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Surreale Fotografie mit einer Meniskuslinse auf Film


Heute möchte ich einige Fotografien vorstellen, die mit einem Objektiv aufgenommen worden sind, welches – rein konservativ betrachtet – wahrlich Schrott ist. Doch genau dessen technisch äußerst schlechten Eigenschaften schaffen Bilder, die sich vom „Look“ her deutlich von der Masse unterscheiden.

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Seitdem die Fotografie populär geworden ist (also seit über einhundert Jahren) bewerben die Hersteller von Objektiven ihre Produkte mit allerlei Adjektiven, die den Fotografen überzeugen sollen, dass mit diesen scharfen und hochauflösenden Linsen Fotos geschaffen werden können, die in puncto Bildqualität ein realistisches Abbild der Realität ermöglichen.

So ist es ja auch und dies ist nur gut so. Jegliche Abbildungsfehler (Aberration, Koma, Verzeichnung, Vignettierung usw.) sind bei einem normalen Objektiv genügen korrigiert.
Nun kann es aber durchaus reizvoll sein, einmal genau das Gegenteil auszuprobieren. Hierzu nutze ich sogenannte Meniskuslinsen. Dies sind simple Linsen aus Glas oder Plastik, die einen Brennpunkt erzeugen – also ein „scharfes“ Bild auf einem analogen Negativ oder auf dem Sensor einer Digitalkamera. Bei letzterer hat sich der Einsatz einer Meniskuslinse nicht bewährt: Die Fotos sehen aus wie in Seifenlauge. Ihnen fehlt das fotografische Korn. Viel besser geht es mit einer analogen Kamera:

analoges Foto mit meniskuslinse

eine Pouva Start Kamera

Die optisch schlechten Linsen simpler Plastikkameras kann man ggf. auch an funktional hochwertige Kameras adaptieren, um z. B.damit  im Studio zu fotografieren.

Insbesondere solche seltsamen, surrealen Motive bzw. Inszenierungen eignen sich meiner Meinung nach sehr gut für die Verwendung einer Meniskuslinse als Objektiv.

Hier verwendete ich meine Pentacon Six Mittelformatkamera. Als Objektiv diente mir ein ausrangiertes Standardobjektiv, bei dem ich jedoch die (hochwertigen) Originallinsen entfernte. Stattdessen setzte ich eben lediglich eine einzelne Meniskuslinse ein. Jene baute ich vorher aus einer anderen Kamera aus – eine alte „Pouva Start“. Dieser Fotoapparat besitzt eine Optik, die aus zwei hintereinander liegenden Linsen besteht. Ich nutzte nur eine davon (sie bildet dann ein leichtes Tele für das Format 6×6).

*BIG SHOTS! Die Geheimnisse der Weltbesten Fotografen, so kommt dieses Buch daher. Ausdrücklich soll hier nicht primär von Technik geredet werden und Zitat: "Dies ist kein Lehrbuch". Stattdessen werden Bilder von 50 renommierten Fotografen vorgestellt und erklärt, was diese Fotos zu etwas Besonderen macht. Auf Amazon können Sie einen Blick in Big Shots werfen.

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eine surreale Fotografie

Hier ein anderes Foto mit dem umgebauten Objektiv. Solchen surrealen Fotografien kommen die deutlich sichtbaren Bildfehler sehr zugute und passt zu der seltsamen Inszenierung. Insbesondere fällt hier der sogenannte „Lichthof“ auf (ins Dunkel übergehendes Schimmern), welcher an hellen Bildelementen entsteht.

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Ich verwende für solche Bilder immer einen 400-ASA-Schwarzweißfilm und pushe diesen auf 800 ASA. Zwar hatte ich hier genügend helles (Kunst-) Licht zur Verfügung. Doch ich wollte das Korn des Filmes unbedingt deutlich sichtbar haben – und dies wird eben bekanntlich durch Pushen (unterbelichten und überentwickeln) verstärkt. Als Filmentwickler benutzte ich Rodinal. Dieser Negativentwickler akzentuiert das Filmkorn ebenfalls (und unterdrückt es nicht).

fotografisches Korn

Hier sehen Sie noch einen Detailausschnitt vom obigen Bild. Ich finde, das Filmkorn kommt hier sehr schön zur Geltung und passt zu diesem Motiv.

Die beiden Fotografien hatte ich im eigenen Fotolabor auf Foma Fomabrom Barytpapier vergrößert. Ich nutze hier gerne ein Bleichmittel (sogenannter „Farmerscher Abschwächer“), durch welches in einigen Bildbereichen die „Wölkung“ erzeugt wird.

Tipp: Es gibt im Handel solche Physik-Baukästen für Jugendliche („Optik Baukasten“ oder ähnlich). Mit den enthaltenen Linsen kann man experimentieren. Man kann auch mit allerlei anderem Glas oder Plastik fotografieren. Oder man nimmt einfach eine alte, sogenannte „Boxkamera“. Auch von diesen hatten die schlechteren simple Meniskuslinsen verbaut.

* Fotografieren mit analogen Plastikkameras, Einwegkameras und "Lomokameras", dies ist das Thema dieses Buches. Der Autor zeigt, was für kleine Kunstwerke mit solchen einfachen Fotoapparaten und Lochkameras möglich sind und wie dies gemacht wird. Auf Amazon kann man durchaus einen Blick in dieses Buch werfen.

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eine Mensikuslinse und eine analoge Kamera

Hier das Foto einer anderen Lösung: rechts sehen Sie eine Acryllinse (aus der bekannten „Holga Lomo Kamera“). Diese habe ich in den „Objektivmantel“ eingesetzt, welcher zur linken Kamera gehört (eine „Braun Paxina“). Das Besondere an der Holga-Linse ist, dass es sich um ein Weitwinkel handelt. Man kann diese nicht an eine Mittelformat-Spiegelreflexkamera adaptieren! Denn diese Linse muss relativ nah an den Film heran (kurze Brennweite). Daher eignen sich solche Mittelformatsucherkameras sehr gut wie die hier gezeigte. Man kann die Plastiklinse dann an einer „echten“ Kamera nutzen mit verschiedenen Verschlusszeiten und mit einer Blendeneinstellung um den Grad der Abbildungsabstraktion zu steuern. Und so sieht dies dann aus:

eine Lomo Kamera mit Blende

Und hier noch ein Foto mit der obigen Braun Paxina mit Acryl-Meniskuslinse:

Foto mit Acryllinse

Auch dies ist ein Handabzug. Wie gesagt: Ich nutze solche Objektive voller Bildfehler gerne für düstere, surreale Fotografien. Gut eignen tun sie sich jedoch auch für die Aktfotografie.

*Das Objektiv der Holga-Kamera kann man auch einzeln kaufen. Man erhält eine Meniskuslinse aus Kunststoff, welche die ideale Grundlage für das Adaptieren an anderen Kameras bildet. Die Linse "leuchtet" bis zum Format 6x6 aus und liefert den typischen surrealen Bildeindruck. Auf Amazon gibt es eine Übersicht der verschiedenen Modelle.

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eine Lomokamera

Für viele Motive eignet sich tatsächlich ein Objektiv, welches jegliche Details des Motivs gestochen scharf und hochauflösend abbildet. Es gibt aber durchaus auch Sujets, denen eine eher weiche und nicht genaue Wiedergabe sehr zu Gute kommt. Am einfachsten kommt man hier einer sogenannten Lomokamera zu ersten Ergebnissen. Besser ist es natürlich, man stattet einen richtigen analogen Fotoapparat mit solch einer Meniskus-Linse aus – denn nur sie ist es ja, die für diesen doch recht speziellen Bildcharakter verantwortlich ist.

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Artikeldatum: 24.11.2016 / letzte Änderung: 15. Juli 2017

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2 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.