Kodak Ektachrome 64 mit Faltblatt und heraus genommenem Film

Zwei Schächtelchen Kodak Ektachrome 64 aus einer längst vergangenen Zeit lagen plötzlich auf meinem Schreibtisch. Einen davon belichtete ich dann auch.

Die frühen 1980er Jahre: David Hasselhoff schwang sich hinter das Steuer eines sprechenden Autos, West und Ost leiteten eine bedrohliche Aufrüstungsphase ein x, eine Partei namens „Die Grünen“ wurde hier in Deutschland immer populärer, MTV sendete Videos von Prince und Duran Duran, ein kleiner Außerirdischer wollte „nach Hause telefonieren“ und: Irgendwo in einer dunklen Werkshalle in England rutschten zwei Schächtelchen ›Kodak Ektachrome 64‹ vom Band. Und genau diese beiden landeten einige Jahrzehnte später auf meinem Schreibtisch.

x wie heute

Dazwischen ist viel geschehen. Aber diese beiden Filmschachteln hatte niemand geöffnet und vielleicht wurden sie auch vergessen. Ich war es, den diese beiden Dia-Filme nun zu Gesicht bekamen – bzw. anders herum.


Für ernsthafte Projekte würde ich nie derlei Material ungeprüft benutzen – Wie wurden diese Filme gelagert? Hinter der Heizung? In einem Keller? Bei welchen Temperaturen? Oder vielleicht doch durchgehend im Eisschrank? Über abgelaufene Filme hatte ich ja bereits einen Beitrag geschrieben. Aber diese beiden Ektachrome-Filme sind bereits so alt, dass ich es mich dennoch juckte und ich eine der Rollen belichtete.

Also ging es damit hinaus – in einen schönen, urigen Garten:

Beeren am Strauch im Garten
Sonnenblume im Garten

Wie man sieht: Natürlich kann man mit so einem Film – seit über 40 Jahren abgelaufen – keine technisch hochwertigen Aufnahmen mehr anfertigen.

Haus mit roter Giebelseite, davor wilde Wiese

Einen gewissen „analogen Charme“ kann man diesen Aufnahmen aber gewiss nicht absprechen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieses alte Filmmaterial überhaupt noch Lichtspuren wiedergeben kann – kann es aber immer noch, wenn auch sehr dünn.

Ich belichtete den alten Ektachrome 64 stets zwei Blenden über.

Ich belichtete diesen Film also nicht wie ISO 64 (wie seinerzeit angedacht), sondern tatsächlich wie ISO 16. An diesem schönen Sommertag gelang dies dann auch noch ohne Stativ, aus der Hand (bei geöffneter Blende).

Gießkanne und Schalen in einem Gewächshaus
Strauch mit gelben Blüten in einem Garten

Ich finde, zu meinen Motiven passt dieser verträumte, bunte Look auch recht gut.

➜ Der Kodak Ektachrome ist eigentlich ein Diafilm. Ich hatte Rücksprache mit meinem persönlichen Laboranten getroffen und er meinte, um hier überhaupt noch Bildinformationen aus diesem alten Material heraus „kitzeln“ zu können, wäre es sinnvoll, diesen zu Crossen. Will sagen: Wir hatten den Film dann nicht im üblichen Diafilm-Verfahren (›E6‹) entwickelt, sondern im klassischen Farbnegativverfahren (›C-41‹):

altes Farbnegativ mit starkem Schleier
Am Ende gab es also „gecrosste“ Dias bzw. Negative und diese sehen alle so aus wie das eingeblendete Bild: äußerst dünn – aber gerade so noch kopierbar.

Das Positiv davon ist dann dieses:

Mann mit Strohhut und Kamera in einem Garten auf altem Kodak Ektachrome 64 Film

Ich konvertierte die Negativ-Digitalisierungen am Computer mittels dem Programm ›SmartConvert‹ – und zwar im Auto-Modus ohne manuelle Eingriffe. Ich aktivierte hier nur den s. g. „Flat-Modus“, denn bei so dünnen Negativen wird die Gradation immer enorm aufgesteilt bzw. der Kontrast erhöht. Daher kommt dann bei solchen Filmen auch das Filmkorn so stark zu Geltung. Die Bilder sollten jedoch weiterhin eher „luftig“ oder „pastellfarbig“ wirken – nicht zu harsch. Für mich bilden sie so eine schöne Erinnerung an den letzten Sommer bzw. an den frühen Herbst.

Hinweis Digitalisieren

Wer zum Digitalisieren solcher Filme einen Scanner nutzt, muss hoffen, dass dieser derlei verschleierten Filme genügend durchleuchten kann (›Dmax‹). Wer digital abfotografiert (so wie ich), sollte dies unbedingt in einem dunklen Raum tun oder eine Vorrichtung mit Tubus nutzen (Fremdlicht fernhalten). Denn ich musste pro Negativ beim Digitalisieren ca. 6 Sekunden lang belichten (wegen der hohen Dichte). Vagabundierendes Fremdlicht würde hier einen zusätzlichen Schleier verursachen oder gar dafür sorgen, dass sich das Objektiv der Digitalkamera auf der Filmoberfläche / auf dem Glashalter (falls genutzt) spiegelt.

bunte Wäscheklammern an Leine
Gießkanne, Leitern, Obstbäume in einem Garten

Oben und unten bei den Motiven befinden sich stets recht starke Störungen, bei denen man vielleicht meint, dies wäre ein Lichteinfall. Dem ist aber nicht so. An den äußeren Bereichen hatte das Filmmaterial offenbar über die Jahrzehnte anders reagiert als in der Mitte des Films.

eine Fotografie auf 16mm-Film
Die vielen Punkte und Störungen kenne ich bereits von einem S/W-Film aus der selben Dekade, den ich damals in einer 16mm-Spionagekamera belichtete. Diese Fehler sind typisch für derlei altes Filmmaterial.

Diese alten Filme riechen übrigens ziemlich stark. Offenbar dünsten hier gewisse chemische Substanzen aus. Mein alter Kodak Ektachrome ist ja ein Rollfilm, den ich mit meiner Mittelformatkamera belichtete und nach der Entnahme des Filmes klebt man hier eine Banderole fest, damit er sich nicht abrollen kann. Diese Klebefläche befeuchtet man mit der Zunge. Das hätte ich dieses Mal aber nicht machen sollen: Ich musste dann mehrmals in die Beete spucken. Nach den vielen Jahren schmeckte diese Klebefläche wirklich nicht mehr nach Pfefferminze, wie man es von manchen frischen Filmen kennt.


Dennoch: Selbst so altes Filmmaterial ist tatsächlich noch in der Lage, Licht aufzuzeichnen. Man sollte solche Filme sicherheitshalber aber um ca. zwei Blenden reichlicher belichten. Die zarte Zeichnung lässt sich – zumindest am Computer – wieder zu einigermaßen anschaulichen Bildern umwandeln, trotz dem starken Schleier. Für ernsthafte Fotoprojekte sollte man natürlich einen frischen Film verwenden – Es sein denn, man möchte genau solche Ergebnisse erhalten, wie hier im Beitrag abgebildet. Das hat ja auch etwas.

2 Kommentare

45 Jahre alten Kodak Ektachrome belichtet: So schauen die Bilder aus

Jens

Hallo,

ich hatte neulich diesen Artikel bezüglich abgelaufenem Diafilm gelesen:

https://www.aphog.com/abgelaufenen-diafilm-richtig-nutzen/
(Es gibt auch Bilder eines 1978 abgelaufenen Ektachrome 200 Rollfilms)

Dort steht, das man nicht überbelichten soll.
Es wäre doch sehr interessant, die zweite Rolle (sofern noch vorhanden) auf die Nennempfindlichkeit zu belichten und in E6 zu entwickeln.
Ein Vergleich der Ergebnisse würde mich sehr interessieren.

Vielen Dank für deine Webseite!

Thomas (Autor des Beitrages)
Antwort auf

Hallo Jens, ich hatte mir schon überlegt, was ich mit der zweiten Rolle anstellen sollte. Entweder ich finde ein Fotoprojekt, für das dieser hier erhaltene „Look“ treffend wäre. Oder aber ich belichte tatsächlich auf Nennempfindlichkeit und lasse ihn regulär in E6 entwickeln. Dann wäre ich schlauer. Ich hatte mal „moderat“ abgelaufenen Diafilm in E6 entwickeln lassen. Die Ergebnisse waren sehr „lilastichig“, wie bei den Bildern im Aphog-Artikel. Sicherlich wird es bei meinem alten Ektachrome ähnlich sein. Mir gefallen die gecrossten Ergebnisse bzw. die Umwandlungen in Positive meines ersten Tests sehr gut. Ich denke, ich werde die zweite Rolle genau so belichten / entwickeln.

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