Informationsseite über die analoge Fotografie mit vielen Hinweisen und Tipps

springen Sie zum Inhaltsverzeichnis

Welche Analogkamera wo kaufen? Tipps für alte, gebrauchte Kameras


Wie Sie vielleicht anhand dieser Internetseite bzw. anderen Medien sehen: Die analoge Fotografie erlebt derzeit augenscheinlich ein kleines Hoch. Dummerweise werden analoge Kameras fast gar nicht mehr hergestellt. Glücklicherweise existiert jedoch ein stabiler Gebrauchtmarkt mit soliden, funktionsfähigen mechanischen alten Fotoapparaten. Wo kaufe ich als Anfänger eine gute Analog-Kamera und welche?

Werbung

*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
Positives Signal: Jobo bringt neuen Filmprozessor CPE3 herausweitere relevante Artikel ▼

Die gute Nachricht zuerst: Gibt es denn heute überhaupt noch Filme zu kaufen? Aber ja – Es gibt bereits im deutschsprachigen Internet mehrere Shops, wo man die gesamte „Software“ für die analoge Fotografie kaufen kann. Ein kleine Filmauswahl (Farbe und ggf. Schwarz-Weiß) gibt es vor Ort auch in Drogeriemärkten wie Müller, DM oder Rossmann. Auch Fotopapier und -Chemie (zum daheim selbst entwickeln), Leuchttische, Pflegesets und allerlei anderes Zubehör ist weiterhin auf dem Markt – freilich nicht mehr so reichhaltig und günstig wie früher, aber immerhin vorhanden. Dieses Zubehör erhält man jedoch primär über den Internethandel.

Zunächst benötigt man aber natürlich eine analoge Kamera. Und diese Fotoapparate werden kaum noch hergestellt. Da gibt es natürlich die billigen Einwegkameras und die teuren „Lomo-Kameras„. Lomography stellt zudem noch einige hochwertigere analoge Fotoapparate her. Diese sind jedoch noch teurer, die Qualität ist sicherlich geringer als die der alten „Originale“. Einige Manufakturen stellen Spezialkameras her – zumeist Großformatkameras oder Fotoapparate für das Belichten in Übergrößen (Panorama). Derlei Geräte sollten für jemanden, der einfach nur einmal in die analoge Fotografie hinein schnuppern möchte, eher ungeeignet sein. Obgleich sie natürlich den Vorteil bieten, dass an ihnen – da sie neu sind – auch noch alles funktioniert. Meine Empfehlung jedoch:

Kaufen Sie sich eine der vielen günstigen analogen Spiegelreflexkameras

analoge spiegelreflexkamera

*Feiningers Grosse Fotolehre ist eines der bekanntesten Lehrbücher für die Fotografie und erscheint nun in der Neuausgabe. Die Fotolehre kann als das Standardwerk der analogen Fotografie angesehen werden. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

Anzeige

Dieser Kameratyp (die einäugige „echte“ Spiegelreflexkamera) hatte bis zur letzten Jahrtausendwende ziemlich viel Geld gekostet, auch gebraucht. In den 90ern fotografierte man hauptsächlich mit Kompaktkameras, die heute allerdings kaum noch jemand haben möchte. Die meisten dieser alten Spiegelreflexkameras sind heute jedoch z. B. per Ebay ziemlich günstig. Und: Seinerzeit (in den 1970er und 1980er Jahren) wurden solche Geräte noch nicht mit „geplanter Obsoleszenz“ (also ohne eingebauter Selbstzerstörung) gebaut. Stattdessen kauft man hier mehr Metall als Plastik und relativ simpel aufgebaute (mechanische) Technik, die durch eine ordentliche Kamerawerkstatt gut zu warten- bzw. zu reparieren ist.

Einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkameras sind alle gleich aufgebaut. Die Bildqualität hängt letztendlich nur vom verwendeten Film und Objektiv ab. Die Kamera selbst ist ein lichtdichter „Filmhalter“, welcher für einen gewissen Moment (die Belichtungszeit) den eingelegten Film belichtet.

eie Praktica Kamera

Sie können sich also für ein Taschengeld solch eine alte, gebrauchte Praktica-Kamera aus ostdeutscher Produktion kaufen oder…

eine Nikon FE2

für das Mehrfache japanische Feinmechanik in Form einer z. B. Nikon FE2 oder F3: Die Bilder werden gleich gut aussehen, da die Original-Objektive (z. B. Nikkor oder Zeiss) von hervorragender Qualität sind. Weiterhin gibt es noch viele, viele andere Hersteller, die gleiche sehr gute Systeme anbieten (Pentax, Cosina, Leica, Olympus, Canon, Yashica usw.). Natürlich spielt für viele Freunde der Analogfotografie auch ein gewisser Fetisch und eine Technikbegeisterung eine Rolle, wie Sie im Artikel → Warum analog fotografieren nachlesen können. Für das Anfertigen hochwertiger Fotos auf Film reicht jedoch bereits eine einfache, solide Grundausstattung:

Werbung

sw-foto

Ein typisches analoges S/W-Foto (Scan vom Handabzug aus der eigenen Dunkelkammer).

Die Spiegelreflexkamera selbst hält lediglich den eingelegten Film im dunklen Gehäuse plan. Nur die Qualität des Suchers, die Art der internen Belichtungsmessung, die Haptik und das Design natürlich sind für die Preisunterschiede verantwortlich. Weitere Dinge wie eine TTL-Blitz-Automatik, die „Schnelligkeit“ des Verschlusses (Belichten / Blitzen bei sehr kurzen bzw. langen Zeiten), eine Spiegelvorauslösung oder die Möglichkeit einen „Winder“ (einen Motor) anzuschließen rechtfertigen die Wahl unter den vielen, vielen unterschiedlichen einäugigen analogen Spiegelreflexkameras. Zudem gibt es für manche Systeme passende Spezialobjektive (Shift, Fisheye, „Supertele“). Für einen Anfänger auf dem Gebiet der filmbasierten Fotografie dürften diese Punkte eher wenig relevant sein: Für 30 Euro bekommt man bereits gebraucht (von Privat) eine einfache, robuste analoge Spiegelreflexkamera mit manuellen Einstellungen und 50mm-Objektiv (die „Normalbrennweite“ im analogen Kleinbildformat). Im Drogeriemarkt kann man seinen ersten Film kaufen und dann sofort loslegen.

eine Kleinbildkamera

Die analoge Kleinbildkamera nach dem Spiegelreflex-Prinzip ist der Allrounder schlechthin, sehr robust verarbeitet und viele Jahrzehnte lang – bei sachgemäßen Gebrauch – fast wartungsfrei nutzbar. Es gibt hier teure Modelle (z. B. die Nikon F3) und viel günstigere auf dem Gebrauchtmarkt. Fast alle besitzen einen integrierten Belichtungsmesser, bei welchem die Belichtung ganz automatisch reguliert wird oder manuell nach Ablesen eingestellt werden muss.

Foto mit einer analogen Spiegelreflexkamera

Eine Fotografie, die mit solch einer einfachen analogen und manuellen Spiegelreflexkamera gemacht worden ist (zusätzlich wurde noch ein optionaler Aufsteckblitz genutzt).

Zudem sind diese alten SLR-Kameras fast alle völlig manuell (z. B. für Langzeit- bzw. Nachtaufnahmen) nutzbar und durch ihren simplen Aufbau (keine Displays, keine Menüfunktionen, keine Motivprogramme) hervorragend für die Didaktik bzw. das „Verstehen“ manueller Fotografie geeignet. Dies liegt auch insbesondere daran, da bei diesen Modellen die fotografische Blende stets dort eingestellt werden muss, wo sie sitzt: am Objektiv. Von diesen gibt es für die vielen Kamerasysteme eine Vielzahl – vom Superweitwinkel, über die (günstige) Normalbrennweite bis hin zum Tele- und natürlich Zoomobjektiv. Kauft man sich solch eine Analogkamera, ist man für die meisten Bildsituationen gewappnet. Der einzige Nachteil sind eben die relativ großen Maße bzw. das (durch viel Metall) hohe Gewicht. Daher gibt es auch einige andere analoge Kameras:

Die Mess-Sucherkamera

Der Autor verwendet weiterhin auch sehr gerne eine sogenannte Messsucherkamera:

eine Messsucherkamera Typ WerraFotografie einer Sucherkamera

Dies sind ebenfalls hochwertige analoge Kameras – jedoch zumeist sehr kompakt und leicht gebaut. Ihr Nachteil: Selten lassen sich hier die Objektive tauschen. Auch ist man hier oft von Belichtungsautomatiken abhängig bzw. kann nur bedingt händisch in den Prozess eingreifen – Eine rein manuelle Bedienung ist bei diesen Kompaktkameras selten vom Hersteller berücksichtigt.

Hier sehen Sie die Bilder einer „Werra“ sowie einer „Agfa Selectronic S„. Andere, bekannte, Vertreter dieses Kameratyps sind z. B. die Revue 400 S, die Canonet, die „Olympus XA“ oder die „Yashica Electro 35“. Sehr beliebt ist auch die „Rollei 35“, obwohl sie nur eine „Sucherkamera“ ist, da man hier kein zweites Fensterchen zum Fokussieren besitzt (die Entfernung muss zum Scharfstellen geschätzt werden).

Foto einer Kompaktkamera

Eine Fotografie, die mit solch einer analogen Kompaktkamera gemacht wurde. Die besseren dieser Geräte besitzen (meist fest eingebaute) sehr gute Objektive, sodass sie sich in puncto Bildqualität nicht hinter ihren großen Schwestern, den Spiegelreflexkameras, verstecken müssen.

Die bekannteste Mess-Sucherkamera ist natürlich die Leica. Diese ist jedoch schon wieder recht groß ausgefallen (und nicht gerade günstig). Für eine schöne Übersicht an solchen Messsuchern sei auch diese Website empfohlen.

Die Point & Shoot Kameras

Eine dritte Gattung typischer analoger Kameras soll noch vorgestellt werden: Es ist die der sogenannten Point & Shoot Kameras. Sie waren in den 90er Jahren ungefähr das, was heute das Handy ist: „Idiotensicher“ im Umgang, schlecht in der Bildqualität (Obgleich: Die Technik ist ja heute bereits soweit, dass selbst Smartphones durchaus passable Fotos machen können, zumindest auf einem kleinen Display beurteilt).

Werbung

eine Point & Shoot Kamera

Von diesen Geräten gibt es heute eine Vielzahl auf dem Gebrauchtmarkt. Kein Wunder! Diese vollautomatischen Kleinbildkameras im Plastikmäntelchen waren seinerzeit die Kameras, die von den meisten Menschen genutzt wurden. Hier konnte man fast gar nichts einstellen. Man drückte lediglich auf’s Knöpfchen.

*Think Analog ist ein modernes deutschsprachiges Fachbuch, welches sich der analogen Fotografie heute widmet. Dieses Buch richtig sich speziell an Neueinsteiger, die gar nicht wissen, welches Potential die analoge Fotografie birgt und wie man sich mit ihr gekonnt von der Masse an digitalen Bildern anhebt. Auch in Think Analog kann man auf Amazon hinein schnuppern. Das Buch eignet sich ebenfalls sehr gut als Geschenk für Leute, die man neugierig auf die "analoge Welt" machen möchte.

Anzeige

eine Point & Shoot Kamera

Eine „Spaßfotografie“. Für derlei Dinge eignen sich die meisten dieser analogen Point & Shoot Kameras mit ihrem integrierten Blitzlicht durchaus – für mehr leider nicht.

Die verbauten Objektive sind hier von zumeist eher schlechter Qualität. Einige dieser Apparate besitzen ein Zoom-Objektiv. Viele haben eine Festbrennweite. Hier muss man zum Fotografieren gar nichts machen: Der Film wird eingelegt und mittels Motor transportiert. Die jeweilige Filmempfindlichkeit wird via „DX-Code“ automatisch ausgelesen, die Belichtung wird mittels Sensor gemessen, die Entfernung zum Motiv wird ebenfalls mittels (Infrarot-) Sensor gemessen bzw. daraufhin die Schärfe eingestellt. Ist es zu dunkel, wird automatisch ein interner Blitz mitgezündet.

Mit diesen Point & Shoot Kameras wurden all die Fotos gemacht, die man aus den 90er Jahren des letzten Jahrtausends kennt: Mit ihrer Weichheit, den roten Augen, den angeblitzten Gesichtern, den kleinen Drogeriemarkt-Abzügen, dem einbelichteten Datum.

Doch einige Fotofreunde suchen wieder genau diesen Look. Sie nennen ihn „Charme“ und greifen dann bewusst zu derlei Kameras, die auf dem Gebrauchtmarkt fast kostenlos zu haben sind. Einen großen Vorteil besitzen sie für Anfänger: Man kann hier eigentlich gar nichts in der Bedienung falsch machen (im Gegensatz zu den eingangs vorgestellten analogen Spiegelreflexkameras).

Fotografieren mit der analogen Kompaktkamera

In den 1990er Jahren fotografierte man hauptsächlich mit solchen Taschenrutschern mit ihren integrierten Miniblitzen und den simplen (Zoom-) Objektiven. Man muss hier nur auf’s Knöpfchen drücken. Mehr bleibt einem bei diesem Kameratyp auch kaum übrig. Im Publikum jedes Boygroup-Konzertes war er weiland mannigfaltig vertreten. Diese analogen Point & Shoot Kameras waren seinerzeit das, was heute das Handy / Smartphone als Kamera darstellt.

Es gibt auch einige Edelmodelle dieser Point & Shoot Kameras. Diese besitzen – ausnahmsweise – durchaus sehr gute Objektive. Zu nennen sind hier unbedingt die T-Modelle von Yashica (Yashica T2, T3, T4, T5) sowie die Contax mit dem fest verbauten Zeiss-Tessar- bzw. Sonnar-Objektiv. Durch solch eine Linse (die bei SLR-Kameras und vielen Messsuchern nicht selten Standard sind) gelingen dann tatsächlich knackscharfe Aufnahmen ohne Vignettierung und Verzerrungen – im hierbei gewohnten „Autopiloten“ eines solchen Taschenrutschers. Der Modefotograf Terry Richardson ist beispielsweise mit seinen Aufnahmen durch solch eine (damals) Amateurkamera berühmt geworden (hier ein Link zu mehr Informationen dazu). Auch der Fotograf Tobias Zielony nutzte eine der besseren solcher analogen Kompaktkameras für die Fotoserien, mit denen er bekannt geworden ist. Ihr Vorteil: Nicht groß nachdenken, nichts einstellen müssen – einfach abdrücken.

(Zielony hatte sich natürlich etwas bei seinen Fotografien gedacht, so war das nicht gemeint.)

Wo kaufen?

Ja, und wo kann man heute noch analoge Kameras kaufen? Gebrauchte Kameras kauft man natürlich am günstigsten über die richtige Ebay-Kategorie. Doch Obacht! Das vermeintliche Schnäppchen kann sich schnell als nicht funktionierender Fehlkauf herausstellen, bei dem man dann teures Geld für eine Reparatur bzw. Wartung ausgeben muss. Lesen Sie hierzu auch meinen Artikel → Was ist beim Gebrauchtkauf bei Ebay zu beachten?

Bei professionellen Händlern (auch bei Ebay) hat man zumindest ein Rückgaberecht. Es gibt jedoch auch einige Händler, die alte Kameras inspizieren, warten, reinigen und als voll funktionstüchtig offerieren. Hier kauft man dann freilich nicht mehr die Katze im Sack, muss aber etwas mehr Geld ausgeben.

In größeren Städten gibt es sie bisweilen noch: Die Fotohändler, die weiterhin ein ganzes Schaufenster mit analogen Kameras ausfüllen. Leider werden sie immer weniger. Ich weiß nicht, wie es heute ist, vor einigen Jahren waren dort die Preise aber zumeist recht hoch und gefühlt etwas ungerechtfertigt (wenn man die Marktpreise via Ebay vergleicht). Genau so wird es wohl bei den sogenannten Fotobörsen sein, die hin und wieder veranstaltet werden.

Glücklicherweise gibt es jedoch einige Anbieter, die alte, gebrauchte analoge Kameras gewartet und einsatzbereit (Teils im Set mit einem oder mehreren Objektiv(en) oder weiterem Zubehör) verkaufen. Einige davon sind zum Beispiel:

Wer mehr davon kennt, kann dies gerne mittels der Kommentarfunktion mitteilen.

Kurzum

Es gibt viele Shops, die dem interessierten „Analogfotografen“ mit frischer Ware versorgen. Damit sind hauptsächlich Filme und das viele Zubehör gemeint. Analoge Kameras jedoch werden kaum noch gebaut. Hier muss man auf gebrauchte Fotoapparate setzen, wenn man mit Film fotografieren möchte. Viele dieser Geräte sind gebraucht noch in hoher Stückzahl verfügbar – zu teils sehr niedrigen Preisen. Es muss hier wahrlich nicht das „Top-Modell“ sein. Günstigere Kameras machen nicht selten die selben, guten Bilder. Zum Reinschnuppern in die analoge Fotografie ist hier also viel Raum zu günstigen Preisen geboten. Jedoch sollte man sicher gehen können, dass die Kameras auch noch korrekt funktionieren. Es empfiehlt sich durchaus, dass man etwas mehr Geld in die Hand nimmt, um sich bei einem Fachhändler eine funktionierende Kamera für Film zu besorgen. Ich selbst hatte jedoch auch per Ebay zumeist Glück.

diesem Beitrag zugeordnete Stichworte:

Werbung

Artikeldatum: 17.09.2018 / letzte Änderung: 29. September 2018

Relevante Artikel auf Analoge-Fotografie.net


leider noch keine Anmerkungen

Haben Sie / hast Du Fragen, Anmerkungen, Kritik zu diesem Beitrag?



Der Autor dieser Seiten ist Thomas.
Mit dem Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung dieser Internetseite.