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Analoge kompakte Sucher Kamera: Die Agfa Selectronic S Sensor


Wer gerne analog fotografiert, wird sicherlich mehrere Kameras sein eigen nennen können. Je nach Einsatzzweck bieten sich unterschiedliche Systeme bzw. Filmgrößen an. Hier stelle ich einmal meine recht kompakte Messsucherkamera vor: Die Agfa Selectronic S.

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eine Messsucherkamera

die Agfa Selectronic S

Ich benötige manchmal eine kleine „Immer dabei Kamera“, die ihren Platz ohne zu stören in der Schultertasche finden- und die man so stets bei sich führen kann. Natürlich gibt es viele analoge Kameras, die sehr leicht und kompakt sind. Allein: Entweder ist deren optische Qualität eher mittelmäßig, sie besitzen keinen Mess-Sucher zum Fokussieren oder sie haben nur eine Vollautomatik oder eine Blendenautomatik. Als anspruchsvoller Fotograf möchte ich jedoch eine größere Kontrolle über das Bild haben (Schärfentiefe, Belichtungskorrektur). Die Sache, dass man sich sozusagen einen Schärfebereich legen kann, ist ja auch für die (spontane) Street Photography relevant. Hier kommt die analoge Agfa Selectronic S Sensor als durchaus kompakte analoge Kamera ins Spiel. Sie scheint derzeit völlig unterbewertet bzw. recht unbekannt in entsprechenden Fotokreisen / Fotoforen zu sein.

eine Agfa Selectronic S Sensor

Auf diesem Foto sehen Sie die Gute. Bei dieser analogen Agfa-Kamera handelt es sich um eine der ganz wenigen Messucher-Kompaktkameras mit Zeitautomatik: Man wählt die Blende vor und die Elektronik ermittelt dann die passende Zeit. Ganz einfach. Rein manuell kann sie allerdings nicht bedient werden. Jedoch kann man die (gemessene) Belichtungszeit noch etwas mit dem ASA-Einstellknopf verändern, was ich – der Belichtungskorrektur wegen – durchaus öfters tue.

Scharf stellen

*Die Essenz der Fotografie: Sehen lernen und bewusster gestalten. Auch in diesem Lehrbuch von Bruce Barnbaum wird kaum auf technische Details der Kamera selbst eingegangen: Viel mehr gilt es, sich mit der eigenen Kreativität auseinander zu setzen, um das zu trainieren, welches das Wichtigste für eine gute Abbildung ist: Das Sehen und Beobachten. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Mit dieser kleinen analogen Sucherkamera ist es durchaus möglich auch die Schärfentiefe zu bestimmen. Dies ist mir wichtig, denn ich fotografiere viel Landschaften und da benötige ich oftmals eine hohe Schärfentiefe. Doch auch in der sogenannten Street Fotografie spielt dies eine Rolle: Hier legt man sich die Schärfentiefe fest (z. B. von 2 Meter bis 8 Meter) und schießt aus dem Handgelenk heraus. Denn man hat bei spontanen Streets für den Decisive Moment (H. Cartier-Bresson) freilich keine Zeit, zunächst per Auge zu fokussieren.

Fokussieren mit Mischbild

Natürlich kann man mit der Agfa-Selectronic S Sensor auch punktuell scharf stellen! Man fokussiert hier anhand des integrierten Messsuchers. Auf dem obigen Bild sehen Sie eine grafische Simulation, wie so etwas bei meiner Immer dabei Kamera funktioniert: Zwei Doppelbilder müssen sich exakt überlappen, dann stimmt der Fokus. Weiterhin befindet sich im Sucher ein Zeiger, der die derzeitig gemessene bzw. genutzte Belichtungszeit anzeigt sowie die eingestellte Blende.

Obereite der immerdabei Kamera

Hier sehen Sie die Oberseite dieser Kamera. Charakteristisch für das alte Agfa-Design ist der rote Punkt bzw. Knopf. Mir waren die auf dem Objektiv angegebenen Werte für das Scharfstellen nach dem „Zonenfokus“ (Schärfentiefe einstellen) nicht „konservativ“ genug und ich überklebte diese mit eigenen Werten aus einem Schärfentiefe-Rechner.

Das Objektiv

Das Objektiv dieser kompakten analogen Kamera ist ein vierlinsiges und natürlich vergütetes „Solinar“ nach dem berühmten Tessar-Prinzip mit der Brennweite von 45 mm und einer Lichtstärke von 1:2.8. Manche Modelle der Agfa Selectronic wurden seinerzeit auch mit dem einfacheren „Apotar“ ausgeliefert. Diese sind gebraucht günstiger. Aber bei einem Preis von derzeit ca. 30 Euro per Ebay sollte man zu der Version mit dem sehr scharfen Solinar greifen. Zudem besitzen die Versionen mit dem einfacheren Apotar-Objektiv offenbar gar keinen Messsucher.

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elektronische Belichtungssteuerung

Die Belichtung erfolgt elektronisch. Daher sind zwei Batterien nötig. Hierbei handelt es sich jedoch um die berüchtigten Quecksilber-Knopfbatterien (je 1,35 Volt), die es heute nicht mehr frei zu kaufen gibt. Aber: Ich nutze einfach zwei normale 1,5 V Batterien und das funktioniert genau so gut.

Die Belichtungszeiten werden – je nach Lichtverhältnis – elektronisch von 1/500 Sekunde bis hin zu ca. 20 Sekunden gesteuert. Somit kann man mit dieser Kamera auch Nachtaufnahmen anfertigen. Denn die Agfa Selectronic besitzt zum einen ein Stativanschluss und zudem einen Anschluss für einen Drahtauslöser. Sie ist also weit mehr als eine kleine Knipse!

Sonstige Besonderheiten

*Absolut Analog ist ein modernes Fachbuch, welches den Leser an die Hand nimmt und ihn durch den kompletten "Workflow" der analogen Fotografie begleitet: Von der korrekten Aufnahme über die Negativentwicklung bis hin zum individuellen Scan und Ausdruck. Das Thema Positivlabor wird hier jedoch nur angerissen. Dafür wird der digitalen Weiterverarbeitung ("hybrid") mehr Raum gewidmet. Auf Amazon kann man auch in dieses Buch einen Blick werfen.

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Sucherkamera mit Gelbfilter

Ich besitze zudem noch einen passenden Gelbfilter und eine Sonnenblende. Diese Gegenlichtblende ist jedoch nicht unbedingt erforderlich, da die Frontlinse des Objektives ein gutes Stück „versenkt“ eingelassen ist: Das Objektiv besitzt also sozusagen eine eingebaute Sonnenblende. Der Fotoapparat kommt normalerweise auch in einer schönen Kameratasche, die gleichfalls kompakt ist. Die Agfa Selectronic S Sensor besitzt kein Filtergewinde: Es müssen Steckfilter (32 mm) verwendet werden. Auf dem Bild sehen Sie auch noch einen Handabzug bzw. ein Foto mit dieser Agfa Sucherkamera gemacht. Die optische Qualität ist, etwas abgeblendet, genau so gut wie bei einer größeren und schwereren Spiegelreflexkamera mit hochwertigem Objektiv.

die Agfa Selectronic S Kamera

Mehrere Agfa Selectronic S Sensor Kameras

Rückseite der Kompaktkamera

Hier sehen Sie einmal die Rückseite dieser kompakten analogen Immerdabei-Kamera. Der Kleinbildfilm wird einfach in die rechte Vertiefung gelegt und dessen Lasche in einen Schlitz links eingesteckt. Unter dieser Abdeckung (die man hoch klappen kann) sitzen eine Walze und Zahnräder, die den Film sicher transportieren. Was man auf dem Foto nicht sehen kann: Neben dem Objektiv bzw. neben dessen Rücklinse sitzen vier blanke Schrauben. Diese hatte ich mit winzigen Schnipseln aus mattem schwarzem Papier überklebt, damit es im Innern der Kamera nicht zu ungewollten Lichtreflexionen kommt.

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Der Spannhebel, das ist das Besondere an dieser kleinen analogen Kamera, sitzt unterhalb des Gehäuses. Diese Konstruktion wurde wohl so zugunsten der geringen Maße arrangiert. Auch das Bildzählwerk befindet sich am Boden der Agfa Selectronic S Sensor. Es gibt keine Kurbel zum zurückspulen des Films: Stattdessen muss nach der letzten Belichtung ein Hebel umgelegt werden. Dann dient nämlich der Spannhebel zum Zurückspulen.
Weiterhin besitzt die Kamera eine Testfunktion für die Batterien und einen Selbstauslöser. Bei allen meiner bisherigen Agfa-Selectronic-Kameras war jener Vorlauf allerdings defekt bzw. zeigte keine Wirkung.
Natürlich lässt sich auch ein Blitz anschließen / aufstecken, und zwar mittels „Hot Shoe“. Hierbei wird ein kleiner Schalter betätigt, der die Belichtungszeit fest auf den Wert 1/60 Sekunde einstellt (beim Blitzen mit der analogen Kamera ist die Belichtungszeit für das angeblitzte Motiv nicht relevant, sondern nur die Blende).

Bildbeispiele

Wie gesagt: Die Selectronic S ist eine sehr zu empfehlene kompakte analoge Immerdabei-Kamera für höhere Ansprüche. Ihr Objektiv (das Solinar) ist von sehr guter Qualität. Die Belichtungsmessung ist in Ordnung, jedoch technisch recht simpel. Ich messe zur Belichtungsmessung oft den Boden an und nutze die ISO-Einstellung als Belichtungskorrektur. Daher hatte ich den ASA-Kalibrierknopf etwas modifiziert, damit ich ihn besser (ohne Münzstück) bedienen kann. In diesem Artikel erkläre ich genauer, wie man mit so einer analogen Kamera „richtig“ belichtet. Anhand von qualitativ hochwertigen Bildbeispielen sehen Sie, dass diese doch recht wenig populäre Kamera ein kleiner Schatz ist, den ich – ob der kompakten Maße – öfter mal einfach nur so in der Tasche bei mir führen kann:

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kompakte Mittelformatkamera

Wenn Sie ich auch für eine kompakte Mittelformat-Ausrüstung interessieren, empfehle ich diesen Artikel.

Die Beispielbilder lassen sich per Mausklick noch vergrößern. Es handelt sich um Scans von eigenen Handabzügen aus dem S/W-Labor mit entsprechenden Bearbeitungen (Nachbelichten / Abwedeln, Gradationssplit). Alle Bilder sind auf Agfa APX 100 entstanden und wurden entweder in Kodak Xtol oder D76 entwickelt (1+1-Einmalansatz). Wie man anhand der Bilder sieht, muss es freilich keine Leica sein, um qualitativ hochwertige Fotografien anfertigen zu können (wenn noch einmal das Prinzip Kleinbild-Messsucherkamera angesprochen werden soll). Das Solinar der Selectronic bildet ebenfalls sehr scharf ab. Hatte ich oben etwas von „Street“ geschrieben, ist diese kleine analoge Kamera natürlich auch geeignet, sie auf Ausflügen ins Grüne mitzunehmen. Dies ist dann eher mein Sujet. Einen größeren Fotoapparat habe ich da selten spontan zur Hand.

Die Agfa-Kamera taucht manchmal bei Ebay auf. Bei vielen Modellen ist das „Getriebe“ zum Bildtransport verharzt, was sich aber relativ einfach durch Öffnen der Bodenplatte bzw. durch ein etwas rabiateres Bewegen der Mechanik darunter beheben lässt. Weiterhin sollte man eher nicht die günstigere Version mit dem „Apotar“ als Objektiv und ohne Messsucher wählen, solange die Versionen mit dem Solinar noch recht günstig erhältlich sind.

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Artikeldatum: 5.03.2017 / letzte Änderung: 14. Juni 2017

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5 Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.