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28 Tipps für die Analoge Fotografie für Anfänger und Fortgeschrittene


In diesem Blogbeitrag sollen einige sicherlich hilfreiche Tipps bezüglich der analogen Fotografie gelistet werden. Was bei langjährigen Freunden des „filmbasierten“ Fotografierens längst selbstverständlich ist, muss für einen Anfänger nicht unbedingt so sein. Vielleicht gibt es hier auch für Sie noch die eine oder andere Anregung, auch wenn Sie bereits seit einiger Zeit analog fotografieren.

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analoge Kamera

eine analoge Kamera auf einem Stativ

Ein Grund dafür, warum das Thema Fotografie heute so populär ist (weit mehr als früher), ist sicherlich darin zu finden, dass moderne digitale Kameras regelrechte „Fotoautomaten“ sind: Bereits mit dem Autopiloten ist es durchaus möglich, technisch hochwertige Fotos anfertigen zu können – aus dem Stegreif heraus. Insbesondere solch nützliche Technologien wie „Matrixbelichtungsmessung“, ein präziser und schneller Autofokus sowie die Möglichkeit sehr hoher ISO-Werte (hohe Lichtempfindlichkeit) nutzen zu können und ein elektronischer „Bildstabilisator“, sorgen dafür, dass man bei diesen Kameras zunächst kaum Kenntnisse und Erfahrungen besitzen muss, um ein gewisses Erfolgserlebnis (eine rein technisch durchaus gut gemachte Fotografie) zu erlangen. Anders ist es jedoch bei der analogen Fotografie!

Mit Ausnahme der analogen Kameras aus den 1990er Jahren, die ebenfalls bereits intelligente Automatiken besitzen (gemeint sind sowohl die Plastik-Spiegelreflexkameras wie auch die vielen „Kompaktkameras“), basieren die meisten dieser Geräte auf Mechanik. Man muss hier also ein mehr oder weniger komplexes Maschinchen bedienen können, um reproduzierbar zu guten, analogen Fotos zu gelangen. Man benötigt gewisse Erfahrungen und Wissen über die Fotografie (Viele sehr ausführlich gehaltene und sortierte Tipps bzw. eher Anleitungen finden Sie im Inhaltsverzeichnis dieser Seite bzw. im Menü). Besitzt man diese und kann in diesem Sinne auch analog fotografieren, dann sind solche Fertigkeiten im Übrigen zudem noch eine solide Grundlage für bessere Bilder mit der Digitalkamera.

Doch in in diesem Beitrag soll es nicht um die ausführlich erklärten „Basics“ gehen. Hier sollen eher einige schnelle Tipps ganz speziell für das analoge Fotografieren folgen:

  1. Anfänger nehmen am besten einen Kleinbildfilm

    Es gibt grob drei verschiedene Filmformate (Kleinbild, Mittelformat und Großbild; siehe auch → Unterschied zwischen Mittelformatfilm [„Rollfilm“] und Kleinbildfilm). Die meisten der bekanntesten Fotografien sind aber wohl alle auf Kleinbild entstanden! Wer ganz neu in der analogen Fotografie ist, muss also nicht denken, er könne bessere Bilder machen, wenn er gleich zur Mittelformatkamera greift. Es stimmt schon: Mittelformat macht durch den Lichtschacht Spaß und die Abbildungsqualität ist überdurchschnittlich hoch.

    *Die 7 Todsünden der Fotografie zeigt dem Leser die Welt von Internet-Communities, Fotoforen und -Katalogen auf und möchte Anreiz zur Selbstreflexion darstellen: »Benötige ich diese Meinungen oder behindern sie mich gar?« Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch wagen.

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    Doch viel einfacher Zugang (was Funktionalität, Preis und Erfolgserlebnis anbelangt) erhält man mit einer klassischen, günstigen und simplen 35mm-Spiegelreflexkamera, in welche man einfach die kleinen Filmpatronen einlegt.
    einlegen der Filmpatrone

    Das Kleinbildsystem ist auch durch Anfänger leicht zu bedienen.

    Die meisten Fotografen, die im Mittelformat oder Großformat fotografieren, werden weiterhin mindestens ein Kleinbildsystem sicher verwahren. Ich nutze meine Kleinbildspiegelreflexkamera gerne draußen für z. B. Porträts, die nicht so sehr gestellt wirken sollen und erfreue mich dann an der Schnelligkeit, die solche Kameratypen ermöglichen. Für hoch aufgelöste Landschaftsaufnahmen wähle ich besser die Mittelformatkamera und das Stativ.
    Foto mit einer Kleinbildkamera
    Für den „klassischen Reportage-Look“ greife ich gerne zum Kleinbild.
    Konzertfotografie mit analoger Kamera
    Das Selbe gilt für spontane Fotografie wie bei der Konzertfotografie, wo es eben schnell gehen soll und man keine Zeit zum genauen Einstellen der Parameter hat. Weitwinkel drauf, Zonenfokus eingestellt, ggf. ein Blitzgerät mit automatischer Lichtleistung aufgesteckt und los geht’s! Hier spielt das klassische Kleinbildformat und eine kompakte Kamera ihre Vorteile aus und hier sind ein gröberes Filmkorn bzw. eine eher geringere Auflösung bei größeren Drucken kein Makel. Einige analoge Kleinbild-Spiegelreflexkameras lassen sich zudem mit einem Motor (einem sogenannten „Winder“) versehen, um sehr schnelle Bildfolgen zu erreichen. Neuere Modelle aus den 1990er Jahren besitzen oft einen eingebauten Motor (sowie ein Autofokusobjektiv). Viele Freunde der analogen Fotografie schätzen jedoch mehr die puristischen Kameras ohne derlei Automatiken.
    eine analoge SLR-Kleinbildkamera
    Analoge SLR-Kleinbildkameras für die vielerorts erhältlichen Kleinbildpatronen gleichen sich in ihrem Aufbau und ihrer Funktionalität. Zudem sind sie (bis auf einige Ausnahmen) teils sehr günstig auf dem Gebrauchtmarkt (oder [etwas teurer] bei spezialisierten Händlern, die gewartete Kameras mit Garantie anbieten) zu beziehen. Am besten kauft man solche Kameras als Anfänger gleich mit passenden Objektiven: 28 mm (Weitwinkel), 50 mm (Normalbrennweite) und 135 mm (Porträt-Tele). Damit hat man eine solide analoge Ausrüstung, mit der sich viel, sehr viel anstellen lässt.

    Typische Bilder im Kleinbild überzeugen durch Inhalte und Spontaneität, nicht jedoch durch hoch aufgelöste Texturen.

    Fotografieren im analogen Großformat
    Hier sehen Sie auch einmal das Gegenteil zur Kleinbildfotografie: Einen Fotografen, der im sogenannten Großformat fotografiert. Das Sujet für diese Art des Fotografierens beschränkt sich auf einen viel kleineren Raum als jenen, den man mit einer handlichen Kompaktkamera abdecken kann. Dafür ist die Abbildungsqualität bzw. Auflösung, die mit so einer Technik realisierbar ist, um Längen besser und kann auch nicht durch Digitalkameras erreicht werden. Doch wie es so mit dem Steuern von großen Maschinen ist: Sie kosten viel Geld und es Bedarf eine ausgedehnte Lernphase, die man zunächst absolvieren muss. Ganz anders sieht dies jedoch bei der Verwendung einer klassischen analogen Kleinbildspiegelreflexkamera aus (insbesondere bei denen, die zusätzlich zu den manuellen Einstellungen auch einen Auto-Modus besitzen).

  2. Ein lichtdichter Film- und Objektivhalter

    Nein, damit das soll kein besonderes Zubehör sein: Gemeint ist die mechanische, analoge Kamera. Denn im Gegensatz zu durch und durch elektronische Digitalkameras besitzt eine jede klassische mechanische Kamera nur folgende Aufgaben: Sie soll sowohl den Film als auch das Objektiv parallel zueinander halten. Ihr Inneres muss absolut lichtdicht sein und für einen (möglichst genau steuerbaren) Moment soll Licht ins Innere fallen können.
    Als Tipp für die analoge Fotografie bedeutet dies im Umkehrschluss: Beim (Gebraucht-) Kauf einer analogen Kamera ist es weit weniger wichtig, auf Marken und Fabrikate zu achten. Alle (gleiche) Typen machen das gleiche Bild in gleicher Qualität. Nur die Qualität des Objektives und die des Wechselsensors (des Films; siehe → Filmtypen) sind entscheidend für die Abbildungsqualität, ach ja: und natürlich das Licht. Aber dieses ist eh umsonst.

    eine analoge Nikon-Kamera eie Praktica Kamera

    Eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera der gehobeneren Klasse (Nikon FE2) und eine sehr günstige Praktica. Von beiden ist die gleiche Bildqualität zu erwarten, wenn sie mit dem gleichen Film und gleichen Objektiv ausgestattet wären. Die Nikon ist jedoch teurer, da sie u. a. z. B. ein besser Belichtungsmesser-System besitzt und bei schnelleren Zeiten auslösen kann.

  3. Filme im Kühlschrank bzw. Eisfach lagern

    Soll das ein verspäteter (oder verfrühter) Aprilscherz sein? Aber nein: analoges Filmmaterial mag es am liebsten kalt! Sie können die aufgedruckte Haltbarkeit der Filme (und auch das Haltbarkeitsdatum von echtem Fotopapier) um Jahrzehnte verlängern, wenn Sie Ihr frisches Verbrauchsmaterial in der Tiefkühltruhe lagern. Ich habe nur ein kleines Eisfach und mag außerdem Eis. Daher gehe ich einen Kompromiss ein, auf Kosten des Gemüses:
    Filme gelagert im Kühlschrank
    Meine Filme lagere ich also immer recht kühl und erfreue mich einer längeren Haltbarkeit. Überlagerte Filme haben häufig eine verringerte Empfindlichkeit, Farbfilme eine leichte Farbverschiebung und alte, warm gelagerte S/W-Filme besitzen manchmal einen Grauschleier (insbesonders die höher empfindlichen [400 ASA]). Wer also solches Fotomaterial bunkern möchte (die Preise fallen ja nicht gerade), der sollte über die Anschaffung eines kleinen Kühlschrankes nachdenken, sofern der bisherige keinen zusätzlichen Platz mehr bietet.

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    Früher kauften Profis (also die Leute, die mit der Fotografie Geld verdienen) nicht selten einen großen Posten von Farbfilmen bzw. Diafilmen der selben Marge (Produktionsfamilie) und lagerten das Material sofort in der Tiefkühltruhe ein. So waren homogene Bildergebnisse sicher – in einer Zeit, in der man nicht einfach mit dem Computer Farbkorrekturen vornehmen konnte. Natürlich muss tiefgefrorenes Fotomaterial zunächst abtauen, bevor man es benutzen kann.
  4. Die Anleitung der Kamera studieren

    Der Hinweis klingt zunächst etwas überflüssig. Doch wenn man eine alte analoge Kamera aus vielleicht den 1970er Jahren nutzen möchte (viele dieser Fotoapparate funktionieren heute noch problemlos), dann bedient man hier ein doch recht komplexes Maschinchen auf der Grundlage von viel Feinmechanik. Nicht selten jedoch sind solche Geräte schon aufgrund fehlerhafter Bedienung kaputt gegangen. So fallen mir gleich zwei delikate Beispiele von falscher Handhabung ein: Bei einer Kiev 88 sollte man die Belichtungszeit erst wählen, nachdem man den Verschluss gespannt hat oder: bei einem älteren „Klappfalter“ sollte man das Objektiv zunächst auf Unendlich stellen, bevor man die Kamera zusammen klappt, sonst droht ein Verkanten der Schließmechanik. Solche Dinge beachtet man als frischer Besitzer der „Schätzchen“ selten. Es lohnt zunächst das genaue Studieren der Anleitung! Und: Viele Kameras (insbesondere jene aus dem ehemaligen Ostblock) haben ihren schlechten Ruf nicht selten daher, da sie – ob ihres geringen Preises – schnell durch viele ungeduldige Hände gingen und somit nicht die nötige Pflege erhielten, die sie eigentlich benötigen.
    Selten jedoch wird eine Gebrauchsanleitung bei einer älteren, gebraucht gekauften Kamera beiliegen. Seit vielen Jahren ist hier Butkus die erste Anlaufstelle, wenn es um den Download von eingescannten Bedienungsanleitungen von alten Kameras, Blitzgeräten bzw. anderem Zubehör geht.

  5. Wird der Film korrekt transportiert?

    Dieser Tipp beschränkt sich auf analoge Kameras mit Rückspulkurbel:
    Kurbel bei alter Kamera

    die kleine Rückspul-Kurbel an einer Kleinbild-SLR-Kamera

    Das Filmeinlegen möchte geübt sein (→ Filmeinlegen in 35 mm Kamera). Doch nicht wenige bereits Fortgeschrittene Nutzer in der analogen Fotografie konnten sich schon darüber wundern, warum sie denn weit mehr als die eigentlich 36 Bilder pro Kleinbildfilm fotografieren können, die Kamera transportierte den Film offenbar immer weiter. Das böse Erwachen kam später: Der Film wurde gar nicht transportiert. Die Häkchen und Zahnräder im Innern der Kamera griffen nicht korrekt in die Filmperforation. Sie belichteten ein und die selbe Stelle des Filmes über 36 Mal. Der Rest des Filmes war komplett unbelichtet.
    Es gibt einen einfachen Trick, um zu prüfen, ob der Film korrekt transportiert wird. Dieser funktioniert jedoch nur bei analogen Kameras mit der kleinen Rückspulkurbel (die meisten klassischen einäugigen Kleinbild-Spiegelreflexkameras haben diese): Nachdem der Film eingelegt- und die Rückwand geschlossen wurde, dreht man die Kurbel sanft im Uhrzeigersinn. Nun muss bald ein Widerstand zu spüren sein. Spannt man die Kamera, dann muss sich diese Kurbel stets sichtbar mitdrehen. Ist dies der Fall, dann braucht man keine Sorge tragen, dass der Filmtransport nicht korrekt abläuft.

  6. Die Kamera richtig säubern

    *Staub ist immer wieder ein Problem bei der analogen Fotografie. Mit solch einem umfassenden Reinigungsset inkl. Pinsel und Blasebalg für Filme, Kameras, Objektive und Vergrößerer entfernen Sie schonend Staub und Verunreinigungen. Zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon.

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    Bevor ich zu einem Shooting aufbreche, inspiziere ich die Kamera gründlich bzw. überprüfe sie und die Objektive grob auf Funktion (einen ausführlicheren Tipp hierzu gibt es weiter unten). Mein analoger Fotoapparat ist ja mein Werkzeug, auf das ich mich verlassen muss. Daher reinige ich die Kamera und das Glas der Objektive vor jedem Einsatz und vor jedem Filmeinlegen.
    Es gibt im Fachhandel solche praktischen „Stifte“: Auf der einen Seite haben sie einen (versenkbaren) Pinsel und auf der anderen Seite unter einer Kappe ein „Pad“. Vor jedem Filmeinlegen pinsele ich das Innere der Kamera aus. Auch die Filmführungswalzen und Zahnräder pinsele ich ab. Denn ich möchte nicht, dass sich Staub oder gar Sand im Innern befindet. Staub könnte sich auf den Film legen (einbelichtete Fussel) und Sandkörner könnten Kratzer beim Filmtransport verursachen. Auch die Objektive pinsele ich ab. Erst danach reinige ich das Glas, falls nötig, mit der anderen Seite des Stiftes oder mit einem einfachen Brillenputztuch.

  7. Keine Baumwollhandschuhe nutzen: Nimm Nylonhandschuhe

    Wer die analogen Filme selber scannt oder gar selbst daheim in der eigenen Dunkelkammer vergrößert, wird recht früh mit dem Staub-, Fussel-, Fingerabdruck- und Kratzerproblem in Berührung kommen. Gegen Fingerabdrücke (bzw. das Übertragen von [natürlichem Haut-] Fett) helfen dünne Handschuhe ungemein. Ich trage solche immer beim Einlegen der Filmstreifen in den Scanner bzw. in die Bildbühne des Vergrößerers. Dummerweise bringen Baumwollhandschuhe (wie sie im Fachhandel oder in der Drogerie angeboten werden) ein weiteres Problem mit sich: Sie fusseln nicht selten. Als Alternative seien hier ebenso dünne Nylonhandschuhe empfohlen:
    Nylonhandschuhe für Fotografen
    Nutzt man Baumwollhandschuhe, sollte man diese zunächst mehrmals waschen. Hierdurch verlieren sie bereits das Gros der sich ablösenden Fasern. Denn diese möchte man ja nicht auf dem Film haben. Besser für den Umgang mit Filmmaterial sind die Nylonhandschuhe, welche bei der Herstellung offenbar vorne in flüssigen Kunststoff „getaucht“ worden sind: Sie sind weiterhin (an den Handflächen) luftdurchlässig, ein Fusseln wird jedoch durch den Kunststoffüberzug verhindert. Mein Satz hatte bei Amazon ca. 90 Cent gekostet. Zu beachten ist jedoch, dass man sich nicht die dicken Garten- bzw. Monteurhandschuhe holt. Für den Umgang mit Filmen reichen die ganz dünnen und günstigen Kunststoffhandschuhe völlig aus. Früher nutzte ich „Kosmetikhandschuhe“ aus der örtlichen Drogerie. Von denen ist aus dem erwähnten „Fusselgrund“ abzuraten.

  8. Messsucherkameras tunen: Besser scharf stellen durch höheren Sucherkontrast

    Sie nutzen eine der klassischen einäugigen oder zweiäugigen analogen Spiegelreflexkameras, eine einfache „Point-und-Shoot-Kamera“ oder gar eine Großformatkamera mit Mattscheibe? Dann überspringen Sie diesen Tipp. Sind Sie jedoch glücklicher Besitzer einer sogenannten „Messsucherkamera“, dann lesen Sie weiter:
    eine Messsucherkamera
    Bei einer solchen Mess-Sucherkamera werden im Sucher zwei Bilder übereinander dargestellt. In der Mitte befindet sich ein (oftmals grüner) Punkt:
    Fokussieren mit Mischbild
    Decken sich die beiden Bilder bei diesem Mischbildsucher, ist korrekt fokussiert worden. Dummerweise ist jener Punkt oftmals recht schlecht sichtbar. Manche Fotofreunde haben hier (das weiß ich aus eigener Erfahrung) Probleme beim Erkennen. Man kann den Kontrast des Messsuchers jedoch recht einfach erhöhen: Hierzu klebt man einfach etwas getönte Folie auf das (klare) Hauptsucherfenster. Zum Testen kann man auch einfach mehrere Lagen Tesafilm nehmen. Was bewirkt dies? Da nun das Hauptfenster dunkler wird (das eigentliche Bild) erscheint jener Punkt heller. Der Kontrast des Messsuchers erhöht sich. Messsucherkameras sind insbesondere deshalb so beliebt, da hier das Sucherbild (weil eine Mattscheibe und ein dazugehöriger Umlenkspiegel fehlt) besonders hell ist. Diesen Effekt sollte man natürlich nicht wieder durch zu viele Lagen der Folie zunichte machen.

  9. Filme sind sich oft sehr ähnlich im „Look“

    Neulich las ich in einer Gruppe im Internet folgendes:

    Das sieht irgendwie überhaupt nicht nach dem hochkonstrastigen, stark gesättigtem Ektar 100 aus.

    Hier hatte jemand ein Bild eingestellt, welches offenbar auf dem Farbfilm Typ „Kodak Ektar 100“ fotografiert wurde. Viele Freunde der analogen Fotografie sind dem Irrtum aufgesessen, dass sie durch die Wahl eines Filmtyps entscheidend den Look des Bildes beeinflussen können. In Internetforen, in den Produktbeschreibungen der Händler für analoge Fotografie und teils sogar in der Presse wird so etwas gerne kolportiert. Klar: Es macht ja auch Spaß, abzuwägen, welches Produkt man für welche Bildvorstellungen nutzt.
    Tatsächlich sind sich die meisten Filme der selben Art (z. B. Farbnegativfilm, 100 ISO) sehr ähnlich und unterscheiden sich in der Darstellung von Farben, Kontrast, Sättigung eher marginal. Entscheidend für den „Look“ ist a) die nachträgliche Bildbearbeitung und b) die Qualität bzw. Art des bei der Aufnahme vorhandenen Lichtes! Diese beiden Punkte werden nämlich bei den vielen „Beispielbildern“, die man im Internet zu sehen bekommt, sehr gerne übersehen.
    So kann man mit der nachträglichen Bildbearbeitung durchaus steuern, wie das Bild eines Farbnegativfilmes später auf Papier oder dem Bildschirm aussehen wird. Und: Diese Bildbearbeitung findet immer statt, wenn Farbfilme gescannt werden – meist jedoch ganz automatisch und willkürlich (insbesondere bei den Dienstleistern, die die Fotos rein maschinell ausfiltern bzw. drucken).
    Filmlook

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    Mit welchem Film wurde diese Aufnahme gemacht? Man kann es natürlich nicht am Look des Filmes ablesen, denn jener kann bzw. muss nachträglich erst eingestellt werden, während ein haptisches Farbnegativ in ein digitales Positiv umgewandelt wird. So, wie man die Farben anpasst, müssen auch Kontrast und Sättigung eingestellt werden. Dies betrifft insbesondere Farbnegativfilme.
    Bei Farbdia-Filmen (also jener Filmtyp, der bereits ein farbrichtiges Foto auf transparentem Bildträger zeigt) verhält es sich tatsächlich anders, denn Dias durchlaufen weniger Bildbearbeitungsschritte bzw. gar keine, wenn man sie projiziert (doch auch hier verfälscht die Art der Lampe im Projektor und die Art der Leinwand das Bild). Auch S/W-Filme der selben Art (z. B. klassische Emulsion, 400 ASA) sind sich viel ähnlicher als es oft gedacht wird. Man sollte den vielen Bildbeispielen nicht zu viel abgewinnen, denn insbesondere das Licht während der Aufnahme spielt eine entschiedene Rolle für den Look (siehe auch mein Artikel → Der Pastell-Look). Mein Tipp also an Anfänger der analogen Fotografie: Nicht so viel Zeit und Geld in vage Experimente vergeuden. Filme der selben Art (siehe → Übersicht Filmtypen) sind sich oft sehr ähnlich. Möchte man mehrere Filme tatsächlich miteinander vergleichen, so geht dies nur sinnvoll, wenn das selbe Motiv bei dem selben Licht fotografiert wird. Dies werden die wenigsten Filmvorstellungen beherzigen und daher basieren die Schlussfolgerungen oft auf einer gewissen Verzerrung.

  10. Filme zum Entwickeln in die Drogerie, aber ohne Abzüge

    Insbesondere Farbfilme kann man – zumindest für den Anfang – bedenkenlos in einem Drogeriemarkt wie Rossmann oder DM abgeben. Denn Farbfilme werden standardisiert entwickelt: Die Negative bzw. Dias werden gleich aussehen – Egal, ob man diese preisgünstig beim Discounter entwickeln lässt oder bei einem Profi. Nur in der Art, wie diese Filme zu Papier gebracht- bzw. (zunächst) digitalisiert werden unterscheiden sich die Ergebnisse nicht selten grundlegend! Beim Discounter erfolgt die Umwandlung des Negativs in eine digitale Datei bzw. in ein positives Papierbild rein maschinell bzw. völlig automatisch und wahrscheinlich ohne menschliche Kontrolle. Mit Glück erhält man durch einen solchen Prozess Bilder, die das volle Potential der Filme auch ausschöpfen. Meist ist jedoch das Gegenteil der Fall. Daher gebe ich meine Farbfilme günstig zur Entwicklung im Drogeriemarkt ab und wähle die günstigsten Papierbilder. Diese dienen mir lediglich zur Vorschau und ich würde die dazugehörigen Negative bzw. Dias zu einem Scandienstleister schicken, wenn ich nicht selbst zuhause digitalisieren würde. Manche dieser Dienstleister fertigen auch Drucke an. Meine sauber und brillant angefertigten Digitalisierungen sende ich dann weiter an eine Online-Druckerei oder nutze einen entsprechenden Service vor Ort. Die Ergebnisse werden meist wesentlich besser sein wie die vom Discounter.
    Bei S/W-Filmen kann man auch so verfahren. Da S/W-Film jedoch – je nach Typ – individuell entwickelt werden sollte (der Prozess ist hier nicht standardisiert), empfiehlt es sich, hier auch zur reinen Filmentwicklung einen spezialisierten Dienstleister zu beauftragen, sofern man S/W-Filme nicht einfach selbst im Badezimmer entwickelt.
    Siehe auch → Dienstleister für die Filmentwicklung Auf dieser Seite finden Sie Informationen über die vielen Anbieter, die Ihre Fotofilme entwickeln und auch darüber, welche Ergebnisse Sie jeweils erwarten können.

  11. Umgelabelter Film: Was steckt drin?

    Es gibt auch heute noch sehr viele Filme auf dem Markt. Die großen drei Hersteller weltweit sind jedoch Kodak, Harman (Ilford) sowie natürlich Fujifilm. Diese Firmen führen heute ein eher reduziertes Sortiment an Filmen, auf das sich konzentriert wird. Daneben gibt es noch eher kleinere Manufakturen wie Adox in Deutschland oder Ferrania in Italien. Warum aber tauchen ständig neue Filme mit teils ulkigen Bezeichnungen auf und mit Labeln (also Herstellerangaben), die man entweder vorher nie gehört hatte oder vielleicht sogar mit einem ganz anderen Produktionszweig verbindet?

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    Nicht selten sind Filme im Handel, welche im Grunde ganz normales Material eines konventionellen Herstellers enthalten. Mittels pfiffiger Werbung werden diese dann teurer verkauft. Oder aber durch Großeinkäufe können diese günstiger verkauft werden („Drogeriefilme“).

    Es ist also offenbar möglich, von den konventionellen Herstellern eine große Menge von Filmrollen aufzukaufen und diese dann unter eigenem Label zu vertreiben. Je besser das Marketing, desto höher kann man den Preis ansetzen – und dieser wird zumeist höher sein als das „normale“ aber gleiche Produkt. Typische umgelabelte Filme sind z. B. Rollei- oder Lomography-Filme. Bei den Filmen von Rossmann („Fotowelt“) und DM („Paradies“) kann / konnte man hingegen tüchtig sparen. Hier werden / wurden zumeist Fuji-Filme unter einer eher langweiligen Verpackung zum unschlagbaren Preis verkauft.

    Wenn Sie einmal wissen möchten, welches Original-Filmmaterial tatsächlich in so einer „hippen“ Verpackung steckt, dann sei diese Internetseite sehr empfohlen. Hier geben Sie die Nummer ein, die sich bei jedem Kleinbildfilm über dem aufgedrucktem Barcode befindet.
    Gebe ich hier also die Nummer ein, die sich auf meiner Filmpatrone „DM Paradies 200“ befindet (806253), dann wird mir durch das Tool ausgespuckt, dass es sich eigentlich um den Film „Fujicolor 200“ handelt und: dass dieser Film u. a. auch als „AgfaPhoto Vista Plus 200“, „Kruidvat Color Film 200“, „Schlecker AS Color 200“ und „HEMA Super SR 200“ verkauft wird / wurde.

  12. Ältere Lehrbücher aus den 1990er Jahren nutzen

    Bis ungefähr zur Jahrtausendwende war die Fotografie auf Film noch das von Profis und Amateuren bevorzugte Medium. Die damaligen Digitalkameras waren einfach noch zu schlecht. Es empfiehlt sich daher, z. B. in der Stadtbibliothek nach Büchern zur Fotografie aus den 90ern zu suchen!
    mehrere Bücher
    Denn im Gegensatz zu den ganz alten Schinken stammen diese Bücher aus der Hochzeit der analogen Fotografie und enthalten Tipps und Hinweise, die sich an einer immer noch aktuellen Praxis orientieren. Ja, selbst viele Filme, die dort besprochen werden, sind noch auf dem Markt. Für alle, die ganz aktuelle Bücher zur analogen Fotografie suchen, gibt es hier eine Übersicht.

  13. Lichteinfall: Alte Lichtdichtungen einfach selbst wechseln

    So etwas kann eine Digitalkamera wahrlich nicht betreffen: Lichteinfall ist gemeint. Wie weiter oben beschrieben, handelt es sich bei einem analogen Fotoapparat ja zunächst lediglich um einen (hoffentlich) lichtdichten Kasten. Doch konstruktionsbedingt muss man die Rückseite einer analogen Kamera freilich öffnen können – um den Film einzulegen. Und hier warten alte, gebrauchte Geräte oft mit einer Tücke auf: Die Lichtdichtungen, also das „Lichtisolationsmaterial“ hinter der Rückklappe ist über die vielen Jahre undicht geworden. Ja, manchmal hat sich der Schaumstoff gar in eine klebrige Substanz verwandelt. Nun gibt es für einige Kameratypen genau zugeschnittene Lichtdichtung-Sets. Ich habe bereits bei vielen Kameras die Erfahrung gemacht, dass hier simples Moosgummiaus dem Bastelladen genau so gut funktioniert:
    die Lichtdichtung der Kamera ersetzen
    Man entfernt also die alten, porösen und manchmal klebrigen Dichtungen hinten an der analogen Kamera mit zum Beispiel einem Zahnstocher und schneidet sich mit einem scharfen Messer (Cutter) feine Streifen aus dem Moosgummi zurecht. Diese stopft man nun in die jeweiligen Führungen. Festkleben? Muss man selten, denn die Rückklappe des Fotoapparates hält das Material automatisch fest in Form bzw. drückt es zusammen.

    *Analog ist das neue Bio – Die Digitalisierung des Alltags bringt viele Vorteile mit sich. Doch sie lässt auch wichtige Dinge verschwinden, die für einen fühlenden Menschen, für dessen Sinne essentiell sind. In diesem Buch geht der Autor diesen Prozessen nach und beschreibt gleichzeitig die Renaissance des Analogen. Auf Amazon kann man einen Blick in das Buch werfen.

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    Lichteinfall macht sich übrigens durch helle und unscharf verlaufene Reflexe auf den Bildern (Positiven) bemerkbar. Auf den Negativen werden diese dunkel abgebildet. Und warum sind manchmal nur einige Aufnahmen auf dem Film davon betroffen und andere nicht? Weil die Bilder, die keinen Lichteinfall aufweisen, schnell hintereinander oder im Schatten gemacht worden sind. Hier konnte das Licht durch die Ritzen der Kamera nicht lange genug einwirken, da der Film relativ schnell weiter transportiert wurde (oder ohnehin im Dunkeln weilte). Am Ungünstigsten belässt man einen Frame untransportiert mehrere Stunden in der prallen Sonne. Dann gibt es, bei zu alten Lichtdichtungen, eben den berüchtigten Lichteinfall (Der Angelsachse spricht hier von „light leaks“). Nach dem Austausch teste ich die Lichtdichtigkeit meiner Kamera übrigens mit einem Stückchen S/W-Film und einem Blitzgerät: Ich blitze die Kamera rundherum mehrmals aus kurzer Distanz an (das ist ein sehr helles Licht) und entwickele das Stückchen Film im Anschluss im eigenen Labor. Er muss absolut blank sein (kein Licht), wenn der Test erfolgreich verlaufen sein soll. Für den ersten Testfilm einer neuen gebrauchten Kamera sollte diese Prozedur immer dazugehören. Als Alternative legt man das Gerät einfach für längere Zeit unter eine (natürlich brennende) 60-Watt-Lampe.
    Übrigens: Auch der sogenannte Spiegeldämpfer bei alten analogen Spiegelreflexkameras löst sich irgendwann auf (dann klebt der Spiegel oben fest). Hier können Sie bei zumindest einfachen bzw. günstigen Fotoapparaten ebenfalls mit günstigem Material (Schaumstoff und Doppelklebeband) experimentieren:
    der Spiegeldämpfer an einer Spiegelreflexkamera
    Meine Nikon funktioniert damit hervorragend. Es muss nicht zwingend spezielles Material sein. Das Zuschneiden und Einlegen / Einkleben bedarf lediglich etwas Fingerspitzengefühl.

  14. Doppel- und Mehrfachbelichtungen machen

    Einige analoge Kameras besitzen die Möglichkeit, auf das selbe Bild (den selben „Film-Frame“) mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen. Dies klingt zunächst nach Spielerei, lässt sich jedoch auch mit einem gewissen künstlerischen Anspruch anwenden.
    Mehrfachbelichtung aus 20 Aufnahmn
    Bei dieser Aufnahme wurde das selbe Negativ ganze 20 Mal nacheinander belichtet. Als Ergebnis erhält man ein Foto, welches wie eine Kohlezeichnung ausschaut. Verwendet wurde eine Kleinbildkamera, die einen Schalter für Mehrfachbelichtungen besitzt. Insbesondere jedoch simple Rollfilmkameras ohne den sogenannten „gekoppelten Filmtransport“ eignen sich hervorragend für die Mehrfachbelichtung. Zu diesen Kameratypen zählen auch die Lomography Diana und die Holga. Innerhalb der analogen Fotografie wird Licht bei Doppelbelichtungen bzw. Mehrfachbelichtungen übrigens summiert auf den Film „geschrieben“. Das Ergebnis unterscheidet sich daher von einer simplen Collage via Photoshop aus mehreren (digitalen) Einzelbildern.
    Mehr zu dieser analogen Technik erfahren → Mehrfachbelichtung.

  15. Schöne Grauwerte erzielen

    Wenn Sie schöne Grauwerte mit einem S/W-Film erhalten möchten, dann müssen Sie sich weniger Gedanken über den „richtigen“ S/W-Film und den „richtigen“ Filmentwickler machen. Achten Sie stattdessen auf den Wetterbericht! Auch hier gilt: Die Art des Lichtes während der Aufnahme ist entscheidend für den Look.
    gute Grauwerte
    Für diese S/W-Fotografie musste ich vor Ort warten: Bis Wolken vor die Sonne gezogen sind. Erst durch dieses diffuse Tageslicht erhielt ich den gewünscht hohen Tonwertreichtum („schöne Grauwerte“). Ich fotografiere sehr gerne bei dieser Art von Licht und verfolge vor jeder Fototour aufmerksam den Wetterbericht bzw. nutze für mein Smartphone eine „Wolkenradar-App“. Hierzu passt auch ein schönes Zitat:

    Der Amateur sorgt sich um die richtige Ausrüstung, der Profi sorgt sich um das Geld und der Meister sorgt sich um das Licht.

    dem Fotografen Vernon Trent zugeschrieben

    Übrigens: Wenn Sie bei einem Farbfilm knallige bzw. gesättigte Farben möchten, benötigen Sie keinen speziellen Film sondern ein ganz anderes Licht: hartes und schräg einfallendes Licht der eher tief stehenden Sonne. Profis kampieren nicht selten bei ihren Motiven, um sie in einer ganz bestimmten (frühen) Lichtstimmung aufnehmen zu können. Und: hartes, von der Seite kommendes Licht erhöht die visuell wahrnehmbare Schärfe der Bilder. Sind die Grashalme bei diffusem Licht wie bei einer Sinfonie ruhig und harmonisch abgebildet. So rattern diese wie der Klang einer Schreibmaschine bei hartem Streiflicht. Es kommt also ganz auf den Geschmack an, welches Licht man wählt (sofern möglich). Denken Sie für einen gewissen Look weniger an Ihre Fototechnik, an Kameras, Objekte und Filter. Denken Sie über Licht nach.

    (Dieser Tipp gilt natürlich gleichfalls für die Digitalfotografie.)

    Für sehr fein abgestufte Tonwerte gibt es bei der analogen Fotografie neben dem Tageslicht jedoch auch technisch etwas zu beachten: Idealerweise nutzt man hierzu das Mittelformat oder gleich das Großformat. Denn auf einem größeren Film (auf einer größeren Fläche) müssen sich besagte Tonwerte nicht so sehr „quetschen“.
    Dann sollte man einen Film mit eher geringerem ASA-Wert wählen (z. B. 100). Dieser Film sollte (bei diffusem Licht) reichlich, also großzügig belichtet werden. Keine Angst vor Überbelichtung! Später sollte dieser Film eher sanft entwickelt werden. Hier hat man in der Farbfotografie weniger Eingriffsmöglichkeiten als beim Selbst Entwickeln von S/W-Filmen: Der Entwickler sollte verdünnt angewandt- und die Entwicklerdose sollte nicht zu schnell bewegt werden. Dann erreicht man sehr ausgeglichene, feine Grauabstufungen.
    Das Gegenteil: Man belichtet den Film unter und entwickelt diesen „forciert“. Dann bekommt man sehr knackige Kontraste, Bilder mit eher geringem Tonwertumfang und meist etwas „schmutzigen“ Mitteltönen. Diese Methode nennt man auch „Pushen„.

  16. Für Selbstentwickler I: Den Film nach Gehör zurück spulen

    Dieser Tipp passt zu den Trick mit der Kurbel. Er richtet sich jedoch nur an Freunde der analogen Fotografie, die Ihre S/W-Filme selbst zuhause entwickeln. Durch diesen Trick erspart man sich das Gefummel mit einem Filmrückzieher. Man muss die Kleinbildpatrone auch nicht mehr im Dunkeln „knacken“.

    *Sie wollen weg von simplen Knipsbildern? Dann benötigen Sie einen Roten Faden, einen persönlichen Ansatz zu Serien und fotografischen Projekten. Nur so werden Sie von Kritikern ernst genommen. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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    ein Kleinbildfilm

    Ein klassischer S/W-Film, den man recht einfach zuhause im Bad selbst entwickeln kann. Zuvor muss der Filmanfang aber wieder aus der Patrone heraus bekommen werden.

    Nachdem ich meinen S/W-Film belichtet habe, muss dieser im Innern der Kamera wieder zurück in die Patrone befördert werden. Hierzu drückt man meist ein Knöpflein am Boden der analogen Kamera. Dieses bewirkt, dass die rechte Spule im Innern der Kamera frei gegeben wird: Man kann den Film nun mittels der Kurbel auf der anderen Seite ohne Widerstand komplett zurück in die Patrone spulen. Hierbei halte ich mein Ohr an die Rückwand des Fotoapparates und lausche dem Transportgeräusch. Irgendwann gibt es ein Klipp-Geräusch. Dieses Geräusch gibt an, dass der Filmanfang soeben von der Spule befördert wurde. An dieser Stelle kann man dann die Kamera öffnen und erhält die Patrone ohne eingezogenen Filmanfang.
    Dadurch, dass hier der Filmanfang noch heraus steht, muss man später für das Selbstentwickeln keine Handstände vollbringen (Patrone öffnen, Filmrückzieher), um an den eigentlichen Film zu gelangen.
    Da dieser jedoch ein belichteter Film ist bzw. sich äußerlich nicht von einem unbelichteten unterscheidet, knicke ich den Filmanfang gleich nach der Entnahme aus der Kamera, damit ich ihn nicht aus Versehen mit einem unbelichteten verwechsele (bzw. neu einlege). Das Neueinlegen kann man natürlich tun, wenn man unkontrollierbare Doppelbelichtungen provozieren möchte.

  17. Für Selbstentwickler II: Korn provozieren oder vermeiden

    Einer der auffälligsten Unterschiede zu einem simplen Digitalfoto ist bei der analogen Fotografie das Filmkorn – zumindest, was die S/W-Fotografie anbelangt: Die Bilder sind zunächst chemisch zusammengesetzt, sie sind keine reinen Pixel-Arrangements und weisen daher – je nach Filmtyp und Entwicklertyp – mehr oder weniger sichtbares Filmkorn auf.
    Filmkorn durch Rodinal
    Das Maß dieser „Grobheit“ kann man steuern – und zwar mit der Wahl des Filmes und mit der Wahl des Negativentwicklers beim Selbstentwickeln. Wenn man eine schroffe Abbildungsqualität haben möchte, dann wählt man einen S/W-Film mit hoher ISO-Zahl, z. B. einen Ilford HP 5 (400 ASA). Diesen entwickelt man dann zuhause selbst mit einem S/W-Entwickler, welcher Schärfe und Korn betont, z. B. einfach mit dem bekannten Rodinal. Möchte man das Gegenteil, also eine hohe Auflösung und weiche Konturen bzw.“feine Grauwerte“, dann greift man zu einem hochauflösenden, jedoch weniger lichtstarken Film wie z. B. dem „Ilford Delta 100“ und wählt einen Feinkornentwickler wie den „Ilford Perceptol“.
    Das Maß, wie das Filmkorn akzentuiert wird, kann man auch mittels der Belichtung und der Entwicklung steuern: Gönnt man dem Film viel Licht und entwickelt kurz, erhält man fein aufgelöste Negative. Belichtet man jedoch knapp und entwickelt lange, erhöht man die Körnigkeit des späteren Positivs (siehe auch → Film pushen).
    Foto mit einer Lochkamera

    Eine S/W-Fotografie, die mit einer Semi-Lochkamera angefertigt wurde: Bilder einer Lochkamera sind immer sehr „schwammig“ und leicht unscharf. Dadurch, dass man hier bei S/W-Filmen die Möglichkeit hat, das fotografische Korn bewusst zu betonen, kann man derlei Fotografien künstlich durch das scharf umrissene Korn mehr visuelle Schärfe geben, obwohl das Foto selbst nicht exakt scharf aufgenommen wurde.

    Wer möglichst viel Korn bei seinen analogen S/W-Fotos provozieren möchte, sollte diese Dinge anwenden:

    • Einen „klassischen“ S/W-Film mit hohem ASA-Wert verwenden, z. B. einen Ilford HP5 (400 ASA)
    • Den Film unterbelichten und später länger entwickeln („Push“)
    • Ein kleines Aufnahmeformat bzw. -System wählen → also Kleinbild statt Mittelformat
    • Den S/W-Film später selbst in einem Entwickler entwickeln, welcher das Filmkorn nicht schont → z. B. in „Rodinal“ bzw. dessen Nachbauten
    • Nicht vollformatig fotografieren sondern später lediglich einen Bildausschnitt verwenden bzw. diesen vergrößern
      fotografisches Korn

      Vergrößert man lediglich einen Bildausschnitt, vergrößert man folglich auch das Filmkorn. Möchte man jenes bewusst provozieren, sollte man beim Fotografieren viel Raum um das gewünschte Motivelement lassen und dieses später entsprechend vergrößern.

    • Beim Vergrößern im eigenen Fotolabor einen sogenannten „Lith-Entwickler“ verwenden. Dieser Spezial-Positiventwickler zaubert sogar Korn aus per se feinkörnigen Negativen:
      weiteres Beispiel mit dem Lithentwickler

      Ein Lithentwickler (spezielle Entwicklerchemie für S/W-Positivpapier) macht aus jedem Negativ ein körniges Papierbild. Dieser Entwickler funktioniert jedoch nur mit wenigen S/W-Papieren und färbt diese zudem noch etwas ein (Ocker- bis Orangetöne).

    Beherzigt man jedoch je das Gegenteil, verringert man das Korn bzw. erhält fein durchgezeichnete Tonwerte und eine hohe Auflösung:
    richtig belichtetes Foto

    Bei dieser analogen Fotografie wurde auf alles geachtet, was für eine hohe Tonalität und Auflösung wichtig ist: ein großes Filmformat (6×9-Mittelformat), ein gering empfindlicher S/W-Film (100 ASA), ein Feinkornentwickler (Kodak Xtol), eine konservativ lange Belichtungszeit, eine entsprechend kurzen Entwicklungszeit mit gemächlichem Kipprhythmus der Filmentwicklerdose, das Ausnutzen der gesamten Filmfläche. Vergleichen Sie den „Look“ dieses Bildes mit dem der anderen in diesem Absatz: Bei der analogen S/W-Fotografie können Sie durch viele Parameter den visuellen Stil Ihrer Fotografien durch bewusstes Einsetzen der Parameter steuern.

  18. Für Selbstentwickler III: Einen Kleinbildfilm aus der Kamera schneiden und nur einen Teil entwickeln

    Wer S/W-Filme selber daheim entwickelt, kann seine Kleinbildkameras wunderbar testen, indem man einfach nur z. B. fünf Aufnahmen entwickelt. Keinesfalls muss für einen Kameratest ein ganzer (teurer) Film geopfert werden.
    Man legt also eine Filmpatrone in die analoge Kleinbildkamera ein, macht die gewünschte Anzahl an Aufnahmen und nun kommt’s: Man benötigt jetzt entweder einen absolut dunklen Raum oder einen Wechselsack. Zunächst wird noch eine „Blindaufnahme“ gemacht, also ein Leerbild im Dunkeln oder einfach bei aufgesetzter Objektivschutzkappe. Die Rückwand der Kamera wird im Dunkeln geöffnet, mit einer Schere wird der belichtete Teil des Kleinbildfilmes (also der bereits heraus gezogene Teil) kurz hinter der Patrone abgeschnitten und gleich in die Entwicklerdose eingespult. Was bleibt übrig? Die Kleinbildpatrone, in welcher sich (lichtgeschützt) noch reichlich Filmmaterial befindet. Diese Patrone kann zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingelegt- bzw. weiter belichtet werden.
    Auf diese Weise ist es auch möglich, nach einem Shooting gleich die entsprechenden Bilder zu entwickeln, ohne dass man gleich einen ganzen 36-Bilder-Film belichten muss. Dieser Tipp funktioniert jedoch nicht bei Kameras mit integriertem Motor, welche zunächst nach dem Filmeinlegen den gesamten Kleinbildfilm abrollen und nach jeder Aufnahme Stück für Stück einziehen (einige analoge Canon-EOS-Kameras tun dies). Weiterhin ist das Abschneiden des Filmes nur im Kleinbild vernünftig möglich, nicht jedoch bei der Verwendung von Rollfilm im Mittelformat, da dieser an einem durchgehenden Schutzpapier angeklebt ist.
    ein eingelegter Kleinbildfilm

    Hier sieht man das Prinzip: Links befindet sich die Filmpatrone. Nach jeder Aufnahme wird der Film Stück für Stück auf die rechte Spule transportiert. Möchte man nur diesen (belichteten) Teil entwickeln, schneidet man ihn im Dunkeln einfach kurz hinter der Patrone ab. Obacht: Mit der Schere nicht versehentlich gegen die Lamellen oder gegen das Tuch des Verschlusses hinter dem Film kommen. Für das Herausziehen des belichteten Teils des Filmes von der rechten Spule muss ggf. (je nach Kameratyp) der untere Knopf eingedrückt werden, welcher eigentlich für das Zurückspulen des Filmes in die Patrone vorgesehen ist. Ansonsten kann es sein, dass sich die Spule nicht bewegen lässt.

    Entwickelt man nur einen Teil des Filmes, empfiehlt es sich dann, mittels Markerstift eine entsprechende Notiz auf die Filmpatrone zu schreiben, z. B. „12 weg“, wenn bereits 12 Aufnahmen heraus geschnitten worden sind. Schreibt man hier nur eine Zahl auf die Patrone, weiß man später vielleicht nicht, ob nun noch (um beim Beispiel zu bleiben) 12 Aufnahmen heraus geschnitten worden sind oder ob noch 12 Bilder auf dem Film zur Verfügung stehen. Weiterhin ist zu beachten, dass beim späteren Verwenden des (nun gekürzten) Filmes für das erneute Einlegen eine gewisse Länge Vorlauf benötigt wird. Dieser kann dann, je nach Kameratyp, Platz für ca. fünf Aufnahmen beanspruchen.

  19. Doppelbelichtungen vermeiden

    Etwas weiter oben ging es darum, Mehrfachbelichtungen zu erzeugen. Nun soll es darum gehen, wie man sie verhindert: Manche sehr alte Rollfilmkameras – aber auch einige Lomokameras wie die Holga oder Diana – besitzen keine Doppelbelichtungssperre.
    Filmfenster auf der Rückseite der Kamera

    Eine solche recht betagte Rollfilmkamera besitzt keine Doppelbelichtungssperre: Man kann theoretisch unendlich viele Mehrfachbelichtungen auf dem selben Bild vornehmen. Den Filmtransport kontrolliert man durch ein Fenster auf der Rückseite (bei diesem Modell gibt es zwei für zwei unterschiedliche Aufnahmeformate).

    Diese analogen Fotoapparate sind – was den Bild- bzw. Filmtransport anbelangt – recht simpel aufgebaut: An der Rückseite befindet sich ein rotes Fenster innerhalb welchem das Rückpapier des 120er Rollfilms die jeweilige Bildnummer anzeigt. Für jedes Bild muss manuell transportiert werden. Nicht selten stellt man sich dann die Frage »Habe ich nun bereits zu dieser Bildnummer transportiert oder wurde das Bild dieser Nummer bereits belichtet?« Hier muss man für sich selbst ein System festlegen.

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    Ich transportiere den Rollfilm stets unmittelbar vor jeder neuen Aufnahme zu einer neuen Nummer im Sichtfenster.

    Denn im Zweifel habe ich bei diesem System nur eine Leeraufnahme. Würde ich jedoch genau anders herum handeln (gleich nach jeder Aufnahme transportieren), dann würde ich eine Doppelbelichtung riskieren, wenn ich den Transport (die Aufnahme davor kann ja schon länger her sein) einmal vergessen habe.

  20. die Kamera zunächst ohne Film testen

    Bevor man einen nicht ganz billigen Film verschießt, kann man die mechanische Kamera zunächst sozusagen auf dem Trockendeck testen: Funktioniert der Aufzug? Löst die Kamera bei allen eingestellten Zeiten aus? Bewegt sich die Nadel des Belichtungsmessers bei Lichtwechsel? In diesem Video werden wichtige Tipps gegeben, die man berücksichtigen sollte, wenn man sich eine ältere, gebrauchte analoge Kamera gebraucht gekauft hat, bevor man den ersten Testfilm einlegt:

    In diesem Zusammenhang noch ein weiterer Hinweis und zwar was die Funktionalität des „Herzens“ einer alten mechanischen Kamera anbelangt, das ist der Verschluss. Dieser lässt für einen ganz bestimmten, genau einstellbaren Moment Licht auf den eingelegten Film (z. B. 1/125 Sekunde). Funktioniert dieser Verschluss beim Testen reibungslos, so sollte man die Kamera durchaus auch einmal für ca. 10 Minuten in den Kühlschrank legen und erneut prüfen, ob alle Zeiten nach Gehör einigermaßen sauber ablaufen. Ich habe nämlich bereits mehrmals in meiner Praxis mit analogen, mechanischen Kameras erlebt, dass diese bei Kälte manchmal ein Problem haben: Das alte Schmierfett im Innern wird bei Kälte zäh und verhindert ein korrektes Ablaufen der (insbesondere der längeren) Verschlusszeiten. Hat man also vor, mit der analogen Kamera zu verreisen, um dort z. B. Landschaftsfotografien machen zu wollen, wo es kälter ist, sollte mein Tip beherzigt werden.

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    Dies kann man auch umdrehen: Mit der sogenannten „Backofen-Methode“ kann altes, zähes Fett im Innern der Kamera wieder gangbar gemacht werden, indem die Kamera für einige Zeit in den Backofen bei geringer Hitze-Einstellung gelegt wird. Dummerweise laufen die Verschlusszeiten dann meist nur so lange, bis sich der Fotoapparat wieder abgekühlt hat. Dann hat man eine reine Sommerkamera oder sollte ihr einen Service in einer guten Werkstatt gönnen, in welcher das alte Schmierfett ausgetauscht wird.
  21. Brennweiten-Angaben richtig einschätzen

    Mittlerweile sind sogenannte „Vollformat-Digitalkameras“ immer mehr erschwinglich und mit ihnen halten für viele Besitzer auch die „alten“ Brennweiten-Maßstäbe wieder Einzug in den fotografischen Alltag. Diese alten Maßstäbe sind jedoch genau die gleichen der analogen Kleinbild-Kameras!
    So beträgt hier die Normalbrennweite 50 mm. Ein stärkeres Weitwinkel hat eine Brennweite von 28 mm und ein leichtes Teleobjektiv (Portrait-Tele) hat eine Brennweite von ca. 100 mm. Diese Werte unterscheiden sich also durchaus von denen bisher sicher üblichen Digitalkameras. Bei dem Kauf von Objektiven für die analoge Kleinbildkamera sollte man die drei genannten Brennweiten-Werte im Hinterkopf behalten.
    Oberkörper-Porträts gelingen im Kleinbild (bzw. Vollformat) z. B. am besten (keine Verzerrungen durch genügend Abstand) bei einer Brennweite ab ca. 85 mm. Ganzkörperportraits kann man jedoch schon gut mit der Normalbrennweite (ca. 50 mm) machen, da man hier für eine formatfüllende Aufnahme genügend weit von der Person weggehen kann bzw. muss. Innenräume fotografiert man am besten mit einem 28mm-Objektiv. Auch für weite Landschaften wäre dieses sehr gut geeignet. Ein 21mm-Objektiv stellt an einer analogen Kleinbildkamera bereits ein sehr starkes Weitwinkel dar, dessen Wirkung man auf den damit gemachten Bildern meist sehen kann. Sehr beliebt sind „analoge Objektive“ mit einer Brennweite von 35 mm: Sie bilden einen guten Kompromiss aus leichtem Weitwinkel und Normalbrennweite.
    Brennweite bei analogen Objektiven

    Das (fest verbaute) Objektiv dieser analogen Kleinbildkamera besitzt eine Brennweite von 45 mm. Dieser Wert würde für „normale“ Digitalkameras mit APS-C-Sensor bereits ein leichtes Tele bedeuten, nicht so bei analogen Kameras mit einem Vollformat-Wechselsensor (Kleinbildfilm). Hier stellt er die Normalbrennweite dar.

    Übrigens: Zumindest alte „analoge“ Nikon-Objektive lassen sich an einigen digitalen Nikon-Kameras benutzen. Ich nutze Nikon digital wie analog und zwar mitunter mit den selben Objektiven (ohne Adapter).
    Und wenn Sie bereits im Mittelformat arbeiten, dann gelten schon wieder andere Brennweiten-Maßstäbe (nämlich je noch höhere Werte).

  22. Lichtmessung auf den Boden: Dem Film viel Licht gönnen

    Film mag Licht! Viele Fotografen begehen aber den Fehler und haben Angst vor Überbelichtung. Aber eine tatsächliche Überbelichtung setzt zumindest bei normalem S/W- und Farbfilm ziemlich spät ein (nicht jedoch bei Diafilm): Man müsste hier schon sehr stark entgegen der Belichtungsmessung mehr belichten. Für schöne Grauwerte oder einen luftigen Look (der sogenannte Pastell-Look) bei Farbnegativ- und erst recht S/W-Negativfilmen sollte man dem Aufnahmematerial durchaus mehr Licht gönnen, als es der interne Belichtungsmesser vorschlägt! Die meisten in den älteren Kameras eingebauten Belichtungsmesser sind nämlich nicht selten zu lax, was die Belichtungsmessung anbelangt: Sie neigen leider allzu oft zur Unterbelichtung (insbesondere, wenn viel Himmel im Sucher der Kamera erscheint).

    *Die Instax Sofortbildkameras sind DER Kassenschlager im Bereich analoge Fotografie. Es existieren dutzende an Modellvarianten, die man sich bei Amazon ansehen kann. Und die passenden Sofortbildfilme werden natürlich weiterhin produziert.

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    richtig belichten

    Belichtungsspielraum von Film

    Ein Schwamm und ein Film, was soll das denn? Beide besitzen ein gewisses, nicht zu unterschätzendes Volumen: Der Schwamm für Wasser, der Film für Licht.

    Bei der obigen Abbildung wurde nicht das Ergebnis des internen Belichtungsmesser zur Belichtung genommen (konservativ betrachtet neigt sie hier zur Unterbelichtung). Stattdessen wurde die Kamera zunächst auf den Boden gerichtet und die Messwertspeichertaste gedrückt. Es wurde zur Messung also der Boden als Grundlage genommen. Denn hier stört der helle Himmel die Messung nicht! Schließlich wurde mit dem Messwert (Belichtungszeit) für den Boden das tatsächliche Foto gemacht. Das Ergebnis: Feine Tonwerte und hohe Schattenzeichnung.
    Hat die analoge Kamera keine Messwertspeicher-Taste, dann kann man auch einfach den ISO- bzw. ASA-Regler herunter drehen oder einen evtl. vorhandenen Korrekturregler in den positiven Bereich drehen.
    Wenn Sie mehr zum Thema wissen möchten oder Ihre Kamera keine Messwertspeicher-Funktion besitzt, vertiefen Sie Ihr Wissen in meinem Artikel → Besser Belichten mit der analogen Kamera. Der Trick mit dem Boden funktioniert natürlich nur bei Böden, welche eine mittlere Eigenhelligkeit besitzen (Rasen, Straße, Fußweg usw.). Bei Schnee oder auf einem Kohlehaufen stehend würde man auch hier falsche Messergebnisse erhalten. Man kann auch seine Jacke für eine Referenzmessung verwenden oder eine andere Fläche mittlerer Helligkeit.

  23. Nicht mehr erhältliche Batterien

    Noch ein Tipp: Knopfbatterie ist Knopfbatterie der selben Größe? Leider nicht. Früher gab es Batterien, die auf Quecksilber basierten. Diese dürfen seit geraumer Zeit nicht mehr verkauft werden. Dummerweise benötigen einige analoge Kameras (insbesondere manche kompakte Messsucherkameras) und viele alte Handbelichtungsmesser eben genau diese Quecksilberbatterien (manchmal auch Queckies genannt und im englischen „mercury battery“). Viele Fotografen nutzen dann hier einfach Hörgerätebatterien. Diese haben fast die gleiche Spannung und: Diese Spannung bleibt konstant. Dies ist auch der Grund, warum man bei diesen Geräten nicht ganz normale Knopbatterien („Alkaline“) nutzen sollte.
    Für manche Belichtungsmesser oder Kameras gibt es auch passende Knopfzellen, die auf Lithium basieren. Solche Batterien halten die Spannung ebenso konstant und können genutzt werden (wenn sie denn von der Größe her passen). Ich schere mich nicht darum und nutze auch ganz normale Alkali-Batterien. Diese müssen hin und wieder ausgetauscht werden (da deren Spannung sinkt). Dass sie eine etwas zu hohe Anfangs-Spannung besitzen, verfälschen sie das Messergebnis sicherlich etwas. Da ich Licht ohnehin immer großzügig messe (siehe vorheriger Tipp), ist eine etwaige Messungenauigkeit für meine Art der Fotografie bzw. Belichtungsmessung kaum störend.
    alter Belichtungsmesser Gossen Lunasix 3

    Solch ein alter Belichtungsmesser (Typ: Gossen Lunasix) benötigt eigentlich zwei der heute nicht mehr produzierten „Quecksilber-Batterien“, um korrekt zu funktionieren.

  24. Lichtstarke Objektive

    Es gibt einige besonders lichtstarke analoge Objektive. Die meisten guten Normalbrennweiten werden bei einer Blende von 2.8 anfangen. Wer es noch lichtstärker haben möchte, für den gibt es auch Objektive mit einer Anfangsöffnung von 1:1.4 oder gar 1:1.2! Mit ihnen kann man bei offener Blende auch noch in relativ dunklem Umgebungslicht aus der Hand, d. h. ohne Stativ, fotografieren.
    Nikkor 1.2

    Das Nikon Nikkor 1.2 ist ein sehr lichtstarkes Objektiv bei einer Normalbrennweite von 50mm. Solche lichtstarken Objektive erkennt man schnell an deren verhältnismäßig großen Durchmesser.

    Doch Obacht! Wenn Sie glauben, Sie können mit einem 1,4er oder 1,2er Objektiv bei Offenblende knackscharf abbilden, irren Sie! Erst abgeblendet „kommen“ diese auf eine hohe Schärfe, Verzeichnungsfreiheit und Auflösung. Daher ergeben diese lichtstarken Objektive bei Offenblende nur Sinn, wenn man tatsächlich die Lichtstärke benötigt oder: Wenn man einen eher weichen Bildstil anstrebt:

    *Der Kodak Tri-X ist der Filmklassiker schlechthin: ein höher empfindlicher S/W-Film (400 ISO), welcher den klassischen analogen Look liefert und in mehreren Filmformaten erhältlich ist. Er ist als DER Reportagefilm in die Geschichte eingegangen und ihn gibt es heute immer noch. Bei Amazon am besten die günstigeren Händlerpreise beachten.

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    das Nikkor 1.2 Objektiv
    Das Foto erinnert vom Look sehr an alte Glasplatten-Fotos von riesigen Holzkameras (Großformat). Aber es ist ganz normales Kleinbild, mit dem Nikon Nikkor 50 mm 1.2 aus der Hand fotografiert! So eine geringe Schärfentiefe bekommt man hier nur mit einem sehr lichtstarken Objektiv, wenn man es bei Offenblende einsetzt. Auf eine hohe „Punktschärfe“ muss man dabei aber verzichten können, gleichfalls auf eine höhere Auflösung. Ein Wermutstropfen: Diese besonders lichtstarken Objektive mit einer Anfangsöffnung von 1:1.2 sind ziemlich teuer. Günstiger sind die „1,4er“. Bei einer Brennweite von 50 mm kann man sie jedoch schlecht für Halbkörper- oder gar Kopfporträts nutzen: Man müsste recht nah heran gehen, um formatfüllend zu arbeiten und dies würde eine ungünstige Verzerrung bewirken.

  25. Langzeitbelichtungen oder: Wer ist Herr Schwarzschild?

    Bei diesem Tipp für die analoge Fotografie geht es um Langzeitbelichtungen. Bei jenen tritt nämlich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen der digitalen- und analogen Fotografie auf Film auf: Das Verhalten der Belichtung bei Belichtungszeiten länger als ca. eine Sekunde.
    Ein gewisser Herr Schwarzschild hatte nämlich irgendwann entdeckt, dass sich die Schwärzung (Belichtung) auf einem Film ab langen Zeiten (ab ca. einer Sekunde) zögerlich verhält. Das bedeutet: Sie müssen bei Langzeitbelichtungen manchmal noch länger belichten, als eigentlich gemessen / ausgerechnet. Für alle Belichtungszeiten schneller als 1 Sekunde trifft dies nicht zu*.

    Schwarzschild Faustregeln
    1s → 2s

    2s → 5s

    4s → 11s

    8s → 35s

    15s → 75s

    30s → 3 Min.

    1 Min. → 6 Min.

    Müssten Sie also mit einem fotografischen Film 4 Sekunden belichten, dann sollten Sie dies besser gleich ganze 11 Sekunden tun! Hier greift der Schwarzschild-Effekt!
    In der digitalen Fotografie spielt dieser Effekt überhaupt keine Rolle, wohl aber beim Belichten von S/W- oder Farbfilm. Und jetzt wird es noch etwas komplizierter: Die Werte oben sind lediglich Richtwerte. Inwiefern Ihr benutzter Film vom Schwarzschild-Effekt betroffen ist, müssen Sie aus dem Datenblatt entnehmen. Der Effekt wird übrigens auch „Reziprozitätsgesetz“ genannt.

    * Der Effekt gilt auch für das mehrmalige Blitzen hintereinander bei schnelleren Zeiten. Dies ist jedoch für die meisten Fotografen nicht relevant und muss in diesen Tipps für Anfänger der analogen Fotografie nicht besprochen werden.

    *Fujis Neopan Acros 100 zählt zu den beliebtesten S/W-Filmen. Er ist in der 100-ASA-Version äußerst hochauflösend. Auf Amazon die günstigeren Händlerpreise beachten.

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    der Schwarzschildeffekt

    Bei dieser Langzeitbelichtung nachts konnte nicht einfach der Messwert des Handbelichtungsmessers übernommen werden! Da jener weit über einer Sekunde lag (nämlich ca. 15s), musste die Belichtung aufgrund des Schwarzschild-Effektes deutlich verlängert werden (auf ca. 75 Sekunden). Versäumt man dies, erhält man unterbelichtete Bilder. Bei dieser Nachtaufnahme erhielt ich jedoch durch Berücksichtigung des Schwarzschildeffektes eine Schattenzeichnung bis hinein ins dunkle Pflaster im Vordergrund.

  26. Den Zonenfokus nutzen

    Für rein manuell zu fokussierende Objektive (und die meisten mechanischen analogen Kameras werden solche nutzen) gibt es eine ganz wunderbare Möglichkeit nach „Zonen“ zu fokussieren bzw. die Möglichkeit, sich vorher eine bestimmte „Scharf-Zone“ einzustellen und mit dieser Einstellung einen bestimmten Schärfebereich (den man kennt) auf einmal abzudecken. Man nennt diese Technik „Zonenfokus“ und dies funktioniert nur bei den (meist älteren) Objektiven, bei denen noch eine Meter- bzw. Feed-Skala abgedruckt ist:
    die Schärfentiefe kontrollierenBetrachten Sie nun bei diesem Beispielbild die Zahlen am Objektiv unten: Zunächst wurde manuell auf ca. 4,5 Meter scharf gestellt, was die m-Angabe ja anzeigt. Doch warum ist dort auch eine Skala mit verschiedenen Blendenangaben abgedruckt? Das verhält sich so: Für die derzeitige Fokussierung (4,5 Meter) kann ich hier z. B. ablesen, dass bei Blende 22 die Schärfe bei ca. 2,9 Meter beginnt (linke Blendenreihe) und bei 10 Meter (rechte Blendenreihe) wieder aufhört. Bei dieser Einstellung (Fokus auf 4,5 Meter; Blende 22) hat dieses Objektiv also eine Schärfe-Zone von ca. 7 Metern. Innerhalb dieses Bereiches wäre bei dieser Einstellung dann stets alles scharf abgebildet. Man muss nicht mehr zwingend nachfokussieren, wenn man sich innerhalb dieses Zonenfokus bewegt. Das Prinzip des Zonenfokus ist also insbesondere für die „Street Photography“ relevant. Hier wird man selten Zeit haben, die Kamera ans Auge zu nehmen, um gemütlich punktuell scharfzustellen. Doch auch bei der Landschaftsfotografie ist es oft sinnvoll, nach Zonen scharf zu stellen, damit es hier nicht zum „aufgequollenen“ Vordergrund kommt, wenn man den Fokus einfach nur auf Unendlich stellt. Denn so etwas (tatsächliche Schärfentiefe) kann man im Sucher schlecht bzw. gar nicht beurteilen – jedoch einfach auf dem Objektiv ablesen.

  27. Planlage

    Schon wieder so ein seltsamer Begriff, welcher (fast) nur in der analogen Fotowelt vorkommt: Die Planlage. Es ist wichtig, dass der eingelegte Film möglichst plan (also glatt) parallel gegenüber dem Objektiv im dunklen Kästlein positioniert ist. Je größer das Filmformat (z. B. 6×9 Mittelformat) desto schwieriger kann dies mechanisch realisiert werden. Und auch beim Scannen von Filmen spielt diese Planlage eine sehr wichtige Rolle, möchte man keine Schärfe bzw. Auflösung verschenken.
    die Andruckplatte für exakte Planlage
    Analoge Kameras besitzen deswegen eine sogenannte „Andruckplatte“ im Innern der Rückwand. Sie ist federgelagert und soll dafür sorgen, dass der eingelegte Film sanft und gleichmäßig auf die Filmführung gedrückt wird. Ist diese Andruckplatte nun schief positioniert oder besitzt nicht den nötigen Druck, drohen unscharfe Bilder. Ggf. sollte man sie daher bei alten Kameras etwas straffen, d. h. nach vorne ziehen, damit der eingelegte Film schön platt gedrückt wird. Aber nicht übertreiben! Denn ansonsten droht ein schwergängiger Filmtransport bzw. Kratzer auf dem Film.

    Nebenbei: Ein schönes, kleines Kunstprojekt im Sinne des „Objet trouvé“ in Bezug zu jenen ordinären Filmandruckplatten (Film Pressure Plates), welches zwei meiner damaligen Kommilitonen aus dem Fotografiestudium umsetzten, finden Sie hier (englisch):

    Film Pressure Plates

    Once you open the mechanical heart of a common Film-Camera you’ll find something, that lies behind the Pictures shot with it. A four sided, small black piece of metal with a fine relief. A such «pressure plate» is pressing the Film against the light, that is falling through the Lens and has seen and touched every picture in the Moment of its apperance. What traces of light can be found on this small, inconsiderable thing? And what can bee seen of that after thousands of exposures?

  28. Belichten mit Grips: Sonne 16

    In diesem Tipp geht es darum, auch ohne Belichtungsmesser die richtige Belichtung an einer analogen Kamera manuell einstellen zu können. Dies funktioniert jedoch nur bei freiem Sonnenschein, also bei einem Wetter, bei dem sich keine Wolken vor der Sonne befinden. Sicherlich wissen Sie, dass es externe Handbelichtungsmesser gibt und auch, dass man recht gut mit einem Smartphone die richtige Belichtung messen kann. Im Notfall (und bei schönem Wetter) können Sie jedoch auch auf all dies verzichten. Merken Sie sich einfach: Sonne 16. Und jetzt diesen Satz:

    Bei frei scheinender Sonne und bei Blende 16 ist die richtige Belichtungszeit der Kehrwert Ihrer Filmempfindlichkeit.

    *In den Herma Negativhüllen archivieren Sie Ihre Filmstreifen sicher vor Staub. Durch die Ringlochung lassen sich die Hüllen einfach in Ordner aufbewahren (bei Amazon).

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    Übersetzt an einem Beispiel bedeutet dies: Haben Sie einen Film mit einer Empfindlichkeit von 100 ASA eingelegt und scheint die Sonne (keine Wolken davor), dann brauchen Sie nur Blende 16 am Objektiv Ihrer analogen Kamera einzustellen und eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde. Wenn Sie die 1/100 nicht haben, nehmen Sie einfach die nächste – nämlich die 1/125 Sekunde.
    Fotografieren Sie mit einem 400-ISO-Film, dann nehmen Sie die 1/500 Sekunde (eigentlich 1/400 Sekunde, aber die gibt es bei analogen Kameras nicht).

    Sie können nun sicher gehen, dass Sie eine einigermaßen korrekt belichtete Fotografie aufgenommen haben. Vielleicht haben Sie einen der vorherigen Tipps zur analogen Fotografie gelesen (dem Film viel Licht gönnen). Dann gehen Sie auf Nummer sicher und öffnen Sie das Objektiv auf Blende 11 oder gar 8. Ich selbst arbeite sicherheitshalber erfolgreich mit dem Merksatz „Sonne 11“. Sollten Sie jedoch einen Diafilm nutzen (geringerer Belichtungsspielraum) bleiben Sie vorsichtshalber bei „Sonne 16“.
    Freilich sind Sie bei diesem Merksatz (auch Sunny 16 genannt) nicht auf die tatsächliche Blende 16 festgelegt: Öffnen Sie die Objektivblende um einen vollen Schritt (von 16 auf 11) und verdoppeln gleichzeitig die Geschwindigkeit des Verschlusses (von 1/125 auf 1/250 Sekunde) usw. Hierdurch bleibt die Lichtmenge, die auf den Film fällt ja stets die Selbe.


Dies waren einige Tipps im Umgang mit der analogen Fotografie. Ihr könnt / Sie können sich gerne über die Kommentarfunktion daran beteiligen, wenn weitere Fragen auftauchen sollten oder wenn Sie noch weitere Anmerkungen und Hinweise haben.

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Artikeldatum: 30.04.2017 / letzte Änderung: 18. Februar 2018

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2 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.