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Das Zonensystem einfach erklärt am Beispiel einer komplizierten Lichtsituation


Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom sogenannten Zonensystem gehört. Dieses benötigen Sie keinesfalls für die meisten Aufnahmesituationen. Für manch delikate Lichtsituation kann es jedoch sehr hilfreich sein. Hier erkläre ich es anhand einer solch schwierigen Fotografie. Mit diesem System legen Sie sich eine bildwichtige Stelle im Motiv in eine bestimmte Helligkeitszone. Die anderen ergeben sich automatisch. Sie benötigen hierfür einen externen Belichtungsmesser.

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Ich lege bei meiner Internetseite Wert darauf, nicht mit sperriger Didaktik zu trumpfen. Zum Zonensystem wurde bereits sehr viel geschrieben – ja, ganze Bücher erschienen schon darüber. Dabei ist der Kern dieses Systems an dieser Stelle des Internets kurz und knackig erklärbar und anhand eines Beispielbildes kann es schnell verstanden- bzw. selbst angewandt werden.
Was nicht verschwiegen sein soll: Das Zonensystem besteht sozusagen aus zwei Komponenten: Einmal aus einer speziellen Belichtungsmessung (darum geht es hier gleich) und zum anderen aus einer Variante der Kontrastanpassung. Darum soll es nicht gehen. Warum? Weil man heute Kontraste sehr gut entweder im Fotolabor mittels Multikontrastpapier steuern kann und natürlich am Computer mit einer elektronischen Bildbearbeitung.

Los geht’s:

ein Belichtungsmesser

Das ist ein Belichtungsmesser. Den benötigen Sie, um nach dem Zonensystem belichten zu können. Beachten Sie die weiße Kalotte vorne: Sie ist zur Seite geschoben. Dies ist bei dieser Messmethode wichtig, denn hier messen Sie die bestimmten Motivregionen direkt an. Sie messen nicht das eigentliche Licht (Kalotte davor Richtung Sonne) sondern die Lichtreflexion am Motiv.
Weiterhin muss Ihre Kamera völlig manuell (Blende & Belichtungszeit) steuerbar sein bzw. einen manuellen Modus besitzen. Zudem benötigen Sie Vorerfahrungen, wie man generell mit einem Belichtungsmesser misst und Sie müssen verstanden haben, inwiefern Belichtungszeit und Blende bei der Fotografie in Abhängigkeit stehen. Alles klar? Dann geht’s sofort weiter:

Jedes Motivelement reflektiert Licht in einer anderen Intensität (Helligkeit). Mit der Belichtungszeit Ihrer Kamera können Sie steuern, welcher Grauwert dies später auf dem Foto ergibt. Doch welcher Helligkeitswert soll es nun sein? Hierfür gibt es beim Zonensystem einen Index:

Zone 0Zone IZone IIZone IIIZone IVZone VZone VIZone VIIZone VIIIZone IXZone X
18% Grau
– 5 F– 4 F– 3 F– 2 F– 1 F0+ 1 F+ 2 F+ 3 F+ 4 F+ 5 F

Das System ist in 11 Zonen aufgeteilt. Die Mitte bildet Zone 5 (lateinisch Zone V). Zone V ist Ihr Ausgangswert. Denn alles, was Sie mit dem Belichtungsmesser anmessen, wird später auf der Fotografie genau wie dieser Grauwert wiedergegeben, wenn Sie die vom Belichtungsmesser vorgeschlagenen Werte zur Belichtung übernehmen würden.

Natürlich müssen Sie diesen Wert nicht nehmen! Stattdessen sollten Sie sich überlegen, wie hell genau dieses Motivelement später erscheinen soll:

verschiedene Zonen in einem Bild

Da sitzt ein Freund von mir auf seinem Dachboden. Schnell sollte ein Foto gemacht werden: Ich nahm den Belichtungsmesser zur Hand, schob die weiße Kalotte beiseite, hielt das Messgerät ca. 30 cm vor den weißen Pullover (Bildmarkierung) und maß die Belichtungszeit. Hätte ich den vorgeschlagenen Wert übernommen, dann wäre der Pullover im Schatten viel heller abgebildet als hier (und der Rest des Bildes ebenso)! Denn zunächst misst man ja immer „auf Zone 5“. Und diese Zone ist immer ein mittleres Grau. Auf genau diesen mittleren Grauton ist jeder Belichtungsmesser justiert.
Anhand des oben abgebildeten Index, schaute ich einmal nach, was es denn da im Zonensystem sonst noch so für Helligkeitszonen gibt: Zone III erschien mir angemessen. In der Tabelle steht unter Zone 3 „-2 F“. Das bedeutet: Um 2 Blendenwerte („F“) muss die gemessene Belichtungszeit manuell reduziert werden, damit aus dem hellen Zone-V-Grau ein recht dunkles Zone-III-Grau wird.

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Ich legte die Motivstelle mit dem Pullover im Schatten auf Zone III.

Freilich kann man nun einfach die Blende des Objektives um zwei ganze Werte (z. B. von Blende 4 auf Blende 8) schließen. Sinnvoller ist es sicherlich, dies über die Belichtungszeit zu steuern: Die muss dann um zwei volle Werte schneller eingestellt werden, also zum Beispiel von 1/8 Sekunde auf 1/30 Sekunde.
Die interne Belichtungsautomatik der Kamera muss hierbei freilich deaktiviert sein! Jegliche Werte werden fix von Hand eingestellt.

Das war’s schon: Ich habe mittels dem Zonensystem eine schwierige Lichtsituation gemeistert. Ich hatte mein Bild vorvisualisiert, indem ich mir überlegte, wie ein bestimmter (mir wichtiger) Grauton später auf dem fertigen Foto erscheinen soll. Alle anderen Grautöne ergeben sich davon ausgehend automatisch. Man kann mit dem Zonensystem zunächst nur einen einzigen Punkt „festpinnen“. Die anderen Helligkeitswert steuert man dann später (falls nötig) über die Kontrastanpassung im Labor bzw. am Computer.

Natürlich hatte es einen ganz bestimmten Sinn, warum ich gerade die Stelle mit dem Pullover ausgewählt hatte: Der Kontrastumfang bei diesem Motiv ist sehr hoch. Grelles Licht scheint durch das Fenster. Dieses Licht ist hier die einzige Lichtquelle. Man sieht den Pullover nur, weil das Fensterlicht an einer Wand (und dem Dachboden-Gerümpel) hinter der Kamera reflektiert wird – und zwar in sehr schwacher Form.
Ziel beim Einsatz des Zonensystems war es:

Das Gegenlicht (zweite Markierung auf dem Beispielfoto) sollte möglichst knapp belichtet werden, damit es nicht noch mehr ausbrennt. Gleichzeitig sollten bildwichtige Elemente nicht absaufen (also ohne Schattenzeichnung abgebildet werden).

Daher wählte ich für den Pullover eine Zone, bei der die gewünschte Schattenzeichnung noch genügend / gerade so vorhanden ist → Zone III.

Hinweis: Beim punktuellen Messen war es wichtig, dass ich dabei selbst etwas seitlich vom Motiv stand. Denn ansonsten hätte mein Körper einen weiteren Schatten auf den Pullover geworfen und das Messergebnis wäre verfälscht gewesen.

Ich hätte auch den (nun) sehr dunkel abgebildeten Becher auf dem Tischlein in Zone III legen können. Dann wäre der Rest des Bildes (insbesondere das Gegenlicht) aber ein gutes Stück heller (bzw. greller) gekommen. Der Becher ist für mich jedoch kein bildwichtiges Motivelement. Er kann ruhig „absaufen“, genau so die Armlehne des Sessels vorne links.

*Den Digisix von Gossen gibt es nunmehr in der Version II. Der Belichtungsmesser ist der kleinste und einer der günstigsten auf dem Markt, besitzt aber sowohl die Möglichkeit zur Motiv- als auch zur Lichtmessung, wodurch sehr präzise Messergebnisse möglich sind. Gesehen auf Amazon.

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Grundsätzlich sind Belichtungsmesser mit „Spotfunktion“ für das Zonensystem geeignet. Hier hat man dann so eine Art „Fernrohr“ und kann bestimmte Motivbereiche punktuell anvisieren bzw. anmessen. Insbesondere in der Landschaftsfotografie ergibt dies Sinn. Kann man jedoch auf wenige Zentimeter nah heran an die jeweilige Motivregion treten, funktioniert dieses System natürlich auch mit herkömmlichen Belichtungsmessern, die kein solch enges Messfeld besitzen. Man muss nur aufpassen, dass man dann selbst keinen Schatten wirft. So könnte man sich seitlich vom Motiv positionieren, die Kamera nah an die anzumessende Stelle halten, die Messwertspeichertaste der Kamera drücken (falls denn vorhanden) und das Messergebnis erst im Anschluss ablesen.

Sie hätten gedacht, die Sache wäre viel komplizierter? Das ist sie nicht. Kompliziert wird es dann erst, wenn man mit dem Zonensystem Kontrastumfänge bzw. Faktoren für je angepasste Filmentwicklungszeiten messen- bzw. errechnen möchte. So etwas ergibt aber nur Sinn, wenn man mit Planfilmen (Großformat) fotografiert oder eine Mittelformatkamera mit mehreren Wechselfilmkassetten besitzt. Der Kern des Systems – das Ausgehen von einer Zone-V-Messung bzw. das Legen dieses Bildbereiches in eine andere Zone – ist schnell erklärt und auch für Fotografen mit Kleinbildkameras (oder Digitalkameras) und normalen Belichtungsmessern realisierbar. Zur Not kann man hierzu sogar den eingebauten Belichtungsmesser nutzen, wenn dieser eine Spotfunktion besitzt.

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Artikeldatum: 7.09.2018 / letzte Änderung: 18. September 2018

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