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Einfache Makrofotografie mit Zwischenringen


Jedes Objektiv benötigt einen gewissen Mindestabstand zum Objekt, den man einhalten muss – ansonsten kann man es nicht mehr scharf stellen. Manche Fotomotive sind jedoch so klein, dass man gerne noch etwas näher heran gehen möchte. Hier sind Zwischenringe eine einfache Lösung, um auch Makrofotografien anfertigen zu können.

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Jüngst wollte ich mit der analogen Mittelformatkamera eine kleine Serie auf S/W-Film bannen: Mich interessierten die vielen kleinen Küchenabfälle, die sich so über die Tage in unserer WG-Küche ansammeln. Da kommen bisweilen ein paar herrlich abstrakte Figuren zustande. Ich besitze ein ordentliches Stativ, bei welchem ich die Mittelformatkamera so ausrichten kann, dass sie mit dem Objektiv direkt nach unten zeigt. Ideal! So kann ich meine kleinen Konstellationen auf Graukarton legen und direkt von oben fotografieren. Als Licht nutze ich hier gerne einen entfesselten Blitz, den ich einfach gegen eine weiße Zimmerwand richte. Auch ein Nordlichtfenster mit diffusem Licht eignet sich für solch kleine Objekte sehr gut. Alles kein Problem:

Zwischenringe an einer Kamera

Doch was war das? Die kleinen Fotomotive ließen sich auf der kurzen Distanz zum Objektiv überhaupt nicht mehr scharf stellen. Für derlei großen Abbildungsmaßstäbe kleiner Dinge ist mein Objektiv nicht gebaut. Auf dem obigen Foto sehen Sie aber schon, wie man sich hier behelfen kann: Man nimmt einfach einen oder gleich mehrere passende Zwischenringe, schraubt diese zunächst an die Kamera und dann erst das Objektiv auf die Ringe:

zwei Zwischenringe

Hier sehen Sie einmal zwei dieser Zwischenringe. Sie dienen sozusagen als Verlängerung zwischen Kamera und Objektiv. Es gibt derer noch mehrere und man kann sie gut kombinieren: Je mehr übereinander eingesetzt werden, desto näher kann man mit dem Objektiv an ein kleines Objekt bis hin zum Einsatz für die Makrofotografie gehen.

Sie sehen auf dem Foto auch eine Besonderheit: So simpel die Technik mit den Zwischenringen auch ist, es wird dennoch die Springblende am Objektiv bedient werden können. Dies geht mit den sogenannten „Stößeln“. Das sind die kleinen Stäbchen, die im Innern angebracht sind. Statt Zwischenringe kann man ja auch ein kleines Balgengerät verwenden. Damit kann man den Abstand hin zur Kamera stufenlos einstellen. Allerdings wird die Springblende damit nicht übertragen werden können.

Fotografie mit Zwischenringen

Hier eines der besagten Bilder aus der Küche: Ohne Zwischenringe wäre ich nie so nah mit der Kamera an das kleine Kunstwerk heran gekommen. Denn das 80 mm Objektiv meiner Mittelformatkamera kann normalerweise Dinge nur bis zu einer minimalen Breite von ca. 60 cm formatfüllend scharf stellen. Setzt man jedoch die beiden hier etwas weiter oben abgebildeten Ringe zwischen Objektiv und Kamera, kann man so weit heran gehen, dass auch Objekte mit mindestens 10 cm Breite formatfüllend und scharf fotografiert werden können. Dies kann man noch erhöhen und in die „echte“ Makrofotografie gelangen, wenn man noch mehr Ringe verwendet.

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eine Makrofotografie

Da ein weiteres Bild aus der Serie. Wie man sieht, sind die feinen Härchen durchaus scharf abgebildet. Jedoch ist mein Objektiv natürlich kein echtes Makroobjektiv: Bei dieser Kompromisslösung muss irgendwann mit einem Verlust an Abbildungsqualität gerechnet werden. Bei diesen noch relativ „großen“ Objekten ist dies noch nicht auffallend der Fall.

zwei kombinierte Ringe mit Verlängerungsfaktor

Eine Sache ist beim Einsatz von Zwishenringen (oder einem Balgengerät) unbedingt zu beachten: Hierdurch verringert sich die Lichtstärke des Objektives! Klar: Das Licht hat ja nun einen längeren Weg zum Film zurück zu legen.
Wie für vieles in der (analogen) Fotografie gibt es auch hierfür eine Formel:

Man misst zuerst die Höhe des Zwischenrings  / der Zwischenringe. Nun addiert man sie mit der Brennweite des Objektives. Als nächstes teilt man diese Summe noch einmal durch die ursprüngliche Brennweite (die Zahl, die auf dem Objektiv steht) und das Ergebnis nimmt man zum Quadrat. Heraus kommt eine positive Zahl → Beträgt sie ca. 1,4 dann muss man die Belichtung um genau eine halbe Blende verlängern. Lautet sie 2 dann muss man bereits um eine Blende reichlicher belichten. Beträgt sie schon 2.8 dann sind es zwei Blenden.
Merken Sie? Diese Ziffern sind ungefähr die gleichen Zahlen wie auf ihrem Objektiv bzw. die der Blendenreihe.

Auf dem obigen Foto sehen Sie, wie ich die Formel auch direkt auf die Zwischenringe geklebt hatte. Jeder dieser Ringe schluckt ca. eine halbe Blende Licht. Nutze ich beide zusammen, so muss ich freilich um eine ganze Blende reichhaltiger belichten.

ein Objektiv in Retrostellung

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, Makrofotografien ohne echtem Makroobjektiv anzufertigen: Das ist die sogenannte „Retrostellung“ eines Objektives. Hierfür gibt es für einige Kameras einen „Retroring“: Der (er muss zur Kamera und zum Objektivgewinde passen) wird zunächst in das Bajonett eingesetzt. Als nächstes kann man ein normales Objektiv tatsächlich verkehrt herum auf den Retroring schrauben.

*Ein kompaktes Reisestativ inklusive Kugelkopf. Durch den Trick, dass sich der Kopf beim Zusammenlegen innerhalb der Beine befindet, erhält man ein Packmaß von nur 35 cm! Weiterhin lässt sich ein Stativbein als Einbeinstativ umfunktionieren. Bei Amazon gibt es dieses kompakte und stabile Stativ zum gewohnt günstigen Preis.

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Hier nutze ich meine analoge Nikon Kleinbildkamera mit dem Nikkor 50 mm. Dieses ist verkehrt herum montiert. Auf diese Weise kann man ebenfalls sehr nah an das Motiv herantreten: Ich kann in dieser Kombination ein kleines Objekt von ca. 5 cm Breite formatfüllend abbilden.
Der Vorteil der Retrostellung: Das Gerechne mit dem Verlängerungsfaktor / dem Lichtabfall ist nicht nötig (da nicht vorhanden). Die Nachteile: Auch hier kann die Springblende nicht bedient werden. Man muss die Blende des Objektives vor dem Einstellen öffnen und danach manuell wieder schließen. Und natürlich kann man den Wirkungsgrad hier kaum beeinflussen.

Eine weitere Möglichkeit für das Fotografieren sehr kleiner Objekte sind sogenannte „Nahlinsen“. Dies sind einfache Filter, die wie eine Lupe wirken und die man einfach vor das Objektiv schraubt. Wie bei jedem Filter geht damit ein Verlust der Abbildungsqualität einher. Mit den Nahlinsen habe ich bisher jedoch keine Erfahrung sammeln können.

ein Knoblauch im Netz

Zuletzt ein weiteres Stillleben, welches mit dem normalen Objektiv ohne Zwischenringe (bzw. den anderen erwähnten Techniken) nicht möglich gewesen wäre. Bei diesem Foto von einem Knoblauch im Netz platzierte ich die analoge 6×6-Kamera auf dem Stativ und nutzte die Normalbrennweite mit einem oder zwei Zwischenringen (so genau weiß ich dies nicht mehr).

Gewiss: Um Insektenaugen im vollen Format abbilden zu können, reichen Lösungen wie die Zwischenringe, das Balgengerät, die Nahlinsen oder die Retrostellung sicherlich nicht aus. Ich bin jedoch ein Freund derlei sachlicher Pflanzenarrangements. Hier sind meine Zwischenringe ein gutes, einfaches, günstiges Werkzeug, um die natürliche Grenze des Mindestabstandes vom Objektiv zum Objekt erhöhen zu können.

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Artikeldatum: 18.09.2018 / letzte Änderung: 10. Oktober 2018

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