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Fotografien mit einem Lithentwickler entwickeln und einen pictorialistischen Stil schaffen


In diesem Artikel soll es um den sogenannten Lith-Entwickler gehen. Dies ist ein spezieller Entwickler für das eigene S/W-Fotolabor. Durch diesen Entwicklertyp sind analoge Bilder realisierbar, die an die pictorialistischen Fotografien des 19. Jahrhunderts erinnern.

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Wer seine analogen fotografischen S/W-Filme mit hoher Präzision belichtet, entwickelt und später zu qualitativ hochwertigen Handabzügen auf Barytpapier verarbeitet, wird von deren hoher Abbildungsqualität sicherlich überzeugt sein. Insbesondere werden an dieser Stelle die Fotografen jauchzen, die das Mittel- oder gar Großformat zum Fotografieren nutzen.

Es gibt aber noch einen anderen Weg, um überzeugende Handabzüge anzufertigen: Der Weg über eine gewisse symbolistische Darstellung: Die „pictorialistische“ Fotografie.

eine Fotografie im Stil des Pictorialismus

Hier spielt die abgebildete, technische fotografische Präzision überhaupt keine Rolle. Ja, die Fotografien müssen noch nicht einmal scharf sein! Bei dem obigen Beispielfoto wurde eine Kleinbildkamera verwendet, deren Objektiv einfach unscharf gestellt wurde.

*Zwar gibt es viele Bücher zum Thema S/W-Handabzug. Bei den meisten ist das Ziel jedoch meist nur der "profane" Abzug. Way Beyond Monochrome widmet sich dem feinen und individuell angefertigten Silbergelatineabzug, der nicht nur eine bloße Kopie des Negativs sein möchte, mit allen speziellen Techniken, welche andere Bücher selten beschreiben. Obacht: Es liegt nur in englischer Sprache vor. Auf Amazon kann man einen Blick in das Buch werfen.

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Moersch Easylith Foto-Entwickler

Fotografischer Positiventwickler: „Moersch Easylith“. Für den Ansatz verdünnt man von beiden Teilen eine Menge und mischt dieser noch Wasser hinzu. Jener Ansatz hält jedoch nicht sehr lange (ca. eine Stunde), wenn er an der Luft oxidiert.

Man benötigt hierzu einen sogenannten „Lith-Entwickler“. Für die Bilder in diesem Beitrag wurde der S/W-Entwickler „Moersch Easylith“ verwendet und zwar in dem in der beigelegten Anleitung empfohlenen Standard-Mischverhältnis. Easylith ist ein relativ einfach zu verwendender Positiv-Entwickler. Man ist hierbei jedoch auf ganz bestimmte Fotopapiere angewiesen. Bei dem Bild oben wurde das sicherlich bekannte, alte „Orwo-Barytpapier“ verwendet. Dieses gibt es immer wieder günstig und in großen Mengen bei Ebay. Viele moderne Papiere jedoch funktionieren mit diesem Spezial-Entwickler nicht. Lesen Sie daher die Empfehlungen auf der Internetseite des Herstellers.

eine Lith-Fotografie im eigenen Labor

Dieses Motiv wurde mit Moersch Easylith auf dem Papier „Adox Nuance“ entwickelt (hier finden Sie weitere Lith-Fotografien auf diesem Papier). Jenes ist etwas „kühler“ als das Orwo-Papier (letztes neigt zunächst zum Gelb / Orange) und harmoniert gar wunderbar mit einem Lithentwickler. Leider wird das Adox-Papier nicht mehr produziert.

In beiden Fällen hält man ein absolutes Original in den Händen. Denn der Prozess ist niemals reproduzierbar.

eine analoge Mehrfachbelichtung

Übrigens: Bereits mit der Technik der analogen Mehrfachbelichtung des selben Motivs erhält man Fotografien, die an Malerei erinnern.

*Sie können bereits eigene S/W-Abzüge im Fotolabor erstellen und wünschen sich einen deutlichen Qualitätsfortschritt? Dieses Buch verrät die Tricks hinter dem analogen Fine Art Print und setzt da an, wo Anfängerbücher aufhören. Das Lehrbuch "Perspektive Fine-Art" gibt es bei Amazon.

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Für den pictorialistischen Effekt muss man das Papier im Lith-Entwickler quälen. D. h. man legt es hinein und belässt es dort ohne Bewegung für mehrere Minuten. Wer Raucher ist, geht nun eine rauchen. Jedoch muss man das Papier an den Rändern etwas beschweren, damit es sich stets innerhalb der Chemie befindet und nicht nach oben schwimmt.

Zum Beschweren reichen z. B. zwei Papierzangen, die man einfach auf den (zuvor einbelichteten) weißen Rand der Fotografien legt (diese Gewichte liegen nun im Lithentwickler und halten das Fotopapier darin).

Dadurch, dass nun keinerlei Bewegung in der Fotoschale stattfindet, reagiert der Entwickler recht ungleichmäßig, um nicht zu sagen chaotisch. Charakteristisch sind hier die wolkigen Schwärzen. Es droht aber kein schnelles Zulaufen der Schatten (Zeichnung in den dunkelsten Bereichen wird völlig schwarz), denn an diesen Stellen hat sich der Entwickler bereit abreagiert bzw. abgenutzt und arbeitet nunmehr nur in den anderen (helleren) Bildbereichen weiter (bis man die Entwicklerschale wieder bewegt).

Alle Fotografien auf dieser Seite wurden anschließend noch in einem sogenannten „Selentoner“ behandelt. Diese Chemie kühlt den Bildton noch etwas hinunter, denn jener ist meist zu orange.

weiteres Beispiel mit dem Lithentwickler

Auch hier wurde der Lithentwickler verwendet. Solche verwackelten, unscharfen Negative erhalten dadurch eine sehr symbolistische, grobe bzw. „pictorialistische“ Wirkung mit ausgeprägtem Korn.

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Fotografie auf Fotopapier in einem Lithentwickler

*Im Buch "Handbuch der Analogen Kreativtechniken" geht es um analoge Bildbearbeitung! Sie meinen, der Begriff "Bildbearbeitung" bezieht sich nur auf den Computer? Dieses Buch möchte dem etwas entgegen setzen: Themen wie die Positivbearbeitung via Bleicher und Toner werden ebenso erläutert wie das Anfertigen von eigenen Emulsionen und die sogenannten "Edeldruckverfahren". Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Bei diesem Fotogramm wurde ebenfalls Moersch Easylith als Foto-Entwickler verwendet. Das Papier wurde sehr gequält d. h. ca. 20 Minuten einfach im Entwickler belassen, ohne es zu bewegen. Man beachte die chaotische Schwärzung.
Auch hier wurde das alte Orwo-Baryt-Papier verwendet. Wer Glück hat, findet hier noch kartonstarke Papiere (Code „111“). An den Bildrändern sieht man sehr schön, dass das Papier überlagert ist: Es treten hier weitere Schwärzungen an Stellen auf, die gar nicht belichtet worden sind. Weiterhin besitzt das Papier einen Schleier – dieser ist bei einem Lithentwickler nur nicht grau, sondern leicht gelblich.

Dieses Photogramm wurde nach dem Entwickeln im Lith-Entwickler „Easylith“ – wie die anderen Fotografien auf dieser Seite – im Selentoner getont, um die dunklen Partien noch etwas dunkler zu gestalten bzw. um den Kontrast zu erhöhen. Weiterhin entzieht der Selentoner solchen „Lithprints“ einen zu orangen Farbstich. Bei letzterem Beispielfoto kam noch ein weiterer Toner zum Zug: ein sogenannter „Schwefeltoner“: Das durch den Lithentwickler hervorgerufene Bild wird später, im Hellen, mit einem Bleichmittel wieder „zurück gesetzt“. Nun kommt der Entwicklerteil des Schwefeltoners zum Einsatz und zaubert einen sehr schönen, braunen Bildton hervor bzw. entwickelt das Foto sozusagen ein zweites Mal. Hier kann man im Anschluss an das eigentliche Entwickeln sehr viel mit verschiedenen Tonern experimentieren.

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Artikeldatum: 25.09.2016 / letzte Änderung: 21. Juli 2017

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leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.




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