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20 Tipps für die Analoge Fotografie für Anfänger und Fortgeschrittene


In diesem Blogbeitrag sollen einige, sicher hilfreiche Tipps bezüglich der analogen Fotografie gelistet werden. Was bei langjährigen Freunden des „filmbasierten“ Fotografierens längst selbstverständlich ist, muss für einen Anfänger nicht unbedingt so sein. Vielleicht gibt es hier auch für Sie noch die eine oder andere Anregung, auch wenn Sie bereits seit einiger Zeit analog fotografieren.

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analoge Kamera

eine analoge Kamera auf einem Stativ

Ein Grund dafür, warum das Thema Fotografie heute so populär ist (weit mehr als früher), ist sicherlich darin zu finden, dass moderne digitale Kameras regelrechte „Fotoautomaten“ sind: Bereits mit dem Autopiloten ist es durchaus möglich, technisch hochwertige Fotos anfertigen zu können – aus dem Stegreif heraus. Insbesondere solch nützliche Technologien wie „Matrixbelichtungsmessung“, ein präziser und schneller Autofokus sowie die Möglichkeit sehr hoher ISO-Werte (hohe Lichtempfindlichkeit) nutzen zu können und ein elektronischer „Bildstabilisator“, sorgen dafür, dass man bei diesen Kameras zunächst kaum Kenntnisse und Erfahrungen besitzen muss, um ein gewisses Erfolgserlebnis (eine rein technisch durchaus gut gemachte Fotografie) zu erlangen. Anders ist es jedoch bei der analogen Fotografie!

Mit Ausnahme der analogen Kameras aus den 1990er Jahren, die ebenfalls bereits intelligente Automatiken besitzen (gemeint sind sowohl die Plastik-Spiegelreflexkameras wie auch die vielen „Kompaktkameras“), basieren die meisten dieser Geräte auf Mechanik. Man muss hier also ein mehr oder weniger komplexes Maschinchen bedienen können, um reproduzierbar zu guten, analogen Fotos zu gelangen. Man benötigt gewisse Erfahrungen und Wissen über die Fotografie (Viele sehr ausführlich gehaltene und sortierte Tipps bzw. eher Anleitungen finden Sie im Inhaltsverzeichnis dieser Seite bzw. im Menü). Besitzt man diese und kann in diesem Sinne auch analog fotografieren, dann sind solche Fertigkeiten im Übrigen zudem noch eine solide Grundlage für bessere Bilder mit der Digitalkamera.

*Dies ist ein weiteres aktuelles Buch, welches sich auch mit der analogen Fotografie beschäftigt. Das Thema ist die S/W-Fotografie und hier wird erfreulicherweise neben der digitalen- gleichfalls die filmbasierte Fotografie besprochen. Das Buch ist eine Wissensquelle für jeden, der ausdrucksstark S/W fotografieren möchte. Wagen Sie einen Blick in den Band (auf Amazon).

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Doch in in diesem Beitrag soll es nicht um die ausführlich erklärten „Basics“ gehen. Hier sollen eher einige schnelle Tipps ganz speziell für das analoge Fotografieren folgen:

  1. Anfänger nehmen am besten einen Kleinbildfilm

    Es gibt grob drei verschiedene Filmformate (Kleinbild, Mittelformat und Großbild). Die meisten der bekanntesten Fotografien sind aber wohl alle auf Kleinbild entstanden! Wer ganz neu in der analogen Fotografie ist, muss also nicht denken, er könne bessere Bilder machen, wenn er gleich zur Mittelformatkamera greift. Es stimmt schon: Mittelformat macht durch den Lichtschacht Spaß und die Abbildungsqualität ist überdurchschnittlich hoch. Doch viel einfacher Zugang (was Funktionalität, Preis und Erfolgserlebnis anbelangt) erhält man mit einer klassischen, simplen 35mm-Spiegelreflexkamera, in welche man einfach die kleinen Filmpatronen einlegt.
    einlegen der Filmpatrone

    Das Kleinbildsystem ist auch durch Anfänger leicht zu bedienen.

    Die meisten Fotografen, die im Mittelformat oder Großformat fotografieren, werden weiterhin mindestens ein Kleinbildsystem sicher verwahren. Ich nutze meine Kleinbildspiegelreflexkamera gerne draußen für z. B. Porträts, die nicht so sehr gestellt wirken sollen und erfreue mich dann an der Schnelligkeit, die solche Kameratypen ermöglichen. Für hoch aufgelöste Landschaftsaufnahmen wähle ich besser die Mittelformatkamera und das Stativ.
    Foto mit einer Kleinbildkamera
    Für den „klassischen Reportage-Look“ greife ich gerne zum Kleinbild.
    Konzertfotografie mit analoger Kamera
    Das Selbe gilt für spontane Fotografie wie bei der Konzertfotografie, wo es eben schnell gehen soll und man keine Zeit zum genauen Einstellen der Parameter hat. Weitwinkel drauf, Zonenfokus eingestellt und los geht’s! Hier spielt das klassische Kleinbildformat und eine kompakte Kamera ihre Vorteile aus und hier sind ein gröberes Filmkorn bzw. eine eher geringere Auflösung bei größeren Drucken kein Makel.

    Typische Bilder im Kleinbild überzeugen durch Inhalte und Spontaneität, nicht jedoch durch hoch aufgelöste Texturen.
  2. Ein lichtdichter Film- und Objektivhalter

    Nein, damit das soll kein besonderes Zubehör sein: Gemeint ist die mechanische, analoge Kamera. Denn im Gegensatz zu durch und durch elektronische Digitalkameras besitzt eine jede klassische mechanische Kamera nur folgende Aufgaben: Sie soll sowohl den Film als auch das Objektiv parallel zueinander halten. Ihr Inneres muss absolut lichtdicht sein und für einen (möglichst genau steuerbaren) Moment soll Licht ins Innere fallen können.
    Als Tipp für die analoge Fotografie bedeutet dies im Umkehrschluss: Beim (Gebraucht-) Kauf einer analogen Kamera ist es weit weniger wichtig, auf Marken und Fabrikate zu achten. Alle (gleiche) Typen machen das gleiche Bild in gleicher Qualität. Nur die Qualität des Objektives und die des Wechselsensors (des Films; siehe → Filmtypen) sind entscheidend für die Abbildungsqualität, ach ja: und natürlich das Licht. Aber dieses ist eh umsonst.

    eine analoge Nikon-Kamera eie Praktica Kamera

    Eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera der gehobeneren Klasse (Nikon FE2) und eine sehr günstige Praktica. Von beiden ist die gleiche Bildqualität zu erwarten, wenn sie mit dem gleichen Film und gleichen Objektiv ausgestattet wären. Die Nikon ist jedoch teurer, da sie u. a. z. B. ein besser Belichtungsmesser-System besitzt und bei schnelleren Zeiten auslösen kann.

  3. Wird der Film korrekt transportiert?

    Dieser Tipp beschränkt sich auf analoge Kameras mit Rückspulkurbel:
    Kurbel bei alter Kamera

    die kleine Rückspul-Kurbel an einer Kleinbild-SLR-Kamera

    Das Filmeinlegen möchte geübt sein (→ Filmeinlegen in 35 mm Kamera). Doch nicht wenige bereits Fortgeschrittene Nutzer in der analogen Fotografie konnten sich schon darüber wundern, warum sie denn weit mehr als die eigentlich 36 Bilder pro Kleinbildfilm fotografieren können, die Kamera transportierte den Film offenbar immer weiter. Das böse Erwachen kam später: Der Film wurde gar nicht transportiert. Die Häkchen und Zahnräder im Innern der Kamera griffen nicht korrekt in die Filmperforation. Sie belichteten ein und die selbe Stelle des Filmes über 36 Mal. Der Rest des Filmes war komplett unbelichtet.
    Es gibt einen einfachen Trick, um zu prüfen, ob der Film korrekt transportiert wird. Dieser funktioniert jedoch nur bei analogen Kameras mit der kleinen Rückspulkurbel (die meisten klassischen einäugigen Kleinbild-Spiegelreflexkameras haben diese): Nachdem der Film eingelegt- und die Rückwand geschlossen wurde, dreht man die Kurbel sanft im Uhrzeigersinn. Nun muss bald ein Widerstand zu spüren sein. Spannt man die Kamera, dann muss sich diese Kurbel stets sichtbar mitdrehen. Ist dies der Fall, dann braucht man keine Sorge tragen, dass der Filmtransport nicht korrekt abläuft.

  4. Die Kamera richtig säubern

    *Staub ist immer wieder ein Problem bei der analogen Fotografie. Mit solch einem umfassenden Reinigungsset inkl. Pinsel und Blasebalg für Filme, Kameras, Objektive und Vergrößerer entfernen Sie schonend Staub und Verunreinigungen. Zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon.

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    Bevor ich zu einem Shooting aufbreche, inspiziere ich die Kamera gründlich bzw. überprüfe sie und die Objektive grob auf Funktion (einen ausführlicheren Tipp hierzu gibt es weiter unten). Mein analoger Fotoapparat ist ja mein Werkzeug, auf das ich mich verlassen muss. Daher reinige ich die Kamera und das Glas der Objektive vor jedem Einsatz und vor jedem Filmeinlegen.
    Es gibt im Fachhandel solche praktischen „Stifte“: Auf der einen Seite haben sie einen (versenkbaren) Pinsel und auf der anderen Seite unter einer Kappe ein „Pad“. Vor jedem Filmeinlegen pinsele ich das Innere der Kamera aus. Auch die Filmführungswalzen und Zahnräder pinsele ich ab. Denn ich möchte nicht, dass sich Staub oder gar Sand im Innern befindet. Staub könnte sich auf den Film legen (einbelichtete Fussel) und Sandkörner könnten Kratzer beim Filmtransport verursachen. Auch die Objektive pinsele ich ab. Erst danach reinige ich das Glas, falls nötig, mit der anderen Seite des Stiftes oder mit einem einfachen Brillenputztuch.

  5. Filme sind sich oft sehr ähnlich im „Look“

    Neulich las ich in einer Gruppe im Internet folgendes:

    Das sieht irgendwie überhaupt nicht nach dem hochkonstrastigen, stark gesättigtem Ektar 100 aus.

    Hier hatte jemand ein Bild eingestellt, welches offenbar auf dem Farbfilm Typ „Kodak Ektar 100“ fotografiert wurde. Viele Freunde der analogen Fotografie sind dem Irrtum aufgesessen, dass sie durch die Wahl eines Filmtyps entscheidend den Look des Bildes beeinflussen können. In Internetforen, in den Produktbeschreibungen der Händler für analoge Fotografie und teils sogar in der Presse wird so etwas gerne kolportiert. Klar: Es macht ja auch Spaß, abzuwägen, welches Produkt man für welche Bildvorstellungen nutzt.
    Tatsächlich sind sich die meisten Filme der selben Art (z. B. Farbnegativfilm, 100 ISO) sehr ähnlich und unterscheiden sich in der Darstellung von Farben, Kontrast, Sättigung eher marginal. Entscheidend für den „Look“ ist a) die nachträgliche Bildbearbeitung und b) die Qualität bzw. Art des bei der Aufnahme vorhandenen Lichtes! Diese beiden Punkte werden nämlich bei den vielen „Beispielbildern“, die man im Internet zu sehen bekommt, sehr gerne übersehen.
    So kann man mit der nachträglichen Bildbearbeitung durchaus steuern, wie das Bild eines Farbnegativfilmes später auf Papier oder dem Bildschirm aussehen wird. Und: Diese Bildbearbeitung findet immer statt, wenn Farbfilme gescannt werden – meist jedoch ganz automatisch und willkürlich (insbesondere bei den Dienstleistern, die die Fotos rein maschinell ausfiltern bzw. drucken).
    Filmlook

    *Diese Kamera können Sie selber bauen! Hier erhalten Sie einen Bausatz, welcher alles enthält, um eine analoge Kleinbildkamera mit Lichtschacht selbst bauen zu können. Das Besondere: Das Objektiv ist von so schlechter Qualität, dass Sie Bilder erhalten, die genau so aussehen wie von einer Lomo-Kamera. Auf Amazon können Sie mehr zu diesem Bausatz lesen.

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    Mit welchem Film wurde diese Aufnahme gemacht? Man kann es natürlich nicht am Look des Filmes ablesen, denn jener kann bzw. muss nachträglich erst eingestellt werden, während ein haptisches Farbnegativ in ein digitales Positiv umgewandelt wird. So, wie man die Farben anpasst, müssen auch Kontrast und Sättigung eingestellt werden.
    Dies betrifft insbesondere Farbnegativfilme. Bei Farbdia-Filmen verhält es sich tatsächlich anders, denn diese durchlaufen weniger Bildbearbeitungsschritte bzw. gar keine, wenn man sie projiziert. Auch S/W-Filme der selben Art (z. B. klassische Emulsion, 400 ASA) sind sich viel ähnlicher als es oft gedacht wird. Man sollte den vielen Bildbeispielen nicht zu viel abgewinnen, denn insbesondere das Licht während der Aufnahme spielt eine entschiedene Rolle für den Look (siehe auch mein Artikel → Der Pastell-Look). Mein Tipp also an Anfänger der analogen Fotografie: Nicht so viel Zeit und Geld in vage Experimente vergeuden. Filme der selben Art (siehe → Übersicht Filmtypen) sind sich oft sehr ähnlich. Möchte man mehrere Filme tatsächlich miteinander vergleichen, so geht dies nur sinnvoll, wenn das selbe Motiv bei dem selben Licht fotografiert wird. Dies werden die wenigsten Filmvorstellungen beherzigen und daher basieren die Schlussfolgerungen oft auf einer gewissen Verzerrung.

  6. Umgelabelter Film: Was steckt drin?

    Es gibt auch heute noch sehr viele Filme auf dem Markt. Die großen drei Hersteller weltweit sind jedoch Kodak, Harman (Ilford) sowie natürlich Fujifilm. Diese Firmen führen heute ein eher reduziertes Sortiment an Filmen, auf das sich konzentriert wird. Daneben gibt es noch eher kleinere Manufakturen wie Adox in Deutschland oder Ferrania in Italien. Warum aber tauchen ständig neue Filme mit teils ulkigen Bezeichnungen auf und mit Labeln (also Herstellerangaben), die man entweder vorher nie gehört hatte oder vielleicht sogar mit einem ganz anderen Produktionszweig verbindet?

    Nicht selten sind Filme im Handel, welche im Grunde ganz normales Material eines konventionellen Herstellers enthalten. Mittels pfiffiger Werbung werden diese dann teurer verkauft. Oder aber durch Großeinkäufe können diese günstiger verkauft werden („Drogeriefilme“).

    Es ist also offenbar möglich, von den konventionellen Herstellern eine große Menge von Filmrollen aufzukaufen und diese dann unter eigenem Label zu vertreiben. Je besser das Marketing, desto höher kann man den Preis ansetzen – und dieser wird zumeist höher sein als das „normale“ aber gleiche Produkt. Typische umgelabelte Filme sind z. B. Rollei- oder Lomography-Filme. Bei den Filmen von Rossmann („Fotowelt“) und DM („Paradies“) kann / konnte man hingegen tüchtig sparen. Hier werden / wurden zumeist Fuji-Filme unter einer eher langweiligen Verpackung zum unschlagbaren Preis verkauft.

    Wenn Sie einmal wissen möchten, welches Original-Filmmaterial tatsächlich in so einer „hippen“ Verpackung steckt, dann sei diese Internetseite sehr empfohlen. Hier geben Sie die Nummer ein, die sich bei jedem Kleinbildfilm über dem aufgedrucktem Barcode befindet.
    Gebe ich hier also die Nummer ein, die sich auf meiner Filmpatrone „DM Paradies 200“ befindet (806253), dann wird mir durch das Tool ausgespuckt, dass es sich eigentlich um den Film „Fujicolor 200“ handelt und: dass dieser Film u. a. auch als „AgfaPhoto Vista Plus 200“, „Kruidvat Color Film 200“, „Schlecker AS Color 200“ und „HEMA Super SR 200“ verkauft wird / wurde.

  7. Ältere Lehrbücher aus den 1990er Jahren nutzen

    Bis ungefähr zur Jahrtausendwende war die Fotografie auf Film noch das von Profis und Amateuren bevorzugte Medium. Die damaligen Digitalkameras waren einfach noch zu schlecht. Es empfiehlt sich daher, z. B. in der Stadtbibliothek nach Büchern zur Fotografie aus den 90ern zu suchen!
    mehrere Bücher
    Denn im Gegensatz zu den ganz alten Schinken stammen diese Bücher aus der Hochzeit der analogen Fotografie und enthalten Tipps und Hinweise, die sich an einer immer noch aktuellen Praxis orientieren. Ja, selbst viele Filme, die dort besprochen werden, sind noch auf dem Markt. Für alle, die ganz aktuelle Bücher zur analogen Fotografie suchen, gibt es hier eine Übersicht.

  8. Doppel- und Mehrfachbelichtungen machen

    Einige analoge Kameras besitzen die Möglichkeit, auf das selbe Bild (den selben „Film-Frame“) mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen. Dies klingt zunächst nach Spielerei, lässt sich jedoch auch mit einem gewissen künstlerischen Anspruch anwenden.
    Mehrfachbelichtung aus 20 Aufnahmn
    Bei dieser Aufnahme wurde das selbe Negativ ganze 20 Mal nacheinander belichtet. Als Ergebnis erhält man ein Foto, welches wie eine Kohlezeichnung ausschaut. Verwendet wurde eine Kleinbildkamera, die einen Schalter für Mehrfachbelichtungen besitzt. Insbesondere jedoch simple Rollfilmkameras ohne den sogenannten „gekoppelten Filmtransport“ eignen sich hervorragend für die Mehrfachbelichtung. Zu diesen Kameratypen zählen auch die Lomography Diana und die Holga. Innerhalb der analogen Fotografie wird Licht bei Doppelbelichtungen bzw. Mehrfachbelichtungen übrigens summiert auf den Film „geschrieben“. Das Ergebnis unterscheidet sich daher von einer simplen Collage via Photoshop aus mehreren (digitalen) Einzelbildern.
    Mehr zu dieser analogen Technik erfahren → Mehrfachbelichtung.

  9. Schöne Grauwerte erzielen

    Wenn Sie schöne Grauwerte mit einem S/W-Film erhalten möchten, dann müssen Sie sich weniger Gedanken über den „richtigen“ S/W-Film und den „richtigen“ Filmentwickler machen. Achten Sie stattdessen auf den Wetterbericht! Auch hier gilt: Die Art des Lichtes während der Aufnahme ist entscheidend für den Look.
    gute Grauwerte
    Für diese S/W-Fotografie musste ich vor Ort warten: Bis Wolken vor die Sonne gezogen sind. Erst durch dieses diffuse Tageslicht erhielt ich den gewünscht hohen Tonwertreichtum („schöne Grauwerte“). Ich fotografiere sehr gerne bei dieser Art von Licht und verfolge vor jeder Fototour aufmerksam den Wetterbericht bzw. nutze für mein Smartphone eine „Wolkenradar-App“. Hierzu passt auch ein schönes Zitat:

    Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich um das Geld und der Meister sorgt sich um das Licht.

    Vernon Trent

    Übrigens: Wenn Sie bei einem Farbfilm knallige bzw. gesättigte Farben möchten, benötigen Sie keinen speziellen Film sondern ein ganz anderes Licht: hartes und schräg einfallendes Licht der eher tief stehenden Sonne. Profis  kampieren nicht selten bei ihren Motiven, um sie in einer ganz bestimmten Lichtstimmung aufnehmen zu können.

    (Dieser Tipp gilt natürlich gleichfalls für die Digitalfotografie.)

  10. Für Selbstentwickler: Den Film nach Gehör zurück spulen

    Dieser Tipp passt zu den Trick mit der Kurbel. Er richtet sich jedoch nur an Freunde der analogen Fotografie, die Ihre S/W-Filme selbst zuhause entwickeln. Durch diesen Trick erspart man sich das Gefummel mit einem Filmrückzieher. Man muss die Kleinbildpatrone auch nicht mehr im Dunkeln „knacken“.

    *Cartier-Bresson war einer der ersten, der mit einer Kleinbildkamera künstlerisch fotografierte, wo andere vehement auf das Großformat setzten. Dieser kleine und günstige Bildband zeigt einen Teil von Henri Cartier-Bressons Arbeiten, von denen viele weltberühmt wurden. Auf Amazon zum günstigen Preis.

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    ein Kleinbildfilm

    Ein klassischer S/W-Film, den man recht einfach zuhause im Bad selbst entwickeln kann. Zuvor muss der Filmanfang aber wieder aus der Patrone heraus bekommen werden.

    Nachdem ich meinen S/W-Film belichtet habe, muss dieser im Innern der Kamera wieder zurück in die Patrone befördert werden. Hierzu drückt man meist ein Knöpflein am Boden der analogen Kamera. Dieses bewirkt, dass die rechte Spule im Innern der Kamera frei gegeben wird: Man kann den Film nun mittels der Kurbel auf der anderen Seite ohne Widerstand komplett zurück in die Patrone spulen. Hierbei halte ich mein Ohr an die Rückwand des Fotoapparates und lausche dem Transportgeräusch. Irgendwann gibt es ein Klipp-Geräusch. Dieses Geräusch gibt an, dass der Filmanfang soeben von der Spule befördert wurde. An dieser Stelle kann man dann die Kamera öffnen und erhält die Patrone ohne eingezogenen Filmanfang.
    Dadurch, dass hier der Filmanfang noch heraus steht, muss man später für das Selbstentwickeln keine Handstände vollbringen (Patrone öffnen, Filmrückzieher), um an den eigentlichen Film zu gelangen.
    Da dieser jedoch ein belichteter Film ist bzw. sich äußerlich nicht von einem unbelichteten unterscheidet, knicke ich den Filmanfang gleich nach der Entnahme aus der Kamera, damit ich ihn nicht aus Versehen mit einem unbelichteten verwechsele (bzw. neu einlege). Das Neueinlegen kann man natürlich tun, wenn man unkontrollierbare Doppelbelichtungen provozieren möchte.

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  11. Für Selbstentwickler II: Korn provozieren oder vermeiden

    Einer der auffälligsten Unterschiede zu einem simplen Digitalfoto ist bei der analogen Fotografie das Filmkorn – zumindest, was die S/W-Fotografie anbelangt: Die Bilder sind zunächst chemisch zusammengesetzt, sie sind keine reinen Pixel-Arrangements und weisen daher – je nach Filmtyp und Entwicklertyp – mehr oder weniger sichtbares Filmkorn auf.
    Filmkorn durch Rodinal
    Das Maß dieser „Grobheit“ kann man steuern – und zwar mit der Wahl des Filmes und mit der Wahl des Negativentwicklers beim Selbstentwickeln. Wenn man eine schroffe Abbildungsqualität haben möchte, dann wählt man einen S/W-Film mit hoher ISO-Zahl, z. B. einen Ilford HP 5 (400 ASA). Diesen entwickelt man dann zuhause selbst mit einem S/W-Entwickler, welcher Schärfe und Korn betont, z. B. einfach mit dem bekannten Rodinal. Möchte man das Gegenteil, also eine hohe Auflösung und weiche Konturen bzw.“feine Grauwerte“, dann greift man zu einem hochauflösenden, jedoch weniger lichtstarken Film wie z. B. dem „Ilford Delta 100“ und wählt einen Feinkornentwickler wie den „Ilford Perceptol“.
    Das Maß, wie das Filmkorn akzentuiert wird, kann man auch mittels der Belichtung und der Entwicklung steuern: Gönnt man dem Film viel Licht und entwickelt kurz, erhält man fein aufgelöste Negative. Belichtet man jedoch knapp und entwickelt lange, erhöht man die Körnigkeit des späteren Positivs (siehe auch → Film pushen).

  12. Doppelbelichtungen vermeiden

    Etwas weiter oben ging es darum, Mehrfachbelichtungen zu erzeugen. Nun soll es darum gehen, wie man sie verhindert: Manche sehr alte Rollfilmkameras – aber auch einige Lomokameras wie die Holga oder Diana – besitzen keine Doppelbelichtungssperre.
    Filmfenster auf der Rückseite der Kamera

    Eine solche recht betagte Rollfilmkamera besitzt keine Doppelbelichtungssperre: Man kann theoretisch unendlich viele Mehrfachbelichtungen auf dem selben Bild vornehmen. Den Filmtransport kontrolliert man durch ein Fenster auf der Rückseite (bei diesem Modell gibt es zwei für zwei unterschiedliche Aufnahmeformate).

    Diese analogen Fotoapparate sind – was den Bild- bzw. Filmtransport anbelangt – recht simpel aufgebaut: An der Rückseite befindet sich ein rotes Fenster innerhalb welchem das Rückpapier des 120er Rollfilms die jeweilige Bildnummer anzeigt. Für jedes Bild muss manuell transportiert werden. Nicht selten stellt man sich dann die Frage »Habe ich nun bereits zu dieser Bildnummer transportiert oder wurde das Bild dieser Nummer bereits belichtet?« Hier muss man für sich selbst ein System festlegen.

    *BIG SHOTS! Die Geheimnisse der Weltbesten Fotografen, so kommt dieses Buch daher. Ausdrücklich soll hier nicht primär von Technik geredet werden und Zitat: "Dies ist kein Lehrbuch". Stattdessen werden Bilder von 50 renommierten Fotografen vorgestellt und erklärt, was diese Fotos zu etwas Besonderen macht. Auf Amazon können Sie einen Blick in Big Shots werfen.

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    Ich transportiere den Rollfilm stets unmittelbar vor jeder neuen Aufnahme zu einer neuen Nummer im Sichtfenster.

    Denn im Zweifel habe ich bei diesem System nur eine Leeraufnahme. Würde ich jedoch genau anders herum handeln (gleich nach jeder Aufnahme transportieren), dann würde ich eine Doppelbelichtung riskieren, wenn ich den Transport (die Aufnahme davor kann ja schon länger her sein) einmal vergessen habe.

  13. die Kamera zunächst ohne Film testen

    Bevor man einen nicht ganz billigen Film verschießt, kann man die mechanische Kamera zunächst sozusagen auf dem Trockendeck testen: Funktioniert der Aufzug? Löst die Kamera bei allen eingestellten Zeiten aus? Bewegt sich die Nadel des Belichtungsmessers bei Lichtwechsel? In diesem Video werden wichtige Tipps gegeben, die man berücksichtigen sollte, wenn man sich eine ältere, gebrauchte analoge Kamera gebraucht gekauft hat, bevor man den ersten Testfilm einlegt:

  14. Brennweiten-Angaben richtig einschätzen

    Mittlerweile sind sogenannte „Vollformat-Digitalkameras“ immer mehr erschwinglich und mit ihnen halten für viele Besitzer auch die „alten“ Brennweiten-Maßstäbe wieder Einzug in den fotografischen Alltag. Diese alten Maßstäbe sind jedoch genau die gleichen der analogen Kleinbild-Kameras!
    So beträgt hier die Normalbrennweite 50 mm. Ein stärkeres Weitwinkel hat eine Brennweite von 28 mm und ein leichtes Teleobjektiv (Portrait-Tele) hat eine Brennweite von ca. 100 mm. Diese Werte unterscheiden sich also durchaus von denen bisher sicher üblichen Digitalkameras. Bei dem Kauf von Objektiven für die analoge Kleinbildkamera sollte man die drei genannten Brennweiten-Werte im Hinterkopf behalten.
    Oberkörper-Porträts gelingen im Kleinbild (bzw. Vollformat) z. B. am besten (keine Verzerrungen durch genügend Abstand) bei einer Brennweite ab ca. 85 mm. Ganzkörperportraits kann man jedoch schon gut mit der Normalbrennweite (ca. 50 mm) machen, da man hier für eine formatfüllende Aufnahme genügend weit von der Person weggehen kann bzw. muss. Innenräume fotografiert man am besten mit einem 28mm-Objektiv. Auch für weite Landschaften wäre dieses sehr gut geeignet. Ein 21mm-Objektiv stellt an einer analogen Kleinbildkamera bereits ein sehr starkes Weitwinkel dar, dessen Wirkung man auf den damit gemachten Bildern meist sehen kann. Sehr beliebt sind „analoge Objektive“ mit einer Brennweite von 35 mm: Sie bilden einen guten Kompromiss aus leichtem Weitwinkel und Normalbrennweite.
    Brennweite bei analogen Objektiven

    Das (fest verbaute) Objektiv dieser analogen Kleinbildkamera besitzt eine Brennweite von 45 mm. Dieser Wert würde für „normale“ Digitalkameras mit APS-C-Sensor bereits ein leichtes Tele bedeuten, nicht so bei analogen Kameras mit einem Vollformat-Wechselsensor (Kleinbildfilm). Hier stellt er die Normalbrennweite dar.

    Übrigens: Zumindest alte „analoge“ Nikon-Objektive lassen sich an einigen digitalen Nikon-Kameras benutzen. Ich nutze Nikon digital wie analog und zwar mitunter mit den selben Objektiven (ohne Adapter).
    Und wenn Sie bereits im Mittelformat arbeiten, dann gelten schon wieder andere Brennweiten-Maßstäbe (nämlich je noch höhere Werte).

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  15. Dem Film viel Licht gönnen

    Film mag Licht! Viele Fotografen begehen aber den Fehler und haben Angst vor Überbelichtung. Aber eine tatsächliche Überbelichtung setzt zumindest bei normalem S/W- und Farbfilm ziemlich spät ein (nicht jedoch bei Diafilm): Man müsste hier schon sehr stark entgegen der Belichtungsmessung mehr belichten. Für schöne Grauwerte oder einen luftigen Look (der sogenannte Pastell-Look) bei Farbnegativ- und erst recht S/W-Negativfilmen sollte man dem Aufnahmematerial durchaus mehr Licht gönnen, als es der interne Belichtungsmesser vorschlägt! Die meisten in den älteren Kameras eingebauten Belichtungsmesser sind nämlich nicht selten zu lax, was die Belichtungsmessung anbelangt: Sie neigen leider allzu oft zur Unterbelichtung.

    *Die Hohe Schule der Fotografie ist ein Taschenbuch von Andreas Feininger, welches natürlich keinerlei Digitale Kameras bespricht. Demzufolge werden hier klar die Basics der Analogen Fotografie erläutert und bis ins Detail aufgeführt. Dieses Standardwerk ist zwar recht sachlich gehalten. Durch die vielen Abbildungen jedoch besitzt es keinen trockenen Schulunterricht-Charakter. Auf Amazon können Sie virtuell in diesem Buch blättern.

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    richtig belichten

    Belichtungsspielraum von Film

    Ein Schwamm und ein Film, was soll das denn? Beide besitzen ein gewisses, nicht zu unterschätzendes Volumen: Der Schwamm für Wasser, der Film für Licht.

    Bei der obigen Abbildung wurde nicht das Ergebnis des internen Belichtungsmesser zur Belichtung genommen (konservativ betrachtet neigt sie hier zur Unterbelichtung). Stattdessen wurde die Kamera zunächst auf den Boden gerichtet und die Messwertspeichertaste gedrückt. Es wurde zur Messung also der Boden als Grundlage genommen. Denn hier stört der helle Himmel die Messung nicht! Schließlich wurde mit dem Messwert für den Boden das tatsächliche Foto gemacht. Das Ergebnis: Feine Tonwerte und hohe Schattenzeichnung.
    Hat die analoge Kamera keine Messwertspeicher-Taste, dann kann man auch einfach den ISO- bzw. ASA-Regler herunter drehen oder einen evtl. vorhandenen Korrekturregler in den positiven Bereich drehen.
    Wenn Sie mehr zum Thema wissen möchten oder Ihre Kamera keine Messwertspeicher-Funktion besitzt, vertiefen Sie Ihr Wissen in meinem Artikel → Besser Belichten mit der analogen Kamera.

  16. Nicht mehr erhältliche Batterien

    Noch ein Tipp: Knopfbatterie ist Knopfbatterie der selben Größe? Leider nicht. Früher gab es Batterien, die auf Quecksilber basierten. Diese dürfen seit geraumer Zeit nicht mehr verkauft werden. Dummerweise benötigen einige analoge Kameras (insbesondere manche kompakte Messsucherkameras) und viele alte Handbelichtungsmesser eben genau diese Quecksilberbatterien. Viele Fotografen nutzen dann hier einfach Hörgerätebatterien. Diese haben fast die gleiche Spannung und: Diese Spannung bleibt konstant. Dies ist auch der Grund, warum man bei diesen Geräten nicht ganz normale Knopbatterien („Alkaline“) nutzen sollte.

  17. Lichtstarke Objektive

    Es gibt einige besonders lichtstarke analoge Objektive. Die meisten guten Normalbrennweiten werden bei einer Blende von 2.8 anfangen. Wer es noch lichtstärker haben möchte, für den gibt es auch Objektive mit einer Anfangsöffnung von 1:1.4 oder gar 1:1.2! Mit ihnen kann man bei offener Blende auch noch in relativ dunklem Umgebungslicht aus der Hand, d. h. ohne Stativ, fotografieren.
    Nikkor 1.2

    Das Nikon Nikkor 1.2 ist ein sehr lichtstarkes Objektiv bei einer Normalbrennweite von 50mm. Solche lichtstarken Objektive erkennt man schnell an deren verhältnismäßig großen Durchmesser.

    Doch Obacht! Wenn Sie glauben, Sie können mit einem 1,4er oder 1,2er Objektiv bei Offenblende knackscharf abbilden, irren Sie! Erst abgeblendet „kommen“ diese auf eine hohe Schärfe, Verzeichnungsfreiheit und Auflösung. Daher ergeben diese lichtstarken Objektive bei Offenblende nur Sinn, wenn man tatsächlich die Lichtstärke benötigt oder: Wenn man einen eher weichen Bildstil anstrebt:

    *Das große Nikon Handbuch beinhaltet 1400 Abbildungen auf über 520 Seiten! Hier wird fast jedes Zubehörteil und jede Kamera von Nikon behandelt (aktuelle Digitalkameras jedoch nicht). Ein 2kg schweres Nachschlagewerk für alle Nikon-Fans. Diese ausführliche Enzyklopädie erhalten Sie auf Amazon.

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    das Nikkor 1.2 Objektiv
    Das Foto erinnert vom Look sehr an alte Glasplatten-Fotos von riesigen Holzkameras (Großformat). Aber es ist ganz normales Kleinbild, mit dem Nikon Nikkor 50 mm 1.2 aus der Hand fotografiert! So eine geringe Schärfentiefe bekommt man hier nur mit einem sehr lichtstarken Objektiv, wenn man es bei Offenblende einsetzt. Auf eine hohe „Punktschärfe“ muss man dabei aber verzichten können, gleichfalls auf eine höhere Auflösung. Ein Wermutstropfen: Diese besonders lichtstarken Objektive mit einer Anfangsöffnung von 1:1.2 sind ziemlich teuer. Günstiger sind die „1,4er“. Bei einer Brennweite von 50 mm kann man sie jedoch schlecht für Halbkörper- oder gar Kopfporträts nutzen: Man müsste recht nah heran gehen, um formatfüllend zu arbeiten und dies würde eine ungünstige Verzerrung bewirken.

  18. Langzeitbelichtungen oder: Wer ist Herr Schwarzschild?

    Bei diesem Tipp für die analoge Fotografie geht es um Langzeitbelichtungen. Bei jenen tritt nämlich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen der digitalen- und analogen Fotografie auf Film auf: Das Verhalten der Belichtung bei Belichtungszeiten länger als ca. eine Sekunde.
    Ein gewisser Herr Schwarzschild hatte nämlich irgendwann entdeckt, dass sich die Schwärzung (Belichtung) auf einem Film ab langen Zeiten (ab ca. einer Sekunde) zögerlich verhält. Das bedeutet: Sie müssen bei Langzeitbelichtungen manchmal noch länger belichten, als eigentlich gemessen / ausgerechnet. Für alle Belichtungszeiten schneller als 1 Sekunde trifft dies nicht zu*.

    Schwarzschild Faustregeln
    1s → 2s

    2s → 5s

    4s → 11s

    8s → 35s

    15s → 75s

    30s → 3 Min.

    1 Min. → 6 Min.

    Müssten Sie also mit einem fotografischen Film 4 Sekunden belichten, dann sollten Sie dies besser gleich ganze 11 Sekunden tun! Hier greift der Schwarzschild-Effekt!
    In der digitalen Fotografie spielt dieser Effekt überhaupt keine Rolle, wohl aber beim Belichten von S/W- oder Farbfilm. Und jetzt wird es noch etwas komplizierter: Die Werte oben sind lediglich Richtwerte. Inwiefern Ihr benutzter Film vom Schwarzschild-Effekt betroffen ist, müssen Sie aus dem Datenblatt entnehmen. Der Effekt wird übrigens auch „Reziprozitätsgesetz“ genannt.

    * Der Effekt gilt auch für das mehrmalige Blitzen hintereinander bei schnelleren Zeiten. Dies ist jedoch für die meisten Fotografen nicht relevant und muss in diesen Tipps für Anfänger der analogen Fotografie nicht besprochen werden.

    *Am günstigsten erhält man die Cokin-Filter im Komplettset zum unglaublichen Preis. Als Starterkit stehen viele Grau- und Grauverlauffilter bereit. Auch ein Polfilter ist zu empfehlen sowie die Farbfilter. Gesehen auf Amazon.

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    der Schwarzschildeffekt

    Bei dieser Langzeitbelichtung nachts konnte nicht einfach der Messwert des Handbelichtungsmessers übernommen werden! Da jener weit über einer Sekunde lag (nämlich ca. 15s), musste die Belichtung aufgrund des Schwarzschild-Effektes deutlich verlängert werden (auf ca. 75 Sekunden). Versäumt man dies, erhält man unterbelichtete Bilder. Bei dieser Nachtaufnahme erhielt ich jedoch durch Berücksichtigung des Schwarzschildeffektes eine Schattenzeichnung bis hinein ins dunkle Pflaster im Vordergrund.

  19. Den Zonenfokus nutzen

    Für rein manuell zu fokussierende Objektive (und die meisten mechanischen analogen Kameras werden solche nutzen) gibt es eine ganz wunderbare Möglichkeit nach „Zonen“ zu fokussieren bzw. die Möglichkeit, sich vorher eine bestimmte „Scharf-Zone“ einzustellen und mit dieser Einstellung einen bestimmten Schärfebereich (den man kennt) auf einmal abzudecken. Man nennt diese Technik „Zonenfokus“ und dies funktioniert nur bei den (meist älteren) Objektiven, bei denen noch eine Meter- bzw. Feed-Skala abgedruckt ist:
    die Schärfentiefe kontrollierenBetrachten Sie nun bei diesem Beispielbild die Zahlen am Objektiv unten: Zunächst wurde manuell auf ca. 4,5 Meter scharf gestellt, was die m-Angabe ja anzeigt. Doch warum ist dort auch eine Skala mit verschiedenen Blendenangaben abgedruckt? Das verhält sich so: Für die derzeitige Fokussierung (4,5 Meter) kann ich hier z. B. ablesen, dass bei Blende 22 die Schärfe bei ca. 2,9 Meter beginnt (linke Blendenreihe) und bei 10 Meter (rechte Blendenreihe) wieder aufhört. Bei dieser Einstellung (Fokus auf 4,5 Meter; Blende 22) hat dieses Objektiv also eine Schärfe-Zone von ca. 7 Metern. Innerhalb dieses Bereiches wäre bei dieser Einstellung dann stets alles scharf abgebildet. Man muss nicht mehr zwingend nachfokussieren, wenn man sich innerhalb dieses Zonenfokus bewegt. Das Prinzip des Zonenfokus ist also insbesondere für die „Street Photography“ relevant. Hier wird man selten Zeit haben, die Kamera ans Auge zu nehmen, um gemütlich punktuell scharfzustellen. Doch auch bei der Landschaftsfotografie ist es oft sinnvoll, nach Zonen scharf zu stellen, damit es hier nicht zum „aufgequollenen“ Vordergrund kommt, wenn man den Fokus einfach nur auf Unendlich stellt. Denn so etwas (tatsächliche Schärfentiefe) kann man im Sucher schlecht bzw. gar nicht beurteilen – jedoch einfach auf dem Objektiv ablesen.

  20. Belichten mit Grips: Sonne 16

    In diesem Tipp geht es darum, auch ohne Belichtungsmesser die richtige Belichtung an einer analogen Kamera manuell einstellen zu können. Dies funktioniert jedoch nur bei freiem Sonnenschein, also bei einem Wetter, bei dem sich keine Wolken vor der Sonne befinden. Sicherlich wissen Sie, dass es externe Handbelichtungsmesser gibt und auch, dass man recht gut mit einem Smartphone die richtige Belichtung messen kann. Im Notfall (und bei schönem Wetter) können Sie jedoch auch auf all dies verzichten. Merken Sie sich einfach: Sonne 16. Und jetzt diesen Satz:

    Bei frei scheinender Sonne und bei Blende 16 ist die richtige Belichtungszeit der Kehrwert Ihrer Filmempfindlichkeit.

    *Mit diesen Filteradapter-Ringen im sehr günstigen Set (bei Amazon) können Sie größere Filter auch auf kleinere Objektive schrauben und somit einen Filter für alle Ihre Objektive nutzen!

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    Übersetzt an einem Beispiel bedeutet dies: Haben Sie einen Film mit einer Empfindlichkeit von 100 ASA eingelegt und scheint die Sonne (keine Wolken davor), dann brauchen Sie nur Blende 16 am Objektiv Ihrer analogen Kamera einzustellen und eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde. Wenn Sie die 1/100 nicht haben, nehmen Sie einfach die nächste – nämlich die 1/125 Sekunde.
    Fotografieren Sie mit einem 400-ISO-Film, dann nehmen Sie die 1/500 Sekunde (eigentlich 1/400 Sekunde, aber die gibt es bei analogen Kameras nicht).

    Sie können nun sicher gehen, dass Sie eine einigermaßen korrekt belichtete Fotografie aufgenommen haben. Vielleicht haben Sie einen der vorherigen Tipps zur analogen Fotografie gelesen (dem Film viel Licht gönnen). Dann gehen Sie auf Nummer sicher und öffnen Sie das Objektiv auf Blende 11 oder gar 8. Ich selbst arbeite sicherheitshalber erfolgreich mit dem Merksatz „Sonne 11“. Sollten Sie jedoch einen Diafilm nutzen (geringerer Belichtungsspielraum) bleiben Sie vorsichtshalber bei „Sonne 16“.
    Freilich sind Sie bei diesem Merksatz (auch Sunny 16 genannt) nicht auf die tatsächliche Blende 16 festgelegt: Öffnen Sie die Objektivblende um einen vollen Schritt (von 16 auf 11) und verdoppeln gleichzeitig die Geschwindigkeit des Verschlusses (von 1/125 auf 1/250 Sekunde) usw. Hierdurch bleibt die Lichtmenge, die auf den Film fällt ja stets die Selbe.

Dies waren einige Tipps im Umgang mit der analogen Fotografie. Ihr könnt / Sie können sich gerne über die Kommentarfunktion daran beteiligen, wenn weitere Fragen auftauchen sollten oder wenn Sie noch weitere Anmerkungen und Hinweise haben.

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Artikeldatum: 30.04.2017 / letzte Änderung: 19. August 2017

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Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.




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